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Tricks für Existenzgründer

Bernhard Köstler
Schon in der Startphase stellt ein Existenzgründer die Weichen für den (Miss-)Erfolg seines jungen Unternehmens. Junge Karriere zeigt, mit welchen Tricks Selbstständige vom ersten Tag an Steuern sparen und sich damit finanziellen Spielraum schaffen.
Gründen ist trendy - dank Bundeswirtschaftsminister Clement und seiner Bundesanstalt für Arbeit. Mehr als 135.000 Arbeitslosen haben die Arbeitsämter mit Ich-AG-Zuschüssen und Überbrückungsgeld bereits die Selbstständigkeit schmackhaft gemacht. Fest steht aber auch: Im Jahr 2002 machten nach Angaben des Bundesverbandes Junger Unternehmer knapp 390.000 neugegründete Firmen wieder dicht, nur 14 Prozent überlebten.

Hauptursache: Finanzprobleme. So fehlen häufig die Rücklagen, wenn das Finanzamt anklopft und Steuern kassieren will - für zurückliegende Jahre und als Vorauszahlung für künftige Monate.

Die besten Jobs von allen


Dabei ließen sich die finanziellen Engpässe leicht umgehen, wenn Gründer die vielen schicken Details in der Steuergesetzgebung für sich ausnutzen würden. Folgende Steuer-Tricks sollten Selbstständige deshalb schon vom Start ab parat haben:

Freiberufler fahren billiger

Wohl dem, der sich als Freelancer betätigen kann und kein Gewerbe anmelden muss. Der Status mindert Steuerlast und Buchführungspflichten erheblich. So müssen Gewerbetreibende mit mehr als 24.500 Euro Einkünften Gewerbesteuer zahlen, ein Großteil der Freiberufler zurzeit nicht.

Die aktuelle Debatte um die Gewerbesteuerreform wird nach Expertenmeinung allerdings darauf hinauslaufen, dass dieser Steuervorteil für Freiberufler ab dem kommenden Jahr abgeschafft wird und alle Selbstständigen in irgendeiner Form zur Kasse gebeten werden. Geringverdienergrenzen soll es aber auch dann noch geben

Tipp: Zugegeben, nicht alle Selbstständigen können an ihrem Status drehen - eine Event-Agentur oder ein Immobilienmakler werden aufgrund ihres Betriebszwecks immer ein Gewerbe anmelden müssen. Aber Journalisten mit PR-Ambitionen oder Web-Designer/-Programmierer können durch leichte Nuancen in ihrer Tätigkeit als das eine oder das andere durchgehen. Prinzipiell gilt: Je künstlerischer der Job, desto eher Freiberufler. Gründer, die Spielraum in der Schwerpunktsetzung haben, sollten mit Hilfe eines Steuerberaters ihre Möglichkeiten ausloten. Infos: www.freie-berufe.de und www.gs-journal.de/gsj-0202.htm.

Beim Gewinn tiefstapeln

Nachdem das Finanzamt entweder von der Gemeinde (bei Gewerbetreibenden) oder vom Gründer selbst (bei Freiberuflern) von der Existenzgründung erfahren hat, dauert es nicht lange, bis dem Jungunternehmer ein mehrseitiger "Gründungsfragebogen" ins Haus flattert. Neben Fragen zum eigentlichen Geschäftszweck wird hier scheinbar lapidar nach prognostizierten Umsätzen und Gewinnen gefragt.

Tipp: Bloß keine euphorischen Gewinnprognosen abgeben. Denn das Finanzamt setzt für den geschätzten Gewinn vierteljährliche Einkommensteuervorauszahlungen fest. Je höher also die Prognose, desto höher die Vorauszahlungen. Deshalb lieber pessimistisch tun und einen Anlaufverlust ankündigen. Erst wenn sich tatsächlich schwarze Zahlen abzeichnen, das Finanzamt um Anpassung bitten.

Firmensitz klug wählen

Wer sich als Gewerbetreibender selbstständig machen will, sollte für den Sitz seines Betriebs eine Gemeinde mit einem möglichst niedrigen Gewerbesteuerhebesatz ausspähen. Zwar ist nicht jedes Unternehmen so mobil, sich den Standort frei aussuchen zu können, aber wer beispielsweise als ortsungebundener Web-Programmierer oder Werbegrafiker loslegen will, sollte sich schon mal in den angrenzenden Gemeinden schlau machen (www.dihk.de). So liegt beispielsweise der aktuelle Hebesatz in Düsseldorf bei 455, im zehn Kilometer entfernten Hilden bei nur 380.

Auch Freiberuflern sparen durch die clevere Standortwahl eine Menge Geld, sollten sie ab 2004 ebenfalls Gewerbesteuer zahlen müssen.

Tipp: Von besonderer Tragweite ist der Firmensitz für Einzelunternehmer und Partner in Personengesellschaften wie einer GbR. Denn sie dürfen die auf ihren Gewinn bezahlte Gewerbesteuer teilweise auf ihre Einkommensteuerschuld anrechnen. Das Kuriose dabei: Die Höhe der Anrechnung ist immer gleich - unabhängig vom Hebesatz der Gemeinde und vom Gewinn. Wer also viel Gewerbesteuer zahlt, kann nicht automatisch mehr abziehen.

Beispiel: Zwei Einzelunternehmer erzielen jeweils einen Gewinn von 70.000 Euro. In As Gemeinde gilt ein Steuerhebesatz von 200, B muss mit 480 rechnen. In beiden Fällen ermittelt das Finanzamt einen Steuermessbetrag von 1.100 Euro. Das 1,8-fache dieses Messbetrags, also 1.980 Euro, dürfen beide auf ihre Einkommensteuerschuld anrechnen und das, obwohl A nur 2.200 Euro Gewerbesteuer, B dagegen 5.280 Euro Gewerbesteuer zahlen muss.

Investitionen vorher abschreiben

Existenzgründer haben in den ersten Jahren einen enormen Kapitalbedarf - der Zinsen kostet und zurückgezahlt werden will. Doch vor dem Gang zur Bank lässt sich die benötigte Kreditsumme noch einmal kräftig drücken: durch die so genannte Ansparabschreibung nach § 7g Abs. 7 Einkommensteuergesetz. Danach darf der Gründer für geplante Investitionen der nächsten sechs Jahre bereits 40 Prozent der voraussichtlichen Kosten als Betriebsausgaben ansetzen. So kann der Gewinn des laufenden Jahres steuerfreundlich klein gerechnet werden, ohne einen Cent ausgeben zu müssen.

Der Trick lohnt sich auch, wenn man im Gründungsjahr noch rote Zahlen schreibt, ergo keinen Gewinn zu versteuern hätte. Denn: Entstehen durch die 40-prozentige Ansparabschreibung Verluste oder erhöhen sie einen ohnehin bestehenden Verlust, können sie mit positiven Einkünften des Vorjahres verrechnet werden.

Begünstigt sind allerdings nur Investitionen in neue und bewegliche Anlagegegenstände wie Maschinen, Autos, Büroeinrichtung, EDV-Geräte. Ausgenommen sind Gebäude und Lizenzen. Die Gegenstände müssen noch nicht bestellt sein, es genügt, wenn man dem Finanzamt seine Investitionsabsicht nachweist.

Kauft man die vorab abgeschriebenen Produkte dann später doch nicht in der angekündigten Form oder zum angepeilten Preis, ist der Wert nachträglich als Betriebseinnahme zu versteuern.

Tipp: Vorababschreibungen dürfen auch zukünftige Gründer geltend machen. Allerdings müssen die Anlagegegenstände hier bereits verbindlich bestellt sein.

Beispiel: Ein Architekt macht sich in diesem Jahr selbstständig. Computer, Büroausstattung und Pkw sind zurzeit zwar noch brauchbar, müssten aber bald komplett erneuert und aufgerüstet werden. Kosten: 70.000 Euro. Ansparabschreibung: 28.000 Euro (=40 Prozent der Investition). Für 2003 erwartet der Architekt einen Gewinn von 10.000 Euro, aus dem Vorjahr hatte er noch 32.000 Euro zu versteuern.

Nach § 7g EStG kommt es zu folgender Steuererstattung:

Einkünfte 2003
ohne Ansparabschreibung 10.000 Euro
= Reguläre Steuerlast 2003 645 Euro
Einkünfte 2003
mit Ansparabschreibung (10.000 - 10.000) 0 Euro
= Steuerersparnis 2003 645 Euro
Einkünfte 2002 32.000 Euro
= Reguläre Steuerlast 2002 7.505 Euro
Einkünfte 2002
nach Verlustrücktrag aus 2003
(32.000 - 18.000) 14.000 Euro
= Steuerersparnis 2002 5.825 Euro


Ausgaben vorher absetzen

Betriebsausgaben können die Steuerlast schon im Vorfeld der eigentlichen Gründung senken. Die angefallenen Kosten werden mit den Einkünften des Gründers verrechnet und führen so zur Steuererstattung.

Typische Vorgründungskosten sind Eintrittsgelder für Startup-Messen, Beratungshonorare, Fachliteratur, Software, Telefonkosten sowie Kilometergeld für Fahrten mit dem eigenen Pkw im Rahmen der Gründung (pauschal 30 Cent pro Kilometer)

Dem Finanzamt teilt der Unternehmer in spe die "vorweggenommenen" Betriebsausgaben auf einem Extrabogen mit, fügt alle Quittungen bei und erklärt jeweils den Zusammenhang zur Selbstständigkeit. Die Summe läuft dann in der Anlage GSE zur Einkommensteuererklärung als Verlust - Betriebseinnahmen gibt es ja noch nicht

Tipp: Den Vorabzug muss das Finanzamt selbst dann akzeptieren, wenn der Gründer den Schritt in die berufliche Selbstständigkeit am Ende doch nicht wagt.

Beispiel: Sebastian Wohlgemut (ledig, 40.000 Euro Einkommen) möchte sich im Januar 2004 als Computerspezialist selbstständig machen. Bereits im Jahr 2003 gibt er 3.130 Euro für Existenzgründerseminare, ein Buchhaltungsprogramm und Telefonate auf der Suche nach Büroräumen aus.

Seine Steuerlast für 2003:
ohne Angabe der Vorab-Ausgaben 10.717 Euro
mit Angabe 9.417 Euro


Leichter Kassensturz für Kleine

Startet ein Selbstständiger nicht gerade als Kapitalgesellschaft, darf er seinen Gewinn in aller Regel nach der einfachen Einnahmen-Überschuss-Rechnung gemäß § 4 Abs. 3 Einkommensteuergesetz ermitteln: Relevant und zu versteuern ist nur, was in einem Jahr tatsächlich eingenommen oder bezahlt wurde. Warenbewertungen, Rechnungsabgrenzungen aus anderen Jahren und kostenintensive Bilanzarbeiten bleiben den Selbstständigen erspart.

Erst wenn der Umsatz erstmals 350.000 Euro oder der Gewinn 30.000 Euro übersteigt, will das Finanzamt zum nächsten Jahresersten eine Eröffnungsbilanz sehen.

Gründer, die aus haftungsrechtlichen Gründen mit einer GmbH oder einer AG starten, müssen von Anfang an bilanzieren. Freiberufler sind von diesen Regeln und Grenzwerten gar nicht betroffen. Sie dürfen ihren Gewinn stets über die einfache Buchhaltung ermitteln.

Über die Umsatzsteuer sparen

Grundsätzlich muss jeder Selbstständige Umsatzsteuer (alias Mehrwertsteuer) auf seine Rechnungen aufschlagen. Diesen Betrag reicht er bei Zahlungseingang als durchlaufenden Posten gleich ans Finanzamt weiter - wegen der nötigen monatlichen oder vierteljährlichen Voranmeldungen ein lästiges Verfahren

Im Gegenzug können Selbstständige jedoch die so genannte Vorsteuer - also Umsatzsteuer, die sie auf eigene Anschaffungen zahlen mussten - gegenrechnen.

Wer diesen Steuervorteil nicht nutzen will, weil er zum Beispiel kaum Investitionsbedarf hat, kann sich auf Antrag als Kleinunternehmer nach § 19 Umsatzsteuergesetz einstufen und damit von der Umsatzsteuerpflicht befreien lassen. Voraussetzung: Der Umsatz muss im ersten Jahr weniger als 17.500 Euro, in den Folgejahren unter 50.000 Euro betragen.

Tipp: Wer sich nicht befreien lässt, profitiert von einem in der Praxis kaum bekannten Bonus, der "Vorsteuerpauschalierung nach § 23 Umsatzsteuergesetz". Danach dürfen Selbstständige, die nicht bilanzieren müssen und deren Umsatz maximal 61.356 Euro beträgt, ihre Vorsteuern abhängig vom Umsatz pauschal ermitteln. So sparen sie sich das mühsame Sortieren aller Quittungen und rechnen stattdessen einen Pauschalbetrag bei der Umsatzsteuer gegen. Welcher Prozentsatz für die jeweilige Branche gilt, steht in der Umsatzsteuerdurchführungsverordnung, §§ 69 und 70, Anhang.

Sind am Ende des Jahres real weniger Vorsteuerkosten entstanden, als pauschal veranschlagt, freut sich der Selbstständige: Er darf die Differenz "behalten".

Stellt er fest, dass er viel in seinen Betrieb investiert und mehr Vorsteuer gezahlt hat, als pauschal angenommen, kann er die Differenz in der Steuererklärung nacherklären - verliert also nichts.

Beispiel: Eine selbstständige Journalistin erzielt im ersten freiberuflichen Jahr netto 40.000 Euro Umsatz. Dafür muss sie 2.800 Euro Umsatzsteuer (sieben Prozent) ans Finanzamt durchleiten. Für ihr Büro hat sie kein teures neues Equipment angeschafft, sondern kommt gerade mal auf 600 Euro gezahlte Vorsteuer aus den beglichenen Rechnungen. Nach Gegenrechnung müsste sie also 2.200 Euro abführen.

Das Umsatzsteuergesetz erlaubt Journalisten jedoch die Anrechnung pauschaler Vorsteuern in Höhe von 4,8 Prozent des Nettoumsatzes, hier also 1.920 Euro. Nach Gegenrechnung muss sie also jetzt nur noch 880 Euro ans Finanzamt weiterleiten - satte 1.320 Euro weniger.
Buchtipp: Gewinnermittlung für Selbständige. Bernhard Köstler, Beck-Verlag, München 2001, 12,50 Euro (Neuauflage im Dezember 2003).
Gut in Form

Welche Rechtsform für ein Unternehmen ideal ist, hängt entscheidend vom Geschäftszweck ab. Trägt der Gründer ein hohes (finanzielles) Risiko, bietet sich die GmbH an. Möchte man nur als Powerseller bei Ebay handeln, genügt der Start über ein Einzelunternehmen.

Nach einer aktuellen Studie des Zentrums für Europäische Wirtschafsforschung (ZEW) sind Personengesellschaften wie die GbR oder Einzelunternehmen steuerlich günstiger als Kapitalgesellschaften wie GmbH oder AG. Grund ist die seit 2001 mögliche Anrechnung der Gewerbe- auf die Einkommensteuer. Daran sollte auch die aktuell diskutierte Gewerbesteuerreform nichts ändern.

Hier ein Überblick über die gängigsten Rechtsformen, für die sich Gründer entscheiden:

Einzelunternehmen

Geeignet für: Kleinstgewerbetreibende, Selbstständige im Nebenberuf, Handwerker
Kapital: kein Mindestkapital notwendig
Haftung: unbegrenzt mit dem gesamten - auch privaten - Vermögen
Steuer: Gewinn wird mit persönlichem Steuersatz besteuert.

Gesellschaft des bürgerlichen Rechts (GbR)

Geeignet für: Zwei Personen, die sich zu geschäftlichen Zwecken zusammenschließen.
Kapital: kein Mindestkapital notwendig
Haftung: unbegrenzt mit dem gesamten - auch privaten - Vermögen
Steuer: gemeinsame Gewinnermittlung, Besteuerung je nach vereinbartem Gewinnanteil mit dem persönlichen Steuersatz.

GmbH

Geeignet für: Geschäfte mit hohen Risiken
Kapital: mindestens 25.000 Euro
Haftung: begrenzt auf Kapitaleinlage
Steuer: Besteuerung des Gewinns mit 25% Körperschaftsteuer; Ausschüttungen an den Gesellschafter stellen bei diesem Kapitalerträge dar; er kann sich auch als Geschäftsführer anstellen lassen.
Dieser Artikel ist erschienen am 27.10.2003