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Tuck School: Einzelkämpfer nicht gefragt

Ronald Alsop
Die kleine Business School in der reizenden, aber abgelegenen New England-Gemeinde Hanover legt auf Teamarbeit genauso großen Wert wie auf Finanzen und Stategie.
Einzelkämpfer brauchen sich gar nicht erst zu bewerben. Dieser Ratschlag sollte in den Aufnahmebedingungen der Tuck School of Business am Dartmouth College stehen. Die kleine Business School in der reizenden, aber abgelegenen New England-Gemeinde Hanover legt auf Teamarbeit genauso großen Wert wie auf Finanzen und Stategie. Die Studenten hier setzen auf Kameradschaft, sei das in Arbeitsgruppen, auf den Skihängen von Vermont oder bei Hähnchenflügeln zu 25 Cents in der Kneipe in der Olde Nugget Alley Nr. 5.

Tuck wurde soeben vom Wall Street Journal zur besten Business School der Welt gekürt. Die auf einer Umfrage unter Personalverantwortlichen in Unternehmen beruhende Rangliste führt Tuck dabei als die "kollegialste" Business School und gibt ihren Absolventen die besten Noten für zwischenmenschliche und kommunikative Kompetenz und Mannschaftsfähigkeit.

Die besten Jobs von allen


"Die Leute von Dartmouth zeichnen sich durch innere Bescheidenheit und Team-Orientierung aus; sie sind nicht so arrogant wie leider sonst so viele Jungakademiker mit einem MBA", urteilt Reid Jackson, ein Tuck-Absolvent aus dem Jahr 1996, der als Befragter bei der Untersuchung mitgewirkt hat. Er arbeitet derzeit als Vice President von Commerce One Inc., einer Software-Firma im kalifornischen Pleasanton.

Tuck bot im Jahr 1900 als erste Schule weltweit ein weiterführendes Betriebswirtschaftsstudium an. Damals umfasste der gesamte Jahrgang gerade mal vier Männer. Jetzt ist daraus ein Zwei-Jahres-Programm mit fast 400 Studenten geworden. Im Vergleich zu vielen der bekanntesten Business Schools ist das allerdings immer noch klein.

Die Schule ist nach Amos Tuck benannt, dem Vater des Mäzens der Schule, Edward Tuck. Der jüngere Tuck hatte der Schule anfangs 1.700 Vorzugsaktien der Great Northern Railway Co. of Minnesota gestiftet. Für eine jährliche Studiengebühr von 100 Dollar wurden die ersten Klassen in einem Gebäude abgehalten, das als "Pesthaus" bekannt war, weil es früher für Studenten mit ansteckenden Krankheiten genutzt worden war. Seitdem hat sich die Jahresstudiengebühr auf 30.250 Dollar erhöht.

Ein Jahrhundert später sind die Größe und Lage von Tuck vielleicht ihr größter Trumpf, aber sie stellen gleichzeitig auch die größten Hürden für den Fortschritt dar. "Das ist ein zweischneidiges Schwert", urteilt Sally Jaeger, bei Tuck verantwortlich für Studentenzulassung. "Wir können bei den Kursen nicht die gleiche Breite und Tiefe anbieten wie einige der größeren Schulen."

Associate Professor Eric Johnson, der 1999 von der Vanderbilt University zu Tuck kam, meint, die Dozenten genauso wie die Studenten "treffen eine Selbstauswahl", wenn sie hierhier kommen. "Entweder sagst du, das ist der beste Platz auf der Welt oder der gottverlassenste Ort auf Erden."

Tuck-Dekan Paul Danos hat in den letzten Jahren große Anstrengungen unternommen, die Mischung der Studenten zu verbessern und die Zahl der Dozenten zu erhöhen. Sein Ziel ist es, die Einschreibungen bei Tuck auf 480 zu erhöhen und die Studentenschaft durch mehr Frauen und Angehörige von Minderheiten, die derzeit 32 bzw. 16 Prozent der Gesamtzahl ausmachen, zu bereichern. Tuck hat die Fakultät seit 1998 um 23 Prozent auf 48 Dozenten ausgebaut und verlagert den Schwerpunkt in Richtung Forschung.

Berufswunsch Nummer eins der Tuck-Absolventen sind mit weitem Abstand Beratungsunternehmen, gefolgt vom Investmentbanking und anderen Finanzdienstleistungen. In Consulting- und Finanzgesellschaften kommen fast 80 Prozent der Studenten unter. Das erklärt auch das hohe Durchschnittsgehalt von Tuck-Absolventen. Im Jahr 2000 erhielten sie 91.223 Dollar, einen Bonus bei Unterzeichnung des Einstellungsvertrags von 21.523 Dollar und dazu einen garantierten Bonus zum Jahresende von 46.488 Dollar. Trotzdem sucht Tuck vermehrt nach Unternehmen aus anderen Bereichen, die Absolventen einstellen.

Im vergangenen Jahr hat die Schule daher umfassende Lehrplanänderungen vorgenommen. Das Curriculum wurde neu bearbeitet, um die Fächer Entrepreneurship, Technologie und globales Wirtschaftsgeschehen zu stärken. Diese Veränderungen gehen auf eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey & Co. zurück, die die Tuck School 1999 unter die Lupe genommen hatte. McKinsey hatte der Schule auch nahe gelegt, aggressiver beim Anwerben von Spitzenstudenten und Lehrkräften vorzugehen, engere Verbindungen zu führenden Unternehmen herzustellen und die Zahl der Dekane zu erhöhen, um die Schule effizienter verwalten zu können.

Das Geheimnis für die erfolgreiche Platzierung von Tuck-Absolventen sind die 7.400 Ehemaligen. So wie sie sich gegenseitig dabei geholfen haben, die Abschlussprüfungen zu bestehen, so bahnen sie den Weg zu den besten Jobs in ihren Firmen an. "Einmal ein Teil der Familie, immer ein Teil der Familie", stellt Steven Lubrano, Assistant Dean für Karriereberatung, fest. "Wir stellen Alumni unsere Karriere-Unterstützung ein ganzes Leben lang zur Verfügung. Wenn wir ihnen dabei helfen, den Job zu wechseln, dann erinnern sie sich daran und kommen auf uns zurück, um Leute anzuwerben."

Betrachtet man nur die Größe, dann verblasst das Alumni-Netz von Tuck im Vergleich zu denen anderer Schulen. Die Harvard Business School blickt beispielsweise auf stolze 66.000 Ehemalige. Aber Tuck verfügt vielleicht über die treueste Alumni-Gruppe: Rund 63 Prozent der Tuckies spenden jährlich der Schule, was nach Angaben von Dartmouth die höchste Rate unter allen amerikanischen Top-Wirtschaftsunis ist. Die Stiftungsgelder von Tuck haben sich seit 1995 auf rund 178 Millionen Dollar verdreifacht. In der laufenden "Kampagne" sind schon 57 Millionen Doller eingekommen.

Andrew Steele, als Direktor für Alumni-Angelegenheiten zuständig, hält über E-Mail engen Kontakt zu ihnen. Wenn Absolventen Nachwuchs bekommen, schickt Steele als kleine Geste Tuck-T-Shirts in Babygröße. Wenn er von der Beförderung von Alumni erfährt, dann schickt er ihnen einen Glückwunsch. Und wenn sie versetzt werden, versorgt er sie mit einer Liste der Adressen von Tuck-Absolventen in ihren neuen Wohnorten. Tuck lädt zudem regelmäßig Führungskräfte, viele von ihnen Alumni, auf den Campus ein: "Wenn wir sie einmal hier haben, dann haben wir sie für eine Weile", sagt Steele. "Und wenn das Wetter umschlägt, haben wir sie vielleicht sogar zwei oder drei Tage lang."
Dieser Artikel ist erschienen am 14.05.2001