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Universitäten binden E-Learning an altmodisches Büffeln

Von Monica von Wysocki, Handelsblatt
Auf der weltgrößten Computermesse Cebit dreht sich an diesem Tag zumindest in Halle 17 alles um das Thema ?Blended Learning?. Das heißt übersetzt das ?gemischtes Lernen? ? verknüpft das traditionelle Büffeln im Klassenzimmer mit E-Learning.
HB HANNOVER.Blended Learning ? übersetzt heißt das ?gemischtes Lernen? ? verknüpft das traditionelle Büffeln im Klassenzimmer mit E-Learning. Entwickelt hat sich diese Form nach den enttäuschenden Erfahrungen mit dem E-Learning in den vergangenen Jahren. So versprach das Pauken mittels Internet und Computer Mitte der 90er Jahre zwar, die Welt des Lernens zu revolutionieren. Vereinzelt geisterte sogar die Forderung durch die Bildungslandschaft, die Klassenzimmer abzuschaffen und das E-Learning als einzige Lernmethode zu verankern.Doch dem Boom folgte Anfang 2 000 die Ernüchterung: Der Lernerfolg erfüllte nicht die Erwartungen. Technologisch rüsteten die Unternehmen zwar die Computer auf, die Didaktik der E-Learning-Programme blieb aber auf der Strecke. Häufig wurden die Übungen ohne Lernanleitungen ins Internet gestellt. Die E-Learner waren sich selbst überlassen. Das Ergebnis waren viele unmotivierte Studenten sowie müde und entnervte Mitarbeiter, die sich in ihrer Freizeit weiterbilden wollten. Schließlich überwog die Frustration.

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Norbert Kania, E-Learning-Experte des niedersächsischen Innenministeriums, fordert deshalb: ?Wir dürfen die Lernenden bei der Einführung von E-Learning nicht alleine lassen, wenn es ein fester Bestandteil des Lernens werden soll.??Die Mischung macht?s?, sagt auch Hans Kaminski, Professor an der Universität Oldenburg. ?Blended Learning ist motivierender als ein Studium am Computer im stillen Kämmerchen?, sagt der Bildungsexperte. Der Lernerfolg sei daher viel größer als beim reinen E-Learning.Zu dieser Erkenntnis sind inzwischen auch andere Universitäten gekommen. Eine wachsende Zahl bietet daher inzwischen Blended Learning an. Das zeigt eine Studie des Multimedia Kontors Hamburg zum Thema E-Learning an deutschen Hochschulen. Von 95 befragten Hochschulen setzen inzwischen 90 Prozent Computer in den Seminaren ein. Reine Online-Studiengänge bieten 22 Universitäten an, und Blended Learning nutzen bereits 40 Hochschulen.Dass derartige Studiengänge durchaus ihre Vorteile haben, zeigt der Bachelor-Studiengang ?Ökonomische Bildung? an der Universität Oldenburg. Die Studenten besuchen rund 40 Prozent der Seminare virtuell am Computer. Der Rest sind traditionelle Präsenzveranstaltungen an der Hochschule. Zudem finden die Studenten auf der Lernplattform ?Ökonomische Bildung? die aktuellen Seminarunterlagen und Literaturverzeichnisse in digitalisierter Form und können durch interaktive Selbsttests ihren Wissenstand genau überprüfen.Zusätzlich können sie in eigenen Chaträumen mit ihren Kommilitonen Probleme diskutieren. Und auch der Kontakt zu den Professoren, die ihre Aufgaben direkt ins Internet stellen, wird gewahrt. Die Studenten, die stets von so genannten Online-Tutoren betreut werden, schicken den Dozenten ihre Lösungsvorschläge per E-Mail. In den Präsenzphasen lernen die Studenten nach dem klassischen Prinzip: von Angesicht zu Angesicht.
Dieser Artikel ist erschienen am 18.03.2005