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Traineeship in den Niederlanden

Martin Reiter
Zwischen Pommesbuden und Hollandrädern - Martin Reiter erzählt von seinen Erfahrungen beim Internet-Startup Add is Multiply in Den Haag.
Jobbörsen, Finanzdienste, Unterhaltung - Das sind die Spezialgebiete von Add is Multiply, einem 1997 gegründeten Internet-Unternehmen aus Den Haag. Seit September 2001 gehöre ich dort zum Team: Als Trainee absolviere ich in einem Zeitraum von sechs Monaten eine Ausbildung zum Country Manager und Internet Marketing Executive.

Von Fulda nach Den Haag

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Ich habe an der Fachhochschule Fulda Betriebswirtschaftslehre studiert und wollte nach meinem Studienabschluss auf jeden Fall Arbeitserfahrung im Ausland sammeln. Schon gegen Ende meines Studiums habe ich deshalb Kontakt zu Unternehmen im Ausland aufgenommen und mich parallel bei der internationalen Studentenorganisation AIESEC beworben.

Die vermittelte schließlich den Kontakt zu Add is Multiply aus Den Haag. Die Aufgabenbeschreibung des niederländischen Unternehmens hat mir sehr gut gefallen. Weil auch das erste Telefongespräch mit meinem zukünftigen Vorgesetzten positiv verlief, entschied ich mich, dort ein Traineeship zu beginnen.

Projekt CVbank

Meine wichtigste Aufgabe bei Add is Multiply ist die Betreuung des Projekts www.cvbank.de. Auf dieser Internetseite können Jobsuchende ihren Lebenslauf (Curriculum Vitae = CV!) hinterlassen, um sich potenziellen Arbeitgebern zu präsentieren. Die niederländische Version von CVbank ist sehr erfolgreich und gehört zu den Top Ten der Jobsites des Landes. Deshalb versucht Add is Multiply, die CVbank auch in Deutschland einzuführen.

Zusätzlich zum Site Management und der Administration besteht meine Aufgabe darin, cvbank.de als Jobbörse in Deutschland zu etablieren. Dabei habe ich vollkommen freie Hand. Das heißt, ich kann die erforderlichen Marketingmaßnahmen selbst prüfen und bestimmen. Dazu gehörten in der Vergangenheit zum Beispiel Umfragen unter potenziellen Usern, Presseerklärungen, die Kontaktaufnahme mit PR-Agenturen und der Eintrag von www.cvbank.de in die wichtigsten Suchmaschinen. Außerdem darf ich über die Vergabe von Budgets selbst entscheiden.

Auch die weitere Marktbearbeitung liegt in meinem Aufgabenbereich. Ich bemühe mich also zum einen, die CVbank mit Lebensläufen von interessanten Bewerbern zu füllen. Zum anderen versuche ich, Unternehmen als Kunden zu gewinnen, die auf der Suche nach Mitarbeitern sind.

Motivation durch Verantwortung

Das Durchschnittsalter der 15 Mitarbeiter von Add is Multiply liegt momentan bei etwa 28 Jahren. Außer mir gibt es noch weitere vier Trainees aus Schweden, England, Frankreich und Belgien, mit denen ich mich sehr gut verstehe. Auch die niederländischen Kollegen sind immer hilfsbereit, freundlich und offen für neue Vorschläge und Ideen.

Die Arbeitsatmosphäre ist daher entspannt und informell. Mich motiviert vor allem die Übertragung von Verantwortung, die viel Eigeninitiative und Selbständigkeit von mir fordert. In wöchentlich stattfindenden Feedback-Runden mit meinem Betreuer werden der aktuelle Stand der Projekte besprochen und weitere Schritte vereinbart.

Pommesbuden statt Geldautomaten

Aus meinen bisherigen Erfahrungen kann ich sagen, dass sich die niederländische Kultur nicht wesentlich von der deutschen unterscheidet. Trotzdem gibt es so einige Unterschiede:

Zunächst im Verkehrsverhalten: Bekanntlich fahren die Niederländer sehr gerne und viel mit dem Fahrrad. Zu meiner Überraschung sind auch Geschäftsleute im Anzug ständig mit dem Fahrrad unterwegs; aber nicht mit modernen Mountainbikes, sondern mit den unverwüstlichen Hollandrädern.

Im Gegensatz zu Deutschland gibt es in den Niederlanden jede Menge Fastfood-Buden, dafür aber kaum Bankautomaten; vor denen bilden sich meist lange Schlangen.

Generell läuft das Leben hier ein wenig relaxter ab als in Deutschland. Auf Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit wird aber trotzdem Wert gelegt.

Keine Verständigungsprobleme

Sprachlich sollte man als Deutscher in Holland keine Probleme haben. Zunächst hatte ich den Eindruck, dass es sich um eine merkwürdige Mischung aus Deutsch und Englisch handelt: So als ob ein Deutscher versuchen würde, sich mit wenigen Englischkenntnissen auf Englisch verständlich zu machen. Deshalb kann ich auch ein Großteil verstehen oder zumindest erahnen. Aber die meisten Niederländer sprechen ohnehin ausgezeichnet Englisch. Auch die Unternehmenssprache bei Add is Multiply ist wie bei fast allen niederländischen Unternehmen Englisch.

Fazit

Meinen Entschluss, ein Traineeship in den Niederlanden zu absolvieren, habe ich keinesfalls bereut. Natürlich musste ich mich für einen längeren Zeitraum von Freunden, Bekannten und Familie trennen und mit einer neuen Kultur zurechtkommen. Aber wenn man sich vorher gut auf die neue Situation vorbereitet hat, kann meiner Ansicht nach wenig schiefgehen.

Die Verantwortung, die ich hier übernommen habe, ist für mich ein sehr wichtiger Motivationsfaktor. Das macht es mir leicht, mich mit dem Unternehmen und seinen Zielen zu identifizieren. Auch entschädigt es mich für die relativ geringe Bezahlung von etwa 1.500 Mark netto. Alles in allem handelt sich um eine sehr herausfordernde Aufgabe für einen Hochschulabsolventen. Die praktischen Erfahrungen, die ich hier sammle, finde ich viel interessanter und lehrreicher als so manche fade Vorlesung während des Semesters.

Deshalb kann ich ein solches Traineeship und speziell die Erfahrung bei Add is Multiply jedem Interessierten empfehlen. Ab März 2002 werden wieder Traineestellen frei. Eine Bewerbung lohnt sich immer!

Kontakt:
martin@addism.com oder martinreiter@gmx.de

Kontaktperson für Trainees bei Add is Multiply:
Jan Geerts (jan@addism.com)

Links:
www.niederlande.de
www.aiesec.org
www.mytraineeship.com
www.addism.com
www.cvbank.de
Dieser Artikel ist erschienen am 15.11.2001