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Töpfern auf Kreta ist nicht drin

Roland Schweins
Zehn zusätzliche Urlaubstage und der Arbeitgeber zahlt das Gehalt weiter. Damit das auch noch unterhaltsam wird, heißt es morgens Sprachen büffeln und nachmittags in der Sonne schmoren. Alles zusammen nennt sich wie? Na klar: Bildungsurlaub.
Bildungsurlaube sind in den letzten Jahren ein wenig in Verruf geraten, weil einige Bildungshungrige ihren Arbeitgebern Kurse vorgeschlagen haben mit den Inhalten "Glasnudelkochen in Japan", "Kreatives Malen auf Korsika" oder den berühmten "Töpferkurs auf Kreta". Dass die Arbeitgeber diese nur selten gerne sehen, versteht sich von selbst.

Wer jedoch die Teilnahme an einem Sprachkurse vorschlägt, dürfte bei seinem Unternehmen eher auf offene Ohren stoßen. "Einige Arbeitgeber fördern den sprachlichen Ausflug sogar und steuern einen Teil der Kursgebühr bei", weiß Alberto Sarno vom Reiseveranstalter Sprachcaffe. Bei den Sprachreisen steht für die Deutschen noch immer Englisch ganz oben auf der Rangliste. Es folgen Spanischkurse und auf den Plätzen drei und vier Französisch und Italienisch. Wahrgenommen werden Bildungsurlaube überwiegend von Frauen, das Verhältnis beläuft sich auf ca. 65 zu 35 Prozent.

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Grundsätzlich müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein, damit eine Bildungsurlaub beantragt werden kann:

  • Der Arbeitnehmer muss mindestens seit sechs Monaten als Vollzeit-Beschäftigter im Unternehmen arbeiten und
  • der Arbeitgeber spätestens vier bis sechs Wochen vor Inanspruchnahme des Bildungsurlaub informiert werden.
Daneben gibt es in den verschiedenen Bundesländern jeweils eigene Regelungen. Vorgesehen sind Bildungsurlaube in Brandenburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hamburg, Berlin, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Maßgeblich ist nicht der Wohnsitz, sondern der Standort des Arbeitsplatzes. Wer in den verbleibenden Ländern einen Bildungsurlaub einlegen möchte, muss sich erkundigen, ob dieser zumindest im Tarifvertrag geregelt ist.

In den Ländergesetzen steht genau beschrieben, wer, wann, warum und wie oft den Bildungsurlaub in Anspruch nehmen darf. Dabei sind die Unterschiede recht groß: In Berlin sind für junge Leute unter 25 Jahren gleich zehn Tage pro Jahr für einen Bildungsurlaub vorgesehen. In anderen Bundesländern kann man teils fünf Tage in einem Jahr aufsparen und im folgenden Jahr zehn Tage nehmen.

Nordrhein-Westfalen hat jüngst sein Gesetz novelliert und lässt Sprachreisen nur noch in NRW und angrenzende Länder zu, also beispielsweise in Holland oder Belgien. Eine gute Übersicht über die vielfältigen Vorschriften der Bundesländer hat das Portal www.bildungsurlaub.com zusammengestellt.

Werden diese Kriterien allerdings erfüllt, dann hat der Arbeitgeber kaum mehr Möglichkeiten, den Sonderurlaub fürs Hirn abzulehnen. Es sei denn, der Bildungsurlaub wird direkt in der Hochsaison beantragt oder andere dringende betriebliche Erfordernisse stehen ihm entgegen. Auszubildende sind von diesen Einschränkungen ausgenommen.

Trotzdem machen verhältnismäßig wenig Arbeitnehmer von Bildungsurlauben Gebrauch. Normalerweise darf ihnen durch die Teilnahme am Bildungsurlaub kein betrieblicher Nachteil entstehen. Es gibt aber immer auch Brötchengeber, die die kleine Auszeit für die Bildung weniger gern sehen. Macht das Beispiel Schule - so die Befürchtung - könnte ja anschließend eine ganze Mitarbeiterschar folgen. Lehnt der Arbeitgeber allerdings ab, so bleibt kann der Anspruch auf die Bildungsurlaubstage in das kommende Jahr übertragen werden. Wer Probleme hat, die Personalabteilung von Sinn und Zweck des Bildungsurlaubs zu überzeugen, sollte zumindest mit dem Betriebs- oder Personalrat Kontakt aufzunehmen, um die Ansprüche zu klären.

In jedem Fall sollten der Reisetermin und der geplante Sprachkurs mit dem Arbeitgeber gut abgestimmt werden. So kann frühzeitig geklärt werden, wann der Bildungsurlaub den betrieblichen Terminplan nicht stört und ob der Arbeitgeber zur Kursgebühr ein Scherflein hinzu steuert. Außerdem sollte besprochen werden, bis zu welchem Termin der Arbeitgeber die Anmeldebestätigung des Veranstalters benötigt. Den Richtigen finden...

Auf der Suche nach einem Veranstalter bietet das Internet zwar gute Quellen, gebucht werden sollte aber direkt bei einem deutschen Veranstalter. "Die Veranstalter können in der Regel bessere Konditionen einräumen, bieten zudem eine umfassende persönliche Beratung an und stellen den Kunden durch die Buchung unter deutsches Reiserecht", sagt Claus Kunze vom Fachverband Deutscher Sprachreise-Veranstalter (FDSV). Wer im Ausland direkt bucht, muss bei eventuellen Reklamationen auf zahlreiche rechtliche Vorteile verzichten.

Empfehlenswert sind u.a. Anbieter, die sich dem FDSV angeschlossen haben und damit dessen Richtlinien unterwerfen. Als Indiz für die Güte eines Anbieter gilt es, wenn er bereits langjährig mit seinen ausländischen Partnerschulen zusammen arbeitet. Außerdem kann man einen guten Anbieter daran erkennen, dass er möglichst viele und detaillierte Informationen in seinen Prospekten und Katalogen auflistet. In einem persönlichen Beratungsgespräch können schließlich offene Fragen geklärt werden. Spannend kann auch das Feedback anderer Teilnehmer sein: Bei manchen Veranstaltern gibt es Erfahrungsberichte von ehemaligen Sprachschülern.

Damit sich die Sprachfertigkeiten deutlich verbessern, empfiehlt sich statt der vorgeschriebene Mindestdauer von einer Woche auf jeden Fall ein 10-tägiger Kurs (>> siehe auch: Kurscheck Sprachreisen). Ein Tipp: Wer sich seinen Bildungsurlaub nicht aufsparen kann, hat die Möglichkeit, ihn mit normalen Urlaubstagen zu kombinieren. Als Bildungsurlaub wird dann lediglich eine Woche deklariert.

Auch das Finanzamt spielt in einigen Fällen mit und erkennt den Bildungsurlaub als Kosten für die Aus- und Weiterbildung an. Die Veranstalter stellen auf Wunsch eine Bescheinigung mit Kursdauer, Inhalt, etc. aus. Sinnvoll ist es, bereits vor der Buchung beim Wohnsitzfinanzamt nachzufragen, ob und unter welchen Voraussetzungen eine Sprachreise steuerlich anerkannt wird und was genau auf der Bescheinigung stehen muss.

Links:
Anbieter von Sprachreisen
Kurscheck Sprachreisen
www.bildungsurlaub.com
Fachverband Deutscher Sprachreise-Veranstalter (FDSV)
Dieser Artikel ist erschienen am 18.12.2001