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Tränen unter Investoren

Von Eberhard Krummheuer
Heute präsentiert Tui-Chef Frenzel seine neue Strategie. Die Hoffnung auf einen großen Wurf ist gering. Für einige Anleger steht der Unternehmensname Tui immerhin bereits für ?Tränen unter Investoren? oder ? in Anspielung auf den Kurs der Aktie ? ?tief unter Index?.
HANNOVER. Erkennbar aus der Ruhe hatte es ihn nicht gebracht: Tui, das sei die Abkürzung für ?Tränen unter Investoren? oder ? in Anspielung auf den Kurs der Aktie ? ?tief unter Index?. Nein, auf der Hauptversammlung im Mai in Hannover hatte Michael Frenzel Hohn und Spott der Fondsmanager an seiner seriösen Bankerfassade unbeeindruckt abperlen lassen.Doch wer ihn in den letzten Wochen beobachten konnte, berichtete: Hinter der zur Schau getragenen Gleichmut ist der Vorstandschef der Tui erkennbar dünnhäutiger geworden. Klar, die Finanzinvestoren belassen es nicht mehr bei Hohn und Spott, wenn es um die Zukunft des Konzerns geht, der in der Touristik Europas Nummer eins ist und in der Container-Schifffahrt mit der Tocher Hapag-Lloyd weltweit die Nummer fünf. Vielmehr bedrängen sie Frenzel massiv, die Tui endlich fit zu machen für neue Ertragskraft. Heute nun will er dem Aufsichtsrat seine neue Strategie vorstellen.

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Ernste Probleme hat der Gleichmütige, stets so Seriöse. Zwar hat er sein Ziel, das alte Stahlkonglomerat Preussag in den Touristikdienstleister Tui umzuwandeln, über die Jahre unbeirrt verfolgt und inzwischen umgesetzt. Doch die Aktie ist kaum noch ein Drittel wert. Und so unbeirrt Frenzel diesen Wandel vorantrieb, so zögerlich wirkt er dabei, den neu geformten Konzern voranzubringen. Statt Beharrlichkeit eher Beharrung: Wichtige Entscheidungen fallen nicht, oder sie fallen zu spät, monieren unisono Analysten, Aktionäre und Finanzinvestoren.Kein mitreißender RhetorikerMag sein, dass der Eindruck auf die überwiegend temperamentlosen öffentlichen Auftritte des Tui-Chefs zurückzuführen ist ? er ist nun einmal kein mitreißender Rhetoriker, kein Manager, der für seine Strategien begeistern kann. Und das in der Touristik: Der einstige Schützling der schillernden WestLB-Legende Friedel Neuber, der ihn bis zu seinem Tod vor zwei Jahren als Tui-Aufsichtsratschef begleitete, scheint das bunte Umfeld dieser Branche nicht verinnerlicht zu haben.Mag aber auch sein, dass es mit der Strategie nicht so gut bestellt ist: Die Reisewelt hat sich seit den Anschlägen des 11. September 2001 verändert, immer wieder gab es Meldungen über neuerlichen Terror, hinzu kamen Tsunami und Sars-Epidemie. Und der Wandel des Geschäfts: Die Pauschalreise, Domäne der vielen Tui-Konzerntöchter, verliert Kunden, denn im Zeitalter der Billigflieger gestalten viele Urlaubswillige ihre Reise aus ?Bausteinen? im Internet selbst. Keiner habe ahnen können, dass der 11. September das so glänzend erscheinende Geschäft derart zum Negativen verändern würde, hat Frenzel einmal sinngemäß gesagt. Da werden ihm viele Wettbewerber Recht geben. Nur muss er sich fragen lassen, ob er daraus nicht hätte Lehren ziehen und die Touristik energischer umbauen müssen.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Kritik an ?Zwei-Säulen-Strategie?Kritik an ?Zwei-Säulen-Strategie?Kritikern gilt der Endfünfziger, der bei Heimspielen des von seiner Firma ? noch ? gesponsorten Bundesligaclubs Hannover 96 gerne in der Loge im Stadion sitzt, als zu wenig entscheidungsstark. Er laufe Entwicklungen hinterher, statt sie frontal mit neuen Ideen anzugehen.Immer wieder werden dafür zwei Beispiele angeführt: Das erste ist die vor zwei Jahren wie aus dem Hut gezauberte ?Zwei-Säulen-Strategie?: 2004 verabschiedete sich Frenzel vom reinen Tourismuskonzern und erklärte die Schifffahrt überraschend zur zweiten Säule ? jene Sparte, die er nur Monate zuvor noch an die Börse bringen wollte. Dann kaufte er die kanadische CP Ships hinzu, und stürzte den in puncto Nettoverschuldung immer an der Schmerzgrenze laborierenden Konzern weiter in die Verpflichtungen. Und das alles zu einem Zeitpunkt, als die Branche bereits unter dem Verfall der Frachtraten stöhnte. Der Kauf kam so zur Unzeit, im letzten Quartal schrieb Hapag-Lloyd rote Zahlen.Wenig glückliche Hand nachgesagtDas zweite Beispiel: Wenig glücklich ist die Hand des Tui-Chefs auch bei der Suche nach neuen ertragsstarken touristischen Geschäftsfeldern. So schwebt ihm vor, mit einer eigenen Flotte in den aufstrebenden Massenmarkt der Preiswert-Kreuzfahrten einzusteigen. Übersehen hatten er und seine Experten, dass der Konzern angesichts ausgelasteter Werftkapazitäten überhaupt keine Chance hatte, mit eigener Flotte in See zu stechen ? vom Investitionsbedarf einmal ganz abgesehen.So überrascht es kaum, dass von der Strategiesitzung des Aufsichtsrats am heutigen Donnerstag kaum ein großer Wurf erwartet wird ? außer ein rigides Sparprogramm, das der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende und Verdi-Vorstand Jan Kahmann schon im Vorfeld als wenig überzeugend aburteilte.Die Person Frenzel wird noch nicht zur Disposition stehen, sagen die Branchen-Auguren. Doch viel Zeit bleibt ihm nicht: Zur nächsten Hauptversammlung sollte er das Haus bestellt haben. Dazu zählt nicht nur eine überzeugende Restrukturierung, sondern auch ein unternehmerischer Ansatz, die Tui zu neuer Ertragskraft zu bringen.Und er sollte die Aktionärsstruktur aufgebessert haben: Frenzel muss einen Großinvestor von der Tui überzeugen ? nur so kommt der Konzern aus der Küche der Übernahmegerüchte heraus.Lesen Sie weiter auf Seite 3: Vita von Michael Frenzel Vita von Michael Frenzel1947 wird er am 2. März in Leipzig als Sohn eines Schuhmachers geboren.1955 siedelt seine Familie in den Westen über und kommt bei Verwandten in Duisburg unter. Frenzel verpflichtet sich für zwei Jahre als Zeitsoldat und studiert dann in Bochum Jura.1980 beginnt er als Trainee bei der Sparkassenorganisation. Anschließend wird er Büroleiter von WestLB-Chef Friedel Neuber, dann Leiter des Beteiligungsbereichs.1988 geht er in den Preussag-Vorstand.1994 wird er Vorstandsvorsitzender und leitet den Wandel von der Preussag zur Tui ein.
Dieser Artikel ist erschienen am 14.12.2006