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Universität Witten-Herdecke vor dem Konkurs?

Steht die Universität Witten-Herdecke, Deutschlands Pionier-Privathochschule, vor dem Zusammenbruch? Diese Frage beschäftigt seit einigen Tagen Insider der Hochschulszene, nachdem der amtierende Uni-Präsident Konrad Schily - gewollt oder ungewollt - mit düsteren Äußerungen Anlass zu den wildesten Spekulationen gegeben hat.
Finanzielle Probleme sind für die Anfang der 80er Jahre begründete Hochschule keine Neuigkeit. Als private Einrichtung - geführt als gemeinnützige GmbH - ist Witten-Herdecke von der Spendenbereitschaft von Unternehmen und anderer Wohltäter abhängig. "Wir leben von geschenktem Geld, und das ist in einer Zeit, in der es allen schlecht geht, nicht leicht zu kriegen", sagt Schily. So gilt es als offenes Geheimnis, dass die Universität schon einmal untergegangen wäre, hätte sich das Land Nordrhein-Westfalen nicht bereit gefunden, die private Gründung finanziell zu unterstützen.
Für das Geschäftsjahr 2001/2002 (Ende: 30.9.) weist die Bilanz Einnahmen in Höhe von 27,9 Millionen Euro aus, davon 32% durch Spenden, Stiftungen (u.a. Bertelsmann) und Sponsoren, 17% durch Landesförderung und 16% Erlöse der Zahnklinik. Nur 7% bringen Studiengebühren

In der deutschen Hochschullandschaft ist Witten-Herdecke als eine der ersten privatwirtschaftlichen Universitäten zugleich Pionier als auch Außenseiter. Denn anders als die privaten Konkurrenten wie WHU (Koblenz) oder ebs (Oestrich-Winkel), die reine Wirtschaftshochschulen für die Managementausbildung sind, bietet Witten-Herdecke neben den Wirtschaftswissenschaften auch die teueren Fachbereiche Humanmedizin, Zahnmedizin und Biochemie. Zudem versteht sich die anthroposophisch inspirierte Universität auch wegen ihres ganzheitlichen Ansatzes als Modell. So ist Herzstück des Ausbildung der etwa 1100 Studierenden das fächerübergreifende Studium fundamentale.
Dabei hat sich die Hochschule in ihrer zwanzigjährigen Geschichte einen guten Ruf erwerben können, auch in der Hochschulszene. Die Universität hat das Promotions- und Habilitationsrecht und die wissenschaftliche Anerkennung auch durch den Wissenschaftsrat

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Von Handelsblatt JUNGE KARRIERE mit den Gerüchten über einen drohenden Konkurs konfrontiert, leugnet der amtierende Hochschulpräsident Konrad Schily, der die Universität Anfang der 80er Jahre gründete und wieder einspringen musste, als der Schweizer Walther Zimmerli im Sommer letzten Jahres sehr überraschend das Handtuch warf, die Probleme nicht: "Uns fehlen im laufenden Jahr eine Million Euro bei einem Gesamtetat von 28 Millionen." Existenzbedrohend sei das aber noch nicht: "Uns ist es schon mal besser gegangen, aber ein Konkurs steht keinesfalls bevor."
Schily räumt allerdings auch ein, dass sich über den Jahreshorizont hinaus Probleme ergeben werden, sollte sich die Situation nicht ändern: "Eng würde es, wenn uns die Million am Ende des Jahres immer noch fehlt."
Dann käme das Privatunternehmen ohne einschneidendere Maßnahmen nicht über die Runden. In einem internen Dokument, das Handelsblatt JUNGE KARRIERE zugespielt wurde, zitiert der Betriebsrat den Hochschulpräsidenten bereits mit der Ankündigung von "betriebsbedingten Kündigungen in erheblichem Umfang". Gegenüber dem Handelsblatt relativiert Schily: "Ich habe nur gesagt, dass wir betriebsbedingte Kündigungen dann nicht ausschließen können, wenn die Lage so bleibt, wie sie ist.

Zur Disposition zu stehen scheinen aber in jedem Fall zwei namentlich bekannte Lehrstühle (Benkert, Walger) bei den Wirtschaftswissenschaften. Hinter vorgehaltener Hand wird allerdings geflüstert, dass dies aber nur mittelbar mit der angespannten finanziellen Situation zu tun habe.
Auch Schily bestätigt die Annahme, dass es sich hier um eine strategische Neuausrichtungen handelt. "Die Wirtschaftsfakultät wird neue, internationale Bildungsangebote und Studiengänge starten." Und: "Um unabhängiger von Spenden zu werden, hat die Universität Witten/Herdecke bekonnen, Ihrer Aktivitäten in der Weiterbildug und der klinischen Forschung wesentlich auszubauen.

Schily, Bruder des amtierenden Bundesinnenministers Otto, sieht sich selbst allerdings nur noch als Präsidenten auf Zeit. Der Universitätsgründer musste im letzten Jahr als Retter in der Not einspringen, als Walter Zimmerli nach nur zweieinhalbjähriger Amtszeit Witten/Herdecke überraschend verließ, um mit viel Geld ausgestattet die Wolfsburger AutoUni, die corporate university des Volkswagen-Konzerns, aufzubauen.
Ein Nachfolger wird gesucht. Doch der Geist der Hochschule soll um jeden Preis erhalten bleiben. "Unser Bildungsmodell ist mehr als ein Geschäftsmodell", unterstreicht der Hochschulgründer."
Dieser Artikel ist erschienen am 28.02.2003