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Tod auf Raten

Ein simpler Verwaltungsratsbeschluss könnte den Anfang vom Ende der Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) einläuten. Auf Drängen einiger CDU-regierter Länder hat das ZVS-Aufsichtsgremium beschlossen, dass Studienplätze in Betriebswirtschaft nicht mehr durch die Dortmunder Behörde zugewiesen werden. Damit verliert die ZVS ein Drittel ihres ?Geschäfts? ? ein weiterer einschneidender Verlust, nachdem schon Jura aus dem zentralen Verteilungsverfahren gefallen ist. Künftig werden nur noch sieben Fächer, darunter Medizin (8.300 Studienplätze) und Biologie (4.800 Studienplätze) von der Behörde vergeben. ?Wir wollen die Abschaffung der ZVS?, sagt Baden-Württembergs Wissenschaftsminister Peter Frankenberg.Auch Sachsen und Niedersachsen arbeiten in diese Richtung. Die Salamitaktik der CDU-Länder stößt indessen an ihre Grenzen, weil es bei Medizin und Biologie, den größten verbleibenden Studienfächern in ZVS-Zuständigkeit, weiterhin mehr Bewerber als Plätze geben wird. Deshalb setzt man jetzt auf eine neue Strategie. Die Universitäten sollen künftig ihre Studenten selbst aussuchen können und so der ZVS auf Dauer ihre Existenzberechtigung entziehen. Erster Streich: Mit Hilfe einer Bundesratsinitiative zielen die Länder auf die Erhöhung der Auswahlquote. Künftig sollen die Universitäten auch in den ZVS-Vergabefächern 50 Prozent ihrer Studenten selbst auswählen dürfen. Noch einen Schritt weiter geht eine Kabinettsvorlage aus Hannover. Wird sie Gesetz, können künftig 90 Prozent der niedersächsischen Hochschulen ihre Studenten frei auswählen.

Die besten Jobs von allen

Mit der Autonomie-Offensive hoffen die Länder zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Die Hochschulen werden gezwungen, ihre Studienplätze selbst zu vergeben ? und die ZVS hat bald nichts mehr zu verteilen. Weiterer Nebeneffekt: Zum ersten Mal entsteht echter Wettbewerb zwischen den Hochschulen: Denn wer die besten Studenten will, muss auch etwas dafür tun.
Dieser Artikel ist erschienen am 28.06.2004