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Total Bio und total Unternehmer

Von Christoph Hardt
Bis vergangene Woche hieß Deutschlands Biogas-Marktführer Ulrich Schmack. Dann gingen Olaf von Lehmden und seine Envitec Biogas AG erfolgreich an die Börse. Jetzt ist Envitec aus Lohne, gemessen am Börsenwert, deutlich vorne. Doch Schmack kontert.
Ulrich Schmack. Foto: PR
MÜNCHEN. Manchmal stinkt sein Geschäft zum Himmel. Das kommt, wenn die freien Mitarbeiter der Art Rubivivax Gelantinosus oder Clostridium thermocellum zu Höchstform auflaufen und sie sub- oder ultraterrane Agrarprodukte zu CH4 verdauen. Das wird gemeinhin auch Sumpf- oder Methangas genannt. Es geht also um Biogas, und zwar in rauen Mengen, versteht sich.Bis vergangene Woche hieß Deutschlands Marktführer Ulrich Schmack. Dann gingen Olaf von Lehmden und seine Envitec Biogas AG erfolgreich an die Börse. Jetzt ist Envitec aus Lohne, gemessen am Börsenwert, deutlich vorne, darum gibt es eine Art Nord-Süd-Konflikt.

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?Das ärgert uns natürlich schon ? willkommen im Club?, sagt Ulrich Schmack. Es ist noch gar nicht so lange her, da nahm er den Konkurrenten aus dem Norden für ?nicht so breit aufgestellt wie wir?. Heute baut Envitec Biogas-Anlagen wie am Fließband und eröffnet eine europäische Tochter nach der anderen. Auch deshalb gab es das fulminante Börsendebüt.Doch Schmack lässt sich nicht beirren. Für das laufende Geschäftsjahr will er den Umsatz von 90 auf bis zu 170 Mill. Euro steigern und ein Ebit von gut zehn Mill. Euro erzielen. Außerdem verkündete er vergangenen Sonntag seine Pläne zum Bau einer neuen Anlage auf dem Firmengelände in Schwandorf: Die größte ihrer Art in Europa soll sie werden. Sie koste 15,8 Mill. Euro und werde 61 500 Tonnen pflanzlicher Rohstoffe im Jahr verarbeiten können.Als Konsortialpartner hat Schmack Eon Ruhrgas und Eon Bayern gewonnen, man teilt sich die Investition zu je einem Drittel. ?Das ist ein weiterer Meilenstein für uns?, sagt Schmack. Sebastian Zank, Analyst der WestLB, sieht das ähnlich. Das Projekt beweise, dass sich Schmack ?herausragend? positioniert habe.So bleiben die Ziele des Unternehmenschefs trotz des Börsengangs von Envitec langfristig unverändert: ?Wir wollen weltweit führender Komplettanbieter im Bereich Biogas werden?, sagt der CEO. Chefig wirkt er nicht, ohne Bugwelle ist er, oder, um im Bild zu bleiben, ohne Gasblase. Schmack ist erst 33, auch das erklärt einen Teil. Dabei ist er total Bio und total Unternehmer, eine nicht ganz so häufige Verbindung.Das hat natürlich auch etwas mit Herkunft zu tun. Der Vater war Großbauer im kleinen Hausen in Niederbayern. Schon als Junge hat Ulrich Schmack in Haus und Hof sehr gerne zusammen mit seinen Brüdern gebastelt. Daheim, auf dem Hof mit immerhin 120 Hektar, gab es viele Rindviecher und noch mehr Hühner und dementsprechend reichlich Gestank. Irgendwann kam den Brüdern die Idee, aus deren Verdauungsprodukten Energie zu gewinnen. ?Wir haben einen befreundeten Ingenieur eingebunden in unser Projekt und die erste Anlage selbst zusammengeschraubt?, erinnert sich Schmack.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Ein Fermenter brachte den Durchbruch Das war Anfang der 90er, Schmack hatte sein Architekturstudium an den Nagel gehängt und sich ganz dem Thema regenerative Energien verschrieben. Heute führt Schmack die Firma gleichen Namens als CEO und ist einer der Großaktionäre.Angefangen hat das alles 1995, da gründet der Jungspund im zarten Alter von 21 Jahren mit seinen Brüdern die erste Schmack Biogas als GbR, die kurz darauf in eine GmbH umgewandelt wird. Die Brüder haben einen Durchfluss-Fermenter entwickelt, der die Vergärung von Hühnermist und Getreide zu Biogas deutlich verbessert. Ein Jahr später ist die erste schlüsselfertige Biogas-Anlage fertig, 1997 bauen sie ihr eigenes Bio-Labor, in dem die Brüder Schmack leistungsfähige Bakterienstämme züchten. Systematisch erweitert Schmack das Geschäftsmodell hin zum Komplett-Anbieter, der Anlagen nicht nur baut, sondern auch für Dritte betreibt. ?Wir sind Prozess-Spezialisten, das ist unsere Stärke.?2001 wird aus der GmbH eine Aktiengesellschaft, zwei Jahre später baut Schmack in St. Veit in Österreich die damals größte Biogasanlage Europas mit einer Leistung von einem Megawatt. Im Mai des vergangenen Jahres wird die Schmack Biogas AG im Prime Standard des Amtlichen Markts erstmals notiert. Der Ausgabekurs ist 31 Euro, die ersten Aktien sind mit 33 Euro notiert. Gestern kostete die Aktie, die zwischendurch eine Kapitalerhöhung verkraftete, 62,08 Euro. Bereits vor dem Börsengang beruft Angela Merkel Ulrich Schmack in ihr Beratergremium für den Energiegipfel.?Am Anfang war unsere einzige realistische Chance die Stromerzeugung, doch bei den heutigen Energiepreisen ist Biogas nicht nur wettbewerbsfähig, es kann für Deutschland zu einem der wichtigen Energieträger werden?, sagt Schmack. Bis zu 50 Prozent des Erdgasverbrauchs ließen sich mittelfristig durch Biogas ersetzen. Um das zu erreichen, muss das Biogas aber in größeren Anlagen erzeugt und auf Erdgasqualität aufgereinigt werden. Mit dem Erwerb der CarboTech Engineering GmbH im letzten Jahr hat sich Schmack im Bereich der Gasreinigung hervorragend aufgestellt.50 Prozent des deutschen Erdgasverbrauchs, das klingt nach Vision ? Schmack hält sich für einen Realisten: So habe man die Leistungsfähigkeit des Gärprozesses in den letzten Jahren schon verachtfacht, könne die Anlagen aber noch weiter optimieren.?Ende der 90er-Jahre gewannen wir aus 40 Kubikmeter Biomasse einen Kilowatt, heute sind es schon acht. In unserem Labor aber laufen Anlagen, die daraus 20 Kilowatt Energie machen.? Noch ein Kick: Was bei Schmack übrig bleibt, kann als Dünger wiederverwendet werden.Kritiker der boomenden Branche raten dennoch zur Vorsicht: Der Kampf um die Biomasse werde härter, die Preise demzufolge höher, die Rendite immer schmaler. Dies sollten alle Anleger, denen Biogas-Fonds angeboten werden, bedenken.Schmack sieht das naturgemäß etwas anders. Durch die Einspeisung ins Gasnetz optimiere man sogar die Energieausbeute, seine Anlagen erzielten einen Wirkungsgrad von 90 Prozent. Zudem seien seine Anlagen für die Vergärung fast aller pflanzlichen Rohstoffe geeignet. ?Auch wenn das Wort abgenudelt klingt, es geht mir wirklich von Anfang an um Nachhaltigkeit?, sagt der Biounternehmer.
Dieser Artikel ist erschienen am 18.07.2007