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TV-Coaching

Manager denken über ihre Vorlieben nach - und über ihre Wichtigkeit: Sollen sie sich ein Einzelcoaching gönnen oder in einer Gruppe trainieren lassen für den großen Medienauftritt? Immer öfter werden Trainer mit dieser Frage konfrontiert.
Manager denken über ihre Vorlieben nach - und über ihre Wichtigkeit: Sollen sie sich ein Einzelcoaching gönnen oder in einer Gruppe trainieren lassen für den großen Medienauftritt? Immer öfter werden Trainer mit dieser Frage konfrontiert. Da ist die exponierte Führungskraft, das Vorstandsmitglied, das sich in der Gruppe nicht der Kritik oder gar der Lächerlichkeit aussetzen will, wenn es ungeschickt agiert.Solche Menschen verlangen nur noch nach Einzelcoachings. Motor für den Wunsch ist bei anderen Managern möglicherweise die Unzufriedenheit mit bisherigen Seminarbesuchen oder einfach das Verlangen nach Exklusivität. Die ist der Spitzenmanager von anderen Coachings gewohnt. Auf der Hand liegt, dass ein Einzeltraining auch beim Rede- und TV-Coaching teurer ist als eine Seminarteilnahme.

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Allerdings können die Themen auf eine genau definierte Situation abgestimmt werden: Reden und Überzeugen in den Medien, live oder im Mitschnitt von Radiooder Fernsehsendern, der Auftritt bei Roadshows und Präsentationen, etwa im Börseneinführungsprozess oder bei Fusionen, das Bestreiten von Hauptversammlungen und Pressekonferenzen.Was kann und muss man vom Einzelcoach in der Vorbereitung auf die Medien erwarten? Der Coach sollte zu nahezu jeder Zeit auch außerhalb der Trainerstunden für Fragen und Hilfen zur Verfügung stehen. Wenn also ein Interview ansteht, sollte er - zumindest am Anfang des Trainings - in die Vorbereitung eingebunden werden.Bei wichtigen öffentlichen Auftritten sollte der Coach dabei sein, um die Wirkung zu sezieren und im späteren Training zu verbessern. Wenn es die Situation zulässt, kann der Coach Video-Mitschnitte anfertigen oder gesendete Passagen mit dem Klienten analysieren.Die Vorteile einer ungeteilten Coach-Klienten-Beziehung sind klar: Die Arbeit erfolgt unbeeinflusst vom Hierarchie- Clinch, der in Seminaren immer wieder aufbricht.Einzelcoaching ermöglicht eine Exklusivität, die den meisten Seminaren fehlt. Man muss sich nicht mit Leuten herumschlagen, die ihre Erfahrungen mit der Lokalpresse ans Publikum bringen wollen.Einzelcoaching ermöglicht Diskretion, wenn auf heikle Situationen, etwa größere Entlassungen vorbereitet wird. Und Einzelcoachings sind terminlich und örtlich flexibler als eine Seminarteilnahme.Eine wichtige Erkenntnis ist, dass Sprache und Sprechen vom Körperausdruck nicht zu trennen sind. Ziel des Coachings ist es deshalb, einen authentischen Ausdruck von Körper und Gestik zu bestärken. Dieser stellt sich ein, wenn frei nach Stichwörtern geredet wird. Es reicht in der Medienöffentlichkeit längst nicht mehr aus, die Texte von PR-Strategen oder Kommunikationsberatern vorzulesen. Die Fragen und Antworten sollten in Stichwörtern vorliegen.Einzelcoaching in Medienrhetorik kann aber auch Nachteile haben. Gerade die ungeteilte Aufmerksamkeit und Zuwendung des Coachs, die konstruktive Kritik existieren in der Medienrealität nicht. Wer in einer Gruppe auftreten soll, ist also mit einem Seminar besser bedient. Die anderen Teilnehmer können die Rollen von Mitdiskutanten oder die von freundlich oder feindlich gesinnten Zuhörern oder Zuschauern übernehmen. So muss man sich in TV-Talkshows schließlich auch auf mehrere Personen einstellen können, ihnen zuhören und zeitgleich wirkungsvolle Argumente entwickeln - und das in hohem Tempo. Dabei soll man auch noch sympathisch über den Bildschirm flimmern.Den professionellen Umgang mit Journalisten kann man erreichen, wenn man einiges beachtet, ehe man in eine Roadshow, zum Interview in die Nachrichten oder in eine Talkrunde geht: Man sollte die Situation und das Umfeld kennen, vor allem die Gesprächspartner und das Publikum. Ein Boulevardblatt recherchiert und agiert anders als der Hörfunkjournalist, der O-Töne, also Wortmitschnitte braucht.In Brainstorming und Coaching kann man Stichwortkonzepte selbst erarbeiten. Man darf niemals vorlesen. Der eigene Stil der mündlichen Kommunikation muss erhalten und verfeinert werden. Man sollte mehr Inhalte für die Diskussion vorbereiten als für das Eingangsstatement.Wenn man den Hintergrund beeinflussen kann, sollte er nicht im Widerspruch zu den Äußerungen stehen, die man herüberbringen will. So ist ein Plakat von Tierversuchsgegnern kein geeigneter Hintergrund für ein Interview über ein neues Medikament.Die meisten Fragen kann man vorhersehen und deren Antworten vorbereiten. Im TV hat der Redner rund 20 Sekunden, auf der Pressekonferenz 30 bis 40 Sekunden Zeit. Eine Stoppuhr oder ein Wecker sind gute Trainingsinstrumente.Ideal ist es, die Antwort im Interview oder die Rede mit einem klaren Zielsatz zu beenden.

Stefan Wachtel



Rezension/Buchtipp der Redaktion:

Überzeugen vor Mikrofon und Kamera

Autor: Stefan Wachtel

Ton ab, Kamera läuft! Heiseres Stottern in der Kehle, rote Flecken im Gesicht - wenn deutsche Manager für Radio oder Fernsehen befragt werden, endet das meist im Desaster - hat Stefan Wachtel beobachtet. Und daraus einen Ratgeber gemacht. Wachtel erklärt, wie Rundfunkjournalisten arbeiten. Und geht - Kapitel für Kapitel - alle Situationen durch, in denen sich Manager vor Mikrofon und Kamera begeben. These: Mit ein wenig Einfühlungsvermögen und der richtigen Vorbereitung können die gröbsten Kommunikationspannen vermieden werden. Bis hin zur vorteilhaften Kameraeinstellung und der unentbehrlichen Pointe in jedem Statement wird der Werkzeugkasten für die gelungene Selbstdarstellung geöffnet. Peanuts - eigentlich! Aber Vorsicht: Mit "Vorbereitung" ist nicht gemeint, dass ein Statement stur und steif vom Blatt gelesen wird.

Campus Verlag, 58,00 DM



Lesen, um zu sprechen
(Alle vier Titel zum Thema: "Ratgeber: Vortrag und Präsentation - Gezielte Vorbereitung")


Maria Beyer: "Brainland, Mind Mapping in Aktion"
Junfermann Verlag 1993, 44 DM
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Horst Coblenzer, Franz Muhar: "Atem und Stimme"
Österreichischer Bundesverlag 1992, 26 DM
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Eberhardt Hofmann: "Progressive Muskelentspannung"
Hogrefe Verlag 1998, 44,80 DM
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Martin Kuhlmann: "Last Minute Programm für Vortrag und Präsentation"
Campus Verlag 1999, 29,80 DM
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Dieser Artikel ist erschienen am 14.02.2001