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Unkündbar!

Die Zeiten sind schlecht, der Arbeitsmarkt lau, Kündigungen an der Tagesordnung. Da macht es durchaus Sinn, darüber nachzudenken, wie man sich unentbehrlich macht an seinem Arbeitsplatz. Eine Reihe von Tricks, Strategien und Anleitungen gibt Susanne Reinker in ihrem Buch ?Unkündbar!?.
Die Zeiten sind schlecht, der Arbeitsmarkt lau, Kündigungen an der Tagesordnung. Da macht es durchaus Sinn, darüber nachzudenken, wie man sich unentbehrlich macht an seinem Arbeitsplatz. Eine Reihe von Tricks, Strategien und Anleitungen gibt Susanne Reinker in ihrem Buch ?Unkündbar!? Wie Sie sich für Ihren Chef unentbehrlich machen?.Alle Grundtugenden, die es braucht, um im Job Eindruck zu schinden, führt Susanne Reinker auf: In den insgesamt elf Kapiteln geht es soziale Kompetenz, Benimmregeln, Organisation & Zeitmanagement und angemessene Kommunikation. Ein Blick ins Arbeitsrecht rundet den Ratgeber ab.

Die besten Jobs von allen

Wer Tipps zur Anbiederung beim Chef vermutet ? wie im Untertitel angedeutet ? liegt richtig: In erster Linie geht es darum, IHM zu gefallen, denn schließlich entscheidet in erster Linie der Vorgesetzte, ob ein Mitarbeiter entbehrlich ist. Trotzdem hinterlassen Anbiederungsversuche beim Chef einen schalen Nachgeschmack und können zum Eigentor werden, wenn man bei den Kollegen als Schleimer verachtet wird. Über dieses Dilemma ist sich die Autorin bewusst und rät daher, es mit dem Anbiedern nicht zu übertreiben ? mitunter ist es aber eine schmale Gratwanderung zwischen zu viel und zu wenig. Ist es beispielsweise wirklich sinnvoll, den Vorgesetzen mit Kopien von eMails und Briefen sowie Telefonnotizen zu versorgen? Das Spötteln der Kollegen ist garantiert.Das Büchlein beginnt mit einem ?Grundkurs Chefkunde? ? welche Typen von Chefs gibt es? Nur wer sich über die Stärken und Schwächen seines Vorgesetzen im klaren ist, kann sich angemessen verhalten. Susanne Reinker rät, sich auf die Macken des Chefs einzustellen und diese zu akzeptieren. Unabdingbar für ein angemessenes Verhalten ist es ihrer Meinung nach, seinen Chef genau zu beobachten und so herauszufinden, wer er ist und was er will; ebenso wichtig ist es, über die eigenen Schwächen Bescheid zu wissen, damit man gezielt gegensteuern kann.Realitätsnahe und brauchbare Ratschläge gibt es für die Probezeit: Die Autorin warnt davor, sich den neuen Aufgaben mit jugendlicher Arroganz zu nähern ? gerade bei Hochschulabsolventen eine sehr verbreitete Einstellung ? und die Kollegen zu verprellen, weil man a) alles besser weiß oder b) Routinearbeiten - da man sich zu höherem berufen fühlt - so gelangweilt erledigt, dass sich peinlich viele Fehler einschleichen.Man kann gar nicht oft genug betonen, wie wichtig es ist, sich den kleinen Ritualen des Arbeitsalltags anzupassen ? wer kennt sie nicht, die unangenehmen Zeitgenossen, die blind sind für die Gepflogenheiten in ihrer Umgebung und sich dadurch schnell Feinde schaffen? Susanne Reinker macht klar: Eine wichtige Tugend, um beim Chef, bei den Kollegen und übrigens auch im Privatleben gut anzukommen, ist Einfühlsamkeit. Sie schützt vor allzu unangenehmen Ausfällen. Ethisch angreifbarer ist der Rat, sich den Launen des Chefs anzupassen. Kann man das mit seiner Persönlichkeit und seinem Stolz vereinbaren? Vernünftig ist es sicher, seinen Chef zu analysieren und zu erfahren, wie er sich den optimalen Mitarbeiter vorstellt ? inwieweit man dann auch entsprechend handelt, lässt sich ja immer noch entscheiden.Das Angenehme an diesem Karriere-Ratgeber: Die Autorin beschönigt nicht die Ungerechtigkeiten des Arbeitsalltags. Fair ist es nicht, dass ich als Mitarbeiter mir den Kopf zerbrechen muss, wie ich auch mit schlechten Chefs klarkomme ? da mein Chef mich aber im Zweifelsfall ganz schnell loswerden kann, empfiehlt sich ein gewisses Maß an Pragmatismus. Auch sonst lässt sich das Buch empfehlen: Die Autorin kommt schnell auf den Punkt, schreibt unterhaltend und realitätsnah ? eine anregende Lektüre ist garantiert.Susanne Reinker: Unkündbar! Wie Sie sich für Ihren Chef unentbehrlich machen.
BW Bildung und Wissen, 134 Seiten, 12,80 Euro
Dieser Artikel ist erschienen am 17.05.2005