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Topliga steht Kopf

Christoph Mohr
MBA-Rankings bedeuten den Business Schools extrem viel: Reputation, Zulauf, Geld. Die neue Rangliste des Wall Street Journal bringt alle durcheinander - vor allem die Platzhirsche.
Es ist so etwas wie ein Erdbeben: Vorhergesagt, gefürchtet, markerschütternd. Als das Wall Street Journal (WSJ), die auflagenstärkste Wirtschafts- und Finanzzeitung der USA, vor einiger Zeit ankündigte, eine eigene Rangliste der besten Business Schools der Welt herauszubringen, ging ein Zittern durch die kleine Welt der führenden MBA-Anbieter, in der jeder jeden beobachtet. Das Ranking, das Handelsblatt Junge Karriere hier exklusiv für Deutschland in voller Länge bringt, hat zumindest diese Erwartungen nicht enttäuscht: Es ist ein Erdbeben.

Das Ranking als Tabelle.
Rankings, Ranglisten der besten Schulen, sind für Business Schools von extrem hoher Bedeutung. Eine Studentenumfrage der GMAC - der Organisation, die auch für den berühmt-berüchtigen Standardtest GMAT verantwortlich zeichnet - zeigt, dass für die Wahl einer Business School in Amerika das Abschneiden in einem der einflussreichen Rankings fast das wichtigste Kriterium ist. Die Signalwirkung, der Einfluss von Rankings ist also enorm.

Die besten Jobs von allen


Finanzielle Folgen
Das hat im Übrigen auch finanzielle Folgen für die Schulen: Eine gut bewertete Business School kann für ihre MBA-Programme höhere Studiengebühren verlangen und zudem aus einem größeren Bewerberpool die interessantesten Studenten aussuchen. Und nicht nur das: Die MBA-Programme, mit denen die meisten Schulen trotz Studiengebühren von 50.000 Mark und mehr keinen Gewinn machen, sind Aushängeschild und Qualitätsausweis für die wirklichen Geldbringer. Und das sind die so genannten Executive Education-Programme: mehrtägige bis mehrwöchige Fortbildungsprogramme für Manager, für die leicht 10.000 Mark pro Woche zu bezahlen sind.

Dass eine Schule nicht in allen gängigen Rankings gleich abschneidet, ist normal. Auch Abstürze oder kometenhafte Aufstiege einzelner Schulen kommen vor. Dennoch hat sich in den bislang führenden Rankings von Business Week und Financial Times (FT) eine Topliga von Schulen herauskristallisiert, die nahezu identisch ist: Wharton, Harvard, Stanford, Chicago, Columbia, Sloan/MIT - in unterschiedlicher Reihenfolge finden sie sich bei den meisten Rankings auf den vordersten Plätzen.

Verkehrte Welt
Diese "Ordnung" hat das Wall Street Journal nun nachhaltig erschüttert; in der Business-School-Welt ist gleichsam kein Stein auf dem anderen geblieben. Die Wharton School der University of Pennsylvania in Philadelphia, die sowohl von Business Week als auch von der Financial Times als die beste Business School der Welt geführt wird, findet sich beim Wall Street Journal nur auf Platz 18 wieder.

Ähnliche Erdrutsche verzeichnen die Columbia Business School in New York - bei der FT auf Platz 5, beim WSJ auf Platz 34 -, die Stanford Graduate School of Business - bei der FT auf Platz 3, beim WSJ sogar nur auf Platz 45. Ähnlich dramatsch ist das Abschneiden der führenden europäischen Schulen: Insead findet sich nur auf Platz 28 wieder, IMD auf Platz 33, die London Business School auf Platz 39.

Eine ganze Reihe von Schulen, die auf anderen Rankings eher als Zweitligisten oder sogar gar nicht erscheinen, tauchen beim Wall Street Journal plötzlich auf den vorderen Rängen auf: die Cox School of Business der Southern Methodist University in Dallas etwa, die University of Maryland Smith School, das Fisher College of Business der Ohio State University oder die Eli Broad Graduate School of Management an der Michigan State University.

Allein mit dem Sieger werden sich viele anfreunden können: Die Amos Tuck School of Business at Dartmouth, eine kleine Schule weit weg von den großen US-Metropolen, gilt auch in anderen Rankings als eine der zehn, fünfzehn besten MBA-Schulen in den USA.

Alles eine Frage der Definition
Wie aber kann es zu solchen Verwerfungen kommen? Wie bei jedem Ranking, ist auch beim Wall Street Journal alles eine Frage von Definition und Gewichtung der Beurteilunskriterien. Genau genommen zeigt das WSJ-Ranking, wie die Autoren selbst sagen, "welche Schulen die besten Beziehungen zu Personalern unterhalten".

Denn Grundlage des Rankings sind ausschließlich die 1.600 von dem Meinungsforschungsinstitut Harris befragten Personalverantwortlichen - vor allem US-amerikanischer Unternehmen, die selbst über Einstellungen entscheiden. Dabei ist das WSJ-Ranking keineswegs holzschnittartig. Jede Schule wurde nach 27 Einzelkriterien bewertet, aber letztlich gilt die einfache Regel: Wer einstellt, definiert, welche Kriterien ihm wichtig sind.

Zwei Beispiele zeigen die Tragweite des Problems: Zu den Kriterien, die den US-amerikanischen Unternehmen bei der Bewertung der Business Schools am wenigsten wichtig sind, gehört Internationalität. Die aber zählt bei anderen Rankings - und auch bei der Entscheidung vieler Deutscher, einen MBA zu machen - sehr viel. Auch die wissenschaftliche Leistung einer Hochschule, ihre Forschungsleistung und die Qualifikation ihrer Professoren und Dozenten haben für die amerikanischen Recruiter nur nachrangige Bedeutung.

Wie immer man zu einer solchen Definition von gut und schlecht steht, dieses Ranking wird zweifellos mehr als kurzzeitiges Aufsehen erregen. "Wir erwarten", schreiben die Autoren des WSJ, "dass diese Studie viele der bewerteten MBA-Programme signifikant verändern wird." Das wird denn auch eine der interessanten Fragen für die Zukunft sein. Werden sich die Schulen, wie in der Vergangenheit auch bei anderen Ranglisten der Fall, den Kriterien des WSJ-Rankings anpassen, um im nächsten Jahr auf einem besseren Platz zu liegen? Oder anders ausgedrückt: Bestimmt dann allein der US-Arbeitsmarkt, was eine gute und eine weniger gute Business School ist?
The Best Business Schools

Die besten Jobs von allen

(Score is based on how recruiters rated each school on 27 different attributes)
Rank College (Business School) Score

1

Dartmouth College (Tuck)

81.23

2

Carnegie Mellon University

76.47

3

Yale University

71.62

4

University of Michigan

71.41

5

Northwestern University (Kellogg)

70.69

6

Purdue University (Krannert)

68.26

7

University of Chicago

68.03

8

Harvard University

67.50

9

Southern Methodist University (Cox)

67.02

10

University of Texas at Austin (McCombs)

66.86

11

Wake Forest University (Babcock)

66.36

12

Michigan State University (Broad)

65.91

13

University of Maryland (Smith)

65.89

14

Ohio State University (Fisher)

65.64

15

University of Notre Dame (Mendoza)

64.81

16

Vanderbilt University (Owen)

64.80

17

University of North Carolina at Chapel Hill (Kenan-Flagler)

64.59

18

University of Pennsylvania (Wharton)

64.59

19

Emory University (Goizueta)

64.56

20

Cornell University (Johnson)

64.26

21

University of California, Berkeley (Haas)

64.05

22

University of Western Ontario (Ivey)

63.79

23

Indiana University (Kelley)

63.58

24

Washington University (Olin)

63.26

25

Thunderbird- The American Graduate School of International Management

62.97

26

Escuela Superior de Administracion y Direccion de Empresas (ESADE)

62.85

27

University of Rochester (Simon)

62.65

28

INSEAD

62.56

29

University of California, Irvine

61.97

30

New York University (Stern)

61.96

31

IPADE

61.92

32

University of Virginia (Darden)

61.88

33

IMD

61.83

34

Columbia University

61.33

35

University of California, Davis

61.17

36

University of California, Los Angeles (Anderson)

60.83

37

University of Illinois at Urbana-Champaign

60.53

38

Massachusetts Institute of Technology (Sloan)

60.42

39

London Business School

60.26

40

Babson College (F.W. Olin)

60.05

41

Brigham Young University (Marriott)

59.92

42

University of Wisconsin-Madison

59.89

43

University at Buffalo, State University of New York

59.64

44

Duke University (Fuqua)

58.66

45

Stanford University

57.96

46

Rice University (Jones)

57.95

47

University of Minnesota (Carlson)

57.16

48

York University (Schulich)

56.21

49

Instituto de Empresa (IE)

55.92

50

IESE

55.30

Dieser Artikel ist erschienen am 03.05.2001