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Timothy Geithner wird Chef der New Yorker Fed

Von Klaus Engelen, Handelsblatt
Die Suche war nicht einfach: Als William McDonough, Präsident der New Yorker Federal Reserve und Architekt der geplanten Bankenregeln Basel II, Anfang des Jahres seinen Rückzug signalisierte, ernteten die Headhunter zunächst Absagen.
HB DÜSSELDORF. Erst fragten sie Peter Fisher, den Schuldenmanager des US-Schatzamtes, dann den früheren stellvertretenden Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Stanley Fisher ? ohne Erfolg.Erst ein hochkarätig besetzter Ausschuss fand nach monatelanger Suche den Mann, der die New Yorker Fed führen soll ? und damit die wichtigste Außenstelle der Zentralbank: Timothy Geithner, 42 und im Schatzamt für Internationales zuständig, wird Nachfolger McDonoughs und gleichzeitig Stellvertreter von Fed-Chef Alan Greenspan.

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Geithners Wahl kommt überraschend. In der Welt der Notenbanker gilt er als Außenseiter. Freudig werden sie ihn nicht gerade aufnehmen. Ein Veteran der Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) fragt bereits spitz, ob die Amerikaner mit einem Asien-Experten an der Spitze der New Yorker Fed ihre Finanzabhängigkeiten von asiatischen Ländern wie China oder Japan besser managen wollen.Im Gegensatz zu seinen illustren Vorgängern wie McDonough, Gerry Corrigan oder Paul Volcker ist der neue Mann kein Geschäfts- oder Notenbanker. Geithner kann sich nicht auf jahrelange Markterfahrung in vielen Geschäftsfeldern stützen. Wenn es also darum geht, die Bankengiganten der Wall Street wie Citigroup oder JPMorgan als Bankenaufseher an die Kandare zu nehmen, muss er sich fürs erste auf die Hilfe seiner Experten verlassen.Lesen Sie auf der folgenden Seite: Bankenaufsicht ist für Geithner Neuland Besonders die mit Basel II noch komplexere Bankenaufsicht ist für ihn Neuland. Dabei fällt dem Präsidenten der New Yorker Fed wegen der dominierenden Rolle der Wall Street im internationalen Finanzsystem eine Starrolle im Baseler Notenbankturm zu. Punkten könnte Geithner vor allem als oberster Feuerwehrmann bei künftigen internationalen Finanzkrisen. Als der verantwortliche Spitzenbeamte des US-Finanzministeriums hat er bereits in Zusammenarbeit mit dem IWF bei zahlreichen Krisen milliardenschwere Stützungspakete für Länder wie Südkorea oder Brasilien geschnürt.Geithner hat seine Beamtenlaufbahn im US-Schatzamt 1988 als ausgewiesener Asien-Experte begonnen ? eine Spezialisierung, die ihm zu einer steilen Karriere verhelfen sollte. ?Geithner ist sehr intelligent, hat große Verwaltungserfahrung und ist äußerst zuverlässig und vertrauenswürdig?, lobt ihn Gerd Häusler, sein deutscher Kollege im IWF-Spitzenmanagement.Dem New Yorker Ableger der amerikanischen Zentralbank kommt als Abrechnungszentrale sowie als Marktarm des Federal Reserve Board und des Schatzamtes eine Schlüsselrolle auf den inneramerikanischen und globalen Währungs- und Kapitalmärkten zu. Für diese Aufgabe bringe Geithner eine wichtige Gabe mit, lobt ein Veteran der Asiatischen Entwicklungsbank: Er sei ?der erste Präsident der New Yorker Fed, der mit seinen Kollegen in Peking oder Tokio in deren Sprache telefonieren kann?.
Dieser Artikel ist erschienen am 20.10.2003