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Tyco-Managern drohen hohe Haftstrafen

Von Johannes Eber, Handelsblatt
Im Prozess gegen zwei ehemalige Spitzenmanager von Tyco hat die Staatsanwaltschaft ihr Schlussplädoyer gehalten: ?Die Angeklagten haben Tyco als ihr persönliches Sparschwein betrachtet, das sie benutzt haben, wann und wie sie wollten.?
NEW YORK. Dem ehemaligen Konzernchef Dennis Kozlowski und dem früheren Finanzvorstand Mark Swartz wird schwerer Diebstahl, Wertpapierbetrug und Fälschung von Geschäftsunterlagen vorgeworfen. Sie sollen 170 Mill. $ durch nicht genehmigte Boni und den Missbrauch von Kreditprogrammen aus dem Unternehmen entwendet haben. Außerdem werden sie beschuldigt, weitere 430 Mill. $ durch illegales Aufblähen des Tyco-Aktienkurses verdient zu haben. Den Angeklagten drohen bis zu 25 Jahre Haft.Mehr als fünf Monate hatte die Staatsanwaltschaft ihre Beschuldigungen dargelegt und die Verteidigung gekontert. Kozlowski und Swartz haben im vergangenen Jahrzehnt durch Zukäufe einen Konzern mit 36 Mrd. $ Umsatz und 260 000 Beschäftigten geschaffen.

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Im Prozessverlauf stand häufig der Lebensstil der Beschuldigten im Vordergrund. ?Der Prozess geht zum Teil über Vorschriften und Gesetze, aber vor allem darüber, wer oder was die Angeklagten sind?, sagte James Cox, Professor an der Recht in Washington.Besonders das ausschweifende Privatleben des 57-jährigen Kozlowskis war Bestandteil der Verhandlung. So wurde zum Beispiel den Geschworenen ein Video über eine extravagante Geburtstagsparty für Kozlowskis Ehefrau vorgespielt. 75 Gäste waren auf die Mittelmeerinsel Sardinien eingeflogen worden. 2,1 Mill. $ hat die sechstägige Feier gekostet. Die Hälfte der Kosten trug die Firma. Die Botschaft der Staatsanwaltschaft: Wer solch ein Leben führt, der ist nicht seriös.Mit dem Zeugen David Boies aber hatte die Staatsanwaltschaft auch einen wirklichen Trumpf im Ärmel. Boies hatte die Untersuchungen bei Tyco geleitet, nachdem der Fall bekannt geworden war. Nach seiner Aussage hat sich Swartz, 43, durch ungenehmigte Änderungen eines Kreditprogramms 12,5 Mill. $ auszahlen lassen, Kozlowski soll 25 Mill. $ erhalten haben.Bei seinen Untersuchungen will Boies auf diese Auszahlungen gestoßen sein. Nach seinen Angaben hatte er damals Swartz mitgeteilt, dass er keine Rechtfertigung für diese Zahlungen sehe, da sie nicht genehmigt worden seien. ?Ich sagte daraufhin zu Swartz?, so Boies im Zeugenstand, ?dass wenn ich nicht etwas übersehen habe, dies ein sehr ernstes Problem sei.? Swartz soll darauf hin geantwortet haben, dass diese Auszahlungen ein Fehler gewesen sei, der nicht hätte passieren dürfen. Bei seiner eigenen Zeugenaussage hatte Swartz zuvor aber nachdrücklich verneint, gegenüber Boies von einem Fehler gesprochen zu haben.
Dieser Artikel ist erschienen am 18.03.2004