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Totale Tortur

Jens Koenen
Viele hatten den Traditionskonzern Triumph-Adler bereits aufgegeben. Doch Robert Feldmeier hat den ehemaligen Schreibmaschinenhersteller saniert ? radikal und mit japanischer Hilfe. Nun will er ihn zur Nummer eins im Geschäft rund um Drucker formen.
FRANKFURT. Die Augen hinter der Brille saugen begierig alles auf, was um ihn herum passiert. Das ganze Gesicht strahlt Kraft und Beharrlichkeit aus. Hier sitzt einer, der weiß, was er will.Deshalb kann Robert Feldmeier, Vorstandschef des Dokumenten-Spezialisten Triumph-Adler (TA), nur lachen, wenn die Sprache auf die Diskussion über ausländische Firmenkäufer und die von einigen Politikern geschürten Ängste kommt.

Die besten Jobs von allen

?Das ist schädlich für den Standort Deutschland. Ausländische Investoren sollten und müssen genauso betrachtet werden wie die übrigen Aktionäre?, sagt er freundlich ? aber bestimmt.Der 50-Jährige weiß, wovon er redet. Im Jahr 2003 holte Feldmeier den japanischen Bürogeräte-Hersteller Kyocera Mita als Großaktionär an Bord. Damit zählt das Unternehmen TA zu den wenigen deutschen Konzernen, die einen gewichtigen Anteilseigner aus Japan an Bord haben.Der Plan war nicht ohne Risiko, schließlich befand sich TA zu der Zeit mitten in einem tiefen Sanierungsprozess. Doch der Erfolg hat Feldmeier recht gegeben. Gerade hat TA aktuelle Zahlen vorgelegt. Nach vielen Jahren mit Verlust liegt das Konzernergebnis für 2007 bei 40,7 Millionen Euro, das zweite Jahr in Folge mit einem Plus. Der Umsatz ist um zehn Prozent auf 416 Millionen Euro gestiegen. Der Turn-around ist Feldmeier nicht nur geglückt, er scheint auch dauerhaft zu sein.Triumph-Adler!Vier von fünf Bundesbürgern kennen die Marke, die einst den von Walter Gropius entworfenen Adler als Zeichen trug, und wissen doch nicht, was die Firma heute macht: Sie berät Unternehmen, wie sie beim Drucken, Faxen und dem Management von Dokumenten Geld sparen können.Die Geschichte von TA ist verworren und geprägt von ständig neuen Besitzern. Sie beginnt 1896 in Nürnberg als Fahrradfabrik. Dann kommen Schreibmaschinen und Motorräder hinzu. Der legendäre Nachkriegsunternehmer Max Grundig steigt ein, später Volkswagen und Olivetti.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Ein Mann mit Fingerspitzengefühl wie die Pferdeflüsterer Schließlich landet TA bei Investoren und wird zu einer bunt gemischten Mittelstandsholding umgebaut, die viel anbietet von Büroartikeln über Elektronik bis hin zu Puppen. Das konnte auf Dauer nicht gutgehen.In dieser Zeit, 2001, rückt ein junger Mann in den Vorstand auf: Robert Feldmeier. Er kommt von IBM und hat gelernt, wie eine Firma sich neu erfindet. Er weiß: Eine Konzentration auf das Kerngeschäft Büro muss her. Sparten und Töchter werden verkauft, Mitarbeiter entlassen ? ?auch eine Seite des Managerberufs?, sagt Feldmeier leise.Überstunden werden geschoben. Ein Gehaltsstopp wird verkündet. Feldmeier kämpft. ?Er hat die Firma mit klaren Ansagen, aber auch mit Fingerspitzengefühl geheilt, wie diese berühmten Pferdeflüsterer. Er ist jemand, der seinen Weg unbeirrt fortsetzt?, sagt ein Wegbegleiter.Auch privat: Feldmeier fährt leidenschaftlich gerne mit seiner Ducati. Mit dem Mountainbike geht es ? sofern die Zeit es zulässt ? in die Alpen. Legendär sind seine regelmäßigen Wanderungen mit dem Management. Für viele Kollegen sind die Touren mit ihrem durchtrainierten Chef eine Tortur.Ende 2004 schließt Feldmeier die letzte Produktion, kein einfacher Schritt, wie er heute einräumt. Von einst 4 000 auf 1 300 Mitarbeiter hat er TA mittlerweile gestutzt. Aber er hat den Mitarbeitern nie etwas vorgemacht, stets Tacheles geredet. Dennoch unterstützen sie ihn. ?Andere hätten keinen müden Cent und keine Stunde Arbeit mehr in TA investiert?, sagt einer von ihnen. Nur als 2003 die Idee mit dem neuen Großaktionär Kyocera hochkommt, da zuckt der eine oder andere zusammen. Ob das gutgeht?Es geht gut. Und Feldmeier hat die Öffnung bis heute nicht bereut. ?Es ging darum, das Wachstum und das Sanierungskonzept abzusichern mit einem Partner, der uns industriell unterstützen konnte.? Heute ist Kyocera mit rund 30 Prozent größter Aktionär von TA. Die Japaner bauen 80 Prozent der Geräte ? Fax- und Drucker ?, die TA unter dem eigenen Label in Deutschland verkauft. TA sorgt für die Dienstleistungen und die Software, mit der sich die Abläufe rund um das Management von Dokumenten verbessern lassen.Natürlich, erinnert sich Feldmeier, sei es mit dem neuen Aktionär nicht einfach gewesen. ?Mit Japanern zu arbeiten ist etwas völlig anderes als mit Amerikanern. Und für Kyocera war ich auch sicherlich ein Exot?, sagt er.Lesen Sie weiter auf Seite 3: In Japan eckte er an Doch heute blickt er mit einem Lächeln zurück, etwa auf einen seinen ersten Besuche beim neuen Großaktionär in Japan. Es ging um eine wichtige Entscheidung. ?Wie gewohnt, bin ich sehr schnell zur Sache gekommen und habe eine konkrete Frage gestellt?, erzählt Feldmeier. ?Daraufhin herrschte zig Minuten Schweigen, eine sehr unangenehme Situation.?In Japan laufe vieles über Vertrauen. ?Das muss man sich lange erarbeiten, etwa indem man jahrelang das erreicht, was man versprochen hat und enge private Kontakte pflegt?, berichtet der Manager. Mittlerweile habe er diese Vertrauensbasis geschaffen.So kann sich der Wanderer Feldmeier ganz auf seine nächste Etappe konzentrieren. Bis zum Jahr 2010 soll der Umsatz auf über 500 Millionen Euro steigen. ?Wir wollen die SAP im Dokumentengeschäft werden.?Lesen Sie weiter auf Seite 4: Er arbeitet lange beim Computerriesen IBM Robert Feldmeier 1958Robert Feldmeier wird in der Kurpfalz-Metropole Mannheim geboren.1979Nach dem Schulabschluss studiert er Wirtschaftswissenschaften an der Universität Mannheim und der Fachhochschule in Worms.1984Feldmeier startet seine berufliche Laufbahn bei der deutschen Tochter des Computerriesen IBM und wird dort Leiter des Bereichs PC-Logistik und -Vertrieb.1996Er übernimmt die Geschäftsführung der IMM Office Systems Holding GmbH.2001Er wird Vorstandsmitglied der TA Triumph-Adler AG. Feldmeier ist verantwortlich für Marketing und Vertrieb der Dienstleistungen rund um das Drucken.2005Robert Feldmeier rückt an die Spitze von TA und wird Sprecher des Vorstands.
Dieser Artikel ist erschienen am 17.04.2008