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Uni top, Jobben flop

Roland Schweins
Ein abgedroschenes und dennoch gültiges Sprichwort besagt: "Andere Städte haben eine Universität - Marburg ist eine." Die Philipps-Universität ist bereits seit dem Jahre 1527 absoluter Mittelpunkt der im nördlichen Teil Hessens gelegenen Stadt. Jeder fünfte Bewohner Marburgs ist dort eingeschrieben.
Ein abgedroschenes und dennoch gültiges Sprichwort besagt: "Andere Städte haben eine Universität - Marburg ist eine." Die Philipps-Universität ist bereits seit dem Jahre 1527 absoluter Mittelpunkt der im nördlichen Teil Hessens gelegenen Stadt. Jeder fünfte Bewohner Marburgs ist dort eingeschrieben. Insgesamt 18.000 Studenten und 7.500 Mitarbeiter tummeln sich in Marburg, das heute zu den mittelgroßen deutschen Studi-Metropolen zählt.

Die größte Zahl an Erstsemestlern gibt es in den Fächern Jura (durchschnittlich 450) und Medizin (ca. 370 Studienanfänger).Weil Marburg eine solch lange Uni-Tradition besitzt, dominieren aber die geisteswissenschaftlichen Studiengänge. Die meisten Geisteswissenschaftler studieren in der stadtnahen philosophischen Fakultät - die sich wie überall in den Uni-Städten "Phil-Fak" schimpft. Wirtschaftswissenschaftler und Juristen haben ihre Vorlesungen im großen Hörsaalgebäude. Lediglich die Naturwissenschaftler und Mediziner fahren relativ weit, denn ihre Fakultäten liegen weiter draußen auf den Lahnbergen. Zum Troste gibt es für sie aber dort eine zweite, sehr moderne Mensa. Eine Übersicht über das vielfältige Fächerangebot gibt es auf der Homepage der Marburger Universität.

Beim ersten Besuch ist eines ganz wichtig: Festes Schuhwerk. Denn in Marburg gibt es nicht nur unglaublich steile Gassen, sondern meistens auch Kopfsteinpflaster. Und wer das erste von den unzähligen Gässchen auf dem Weg zur Oberstadt bezwungen hat, wird erstaunt feststellen, dass er auch einen der "Oberstadt-Aufzüge" hätte benutzen können. Weil Marburg im Krieg nicht zerstört wurde, gibt es hier einen Bestand an alten Gebäuden, der seinesgleichen sucht. So finden die großen Vorlesungen zwar in Hörsaal-Gebäuden statt, zu Seminaren geht man aber des öfteren ins "Landgrafen-Haus", ins "Alte Amtsgericht" oder in andere traditionsreiche und zugleich äußerst gemütliche Stätten. Auch zum Wohnen sind Altbauten bei den Studierenden sehr beliebt, besonders in der Oberstadt und im Südviertel.

Wohnungen sind relativ teuer

Bei der Wohnungssuche lohnt ein Blick in das Mittwochsblättchen MAZ oder den Marburger Express, der jeden Donnerstag in den Geschäften ausliegt. Wie an jeder Uni gibt's überall schwarze Bretter mit Wohnungsanzeigen. Besonders in der Mensa und in der Phil-Fak wird man fündig. WG-Zimmerchen am Stadtrand kann man schon ab 130 ? bekommen. Wer aber nicht in einen Schuhkarton mit Gemeinschaftsdusche ziehen möchte, sollte schon mit 250 ? Miete rechnen. Auf jeden Fall ist das Wohnen in Marburg relativ teuer.

Auf der Suche nach einem Wohnheimplatz hilft das Studentenwerk im obersten Geschoss der Mensa. Auch hier gibt es große Unterschiede. Ein Zimmer im Studentendorf ist lediglich 11 qm groß und der Flur wird von teils 15 Mitbewohnern genutzt. Etwas komfortabler sind zum Beispiel die Wohnheime "Forsthof" oder die Christian-Wolff-Häuser. Eine gute Beschreibung und auch die einzelnen Mietpreise liefern die Webseiten des Marburger Studentenwerks.

Kneipen, Kinos und Kultur Dass es in einer so ausgeprägten Uni-Stadt wie Marburg ein reges Studentenleben gibt, versteht sich von selbst. Gerade zu Semesterbeginn und -ende kann man sich vor Partys kaum retten. Begehrt ist zum Beispiel die Theologenparty in der alten Universität, die oft so überfüllt ist, dass der Termin nur per Mundpropaganda bekannt gegeben wird. An gemütlichen Kneipen mangelt es ebenso wenig. Wer abends in einer Gruppe von mehr als fünf Leuten loszieht, hat allerdings während des Semesters Probleme, überhaupt einen freien Tisch zu ergattern. Empfehlenswert und bekannt sind zum Beispiel das Café News, das Hinkelstein, das Café Barfuß, das Quodlibet (mit herrlichem Biergarten), der Irish Pub Molly Mallone's oder das Bistro Caveau.

Kinogänger können zwischen immerhin neun Kinos wählen. Es gibt ein Filmangebot von Mainstream-Streifen bis hin zu unbekannteren Produktionen. Disco-Fans haben es schon schwerer. Das "PAF" ist eher etwas für Mallorca-Fans. Im Kult - der größten Disco Marburgs - gibt öfter auch mal Veranstaltungen für Hartgesottene oder Schlagerfans. Allerdings: In beiden Läden tobt sich zugleich die ortsansässige Jugend aus - zum Leidwesen älterer Semester...

Einem echten Techno-Fan bleibt daher nichts anderes übrig, als sich in den Zug zu setzen und nach Frankfurt zu fahren. Das ist allerdings kein Problem, denn in ganz Hessen sorgt das Semesterticket für freie Fahrt.

Wer alledem nichts abgewinnen kann, dem bietet sich eine ausgeprägte Kulturszene. Marburg besitzt ein eigenes Stadttheater, ein Literaturcafé mit regelmäßigen Lesungen, veranstaltet Literaturtage und Kunstausstellungen. Mittelpunkt des alternativen Kulturlebens ist das Kommunikations- und Freizeitzentrum, kurz KFZ. Mit dem Jobben ist es schwierig

Gute Nebenjobs sind in Marburg Mangelware. Da es hier außer der Uni nicht viel gibt, bleibt einem eigentlich nur übrig zu kellnern oder in eine andere Stadt zu pendeln. Dafür sind die Lebenshaltungskosten im Vergleich zu Großstädten eher gering.

Wer sich entschließt in Marburg zu studieren, sollte den Charme einer Kleinstadt schätzen und ein Faible für studentisches Leben mitbringen. Aber auch von der ZVS "Zwangsversetzte", deren es in Marburg nicht wenige gibt, fühlen sich schnell sehr wohl.

Die besten Jobs von allen


Fragen zur Uni-Stadt Marburg? Mail to: Roland Schweins

Nützliche Links:
www.marburg.de/
www.uni-marburg.de/
www.asta-marburg.de/Service/mitwohnzentrale.htm
www.uni-marburg.de/stw/
www.stadtwerke-marburg.de/
www.meinestadt.de/Marburg
www.marbuch-verlag.de/
www.studenten-marburg.de

Dieser Artikel ist erschienen am 01.09.2005