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Trainings für Franchise-Nehmer

Hans Lang
Bei kaum einem Thema lügt sich die Franchise-Wirtschaft in Deutschland so in die Tasche wie bei den Trainingsangeboten für die Franchise-Nehmer. Jedem neuen Franchise-Nehmer ist zu raten, vertragliche Regelungen rechtzeitig auf den Prüfstand der Systempraxis zu stellen.
Bei kaum einem Thema lügt sich die Franchise-Wirtschaft in Deutschland so in die Tasche wie bei den Trainingsangeboten für die Franchise-Nehmer. Welche einmaligen und laufenden Trainingsangebote muss ein Franchise-Geber bieten? Wer bezahlt dafür? Auf dem Papier bieten nahezu alle Franchise-Systeme umfangreiche Schulungen ihrer Franchise-Nehmer an, um dadurch existierende Defizite bei Geschäftsgründung abzubauen und den Franchise-Nehmer mit den Erfordernissen des Tagesgeschäfts vertraut zu machen. Jedem neuen Franchise-Nehmer ist zu raten, diese vertraglichen Regelungen rechtzeitig auf den Prüfstand der Systempraxis zu stellen.

Die Vereinbarung mit dem Franchise-Geber muss in jedem Fall Art und Umfang der vom Franchise-Geber angebotenen Trainingsmaßnahmen bestimmen. Am besten enthält die Anlage zum Franchise-Vertrag eine detaillierte Übersicht über das jeweils aktuelle Schulungsprogramm, sofern dieses nicht ausführlich im Handbuch oder im Intranet des Franchise-Gebers dokumentiert ist.

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Bei den Schulungen der Franchise-Nehmer unterscheidet man zwischen (auch für den Franchise-Geber) verpflichtenden Trainingsmaßnahmen und Angeboten, die der Franchise-Nehmer in Anspruch nehmen kann. Zur Pflicht gehört in erster Linie die Anfangsschulung, auf die quasi ein rechtlicher Anspruch besteht. Ein Franchise-Geber muss einem neuen Franchise-Nehmer das notwendige Know-how für sein neues Geschäft rechtzeitig vor Geschäftseröffnung übertragen. Nicht selten beschränkt sich diese Anfangsschulung auf ein oder zwei Tage und ist rein produktorientiert. In keinem Fall können hier Veranstaltungen der Hersteller oder Lieferanten dem Anspruch genügen. Selbst bei einer umfangreichen Schnupperphase vor der Unterschrift unter den Franchise-Vertrag, zum Beispiel bei bestehenden Franchise-Nehmern, muss die Anfangsschulung für alle Franchise-Nehmer ausführlich die Bereiche Marketing, Verkaufsförderung, Logistik, betriebswirtschaftliche Erfolgs- und Kennzifferrechnung einschließlich Betriebsvergleichen, Personalführung und IT-Systeme beinhalten. Hintergrund muss immer das besondere Geschäftskonzept des Franchise-Gebers sein.

Die sonstigen verpflichtenden Trainingsmaßnahmen eines Franchise-Systems ergeben sich aus den Besonderheiten des jeweiligen Geschäfts und können, zum Beispiel bei sehr anspruchsvollen Dienstleistungen und im Handwerk, durchaus mehrere Wochen pro Jahr belegen. Gemeinsam ist allen Franchise-Systemen die ständige Auseinandersetzung mit Verkaufstechnik und -psychologie, Kundenbindung, Verkaufsförderungsmaßnahmen, Personalmotivation und -führung, EDV- und Abrechnungssystemen, Fachfragen, Buchhaltung oder Controlling. Die freiwilligen Schulungen greifen weitere Verästelungen dieser Thematiken und benachbarte Inhalte auf, die auch sehr stark in die Persönlichkeitsbildung eingehen können und sollten.

In der Regel stellt der Franchise-Geber keine Aufwendungen für die Pflichtschulungen in Rechnung - bis auf Anreise und vielleicht eine Übernachtungspauschale. Bei den freiwilligen Trainings bezahlt der Franchise-Nehmer oft bis hin zu Marktpreisen alles. Kein Franchise-System könnte das verlangte professionelle Schulungsangebot ohne einen Kostenbeitrag der Franchise-Nehmer zur Verfügung stellen. Immerhin darf ein Franchise-Geber nicht warten, bis eine größere Anzahl Franchise-Nehmer für eine Schulung vorhanden ist, sondern muss auch wenige Teilnehmer trainieren.

Für jeden Jungunternehmer ist es unverzichtbar, sich laufend aus- und fortzubilden. Der Anschluss an ein Franchise-System sollte dies für ihn wirtschaftlicher und punktgenauer ermöglichen. Besonders effizient sind die so genannten Akademien größerer Franchise-Systeme, die zum Teil von Weiterbildungsprofis extern betrieben werden. Zukünftig verlagern sich die Benchmarks für einen Existenzgründer im Franchising auf Systeme, die Basiswissen und System-Know-how in Form auch technisch überzeugender Intranets liefern, die das Verhaltenstraining bei Präsenzseminaren fokussieren und den Einstieg in das e-Learning gefunden haben. Stets gilt dabei der Grundsatz, dass der beste Trainer eines Franchise-Nehmers der Franchise-Geber oder ein erfahrenerer Franchise-Nehmer ist.
Dieser Artikel ist erschienen am 25.06.2001