Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Tobias Kosten

Für Anregungen und Fragen zu meinen Beiträgen und rund um das Thema MBA an der ESADE stehe ich jederzeit gerne unter tobias.kosten@web.de zu Verfügung.
Zu meiner Person
Der Bewerbungsprozess
Warum ESADE?
Die Finanzierung
Das dritte Term und was bis jetzt noch passiert ist?
Dumm gelaufen?








Dumm gelaufen?

Die besten Jobs von allen


Nachdem ich den Sommer dazu genutzt habe, um zusammen mit Freunden meine Firma aufzubauen, bin ich nun wieder in Barcelona angekommen. Eigentlich war der Aufenthalt in Köln nur auf drei Monate angesetzt. Hiernach hätte ich für drei Monate zum Austausch nach Buenos Aires gehen sollen. De facto bin ich aber sechs Monate in good old Colonia geblieben, da ich der Meinung war und bin, dass am eigenen Leib und mit eigenem Geldbeutel gemachte Erfahrungen immer einem auch noch so interessanten Auslandsaufenthalt vorzuziehen sind.

Warum also dumm gelaufen? Schließlich könnte ich sagen, dass ich fein raus bin mit (fast) dem MBA in der Tasche und einer eigenen Firma. Antwort: Da ich im vierten Term wegen des Praktikums keine Credits gesammelt habe, muss ich nun die doppelte Arbeit machen und alle Credits des vierten und fünften Terms zusammen machen. Resultat: Dumm gelaufen, da ich wieder nichts vom barceloner Nachtleben mitbekomme und der Nachtportier von ESADE und ich schon beste Freunde geworden sind!

So besteht also mein momentaner Tagesablauf darin, morgens um 9:00 Uhr bei ESADE einzutrudeln und den obligatorischen Guten-Morgen-Tee auf unserer Terrasse mit Meeresblick stielvoll einzunehmen. Leider zieht sich der Tag dann meistens bis in den späten Abend (22:00 Uhr) und hiernach hat sich's dann auch mit dem Drang auf wilde Parties... Naja, wie gesagt: dumm gelaufen... (Aber am 31.03. ist ja (hoffentlich) alles vorbei und dann kann man ja einiges nachholen.)

Das dritte Term und was bis jetzt noch passiert ist?

Nachdem im ersten und zweiten Term die Stressbelastung durch Gruppenarbeiten, Lektüren und Klausuren doch erheblich war, konnte man im dritten Term deutlich feststellen, daß die Zeit des "Siebens" von Seiten ESADE vorbei ist. Verglichen mit den Wochen vor den Klausuren gerade im ersten Term war zwar immer noch die nötige Anspannung zu spüren, allerdings begann sich hier deutlich die spanische "Manaña-Mentalität" durchzusetzen. Eine kleine Kaffee-Pause auf Barcelonas schönster Terrasse mit Meeresblick kann halt schon einiges! (sorry IESE ;-)

Nach hoffentlich bestandenen Klausuren und obligatorischer exzessiver (!) Abschlussfeier des ersten Studienjahres stand einer der Highlights des MBA-Programms auf dem Programm: das MBA Tournament in Paris. Zusammen mit unseren Freunden aus dem Part-Time MBA Programm bezogen wir drei komplette Waggons im Nachtzug von Barcelona nach Paris. Wie sich jeder leicht vorstellen kann, dauerte es nicht lange bis der sichtlich am Ende seiner Kräfte stehende Kellner im Zug-Bistro gestehen musste: no hay más cerveza (will sagen: kein Bier mehr?). Zweieinhalb Tage auf dem wunderschönen Campus von HEC ca. 40 km außerhalb von Paris mit insgesamt 1.500 MBA-Studenten aus ganz Europa können sehr anstrengend sein: tagsüber Sport (alles was man sich vorstellen kann: von Basketball bis Tauziehen, über Rugby, Rudern bis zu Schach) und abends "Hardcore-Networking" während der Parties (die zukünftige unternehmerische Führungselite in Aktion?;-) Kleine Anmerkung: meinen Glückwunsch und sportliche Anerkennung an unsere Nachbarn von der IESE zu ihrem verdienten Gesamtsieg.

Wieder zurück in Barcelona begann ein extrem schweißtreibendes Projekt: Wohnung auflösen, d.h. Möbel einlagern bzw. verkaufen und Kisten packen, um mich wieder 1.400 km heimwärts zu bewegen. Da ich zum Glück keinen Nachmieter für Wohnung suchen musste und mir auch das Renovieren erspart blieb (beides in Spanien unüblich), beschränkte sich die Herausforderung darauf, beim Packen und Räumen mit der ersten richtigen Hitzewelle diesen Sommers fertig zu werden.

In Köln angekommen, begann direkt mein "Urlaub": arbeiten in meiner eigenen Firma. Vor ca. einem Jahr gegründet, wächst und gedeiht unser "Kleinbetrieb" beständig. Vorbereitung auf die Internationale Funkaustellung in Berlin, Verfeinerung des Businessplans und des Pricing-Model sowie unternehmerische Basisarbeit (wie programmiert man eine Telefonanlage?) lassen einen schnell erkennen: das mit den drei Monaten Urlaub wird wohl nix! Zur Entschädigung kann man allerdings sicher sein, daß der Steigungsgrad der Lernkurve in keiner anderen Tätigkeit so groß wäre wie in dieser.

Frage also nach dem ersten Jahr: hat es sich bis jetzt gelohnt und würde ich es wieder machen? Klare Antwort: ja! Persönlich hat mir der intensive Umgang mit 115 Menschen aus 31 Ländern extrem viel gebracht. Deutlich merke ich dies im zwischenmenschlichen Bereich an vielerlei kleinen Dingen. Situationen, die vorher arge Kopfschmerzen bereitet hätten, lassen sich nun doch deutlich leichter antizipieren und lösen. (auch wundert man sich immer wieder in puncto Verhaltensweisen und Ansichten über sich und den Rest der Deutschen; aber das ist eine andere Geschichte?) Beruflich kann ich ebenfalls einen klaren Trend zum positiven feststellen. Trotz BWL-Studium und Tätigkeit als Unternehmensberater habe ich nun erstmals den Eindruck, einen groben Überblick über das breite Spektrum der unternehmerischen Tätigkeit erlangt zu haben. Auch hier lässt sich eine deutliche Veränderung im Erkennen und Lösen von Problemstellungen erkennen.

Zu meiner Person

Vor 31 Jahren in Köln geboren, zog es mich schon während des Studiums der BWL an der Universität Köln ins spanischsprachige Ausland. Nachdem ich mein Vordiplom und die Werbeakademie Köln (WAK) erfolgreich absolviert hatte, fand ich, daß es nun an der Zeit wäre, etwas für meine Auslandserfahrung zu tun. Bei einem dreimonatigen Sprachkurs in Salamanca und hiernach einem zweimonatigen Praktikum bei Solvay Pharma in Barcelona "infizierte" ich mich mit dem "Virus Latinesis". Dieser Virus führte nach meiner Rückkehr zu einem Praktikum in der Redaktion des lateinamerikanischen Radioprogramms der Deutschen Welle und einige Semester später zu einem dreimonatigen Aufenthalt bei der Konrad Adenauer Stiftung in Buenos Aires.

Nach Beendigung des Studiums startete ich meine berufliche Laufbahn bei der PricewaterhouseCoopers (PwC) Unternehmensberatung in Düsseldorf im Strategiebereich für Entertainment & Media und Telekommunikation. Obwohl ich bei dieser Tätigkeit extrem viel lernen konnte und ich PwC hierfür und für vieles Andere sehr dankbar bin, wurde mir schnell klar, daß ich meine berufliche Ausbildung noch nicht als beendet betrachten wollte. Da ich langfristig international tätig sein möchte und im internationalen Bereich ein Doktortitel in BWL verglichen mit einem MBA wenig zählt, war die Entscheidung schnell gefallen.


Der Bewerbungsprozess

Mein Ziel war es, in der spanischsprachigen Sektion von ESADE das erste Jahr meines MBA's zu absolvieren. Hierauf ausgerichtet war somit auch der Ablauf meiner Bewerbung: Essays, Empfehlungsschreiben, Toefl und Dele (nur für die spanischsprachige Sektion nötig) sowie spanischsprachiger Aufnahmetest (ähnlich dem GMAT) sind die Hürden, die es bei ESADE zu überwinden gilt. In diesem Jahren wird hierzu zusätzlich ein für alle obligatorische Interview hinzukommen.

Rückblickend kann ich nur jedem, der sich für einen MBA bewirbt, folgendes raten:
· Zeitplan: es ist nicht zu früh, ein Jahr im Voraus mit der Bewerbung zu beginnen und seine Planung hierauf entsprechend detailliert abzustimmen.
· Schulen besuchen: die besten Infos erhält man vor Ort. Dort sieht man auch den Schlag von Mensch, mit dem man 18 Monate intensivst zusammenarbeiten und -leben wird. Sollte man jetzt schon merken, daß etwas "faul" ist und einem die "Nasen" nicht gefallen, sofort Finger weglassen!
· Kontakte knüpfen: jede der etwas besseren Schulen besitz ein über Jahrzehnte gewachsenes Netz an Alumnis. Über das Bewerbungsbüro der jeweiligen Schule erhält man sehr hilfreiche Kontakte und erstaunlich ehrliche Hinweise.
· Supervisor suchen: während einer Bewerbung für einen MBA steht man üblicherweise voll im Berufsleben. Dies führt zwangsläufig aufgrund der Doppelbelastung zu Streß und damit zu Fehlern. Um hier den Durchblick zu behalten und um Zeit, Geld und Nerven zu sparen, empfiehlt es sich, einen externen, neutralen und stressresistenten "Supervisor" mit ins Boot zu holen. Dies kann die Freundin (muß aber nicht, da diese während der Bewerbungsphase schon genug leidet), ein Freund oder Kollege sein, mit dem man sehr gut bekannt ist und der sich nicht scheut, die Dinge klar auf den Punkt zu bringen.
· Quittungen sammeln: fast alle Ausgaben für die Bewerbung für einen MBA sind nach deutschem Steuerrecht als Werbungskosten absetzbar. Jede nicht gesammelte Quittung bedeutet somit verlorenes Geld. (hierzu mehr unter dem Punkt Finanzierung)


Warum ESADE?

Da ich einen 1œ-jährigen, bilingualen MBA (Spanisch/Englisch) in Europa absolvieren wollte, kam für mich außer IESE nur ESADE in Frage. ESADE verfügt für jemanden, der nach seinem MBA in Spanien/Lateinamerika arbeiten möchte, über einen exzellenten Ruf. Das Netz an Alumnis ist extrem groß. Die Studenten sind sehr international (32 verschieden Nationen) und erfahren (durchschnittliche Berufserfahrung knapp fünf Jahre). ESADE ist dafür bekannt, relativ hart zu sein, aber dennoch nicht den menschlichen und persönlichen "Touch" zu verlieren.

Das Studium ist in fünf aufeinander aufbauende "Terms" gegliedert. In den ersten drei Terms (im ersten Studienjahr) werden die grundlegenden Inhalte vermittelt. Dieses erste Studienjahr ist für alle Studenten gleich. In Term vier und fünf erfolgt die Spezialisierung und der Student wählt seine "Majors". Zwischen dem dritten und dem vierten Term bietet sich während der dreimonatigen Sommerpause die Möglichkeit, ein Praktikum zu machen. Generell erfolgt vormittags der Unterricht in Form einer Präsenzveranstaltung. Nachmittags findet der Sprachunterricht statt und abends löst man in vorher fest zugeordneten Gruppen die jeweiligen Fallstudien für den/die nächsten Tage. Der Tag beginnt im ersten Studienjahr um 8:00 Uhr morgens und endet nicht vor 22:00 - 24:00 Uhr (manchmal auch länger), was zur Folge hatte, daß ich im ersten Jahr von Barcelona nicht viel gesehen habe.


Die Finanzierung

Ein MBA an der ESADE kostete für 1œ Jahre 38.000?. Hierzu kommen die Lebenshaltungskosten und Versicherungen sowie bei genauer Betrachtung der entgangene Lohn zzgl. Lohnerhöhungen und Boni. Auf den ersten Blick erschien mir dies sehr viel. Bei genauerem Hinsehen hingegen relativiert sich vieles

Verglichen mit einem guten MBA in den USA sind die Studiengebühren an der ESADE niedriger. Die Lebenshaltungskosten in Barcelona sind etwa mit denen einer deutschen Großstadt vergleichbar. Aufwendungen für Versicherungen wären auch im Nicht-MBA Fall entstanden. Der entgangene Lohn zzgl. der Lohnerhöhungen und Boni stellt zwar einen direkt dem MBA zurechenbarer Aufwand dar, sollte sich aber, bei entsprechendem Einkommensverlauf in den Folgejahren (hoffentlich!) mehr als kompensieren lassen. Zur den bereits schon angesprochenen Werbungskosten hier nun eine Ergänzung. Der deutsche Gesetzgeber sagt, daß alle direkt mit dem MBA verbundenen Ausgaben als Werbungskosten absetzbar sind. Hierzu gehören: alle Ausgaben für Bücher, Beglaubigungen, Übersetzungen, GMAT, Toefl, Dele, Kopien, im Rahmen der Bewerbung anfallende Reisekosten (Flug, Hotel, Taxi, Bus und Bahn auch in Barcelona), die schon genannten Studiengebühren, Kosten der Wohnungssuche (Makler etc.), doppelte Haushaltsführung, Umzugkosten, Fahrtkosten, Tagespauschalen am Ort etc. Alle diese Ausgaben sind, unter der Vorrausetzung, daß er/sie vorher ein Einkommen in Deutschland bezog, voll bis zur Höhe der gezahlten Einkommenssteuer absetzbar. (Vorträge in Folgejahre und Rückführungen in vergangene Jahre sind möglich) Praktisch heißt dies: ein kinderloser Single bekommt von jedem ausgegebenen Euro 40 Cent erstattet. Selbst nach dieser Rechnung stellt ein MBA zwar immer noch eine starke finanzielle Kraftanstrengung dar, es lässt sich allerdings um einiges ruhiger schlafen ;-)
Dieser Artikel ist erschienen am 20.06.2003