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Typ entscheidet

Christoph Mohr
Einmal im Jahr verschenkt Junge Karriere 30.000 Euro, um an der renommierten Rotterdam School of Management (RSM) ein komplettes MBA-Studium zu finanzieren. Sieger der diesjährigen Stipendienwettbewerbs: Martin Gerhardt, gelernter Forstwirt.
Bei 30.000 Euro hört der Spaß auf. Wenn die Jury zu Deutschlands höchst dotiertem MBA-Stipendienwettbewerb zusammenkommt, will sie erstklassige Kandidaten sehen. Schließlich haben sich mehrere Dutzend hochkarätiger MBA-Aspiranten um dieses Stipendium beworben, das ein komplettes MBA-Studium an einer der renommiertesten europäischen Business Schools ermöglicht. Und nur eine Handvoll hat es bis zur Endausscheidung in Düsseldorf geschafft.

Was aber will ein diplomierter Forstwirt mit einem MBA? Das genau war die 30.000-Euro-Frage, die Martin Gerhardt beantworten musste. Was er tat. Und damit die Junge-Karriere-RSM-Scholarship-Competition für sich entschied.

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Mit Blacksocks gegen Ebay

Gerhardt überzeugte letztlich mit dem Unerwarteten: Wo seine Konkurrenten mit Ebay oder Amazon.com Erfolgsmodelle der New Economy erklären wollten, überraschte er mit Blacksocks.com, einem Schweizer Startup, das keiner kennt

Und wo andere mit linearen Laufbahnen als Betriebswirt oder Ingenieur aufwarten, ist der gelernte Forstwirt bereits von der grünen Joppe ins Berater-Outfit geschlüpft. "Als ich nach dem Studium entscheiden musste, was ich beruflich machen wollte, war mir der staatliche Forstdienst dann doch ein bisschen zu träge und konservativ", begründet der heute 29-Jährige sein Votum fürs Consulting-Geschäft

Das Einzige, was den bescheiden auftretenden Gerhardt laufend enttäuscht, ist das Klischee, mit dem die Umwelt so schnell bei der Hand ist: introvertierter, einzelgängerischer Naturliebhaber? Nichts da! Gerhardt ist extrovertiert und gesellig, macht Bergtouren am liebsten mit Freunden: "Die Natur ist sicherlich schützens- und erhaltenswert, aber auch etwas, das man in Gemeinschaft genießen kann." Grün-alternativ angehaucht? Der Mann ist bekennendes SPD-Mitglied. Ein Kind der schwäbischen Provinz? Zur Schule gegangen ist Gerhardt tatsächlich in Esslingen. Um anschließend die halbe Welt zu sehen: Als Rucksacktourist in Polen, Russland, Finnland und Tunesien, den USA, Lateinamerika und Australien.

Die Welt kann nicht warten

Ein bisschen ist es so, als ob er mit dem MBA einem großen Puzzle einen weiteren Stein hinzufügen wollte: zu Naturwissenschaft und "logisch strukturiertem Methodenwissen" nun das Management-Know-how einer Business School. "Mittelfristig könnte ich mir vorstellen, für eine internationale Organisation zu arbeiten, etwa der Weltbank oder einer Entwicklungsorganisation, wo nachhaltige Entwicklung und Management zusammengebracht werden können." Auch eine politische Karriere will er nicht ausschließen. "Aber erst wenn ich mich im Beruf bewährt habe.

Junge Karriere wird die Laufbahn "seines" Siegers weiter verfolgen. Allerdings nicht überall hin. Kurz nachdem Gerhardt die frohe Botschaft vom Gewinn des MBA-Stipendiums erhalten hatte, brach er zu einem siebenwöchigen Indien-Trip auf - diesmal allein, aber wieder mit Rucksack.
Dieser Artikel ist erschienen am 25.09.2003