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Turbo fürs Depot

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Flexible Sparraten und langfristig hohe Renditen machen Fonds zum idealen Baustein der privaten Altersvorsorge, besonders für alle, die noch 30 oder mehr Jahre bis zur Rente haben.Denn ein heute 30-Jähriger kann Kursschwankungen und Einbrüche problemlos aussitzen und auf der anderen Seite von den überdurchschnittlichen Kursgewinnen profitieren.
Acht Prozent Rendite - ja, gibt's das überhaupt noch? Gibt es. Internationale Aktienfonds erwirtschafteten in den letzten drei Jahrzehnten im Schnitt jährlich dieses Plus - trotz heftigster Börsencrashs. Für alle, die noch 30 oder mehr Jahre bis zur Rente haben, ist Fondssparen die ideale Form der privaten Altersvorsorge. Denn ein heute 30-Jähriger kann Kursschwankungen und Einbrüche problemlos aussitzen und auf der anderen Seite von den überdurchschnittlichen Kursgewinnen profitieren. Kaum eine andere Anlageform kann da mithalten. Schon kleine Renditeunterschiede von ein oder zwei Prozent summieren sich über die Jahrzehnte gewaltig: Wer zum Beispiel 30 Jahre lang monatlich 100 Euro spart, hat am Ende bei einer jährlichen Rendite von vier Prozent 68.500 Euro, bei sechs Prozent kommen 97.500 Euro heraus und bei acht Prozent sogar 141.000 Euro

Top-Fonds finden
Wer sich fürs Fondssparen entscheidet, hat die Qual der Wahl unter Tausenden Produkten: "Ideal für die private Altersvorsorge sind breit gestreute Aktienfonds, die weltweit die besten Aktien rauspicken und immer wieder auf aktuelle Trends reagieren, beispielsweise neue Technologien oder Boomregionen wie Indien oder China", empfiehlt Rainer Zuppe, Fondsexperte der Stiftung Warentest in Berlin

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Erste Wahl sollten Fonds sein, die seit vielen Jahren konstant gute Renditen erwirtschaften. "Da können Anleger am ehesten davon ausgehen, dass das Management es auch künftig schafft, erfolgreich auf Marktänderungen zu reagieren", sagt Vermögensberater Uwe Volkmer.
Um das Verlustrisiko gering zu halten, ist es ratsam, die Anlagesumme auf Fonds unterschiedlicher Gesellschaften mit verschiedenen Anlageschwerpunkten zu verteilen. Berufseinsteiger, die monatlich nur 100 Euro sparen können, haben auch die Möglichkeit, quartalsweise zu investieren. Die meisten Banken bieten Sparpläne ab 50 Euro, teilweise sogar schon ab 25 Euro an. Dass man mit solchen Mini-Sparraten bereits an der Börse mitmischen kann, macht den besonderen Charme des Fondssparens aus. Über die Jahre lässt sich nämlich auch so ein ordentliches Vermögen aufbauen, dass den Lebensstandard im Alter sichert. Wer beispielsweise in den vergangenen 30 Jahren monatlich 100 Euro in den DWS Vermögensbildungsfonds I investierte, kann heute gut 270.000 Euro kassieren. Ob solche Zuwachsraten auch in den kommenden Jahrzehnten realistisch sind, ist zwar unter Experten umstritten. "Dass Aktien langfristig auch weiterhin größere Erträge bringen werden als Anleihen oder Festgelder, ist allerdings sehr wahrscheinlich", sagt Finanzexperte Zuppe

Disziplin gefragt
Ein solches Vermögen aufzubauen, gelingt allerdings nur dem, der den Fondssparplan wirklich über Jahrzehnte konsequent durchzieht. Berater Volkmer: "Die Abbrecherquote ist enorm. Viele zahlen nur drei bis fünf Jahre am Stück ein." Denn der größte Vorteil des Fondssparens, die Flexibilität, ist gleichzeitig auch das größte Manko für den Langfristsparer. Jederzeit kann er ohne Extragebühren die Rate senken, den Sparplan aussetzen oder die Fondsanteile verkaufen. "Wenn ich in meinem jährlichen Depotauszug sehe, dass ich schon 25.000 Euro angespart habe, ist es natürlich sehr verführerisch, sich davon ein kleines Extra zu gönnen, etwa den teuren Plasmafernseher oder einen tollen Urlaub", weiß Volkmer

Wer der ständigen Versuchung widerstehen will, muss sich selber schon ein wenig austricksen: Zum Beispiel die Fondssparpläne über ein separates Konto laufen lassen, das Tabu ist. Oder seinen Fonds mit anderen Varianten der privaten Altersvorsorge kombinieren, etwa mit einer privaten Rentenversicherung, an die man nicht so ohne weiteres rankommt (siehe Artikel "Freund fürs Leben")

Jederzeit starten
Der richtige Einstiegszeitpunkt spielt beim Fondssparen, anders als bei der Einmalanlage einer größeren Summe, keine Rolle: Wer regelmäßig einen bestimmten Betrag in einem Fonds anspart, kauft mal zu hohen, mal zu niedrigen Kursen; die Schwankungen gleichen sich über die Jahre aus. Durch diesen so genannten Cost-Average-Effekt lohnt sich Fondssparen sogar in schlechten Börsenzeiten, weil der Investor dann für seine Sparrate besonders viele Fondsanteile günstig einkaufen kann. Sind die Anteile dagegen teuer, weil die Börse brummt, kauft man automatisch weniger Anteile

Um die Inflation zu berücksichtigen, empfehlen Experten die Höhe der Sparpläne von Zeit zu Zeit anzupassen, beispielsweise alle zwei, drei Jahre die monatliche Sparrate um fünf bis zehn Prozent zu erhöhen, je nachdem, was das monatliche Budget hergibt. Auch ein regelmäßiger Check, ob sich die eigenen Fonds im Vergleich zur Konkurrenz immer noch gut schlagen, gehört zum Pflichtprogramm. Wer bereits anderswo ein paar tausend Euro angespart hat oder einen Teil vom Urlaubs- oder Weihnachtsgeld für den Ruhestand zurücklegen will, kann auch größere Einmalinvestitionen vornehmen. Geht es um einen Betrag von 4.000 Euro oder mehr, ist es sinnvoll, die Summe nicht auf einen Schlag zu investieren, sondern etwa vierteljährlich, um zu unterschiedlichen Kurshöhen zu kaufen. Die Mindestbeträge für Einmalanlagen liegen bei den meisten Banken zwischen 200 und 500 Euro

Satte Rabatte
Beim Kauf eines Aktienfonds wird meist ein Ausgabeaufschlag von rund fünf Prozent fällig. Viele Direktbanken und Fondsvermittler bieten Kunden dagegen Rabatte bis zu 100 Prozent auf die Kaufgebühr - sowohl für Einmalanlagen als auch für Sparpläne. Auch die Depotgebühren sind bei Direktbanken meist wesentlich günstiger als bei der Hausbank oder Fondsgesellschaft. Zusätzlich kassieren die Fondsmanager der meisten Aktienfonds jährlich eine Managementgebühr von im Schnitt 1,5 Prozent, die aber in der Kursentwicklung des Fonds schon eingerechnet ist

Auch wenn es ihr Name suggeriert: Rentenfonds eignen sich wegen der spärlichen Rendite nicht besonders für junge Berufstätige, um damit für die Rente zu sparen. Erst ab Mitte 50 empfiehlt es sich, das angesammelte Fondsvermögen schrittweise von Aktien- in schwankungsärmere Rentenfonds umzuschichten, um das finanzielle Ruhekissen vor Kurseinbrüchen zu schützen. Bis dahin aber lohnt es, seine Aktienfonds zu füttern - und so ein möglichst großes Polster aufzubauen.?

Katja Stricker

Dieser Artikel ist erschienen am 27.11.2006