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Ulrich Seidel

Wer Fragen zu Kellogg, zum MBA bzw. MMM Programm hat, kann sich gerne bei mir melden. Wenn das für Euch hilfreich ist, gebe ich gerne meine Tipps in Sachen Bewerbung GMAT/TOEFL ab. useidel2004@kellogg.northwestern.edu

Crowd let me know what's out there ? :-) u
There's no better time... (01/2003)
Politik, Midterms and Recruiting (02/2003)
Spring break finals (03/2003)
GMAT & Co (05/2003)
Second year (10/2003)


Die besten Jobs von allen





Second year (10/2003)

Der Sommer ist im Flug vergangen und schon befinde ich mich wieder im Business School Alltag. Obwohl ich mich schnell eingewöhnt habe, sind einige Dinge dann doch anders als "second year"

Summer internship

Natürlich wurde die ersten zwei Wochen nur über die Sommer Praktika gesprochen. Das äußert sich dann dahingehend, dass Dir am Gang neben der gewohnten Floskel "How you doin'?" noch ein "How was your summer?" nachgeworfen wird - keine Angst auch hier kann getrost immer mit "great" geantwortet werden. Natürlich war nicht alles toll und ich war etwas überrascht, wie viele meiner Kommilitonen nur mittelmäßige Erfahrungen gemacht hatten. Besonders aus der Beratung kamen da kleine Horrorgeschichten, und viele werden wohl noch mal durch den ganzen Interviewprozeß laufen. Da haben es die Leute mit Angeboten auf dem Tisch schon leichter. Sie können ganz relaxt in Ihre Bewerbungsgespräche gehen oder sich den Streß gleich von vornherein schenken. Ich hab auch schon Scherzchen gehört, dass Leute ihr Angebot unterschreiben, auch wenn's nicht so toll ist, Hauptsache sie haben ein Job und müssen nicht mehr durchs "Recruiting"

Ob das so schlau ist? Ausserdem sieht's so aus, als würde die Wirtschaft doch wieder ein wenig anziehen. Zumindest sind einige große Arbeitgeber wieder ordentlich auf Talentsuche. Besonders Unternehmensberatungen scheinen nach harter interner Selektion und gemäßigter Einstellungsstrategie der letzten 2 Jahre wieder richtig Bedarf zu haben. Nicht nur die Beratungen tun alles, um das Augenmerk auf sich zu ziehen und so könnte man auch im 2. Jahr fast jeden Tag auf eine Firmenpräsentation gehen. Wahrscheinlich ist ähnlich viel geboten wie im ersten Jahr, aber genauso, wie man mit der Zeit rausfindet, dass nicht alle Hausaufgaben wichtig sind, gehen die "second years" wohl etwas zielstrebiger auf ausgewählte Veranstaltungen

Tiefgang im 2. Jahr

Eigentlich ist alles erst mal wie im letzten Jahr: Vorlesungen, Gruppenarbeiten und Cases nach Herzenslust. Trotzdem, fast alle Pflichtfächer sind erledigt und man kann sich etwas mehr spezialisieren. In den Grundkursen wurden die Basiskonzepte vermittelt und man kann sich besser vorstellen, was in weiteren Kursen so abläuft. Ich habe mich entschlossen, meinen Ingenieurs-Lebenslauf durch einen major in Marketing aufzuheitern. Für die meisten Hauptfächer sind 3 Kurse über den Grundkurs hinaus notwendig d.h. neben meinem Grundkurs in Marketing Management belege ich dieses Quarter Marketing Strategy und Marketing Research. Letzteres ist verpflichtend für den major. Nächstes Quarter kommt dann wahrscheinlich noch Service Marketing oder Sales force Management dazu - und fertig ist der major.

Es ist Einstellungssache, ob man sich strategisch möglichst viele majors zusammensammelt oder einfach die Kurse belegt, die für einen selbst am wichtigsten sind. Einen major muss man machen, um den Abschluss zu bekommen aber ich glaube, man braucht schon Talent, um nicht von selbst über einige zu stolpern. Manchmal wiederholen sich Dinge, aber grundsätzlich haben die Wahlkurse mehr Tiefgang.

Tiefgang - das ist das von unserem Dean ausgerufene Motto für dieses Jahr. "Dig deeper" waren seine Worte an die second years und er meinte damit, dass wir unser gelerntes Wissen vertiefen, aber auch Professoren und Studienkollegen mehr fordern sollten. In gewisser Weise ist es auch notwendig, den Standard-MBA ein Stufe weiterzutreiben. Vor einigen Jahren war man noch der Held mit einem MBA in der Tasche und konnte Chefs wie Kollegen gleichermaßen mit Fallstudienerfahrung und analytischen Fähigkeiten beeindrucken - heute gehört der MBA zumindest in Corporate America zur Grundausrüstung fast aller Führungskräfte. Da muss man sich schon was einfallen lassen, um sich zu differenzieren. Kellogg baut da sehr stark auf Führungsqualitäten als Differenzierungsmerkmal - der für Kellogg bekannte Teamansatz ist zwar immer noch vorhanden, aber inzwischen in allen Programmen dieser Erde verbreitet und wirklich nichts Außergewöhnliches mehr. Irgendwie scheint es ganz gut zu laufen, denn zum zweiten Mal wurde Kellogg nun vom Economist zur besten Business School der Welt gekürt. Genaueres zum Ranking: http://www.which-mba.com/

Final projects

Ein weiteres Phänomen des zweiten Jahres scheinen die Abschlussarbeiten in jedem Kurs zu sein. Dabei werden im Team entweder Beratungsprojekte für "echte" Klienten durchgeführt, Fallstudien oder wissenschaftliche Artikel geschrieben. Bei 5 Kursen kommt da einiges auf einen zugerollt, und um ganz ehrlich zu sein, ich hab selbst noch keine Idee, wie das klappen soll. Einerseits ist das noch mal mehr Arbeit - echte Klienten brauchen einfach mehr Zuwendung als eine Fallstudie - andererseits aber auch ein guter Check, wie sich gewisse Konzepte auf die Wirklichkeit übertragen lassen. Hier wäre es doch mal angebracht, Euch ein Exhibit unterzujubeln:

Exhibit 1: Final Projetcs - sample
Class Final Project
OPNS 454, Operations Strategy Zulieferkette für einen Luftballonhersteller
OPNS 455, Supply Chain Management Kapazitätsplanung eines Chemiekonzerns
TECH 919, Innovations Management Software Produktentwicklungsprozess
MKTG 450, Marketing Research Umfrage zu Molkereiprodukten
MKTG 466, Marketing Strategy MarkStrat - Simulation

Lasst Euch nicht abschrecken, meine Kurse sind wohl ziemlich stark auf Operations ausgerichtet und Deine Fächer kannst Du Dir ja schließlich selber zusammensuchen - im zweiten Jahr noch mehr als im ersten - http://www.kellogg.northwestern.edu/academics/academics/index.htm

Networking für Europäer

Kein Zweifel, Kellogg ist trotz seiner Internationalität immer noch eine US Business School, und das heißt, nicht nur die Fallstudien im Unterricht sind meistens über amerikanische Firmen sondern auch die Recruiter kommen in erster Linie aus Corporate America. Früher war das kein Problem, da es so viele Jobs gab, da wurden Europäer, Südamerikaner und Asiaten gleichermaßen eingestellt. Offiziell darf man ja mit einem F1 Visa bis zu einem Jahr nach Abschluss hier arbeiten - dann haben die Firmen entweder die Einwanderung beantragt oder die Leute in die entsprechenden Länderorganisationen versetzt. Beides kann für die Firmen ziemlich teuer werden und ist wahrscheinlich auch der Grund für die derzeitig Zurückhaltung gegenüber den Internationals. Nicht, dass man keinen Job bekommen könnte, aber es ist deutlich schwerer als für Amerikaner

Der European Business Club hier in Kellogg ist besonders aktiv, um den Europäischen Studenten die richtigen Kontakte zu verschaffen -
http://www.kellogg.northwestern.edu/student/club/european/index.htm

So hat der Club z.B. gemeinsam mit europäischen Vertretern der anderen sieben Top-Schulen (u.a. Harvard, Standford, MIT) Ende November die größte europäische MBA-Recruiting und Networking-Veranstaltung des Jahres auf die Beine gestellt. An die 400 Studenten werden fuer drei Tage nach London einfliegen, um dort im Hilton Metropole mit potenziellen Arbeitgebern aus ganz Europa zusammenzutreffen -
http://www.mbaeurotrek.com/

Außerdem gibt es eine Konferenz aller deutschen MBA-Studenten in Boston. Das ist eine echt gute Idee, um ein Netzwerk unter den Deutschen an Top Business Schools hier in USA aufzubauen.
http://www.germanmbaconference.org/index.html

Da steckt zum großen Teil Frank Ehmer dahinter, der hier auch ein Tagebuch schreibt - Harvard Business School, Boston, Massachusetts

Infoveranstaltung der Kellogg School of Management in München

So, und wer immer noch am überlegen ist, ob sich das mit dem MBA wirklich rentiert, kann sich gern persönlich ein Bild machen. Voraussichtlich am 15. Dezember gibt es eine Infoveranstaltung der Kellogg School of Management in München. Ihr seid herzlich eingeladen zu kommen. Schreibt mir doch einfach eine kurze mail und ich werde Euch auf dem Laufenden halten.

GMAT & Co (05/2003)

Es scheint sich rumgesprochen zu haben unter den High Potentials, dass die Business School kein schlechter Ort ist, um die Rezession auszusitzen. 13 und mehr Bewerbungen auf einen Platz sind keine Seltenheit mehr. Wenn Du heute in eine der Top Schulen aufgenommen werden willst, musst Du Dir die Schule gut aussuchen, Dich ordentlich auf das Auswahlverfahren vorbereiten und einfach einen guten Grund finden, warum Du der richtige Kandidat bist

In den letzen Monaten haben mich immer wieder Fragen zum Thema Business School Bewerbung erreicht - im Folgenden habe ich einige Basics für Euch zusammengefaßt

Macht der MBA überhaupt noch Sinn?

Die schlimmsten Horrorgeschichten machen die Runde. Da ist von gleich haufenweise arbeitslosen MBA Absolventen die Rede, die an Ihren Schulden für Tuition und Lebenshaltung ersticken. Ganz ehrlich gesagt, die Zeiten als Du gleich mal ein Cabriolet und ein paarhundert stock options mit Deinem Signing bonus mit nach Hause nehmen konntest sind vorbei, aber es gibt keinen Grund zur Panik. Gute Leute werde immer gebraucht und auch wenn in der Abschlußklasse 2003 noch ein paar Absolventen suchen, für meinen Jahrgang sieht es schon wieder viel besser aus.

Die Zahl der Summer internships ist wieder gestiegen und das ist für viele ja gleich das Sprungbrett zum Festeinstieg. Ich bin mir sicher, dass sich die beruflichen Chancen für MBAler weiter gut entwickeln. Dennoch, muss man sich im Klaren sein, dass es keine Freifahrt in den Karriere-Himmel darstellt. Gerade von nicht europäischen Schulen aus muss man sich selbst aktiv um den Traum-Job in der Heimat kümmern. In den USA als Deutscher einen Job zu bekommen ist möglich, aber auch nicht mehr so leicht wie es mal war, da Du mit Deinem Studentenvisum nur ein Jahr nach Abschluss arbeiten darfst. Viele Firmen wollen aber Mitarbeiter für längere Zeit binden und selbst den Global players ist es manchmal zuviel, Dich dann intern ins Heimatland zu versetzen.

Tatsächlich gibt es für diejenigen, die den MBA über dem großen Teich absolvieren wollen, ein paar kleine Hürden mehr zu nehmen. Trotz alle dem, viele Recruiter wissen das "Original" an MBA Ausbildung zu schätzen

1- oder 2-Jahresprogramm?

Natürlich, wer das längere Programm macht, hat mehr Zeit sich in Clubs zu engagieren oder auch sich im Summer internship mal in einer anderen Industrie umzusehen. Viele der 2-Jahresprogramme bieten Zusatzstudiengänge an, so daß man sich aus der MBA Masse noch mal durch eine weitere Qualifikation herausheben kann

Wieviel Arbeitserfahrung ist notwendig?

Grundsätzlich sollten es mindestens 2 Jahre sein. Die meisten der US Studenten haben 4-5 Jahre auf dem Buckel, sind aber trotzdem nicht viel älter (Altersdurchschnitt 27). Keine Sorge, mit einer deutschen Schulausbildung kann man sich schon ganz gut behaupten. Trotzdem die 2 Jahre Berufserfahrung würde ich unbedingt empfehlen, da Du einfach viel mehr lernst, wenn Du die cases auf Deine früheren Erfahrungen beziehen kannst. Außerdem bist Du ein wertvolleres Teammitglied, wenn Du Dich entsprechend einbringen kannst.

GMAT

Der GMAT scheint die Hauptsorge eines jeden deutschen MBA Bewerbers zu sein. Ist wohl auch wichtig, aber die Schulen schauen auch auf andere Dinge. Ich kenne einen Fall, bei dem der GMAT total daneben ging und es hat trotzdem geklappt ... :-). Mit ein wenig Übund und Disziplin lassen sich die Aufgaben eigentlich gut üben, so dass Du sicherlich ein passables Ergebnis erzielen kannst. Es gibt die unterschiedlichsten Möglichkeiten, sich auf den Test vorzubereiten. Manche Asiaten z.B. machen monatelang nichts anderes und bekommen dann Höchstpunktzahlen (wobei manche nichtmal ordenlich Englisch reden können) andere schauen am Wochenende mal über ein paar Übungsaufgaben und gehen in den Test

Meiner Meinung nach ist die beste Taktik, sich eine Woche komplett freizunehmen, vollzeit zu büffeln und den Termin gleich danach wahrzunehmen. Pro Tag kommt man gut durch ein GMAT Thema, kann Nachmittags einen Test machen und die Korrekturen überarbeiten. Es bedarf ein wenig Disziplin das durchzuhalten, ist aber eindeutig der effizienteste und günstigste Weg. Nur über Büchern zu schwitzen ist nicht gerade jedermanns Sache und es bietet sich an, sich mit Leidensgenossen zusammenzutun. Für die Motivation nicht ganz unwesentich ist auch die Auswahl des Lernmaterials. Es gibt viele Bücher und inzwischen auch Lernsoftware, ausserdem werden Online-Kurse angeboten bis hin zu mehrtägigen Intensivkursen. Wer die Zeit hat sollte einen Nachmittag in der Buchhandlung verbringen und sich selbst einen Überblick verschaffen. Ich fand das Kaplan Buch mit CD hilfreich. Die CD ist ganz witzig aufgezogen und kleine Filmchen erleichtern einem, sich mit dem Stoff vertraut zu machen. Die Online-Kurse habe ich nur mal im Testzugang versucht und hatte einen ganz guten Eindruck. Ein Freund hat das gemacht und war zufrieden. Grundsätzlich glaube ich jedoch, dass die Ergebnisse durch derartige Kurse wenn überhaupt nicht viel besser werden. Nur wer es also gar nicht auf die Reihe kriegt, sich selbst auf den Hosenboden zu setzten sollte die teilweise beträchtlichen Kursgebühren aufbringen müssen. Wenn Du Dich einmal durch das Material gearbeitet hast und die ersten paar Tests hinter Dich gebracht hast, kannst Du schon ganz gut einschätzen, wie Du abschneiden wirst.

TOEFL

Wer sich den GMAT überstanden hat, braucht vor dem TOEFL nicht zu schwitzen. Nachdem Du die letzte Woche eh dauernd Englische Testaufgaben bewältigt hast und voll im Testmodus bist, brauchst Du nur einen, maximal zwei Tage, um Dich mit dem Format des TOEFL vertraut zu machen. Vielleicht kannst Du eine CD ausleihen, um Dich auf die Hörbeispiele einzustimmen aber alles in allem ist der TOEFL eher easy.

Spring break finals (03/2003)

Die letzte Woche war ziemlich stressig. Vier Finals in fünf Tagen. Die Prüfungen sind ganz gut gelaufen, auch weil sich die Studenten einander helfen. Es bilden sich so genannte Study Groups, bei denen der eine für den anderen die Prüfungsthemen mitaufbereitet - auch wenn das auf Nachtschicht rausläuft. Außerdem gab's zu den quantitativen Übungsaufgaben in Finance oder Econ abends Tutorials, wo unter Anleitung von Assistenten die Fallbeispiele und Lösungen besprochen wurden. Dank dieser geballten Unterstützung ist es mir dann doch noch gelungen, in die Geheimnisse von Finance vorzudringen. Options Theory, Capital Planning oder Payout Policies waren nur einige Themen, mit denen wir uns in der Prüfung herumschlagen mussten.

Vollgas in Turbokursen

Über die Turbokurse hatte ich euch schon berichtet. Da geht's ordentlich zur Sache, der Stoff von zwei Quartern wird in eins gepresst. Diese Kurse werden neben Finance auch in Econ angeboten, und Factory Physics II aus dem MMM Programm ist wohl so was wie Decision Science I+II.

Die Turbokurse sind einerseits für uns Studenten aufwendiger, andererseits bieten sie uns die Möglichkeit, die Basiskurse in den ersten Quarters zu durchlaufen. Dadurch bleibt mehr Zeit für Vertiefungsfächer. Aber Vorsicht: Ein solcher Turbokurs empfiehlt sich nur, wenn die Themen nicht ganz fremd sind. Das habe ich bei Finance am eigenen Leib erfahren. Nicht, dass ich von Finance keine Ahnung hatte, aber bei der Geschwindigkeit, mit der wir über die Themen geflogen sind, hatte ich schon zu knabbern. Generell finde ich es interessanter, wenn Zeit bleibt, die vermittelten Konzepte zu verstehen und in Cases anzuwenden. Einige meiner Studien-Kollegen haben sich genau aus diesem Grund für die normale Zwei-Quarter-Variante entschieden. Zudem wollen sie ihren Studienschwerpunkt auf Finance legen. Nichts für mich. Ich werde auch mit meinem nächsten Finance-Kurs warten - vielleicht Financial Decisions im Herbst

Cold calls und deutsche Business-Kultur

Zurück zum abgelaufenen Quarter: Mein Lieblingsfach war eindeutig Econ. Neben den erstklassigen Vorlesungen gab es immer praktische Anwendungen in wöchentlichen Assignments, den Hausaufgaben. Man lernt die Gesetze von Angebot und Nachfrage besser, wenn man selbst einige Supply & Demand Curves konstruiert oder die Auswirkung unterschiedlicher Pricing-Strategien am Computer simuliert hat. Unser Professor Dean Besanko hat sich seine 10 Punkte in der Studentenevaluierung und seine Teaching Awards redlich verdient. Seine Kurse sind nicht nur spannend, weil er die Vorlesungen und Unterlagen optimal vorbereitet, er ist auch einer der für Cold Calls berüchtigten Professoren. Unvorbereitet geht keiner in seinen Kurs. Wer möchte schon vor der ganzen Klasse bloß gestellt werden? Aber selbst wer die Antworten weiß, ist manchmal nervös, wenn Besanko aufruft.

Ich finde diese Cold Calls nicht sonderlich wild. Was soll's, wenn du mal die Antwort nicht weißt. Ist halb so schlimm. Spannender finde ich die Diskussionen, die um die Cases entstehen. Leider trauen sich viele meiner Kommilitonen nicht, sich an ihnen zu beteiligen oder den Argumenten anderer zu widersprechen. Kellogg ist bekannt für seinen Teamansatz und für die außergewöhnliche gemeinschaftliche Kultur - das trifft voll zu, wird aber auch ab und an falsch verstanden. Was mich hier manchmal nervt ist, dass sich für einige Meinungsverschiedenheiten bzw. Argumentationen und Teamgeist ausschließen. Damit verpassen wir eine Riesenchance: Hier sitzt der angeblich schlauere Teil unserer Spezies in einem Raum, und es gäbe die heißesten Wortgefechte zu führen. Aber nur wenige beteiligen sich. Schade. Der Vorlesungssaal sollte für uns so etwas wie eine risikofreie Umgebung sein, um Überzeugungskraft und Argumentationsstärke zu üben.

Vielleicht ist es auch ein kulturelles Problem - wir Deutsche sind deutlich direkter als viele andere Nationen, zumindest was der Umgang miteinander in der Business-Welt angeht. Und dieser Ruf kann einem vorauseilen. Ein Beispiel: Meine Marketing-Professorin sprach mich drei Wochen nach Kursbeginn auf dem Gang an und wollte wissen, wann ich aus der Reserve kommen würde. Andere Professoren hätten sie schon vorgewarnt. Da stellt man mal die eine oder andere direkte Fragen, und dann so was

Fluffy Marketing - für Ingenieursgeister

Meine Zurückhaltung in Marketing lag wohl eher am Fach selbst. Sicherlich macht es Spaß, im Unterricht die besten Werbespots anzusehen. Auch ist es die beste Entschuldigung, um für Stunden Football zu schauen anstatt Finance-Bücher zu wälzen. Aber: Für mich sind einige der Konzepte nicht greifbar; das dürfte wohl allen Ingenieursgeistern so gehen.

Natürlich hat jeder Marketing-Fall eine finanzielle Komponente, auch für Segmentierungen sind eher quantitative Ansätze gefragt. Viele Entscheidungen sind aber fluffy. Die Markteinführung einer neuen Zahnbürste oder die Positionierung einer Make-up Produktlinie lassen sich eben nicht in einem Spreadsheet abbilden. Es gibt tausend Möglichkeiten, und die erste Hürde besteht darin, sich selbst als Zielgruppe auszuschließen. Nur weil dir der Markenauftritt eines Sport-Getränks gefällt, muss die Zielgruppe diesen nicht ebenfalls cool und trendy finden - besonders wenn die Konsumenten 12 bis 17 Jahre alt sind.

Qualmende Laptops

Nicht so schlimm, Factory Physics macht alles wieder gut - das ist Mathe pur. Endlich kommen die sonst nur von Word- und PDF-Dokumenten gelangweilten Laptops zu ihrem Recht und können zeigen, was ihre Chips und Prozessoren hergeben. Regression Analysis oder Linear-Programing-Modelle werden verwendet, um Marktentwicklungen abzuschätzen oder komplizierte Logistikprobleme zu lösen. Das ist echt guter Stoff - den werde ich im Beruf ständig brauchen. Daher hebe ich die Unterlagen und Übungsmodelle ordentlich auf, um im Ernstfall auf sie zurückgreifen zu können.

Eine systematische Ablage habe ich bis jetzt in den meisten Fächern gemacht. Mein Ziel ist eine MBA-Bibliothek. Schließlich kann sich keiner all den Stoff merken! Das klingt wie in der Schule, und damals hieß es, wir würden das Zeug eh nie wieder brauchen. Heute sehe ich das anders. Mit meinen zwei Jahren Berufserfahrung als Unternehmensberater weiß ich, dass ich auf viele MBA-Themen im späteren Berufsleben immer wieder zurückgreifen werde. Ach ja, und meine Mathe-Formelsammlung hab ich auch wieder ausgepackt.

Decision Science in Vegas

Genug vom Ernst des Lebens - jetzt ist Spring Break. Nach dem letzten dreistündigen Prüfungsmarathon war das Quarter überstanden. Groß gefeiert wurde nicht. Die meisten hatten die Nächte vor den Prüfungen durchgepowert. Unsere kleine Feier war deshalb relativ schnell auf einen harten Kern zusammengeschrumpft - irgendwann muss jeder schlafen

Jetzt sitze ich am Flughafen und warte auf meinen Flug nach LA, um einen alten Schulfreund zu besuchen. Die US Truppen bombardieren den Irak, und die ganze Grand Nation ist live dabei. Mir war gar nicht bewusst, wie viele Bildschirme es an Flughäfen gibt. Wo ich auch hinblicke, überall sehe ich Bilder vom Strike on Iraq - hier ein Reporter auf dem Dach eines Hotels in Bagdad, dort eine Live-Übertragung aus einem Panzer. Und immer begleitet von den - gelinde gesagt - nicht immer ganz objektiven Reportern. Die News sind eher eine Mischung aus Show und Propaganda als ernstzunehmenden Journalismus - but that sells, zumindest in den USA. Die kommende Woche über werde ich durch den Südwesten der USA reisen und mich auf einer Bachelor Party in Las Vegas vergnügen. Und als guter Student werde ich dort mein neu erworbenes Wissen aus Decision Science anwenden. Die Statistik-Tabellen zu Black-Jack sind im Gepäck. Spring Break in Kalifornien und Nevada ist genau das, was ich jetzt brauche ... cu l8r

Politik, Midterms and Recruiting (02/2003)

So, jetzt ist die erste Hälfte des Winter Quarters vorüber und wir halten langsam, aber sicher auf Finals und Spring Break zu. Nur noch vier Wochen. Es ist richtig schön kalt hier und nach dem Wetter ist der Frühling noch weit entfernt. Im Lake Michigan schwimmen dicke Eisberge und der ganze Strand ist mit bizarren Eisschollen überdeckt. Trotzdem kommt es mir so vor, als wäre es in Evanston nicht ganz so kalt und windig wie in Chicago selbst.

Superbowl vs. State of the Union Address

Vielleicht ist das auch der Grund, warum hier in Sachen Demonstration gegen den Krieg weniger los ist. Bis auf eine alte Dame, die einen "No War"-Anstecker an ihrem Hut trug, bleibe ich von jeglichen Äußerungen bezüglich der politisch gespannten Situation eher verschont. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass die Amerikaner zum großen Teil für den Krieg sind oder sich einfach nicht wirklich drum scheren. Die Wahlbeteiligung liegt hier zu Lande bei gerade mal 50% und bei den Mid-Term Elections (bei denen das Repräsentantenhaus und der halbe Senat neu gewählt werden) geht nur ca. ein Drittel zur Wahl.

Ab und zu kommt mal ein neckischer Kommentar wie: "My friend, I think your and my country have different opinions!" Aber unter meinen Freunden hier an der Business School hat Bush nicht seine größten Fans. Abgesehen von Mike, der zwei Jahre in der Bush-Verwaltung gearbeitet hat. Er ist ein guter Gesprächspartner, nicht ganz objektiv, aber immerhin kennt er sich auf der politischen Bühne aus. Zwischen den Stunden surft jeder im Netz - natürlich nur zwischen den Stunden - und gelegentlich kommt es dann doch zu politischen Diskussionen, wenn sich Rumsfeld&Co zu den Widersachern Libyen, Kuba und Deutschland äußern. Aber im Großen und Ganzen ist Football weitaus interessanter. Zum Superbowl gab's überall riesige TV-Partys, aber um die Rede des Präsidenten, "The State of the Union Address", zu sehen, musste ich einige meiner Kommilitonen anrufen.


Letzten Samstag hab' ich mal wieder downtown verbracht. Ich bin mit der Metro gefahren - das ist die Regionalbahn und im Vergleich zur EL, der U-Bahn, ist das der wesentlich schnellere Weg nach Chicago. Neben Kneipen und Cafes im Lincoln Park zieht mich das Art Institute immer wieder in die Innenstadt. Es gibt permanente Ausstellungen aller Epochen und immer wieder spannende Ausstellungen. Auch sonst ist in Sachen Kunst und Museen einiges geboten.

Winter Quarter - Midterms

Trotzdem, allzu oft bleibt nicht die Zeit, sich einen ganzen Tag in der Stadt zu vergnügen. Meistens stehen auch am Wochenende Teammeetings an oder ich muss mich für die kommende Woche vorbereiten. Na ja, nach den Midterms kann man sich das schon mal gönnen. Im Grunde sind die Prüfungen nach fünf der zehn Wochen eines Quarters eh nicht so schlimm. Manche Professoren erlauben "take-homes", d.h., man schreibt die Prüfung zu Hause und gibt sie in der nächsten Stunde ab. Andere Tests werden im Klassenzimmer geschrieben. Ich hatte diesmal nur Finance und Micro-Economics.

In Marketing und Factory Physics gab's Gruppenarbeiten bzw. längere Hausaufgaben. Econ macht mir riesig Spaß. Nicht nur, weil der Professor echt gut ist, sondern weil wir die gelernten Konzepte meistens gleich anwenden. Wenn du z.B. deine eigenen Supply und Demand Curves für die Cases konstruierst, fällt es um vieles leichter, die Konzepte zu verstehen. Marketing macht Spaß, ist aber für eingefleischte Ingenieurstypen wie mich manchmal etwas schwammig. Andere Fächer sind ziemlich mathematisch. Factory Physics (MMM) und Finance sind ziemlich quantitative Kurse und irgendwie holt mich gerade mein Mathe-LK inklusive Stochastik, Statistik & Co wieder ein.

Dann sind da noch die Turbo-Kurse, z.B. in Econ und Finance, wo man sich den Stoff von zwei Kursen sozusagen intravenös verpassen kann. Also, wer wie ich hin und wieder gehört hat, dass ein MBA in Sachen Anspruch ein Kinderspiel ist und es nur ums Reinkommen geht, dem seien die Turbo-Kurse ans Herz gelegt - ach ja, und wer will, kann außerdem fünf statt vier Kurse belegen, ohne mehr zu bezahlen. Insgesamt ist das Angebot an Kursen so groß, dass man sich seinen Stundenplan ganz gut selbst zusammenstellen kann. Ich habe bereits die meisten meiner Hauptfächer belegt und werde im nächsten Quarter bereits die ersten Kurse für meine Majors wählen. Dabei werde ich mich als Erstes mal auf Operations konzentrieren. Dann Decision Science und Econ. Außerdem werde ich nächstes Quarter "Negotiations" belegen.

Chicago Autoshow

Um mich ordentlich auf Operations vorzubereiten, muß ich natürlich auch hier in Sachen Autoindustrie auf dem Laufenden bleiben. Nur gut, dass es den Automotive Club gibt, der für alle Vollgas Typen den Besuch bei der Chicago Autoshow organisiert hat.

Wie auch sonst gilt das amerikanische Motto "Size matters" und alles ist in erster Linie mal groß. Bis auf ein paar gute Design Studien war nichts besonders Spannendes zu sehen. Ein nicht zu verachtender Teil der Fläche ist fest in deutscher Hand und es ist ganz schön zu sehen, dass das kleine Stückchen bayerische Ingenieurtechnik Z4 neben den Fords, Dodges und Lincolns so gut ankommt.

Crazy Recruiting Season

Für die meisten meiner Kommilitonen waren die letzten Wochen ziemlich crazy. Winter Quarter ist Recruiting Season und die halbe Schule läuft im smarten Business Outfit rum. Das ist in der sonst so lockeren T-Shirt-Umgebung etwas ungewohnt. Innerhalb von zwei, drei Wochen fallen die Großen der amerikanischen Wirtschaft mit ihren Recruitern ein, um die High Potentials der nächsten Generation abzuernten. Die großen Unternehmensberatungen wie McKinsey oder BCG interviewen jeweils über 100 Studenten. Die meisten der Kandidaten waren vorher auf unzähligen Firmenpräsentationen, um die richtigen potenziellen Arbeitgeber für ihr Sommerpraktikum auszuwählen.

Vor einigen Jahren war es tatsächlich so, dass jeder Student ungefähr drei Praktika zur Auswahl hatte. Heute ist das anders und es herrscht ein gewisser Wettbewerb, schon wenn's um die Interviewplätze geht. Erst mal eingeladen, werden die Kandidaten durch Fit- und Case-Interviews gedreht. Bei manchen Firmen bis zu sechs hintereinander. Dann kommt das große Warten - Investmentbanken und Beratungen rufen meistens am selben Abend zurück, andere, z.B. im General Management, brauchen auch mal zwei Wochen. Es wird dir entweder ein "Ding" verpasst, wie die Absagen liebevoll genannt werden, oder du wirst zur nächsten Runde eingeladen. Neben der Tatsache, dass die ganzen Interviews jede Menge Zeit kosten, hat so manche der Typ-A-Persönlichkeiten ganz schön an einer Absage zu knabbern. Für die meisten geht die Sache aber gut aus und viele meiner Freunde sind schon untergekommen. Ich habe irgendwas munkeln hören von 30 bis 40%, die bereits jetzt ihr Praktikum in der Tasche haben. Für die anderen heißt's sich aufmachen zum Off-Campus Job Search.

Na ja, bis zum Sommer ist es ja noch ein Weilchen, aber man soll die Hoffnung nicht aufgeben - vielleicht werden die Temperaturen hier ja auch mal wieder über den Gefrierpunkt steigen.




There's no better time... (01/2003)

Irgendwie kann ich mich noch allzu gut daran erinnern, als ich vor etwa einem Jahr meine Bewerbungen für die Business Schools geschrieben habe. Kann ich es mir leisten, noch mal die Schulbank zu drücken? Welche Business School paßt am besten zu mir und überhaupt - sollte ich nicht vielleicht doch lieber promovieren?

Obwohl ich mich damals ausführlich erkundigt hatte, war die ganze Sache doch ein Sprung ins kalte Wasser. Mein Bericht aus erster Hand soll Euch helfen, Eure MBA Optionen auszuloten um die richtige Entscheidung zu treffen. Ich werde Euch aus meiner Sicht schildern, welchen Wert dieses Aufbaustudium zur persönliche Entwicklung und zum Aufbau eines Netzwerks darstellt und nicht zuletzt, dass es nicht jede Menge Spaß macht!

Was war vor dem MBA?

Bevor ich im September hier in Kellogg mein Studium antrat, hatte ich 2 Jahre als Unternehmensberater bei McKinsey & Company gearbeitet. Im Fellow-Programm konnte ich Erfahrungen in mehreren Industriebereichen sammeln. Auf Klienten Projekten gewann ich Einblick in unterschiedliche funktionale Bereiche im Management. Ich habe in erster Linie an Produktentwicklung und operativen Themen in der Bau- und Automobilindustrie gearbeitet. Meine Begeisterung für greifbare Produkte und Prozesse konnte ich dabei gut einbringen.
Vor meinem Einstieg bei McKinsey habe ich Architektur in München und Stockholm studiert. Als Künstler hatte ich neben dem Studium ein kleines "business" aufgebaut.

Warum ein MBA?

Eigentlich mache ich ja ein Doppelstudium. Das MMM - Master of Management and Manufacturing - Programm in Kellogg bietet ein integrietes Curriculum von MBA und MEM - Master of Engineering Management. Damit habe ich nicht nur die Möglichkeit, mir eine solide Basis in Sachen Management anzueignen, sondern meinen Ingenieursgeist in Fächern wie "Factory Physics" oder "Product Development" auszuleben. Die praktische Herangehensweise in Form von Cases und realistischen Klienten -Projekten bietet uns MBAs im Vergleich zu den traditionellen betriebswirtschaftlichen Studiengängen in Deutschland die Chance realitätsnahe Erfahrungen zu sammeln. Im Vergleich zu einer Promotion, vermittelt ein MBA ein breites Basiswissen in allen Management Disziplinen und bereitet auf die Führungsaufgaben in Unternehmen vor - das wird auch in Europa mehr und mehr angesehen.

Warum Kellogg?

Für mich persönlich war das MMM Programm wie geschaffen. Ich hatte mich außerdem mit Alumni und Studenten von Kellogg unterhalten und dabei Gefallen gefunden an der Kultur und den Werten dieser Schule. Die Arbeit im Team und die Auseinandersetzung mit "soft skills" sind für mich genauso wichtig, wie erstklassige Finance oder Strategy Kurse. Ausserdem fand ich den Mix von case studies, theoretischen Vorlesungen und Projekten optimal. Die Rankings helfen Euch die einzelnen Schulen zu vergleichen und für Euch die richtige auszuwählen. Für mich ist das besonders gut gelaufen, da Kellogg nachdem ich hier ankam sowohl im Economist als auch in der BusinessWeek zur Business School #1 gewählt wurde.

Was kostet ein Kellogg MBA?

Die Studiengebühren in Kellogg liegen bei $ 32.000,- pro Jahr, so dass Ihr alles in allem etwa mit etwa ? 120.000 für die zwei Jahre rechnen solltet. Das Einjahres-Programm ist natürlich entsprechend günstiger und bietet ein gute Alternative zu den europäischen MBA Programmen. Die Gehälter der MBA Absolventen sind zwar nicht mehr ganz so hoch wie die letzten Jahre, trotzdem lassen sich die Ausgaben in der Regel nach ca. 4 Jahren wieder reinholen - das geht zur Zeit in USA typischerweise immer noch schneller als in Europa.

First Quarter - what's up?

KOA und CIM week: Als ich Ende September hier in Evanston ankam war nicht viel Zeit, mir meine Studentenbude einzurichten und mich groß einzu-leben. Ich hatte gerade mal Luft um meine Einreise im International office zu bestätigen und die Impfungen über mich ergehen zu lassen. Dann ging's auch schon auf die Reise zum KOA - Kellogg Outdoor Adventures. KOA ist eine von Studenten geleitete Abenteuerreise, auf der die Neuankömmlinge in die Teamkultur und den MBA-Spirit vorbereitet werden.

Mein Trip ging nach North Carolina zum Wildwasser Kajakfahren. Neben jeder Menge Spaß konnte ich ca. 25 meiner zukünftigen Mitstreiter näher kennenlernen und die 2nd years leaders mit Fragen löchern.

Anfang September startet das Quarter dann offiziell mit der CIM week - eine Einführungswoche der Extraklasse. Neben allen administrativen Details werden den Neulingen Curriculum und die technische Umgebung in Kellogg vorgestellt. Der Jahrgang ist in 8 sogenannte Sections a 65 Studenten eingeteilt und in Wettbewerben aller Art kämpfen "bucket heads" gegen "moose" oder die "poets" gegen die "bull frogs". In ersten Workshops werden Cases bearbeitet und man bekommt einen ganz guten Vorgeschmack auf die bevorstehenden 2 Jahre. Nach der ersten Woche ist dann jeder heiser vom Anfeuern und den vielen sozialen Veranstaltungen (wie z.B. Baseball oder dinner downtown). Am Samstag hatte ich das erste Mal die Zeit zu Hause Bescheid zu sagen, dass ich noch am Leben bin.


First Quarter: Im ersten Quarter stehen die Kurse fest und wer sich nicht Scheine aus früheren Studien anerkennen läßt oder ein waiver exam besteht hat Decision Sience, Accounting, Strategy und Organizational Behavior. Für MMMs finden einige Kurse in der Engineering School statt. Da geht es z.B. in Factory Physiscs um Produktionsmanagement, Lagerplanung und MRP. Den Ausgleich dazu und praktisches Anschauungsmaterial bieten die Fabrikbesuche. Jeder Kurs findet entweder Montag und Donnerstag oder Dienstag und Freitag jeweils 100 Minuten statt.

Mittwochs und am Wochenende ist Zeit für Team Meetings, Club Aktivitaeten und Vorbereitung auf die Vorlesungen. Ich hatte am Anfang etwas zu kämpfen mit der Menge an Lesematerial, das vor jeder Vorlesung zu bewältigen war. Inzwischen komme ich aber ganz gut zurecht - teils weil ich schneller lese, aber auch, weil ich auch mal Sachen überspringe. Das ist wohl Teil der Übung, die richtigen Prioritäten zu setzen. Die meisten Studenten sind ziemlich gut vorbereitet, denn die Vorlesungen leben auch von den Diskussionen der Studenten, die von den Professoren zielfuehrend und unterhaltsam moderiert werden teils liegt das wohl auch an den "cold calls" wenn Professoren willkürlich Studenten auswählen um sie nach ihrer Meinung zu fragen.

Etwa die Hälfte der Cases werden im Team bearbeitet und als Gruppenarbeit eingereicht und bewertet. Dabei entstehen interessante Diskussionen und von den Kommilitonen kann ich mindestens genauso viel lernen wie aus den Vorlesungen selbst. Jeder hat hier mindestens 2 Jahre, im Durchschnitt jedoch 5 Jahre Berufserfahrung und damit kommt im Team mit 4-5 Mann einiges an industrieübergreifender Erfahrung zusammen. Die gemeinsame Herausforderung und so manche Nachtschicht schweißen uns im Team zusammen. Teamwork steht hier nicht nur als buzzword in der Bewerbermappe sondern ist zentraler Teil der Kellogg Kultur. Wenn Du mal mit einer Aufgabe nicht weiterkommst oder irgendwas nicht verstehst, findet sich hier immer jemand, der sich die Zeit nimmt um Dir zu helfen. Das Engagement der Studenten ist enorm. Es gibt ueber 80 Clubs zu akademischen und nicht akademischen Themen, undt Konferenzen, die ausschließlich von Studenten organisiert sind. Dazu gibt's jeden Freitag im TG (Thank God it's Friday) ein Bierchen um das soziale Netzwerk auszubauen. Wenn Kurse, Vorbereitung und Gruppenarbeiten es erlauben, besuche ich abends oftmals weitere Vorträge oder Firmenveranstaltungen. Viele Top-Firmen kommen auf den Campus um sich den Studenten vorzustellen und schon mal einen guten Eindruck zu hinterlassen. Im Wintersemester laufen dann die Interviews für die summer internships und jeder Recruiter will natürlich möglichst fruehzeitig viele Studenten kennenlernen um die smartesten für sich zu gewinnen.


Eigentlich ist rund um die Uhr Programm und ich konnte die Nähe zu Chicago (halbe Stunde bis ins Zentrum) noch nicht wirklich ausnutzen. Natürlich, das Touristik Pflichtprogramm mit Art Institute und Hancock habe ich inzwischen absolviert - trotzdem fürs zweite Quarter habe ich mir fest vorgenommen, öfter nach downtown zu fahren. Es gibt jede Menge coole Kneipen und Clubs. MBA hin oder her - schließlich bin ich ja jetzt wieder Student.
Dieser Artikel ist erschienen am 28.01.2003