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Timo Oberwelland

Das erste Modul
Das zweite Modul
Stakeholder Management
International Consulting Projects
Recruiting
International Consulting Project (ICP) - Phase III
International Consulting Project (ICP) ? Showtime!
Das Licht am Ende des Tunnels
Electives









Hallo, mein Name ist Timm Oberwelland, ich bin 35 und Deutscher und mache derzeit meinen MBA an Lausanne's IMD. Zwar bin ich nun schon im 8. Monat (des Programms) und gehe somit mit sehr viel Verspätung an den Start der Tagebuchberichterstattung, aber aufgrund von persönlichen Umständen, auf die ich spatter noch eingehen werde, ist es mir erst jetzt möglich meinen ersten Eintrag zu machen.

Die besten Jobs von allen

Ich hoffe, dass die folgenden Zeilen Euch trotzdem einen guten Einblick in den IMD MBA geben werden und Euch die Wahl Eures MBA Programms erleichtern.Zuerst zu den Ausgangsfragen:Wo standen Sie (beruflich/karrieremäßig), als Sie sich entschlossen, einen MBA zu machen?Ich war selbständiger Unternehmer und Filmproduzent und somit ein wohl eher ungewöhnlicher Kandidat für ein MBA Programm.Aber schon nach einigen Tagen am IMD habe ich festgestellt, dass jeder Teilnehmer hier einen ungewöhnlichen Werdegang hat, von einem Technical Liaison Officer der australischen Armee bishin zum Pharmawissenschaftler und Ex Golf-Pro.Mein Lebenslauf in Kürze: Nach Abitur und Matura in der Schweiz bin ich 1990 nach Los Angeles gezogen, um meinen ersten Traumberuf zu verfolgen; Schauspieler. Ich besuchte 3 Jahre lang die American Academy of Dramatic Arts und versuchte mich alsbald Darsteller in amerikanischen Fernsehserien und Kurzfilmen. Nach einigen Gastspielen als Nazi vom Dienst wurde mir klar, dass das Leben vor der Kamera nichts für mich war, und ich wechselte die Seiten.Mit zwei gleichgesinnten Freunden gründete ich 1994 eine Produktionsfirma für Music Videos, Kino- und Werbefilme in Los Angeles. Mit "Simpatico", basierend auf einem Theaterstück von Sam Shepard, gelang uns 1998 der "Durchbruch". Die $12 Millionen Produktion mit Nick Nolte, Jeff Bridges und Sharon Stone in den Hauptrollen erlaubte uns einen Sprung nach vorne. Wir vergrösserten uns, eröffneten auch ein Büro in Berlin und produzierten in den kommenden Jahren weitere Kinofilme und eine TV Serie für das US Fernsehen.Warum ein MBA?Irgendwann Anfang 2004 wurde mir klar, dass es Zeit für einen Karrierewechsel war. Film begeisterte mich nicht mehr so wie früher, und Los Angeles konnte nicht mehr die deutsche Heimat ersetzen. Stattdessen zog es mich immer mehr nach Europa und in Richtung konservativerer und beständigerer Industrien. Da ich zwar 10 Jahre Berufserfahrung als Filmunternehmer, jedoch nie ein formelles Wirtschaftsstudium absolviert hatte, wurde mir klar, dass ich etwas tun musste, um für nicht-Medienunternehmen attraktiv und glaubwürdig zu sein. Ein MBA Studium schien mir die effektivste Wahl, um einerseits in kürzester Zeit einen reputablen Abschluss zu machen und andererseits ein solides Basiswissen und einen umfassenden Überblick über aktuelle Wirtschaftsthemen zu bekommen.Warum IMD?Für mich waren 4 Kriterien bei meiner Vorauswahl der verschiedenen MBA Programme entscheidend: 1. sollte es (aufgrund meines fortgeschrittenen Alters) möglichst ein 1-Jahresprogramm sein, 2. sollte es in Europa sein, weil ich nach 14 Jahren in den USA das Gefühl hatte die amerikanische Kultur und Perpektive zu kennen, 3. sollte es ein internationals Programm in englischer Sprache sein und 4. sollte es eines der Top-Programme sein, damit ich den damit verbundenen Ruf der Schule würde optimal nutzen können. Ich schaute mir dann im April letzten Jahres vier Unis an, die in die engere Auswahl kamen: INSEAD, IESE, London Business School und IMD. London Business School schied schnell aus, weil es ein 2-Jahresprogramm ist und eher einen Finance Fokus hat, was mich nicht interessierte. Bei IESE, INSEAD und IMD habe ich mich beworben, wobei IMD, aufgrund des traditionell etwas höheren Durchschnittsalters der Teilnehmer und der überschaubareren Anzahl der Teilnehmer, meine erste Wahl war. INSEAD und IMD luden mich beide zu Interviews ein und boten mir im Anschluss einen Platz an und ich entschied mich für meine erste Wahl IMD. Zu IESE ist zu sagen, dass sie mich abgelehnt hatten, was aber wahrscheinlich an meinem zu schlechten ersten GMAT Ergebnis von 600 lag. Bei meiner Bewerbung bei IMD und INSEAD hatte ich den GMAT nochmals gemacht und konnte glücklicherweise mein Ergebnis auf 700 verbessern. Also ein tröstenden Wort an alle, die noch am GMAT knacken: Übung macht hier wirklich den Meister und jeder kann ein gutes Ergebnis erziehlen, wenn er nur genug übt!Was kostet ein IMD MBA?IMD ist teuer und das Leben in Lausanne auch. Das Programm an sich kostet CHF 50,000. Dazu kommen aber nochmal CHF 20,000 an sogenannten Zusatzkosten, wie Mittagessen (das jeden Wochentag im IMD Restaurant serviert wird), Bücher, Reisekosten für Klassenprojekte, etc. dazu, sodass die kompletten Programmkosten sich auf CHF 70,000 belaufen. Lebenshaltungskosten wurden mir im Vorfeld von IMD mit 15,000 bis 20,000 Franken (je nach Lebensstandard) angegeben. Dies ist auch soweit ganz realistisch. Lausanne ist teuer, aber es hilft, dass man die ersten 6 Monate im Programm keine Zeit zum Essengehen, Shoppen oder für sonstige Freizeitaktivitäten hat und man daher kaum Geld ausgibt. Wer mit seinem Partner nach Lausanne kommt hat natürlich höhere Kosten, allein schon deshalb, weil der Partner all die Zeit, die man selber nicht da ist (sprich fast die gesamten ersten 6 Monate) beschäftigt bzw. unterhalten werden will. Darüber hinaus muss man bei IMD deposits für alles hinterlegen: den Ausweis, den Bücherschrankschlüssel, Telefonkarte, den Handyvertrag, etc. Summa sumarum habe ich glaube ich CHF. 400 in Deposits angelegt. Das erste Modul (Anfang Januar bis Ende März)Der offizielle Starttermin des Jahres war der 5. Januar, aber alle Teilnehmer waren schon am 3. in Lausanne um die zwei Orientation days mitzuerleben. Hier wurde uns im Schnelldurchlauf alles erklärt und vermittelt, was wir für das Überleben der nächsten 11 Monate brauchen würden. Wie die Datenbanken benutzt werden, wo die Bibliothek ist, das Schedule und die Unterlagen für den ersten Monat wurden uns in einem Zentnerschweren Ordner überreicht, Telefonkarten und Handys wurden ausgegeben. usw. sprich alle logistischen und praktischen Dinge wurden geklärt. IMD hatte selbst einen Alumnus eingeladen, um einen Vortrag darüber zu halten, wie man bei dem verrückten und schlafbefreiten Schedule der ersten 6 Monate gesund bleibt (sein Tip: gesundes Essen und Bewegung wann immer möglich).Am Mittwoch Abend war dann das berüchtigte Begrüssungsdinner, bei dem alle Teilnehmer offiziell alle Professoren im Rahmen eines Abendessens kennenlernen. Wie schon im Vorfeld gemunkelt wurde, ging das Essen kurz nach dem Nachtisch abrupt zu Ende: unser Programmdirektor Sean Meehan stand auf, begrüsste uns nochmals und informierte uns, dass wir alle uns mit unseren soeben bekanntgegebenen Arbeitsgruppen (study groups) in unsere designierten Arbeitszimmer im Keller des MBA Gebäudes begeben sollten, um unsere erste case study zu bearbeiten. Es war 21 Uhr und wir wussten, dass es eine lange Nacht werden würde. Als wir um halb zwei nach Hause gingen, waren wir eine der ersten Gruppen, die fertig war. Es war der Startschuss für einen Marathon, der fast ohne Unterlass fünf Monate anhalten sollte.Ich war schon vorgewarnt worden, dass die ersten beiden Module, in denen alle Basiskurse (Accounting, Finance, Economy, Organizational Behavior, Leadership, Entrepreneurship, Marketing und Operations Management) gelehrt werden, eine Tortur sein würde. Von durchschnittlich 4-5 Stunden Schlaf pro Nacht war die Rede, von endlosen Stunden in den Kellerräumen des MBA Gebäudes ("the dungeon") und niemals endenden Diskussionen, Projekten, Powerpointpräsentationsvorbereitungen mit den eigenen study group Mitgliedern aus aller Herren Länder. Und ich kann nun bestätigen, dass es genauso ist, wie immer angekündigt. Aber keine Sorge: wenn man sich darauf einstellt, sein Privatleben 5 Monate an den Nagel zu hängen und alles andere ausser IMD hinter sich zu lassen, packt man es ohne Probleme. Aber ich muss sagen, dass es mit die härteste Zeit meines Lebens war. Aber auch mit die Wertvollste.Ein typischer Tag sah folgendermassen aus: 7 Uhr aufstehen, duschen, auf zum Campus, 8 bis 12 Uhr - Accounting im Auditorium (in dem immer alle 90 Mitglieder der Klasse gleichzeitig sitzen), 12.00 bis 13.30 Mittagspause (wobei immer nur eine halbe Stunde gegessen wurde, die restliche Zeit ging immer für Lektüre oder sonstige Arbeiten drauf), 13.30 bis 17.30 Finance, 17.30 bis 19.00 Lesen und vorbereiten der Case Studies, die am Abend mit der Study Group bearbeitet werden, 19.00 bis open End (meist 23.30) Study Group und individuelle Projektarbeit, 23.30 bis 24.00 Heimweg, 24.00 bis 2.00 Lektüre der background readings für den nächsten Tag, 2.00 bis 7.00 schlafen, und das ganze von vorne anfangen.Es herrscht strenge Anwesenheitspflicht, wer unentschuldigt fehlt (soll heissen ohne ärztliches Zeugnis) fliegt unter Umständen sofort aus dem Programm. Die Sitzordnung ist in jeder Klasse festgelegt. Wir sind 87 Teilnehmer aus 38 Ländern, Durchschnittsalter 31 Jahre, durchschnittliche Arbeitserfahrung 7 Jahre. Die Jüngste ist 25, der Älteste 36 Jahre alt.Kandidaten, die bereits Vorwissen in Finance und Accounting haben, tun sich auf jeden Fall um einiges leichter in diesem ersten Modul. Aber selbst dann sind die Tage lang und erschwerlich, weil ein Grossteil der Zeit einfach für die gemeinsamen Klassen im Auditorium und die daran anknüpfenden Study Grouparbeiten draufgeht.Andere Highlights gibt es viele in den ersten Monaten, wie z.B. die outdoor exercises, bei denen man mit seiner neuen Study Group einen Tag lang in einem Outdoor Camp Hindernisse überwinden, Mutproben bestehen und Aufgaben unter Zeitdruck lösen muss. Beim ausführlichen debriefing wird die Gruppendynamik auf die Probe gestellt und Emotionen werden losgetreten.Ein weiterer wichtiger Teil des ersten Moduls sind das Start up Project. Alle MBA's werden in Gruppen von 5-6 Personen einer "echten" externen start-up Firma (die von IMD ausgesucht wird) zugeteilt. Über die nächsten 5 Monate arbeitet man dann ca. 6 Stunden pro Woche daran, dieser neu gegründeten Firma unter die Arme zu greifen, sei es durch das erarbeiten eines professionellen Business Plans oder die Entwicklung einer neuen Strategie. Mein start-up war eine kleine belgische Baum- und Gartenhausfirma, die eine Marketingstrategie und allgemeine Positionierung brauchte.Schriftliche Prüfungen in fast allen Fächern bilden das Ende des ersten Moduls. Prüfungen dauern in der Regel vier Stunden. Manche sind "open book", andere "closed book." Wer eine Prüfung nicht besteht, hatte die Chance nochmal eine neue Prüfung (meist 1-2 Wochen später) zu absolvieren. Wer diese nicht besteht, ist raus aus dem Programm. Bei uns haben es alle geschafft, aber das ist nicht jedes Jahr so.Zur Vorbereitung auf die Prüfungen gibt es 3 freie Tage, was nicht viel ist, aber dies hat den Vorteil, dass man sich nicht lange verrückt macht und da eh alles relativ frisch ist, reicht es auch.Zumindest im Allgemeinen. Ich hatte während der ersten 4 Monate ein zusätzliches Problem, was mir das ohnehin schon nicht leichte Programm noch deutlich erschwert hat. Mein Vater war schwer erkrankt und starb nach kurzem aber heftigen Kampf Ende April. Über Wochen reiste ich jedes Wochenende zu ihm, musste jeden Sonntag Abend die Entscheidung treffen, ob es richtig und angemessen war, ihn wieder zu verlassen, um wieder nach Lausanne zu fliegen. Aber da ihm mein Studium extrem wichtig war und er auf keinen Fall wollte, dass ich es abbreche, bestand er immer darauf, dass ich gehe. In Lausanne war der nonstop Stress der Uni fast eine willkommene Ablenkung. Aber gegen Ende der Woche wurde es immer unerträglicher, sich auf irgendwelche case studies zu konzentrieren anstatt an der Seite meines Vaters zu sein.Während dieser Zeit hat sich meine Klasse, sowie auch die Professoren mit rührender Loyalität um mich gekümmert. Alle haben mir unter die Arme gegriffen, wenn nichts mehr ging. Dafür bin ich allen extrem dankbar, ermöglichte es mir doch, im Programm zu bleiben und gleichzeitig soviel Zeit wie möglich mit meinem Vater zu verbringen. IMD ist generell knallhart, was Anwesenheit und Leistung angeht, aber in meinem Falle wurde sehr viel Entgegenkommen und Verständnis für meine Situation gezeigt. Das zweite Modul (Anfang April bis Ende Juni)Nach einem langen Wochenende geht es direkt in das zweite Modul. Die Basisfächer Finance, Accounting, Organizational Behavior, Entrepreneurship und Leadership bleiben. Dazu kommen dann noch Strategy, Innovation & product design, International Political Economy und Leadership of Organizations (de facto eine Vortragsreihe erfolgreicher Manager aus verschiedenen Firmen).Study Groups werden neu gemischt, was einigen sehr entgegen kommt, weil es in ihrer ersten study zu grösseren Verspannungen gekommen ist. Die neuen Gruppen gewähren einen Neuanfang. Meine zweite study group besteht im Vergleich zur ersten nur aus Männern, was die Sache um einiges vereinfacht?Der Stress- und Arbeitspegel ist gleich wie im ersten Modul, aber es erscheint etwas leichter, weil man sich mittlerweile an endlose Tage im Keller des MBA Gebäudes gewöhnt und akzeptiert hat, dass es fast unmöglich ist, den stets überwältigenden Berg an täglichem Lesestoff durchzuarbeiten. Meine Strategie war es, mich auf das wesentliche zu konzentrieren und den Rest abzuheften. Aber selbst das sorgt für sehr lange Tage.Zu Hoch-Zeiten machen wir ca. 12 case studies pro Woche, was relativ viel Vorbereitungszeit in Anspruch nimmt, aber auch hier setzt die Lernkurve eine und manches geht schneller als noch 2 Monate vorher.Zusätzliche Highlights sind unter anderem das Integrative Exercise, bei dem alle gelernten Skills der letzten Monate in einem Megacase angewandt werden und deren Ergebnisse von der eigenen study group in Form einer Powerpointpräsentation für zwei Professoren vorgestellt werden. Dann gibt es eine Präsentation der letzendlichen Empfehlungen an den Start-up-kunden vor einer Gruppe von Venture Capital Investoren, die dann bewerten, ob man dem Unternehmer irgendeine Wertsteigerung gebracht hat.Ende Mai steht dann bereits die zweite Runde Prüfungen an. Diesmal wird die Lage noch dadurch erschwert, dass die Finance und Accounting Prüfungen den Stoff beider Module umfassen und das Bestehen zwingend ist. Aber dank der tatkräftigen Unterstützung der Finance- und Accounting-Begabten und -Erfahrenen in der Klasse, wurden etliche zusätzliche Wiederholungssessions durchgeführt, so dass sogar ich am Ende begriffen habe, worum es geht.Direkt nach den Prüfungen finden Ende Mai die MBA Olympics bei HEC in der Nähe von Paris statt. Hier treffen sich Sportteams der Top MBA-Programme Europas, um sich bei sportliche Wettkämpfen zu messen. IESE, LBS, INSEAD, Esade, Oxford, Cambridge, etc., alle sind vertreten und messen sich drei Tage lang in zig Sportarten. Von Rudern bis Fussball, von Golf bis Rollerblading. Abends finden Parties statt, bei denen man zwar viele Studenten anderer Programme kennenlernen könnte, aber meist doch am liebsten Zeit mit der eigenen Klasse verbringt, die man bislang auch noch nicht so viel in einem entspannteren Setting erlebt hat. Alle Kosten für die MBA-Olympics sind bei IMD in den Programmkosten enthalten. Partner können auch teilnehmen, müssen aber extra zahlen. Teilnahme ist freiwillig, aber in unserem Jahr waren 80% der Klasse dabei.Die Olympics sind reiner Fun und eine sehr willkommene Gelegenheit etwas Dampf abzulassen. Es hat die Teilnehmer in unserer Klasse definitiv enger zusammengeschweisst. Eine Kleinigkeit die nervt: IMD hat die hässlichsten Uniformen (LBS die coolsten!) und auch die Tatsache, dass wir als kleinstes Programm zu wenig Leute hatten, um alle Teams stellen zu können, half uns nicht. Und bei der Hotelauswahl hatte IMD leider den schwarzen Peter gezogen. Als kleinstes Team waren wir im kleinsten Hotel, ohne air conditioning und anderen Schnick Schnack.Die letzte Woche des zweiten Moduls ist immer ein besonderes Ereignis bei IMD: die discovery expedition, die in unserem Jahr, wie auch in den 4 vorhergehenden nach Bosnien führte. Das Ziel der Reise soll sich nächstes Jahr mit einem neuen Direktor des MBA Programms (Entrepreneurship Professor Benoit Leleux kommt, Marketing Professor Sean Meehan geht) ändern. Die 6 Tage, die wir in Sarajevo, Mostar und Bled (Slowenien) verbrachten, waren hochinteressant, bewegend, anregend und ein wunderbarer Abschluss von 6 beinharten Monaten. Tagsüber trafen wir uns mit lokalen Politikern (wie zum Beispiel dem ehemaligen Premier von Bosnien, dem ehemaligen Präsidenten von Slowenien, einem Vertreter des UN high command, etc.) oder besichtigten Firmen (VW, Mittal, Coca Cola, etc.). Abends feierten wir in den erstaunlich lebhaften und gut entwickelten Bars von Sarajevo. Der letzte Tag der Reise war gleichzeitig der erste Tag unserer Ferien, auf die alle sehnsüchtig gewartet hatten und für die wir definitiv reif waren. Nach Monaten ohne Freizeit, gehörte der Juli uns! Stakeholder Management (Ende Juli bis Mitte August)Nach dem einmonatigen Summer break sieht IMD ganz anders aus. Oder besser gesagt, die MBAs sehen ganz anders aus. Die meisten haben ihre ursprünglichen Look von blasser Haut und dunklen Augenringen mit einer leichten Bräune und frischem Lächeln ausgetauscht. Alle sind ausgeschlafener, entspannter und fröhlicher. Und auch sonst ist das IMD Leben ganz anders als vorher. Zum ersten Mal seit Begin des Programms kommt es vor, dass man schon um 20 oder 21 Uhr nach Hause gehen kann. Abendessen mit Freunden können wieder mal stattfinden und Wochenenden gehören einem (mehr oder weniger) selber.Zum Stakeholder Management Modul gehören alle Klassen, die sich mit den verschiedenen betroffenen Parteien des Geschäftslebens befassen. Von non-for-profit Organisationen bis hin zu Regierungen, Angestellten, Investoren und der Presse. Nebst einer sehr unterhaltsamen Simulation einer Umweltkatastrophe in einer fiktiven Firma, bei der wir eine aggressive Presse, beunruhigte Öffentllichkeit und ungeduldige Investoren managen und gleichzeitig das eigentliche Problem lösen mussten, gab es sehr interessante Gastvorträge von Repräsentanten vom World Wildlife Fund, Food Watch und Human Rights Watch sowie Klassen über den Umgang mit fremden Regierungen beim Eintritt in einen neuen Markt.Ausserdem gab es eine gestellte (aber auf Video aufgenommene) Fernsehdebatte mit einem eigens hierfür eingeflogenen BBC Reporter (Steve Knight, der auch schon im ersten Modul einen Workshop zum Thema Präsentation gegeben hatte).Abschluss des Moduls bildete eine politische Debatte mit einer anderen Study Group, bei der man 10 Minuten Zeit hatte seinen Standpunkt zu einem vorgegebenen Thema darzustellen, um dann 10 Minuten lang die andere Seite anzuhören und anschliessend in eine Diskussion einzusteigen. Unser Thema war die Frage, ob die vertraglichen Verpflichtungen eines Managers bei der Behandlung eines Notfalls wichtiger sind als das Allgemeinwohl der weiteren Bevölkerung, sprich ob es stets wichtiger und richtiger ist zugunsten des kurzfristigen Profits der Firma zu entscheiden oder zum Schutze der Öffentlichkeit zu handeln. International Consulting Projects (Mitte August bis Ende Oktober)Die International Consulting Projects (kurz ICP) sind ein besonderer Bestandteil des IMD Programms. Wir wurden in Teams von 5-6 MBAs eingeteilt, die externe Firmen aus aller Welt bei der Lösung von konkreten Problemstellungen beraten. Jedes Team hat einen Professor als Projektleiter, der Kunde zahlt für die Beratung und Spesen werden genauso abgerechnet wie es bei jeder professionellen Beratung der Fall wäre. Das ganze ist also recht nah am wirklichen Leben.Das Projekt hat vier Phasen: 1. eine Industrieanalyse, 2. Eine Unternehmensanalyse des Kunden, 3. die Analyse eines in der zweiten Phase identifizierten Problems und 4. die Ausstellung von Implementierungsempfehlungen.Der Leiter des Programms ist Professor Jan Kubes, ein ehemaliger McKinsey Berater mit ganz besonderem Character und drive. Sein leidenschaftliches Engagement gibt dem Ganzen mehr Druck und Gewicht als es vielleicht sonst der Fall wäre.Auch wenn man (wie ich) kein grosser Freund von Beratung ist und diesen Weg nicht nach dem Studium einschlagen will, so hat das ICP durchaus seinen Wert. Man lernt eine neue Industrie und Firma kennen, trifft neue Menschen und hat Gelegenheit vieles des gerade erlernten in der Praxis anzuwenden.Die Tage werden in diesem Teil des Programms wieder länger, vor allem vor Präsentationen, die immer am Ende einer jeden Phase vor Vertretern des Kundenunternehmens stattfinden.In meinem Fall arbeite ich mit einem international tätigen, deutschen Unternehmen zusammen. Wir sind kurz davor mit der dritten Phase des Projekts zu beginnen und haben in der zweiten Phase extensive Interviews mit Angestellten des Unternehmens vor Ort durchgeführt. Unsere Reiseziele waren auf deutsche Städte und auf Zürich beschränkt, aber andere Teams dieses Jahr sind überall von Quatar bis Beijing gewesen (auch New York, London, Brüssel, etc.). Wer gerne reist kann also auf seine Kosten kommen. RecruitingEin weiterer wichtiger Bestandsteil des Programms ist natürlich die Jobsuche. Das IMD Career Services Team fängt schon im ersten Modul an, mit uns an unseren Resumes, Kurzbiographien und sogenannten "elevator pitches" zu arbeiten. Workshops zu allen Teilen der Bewerbung, vom Interview bis zum Networking, finden über das Jahr verteilt statt.Ab Juni kommen internationale Unternehmen zu uns, um sich vorzustellen. Und Mitte September haben wir zwei Wochen Zeit, um Jobinterviews on- oder off-campus durchzuführen. Da ich schon im Vorfeld ein relativ genaues Bild davon hatte, wo ich hinwollte, habe ich nur mit drei Firmen on campus gesprochen (LVMH, A.T. Kearney und Bertlesmann), aber die Liste der vertretenen Unternehmen ist lang und recht ausgewogen.International Consulting Project (ICP) - Phase IIIAm Montag morgen began mit einer Ansprache von IMD Präsident Peter Lorange die dritte Phase unseres ICPs, in der wir uns nun mit einem konkreten Problem unseres Kunden befassen. Nach einer kurzen Einführung ging es wieder in die Study Group-Räume, wo wir in unserem 5er-Team erst einmal einen Zeitplan für die nächsten 2 Wochen aufstellen mussten. Kundeninterviews, Analyse, Präsentationen, erst vor unserer Professorin und schliessllich vor einigen Managern unserer Kundenfirma mussten festgelegt werden.Ausserdem mussten wir entscheiden, welche Landesgesellschaften des Kunden wor besuchen sollten, um das Maximum an Informationen mit einem Minimum an Zeitaufwand zu bekommen. Wir entschieden uns für Holland und die Schweiz, was zur Folge hatte, dass ich mich gestern um viertel vor 5 am Morgen in einem Zug zum Genfer Flughafen befand, um meinen 6:30 Flug nach Amsterdam zu nehmen.Dort angekommen, wurde ich vom dortigen Vertriebsleiter unseres Auftraggebers begrüsst und verbrachte den Rest des Tages in Kundengesprächen, die erfreulicherweise interessant und abwechslungsreich waren. Von der Amstdamer Polizei bis zu einem Hotel war alles dabei. Als ich um 20.45 wieder auf einem Flieger nach Genf sass, war ich mir sicher, dass ich einige wertvolle Informationen gesammelt hatte. Mein Tag endete um Mitternacht, wieder in meiner Wohnung in Lausanne. Morgen geht es nach Zug, wo ich weitere Kundengespräche führen werde.Ein anderes Highlight dieser Woche ist unser Projekt Cycling for Sarajevo, eine wohltätige Aktion unserer MBA Klasse, mit der wir etwas für den Revitalisierungsprozess in Bosnien tun möchten. 6 meiner Klassenkameraden radeln seit dem 29.9. um 23 Uhr von Sarajevo nach Lausanne, 1300km nonstop in 3 Tagen und Nächten. Dies benutzen wir als Fundraiser, um Sfr. 50,000, die dann einer Grundschule in Sarajevo zur Verfügung gestellt werden, zu sammeln.Anknüpfend an unsere Discovery Expedition nach Bosnien im Juni, wollten wir unseren Beitrag zum Wiederaufbau dieses wunderschönen Landes leisten. Updates zur Tour, den aktuellen Spendenlevel und viele andere Infos könnt ihr unter www.cyclingforsarajevo.com einsehen. International Consulting Project (ICP) ? Showtime!Nach zwei Wochen intensiver Kundeninterviews, Brainstorming, Analyse, der Durchsicht von Reports und langer Nächte, die mit der Anfertigung von Powerpointseiten verbracht wurden war es am vergangenen Donnerstag endlich soweit: meine vier Teamkollegen und ich sollten das Ergebnis unserer Arbeit und unsere Empfehlungen für die Lösung des uns am Ende der zweiten Phase gestellten Problems präsentieren. Nach einem Mittagessen mit unseren Klienten im immer noch relativ neuen IMD Restaurant, begann mein Kollege Mathias Kroll (auch ein Deutscher) um 13 Uhr mit der Präsentation.Rund 70 Minuten später schauten wir gespannt in die Gesichter des CEOs und der Leiter der Bereiche Corporate Business Development und Corporate Operations der Kundenfirma und warteten auf Reaktionen. Gott sei Dank waren diese überwiegend positiv. Zwar hatte sich einer der Herren noch revolutionärere Ideen gewünscht, aber alles in allem kam unsere Analyse gut an und unsere Ideen wirkten zumindest anregend. Nach einer Stunde produktiver Diskussion wurde das Ziel für die vierte und letzte Phase des Consulting Projektes festgelegt. Man einigte sich auf den 21.10. als nächsten Präsentationstermin und ging seiner Wege und nach einem kurzen Debriefing mit unserer Professorin konnten wir endlich ziemlich müde nach Hause gehen und den versäumten Schlaf der letzten 3 Tage nachholen.Nebst dem doch sehr Arbeitsintensiven ICP laufen Jobsuche und andere Projekte weiter. Ende Oktober haben wir nochmal eine Woche Zeit für die nächste Runde Interviews. Ich bin mit vier Firmen aus ganz unterschiedlichen Bereichen im Gespräch. Die Resonanz ist generell (auch bei meinen Kollegen) gut und IMDs Ruf scheint bei den meisten zu wirken. Die ersten haben bereits Angebote und fast alle sind bei mehreren Firmen in der 2. oder 3. Runde. IMDs Career Services Office macht generell einen sehr guten Job. Das Angebot an Firmen, die on-campus Gespräche führen ist relativ breit und abwechslungsreich. Von Standards wie McKinsey, BCG, A.T.Kearney, Alcan, Shell bis hin zu Exoten wie LVMH und Bertelsmann ist alles dabei. Alle Firmen sind von IMD dazu angehalten, Kandidaten nicht vor Ende Oktober zu einer Antwort auf Angebote zu nötigen, um anderen Firmen, deren Interviews erst später stattfinden eine Chance zu geben.Noch 2 Wochen ICP, dann eine Woche Interviews gefolgt von drei Wochen Wahlfächer, und schon ist das Jahr um. Kaum zu glauben, aber durchaus ersehnt. Bis dahin gibt es noch vieles anderes zu erledigen, wie zum Beispiel die Vorbereitung des Graduation Balls und Fertigstellung des Jahrbuches. Der Countdown läuft? Das Licht am Ende des TunnelsAm vergangenen Freitag erhielten wir ein E-Mail vom MBA-office, in dem wir auf eine Informationssession zu allen Dingen, die mit unserer Abreise nach der Graduation zu tun haben, aufmerksam gemacht wurden. Plötzlich wurde das Licht am Ende des Tunnels sichtbar - nur noch 6 Wochen! Das Jahr ist bis jetzt im Fluge vergangenen und es erscheint mir im Moment schwer, mir ein Leben ohne IMD Stress vorzustellen. Aber ich bin mir sicher, dass ich mich auch daran sehr schnell gewöhnen werde.Bis dahin gibt es allerdings, wie schon erwähnt, einiges zu tun. In der kommenden Woche haben wir unsere letzte Präsentation für unseren ICP Kunden. Danach werde ich eine Woche in Deutschland für die zweite Runde meiner Jobinterviews verbringen, bevor es dann in den Endspurt mit 3 Wochen electives und der "graduation week" geht.Die letzte Woche war verhältnismäßig ruhig. Nebst beständiger, aber nicht so stressiger Arbeit an unserem Consulting Projekt gab es einiges für unser dynamic learning network (DLN) zu tun. Das DLN ist ein online Forum, in dem ein bestimmtes Thema von einem Team von MBAs, einem Professor und externen Teilnehmern bearbeitet wird. Ziel ist am Ende ein sogenanntes White Paper zu erstellen, was neue Erkenntnisse und Erfahrungen zu einem bisher relativ unerforschten Thema zusammenfasst. Unser Thema heißt verheißungsvoll "Becoming a global leader" und unsere Professorin heißt Martha Maznevski, die am IMD Organizational Behavior unterrichtet. Neben unserem gibt es noch ca. 8-9 andere DLNs, die nun alle schon seit August laufen und jede ein bisschen Zeit in Anspruch nehmen. Nachrichten von externen Teilnehmern müssen beantwortet, neue Artikel auf die Seite geladen und zusammengefasst werden und hin und wieder gibt es mal ein aufgenommenes Online-Interview mit einem Gastexperten. Es kann ganz spannend sein, aber inmitten des ICP Stress wird es meist eher zur unbeliebten Verpflichtung. Aber auch die müssen erledigt werden, denn das DLN ist ein benoteter Bestandteil des Programms. Electives

Diese Woche fingen die ?Electives?, die Wahlfächer und gleichzeitig letzter Teil des Programms an. Wir konnten uns mindestens 3 und maximal 5 Kurse (von 14 angebotenen) für die 3-wöchige Electives Phase aussuchen. Dabei haben wir Gelegenheit unser Wissen in dem ein oder anderen Bereich, den wir während des Jahres kennengelernt haben, zu vertiefen oder in ein komplett neues Thema einzusteigen. Die Klassen setzen sich jeweils zur Hälfte aus MBAs und zur anderen Hälfte aus Mitgliedern des Executive MBA Programms, die wir ansonsten nur aus der Ferne gesehen haben, zusammen.Mein wohl interessantester Kurs ist Advanced Group Dynamics mit unserem Leadership Professor Jack Wood. Bei unserer ersten Session am vergangenen Dienstag, fühlte ich mich ein wenig in meine Zeit in der Schauspielschule vor 15 Jahren zurückversetzt. Wie damals fand ich mich in einem Kreis von 14 Menschen wieder und es galt nun, sich zu öffnen, persönliches zu teilen und aus einer Ansammlung von MBA-Studenten eine Gruppe zu formen, die aber keine konkrete Aufgabe oder Mission hat - von der Beobachtung und Analyse der daraus entstehenden Gruppendynamik mal abgesehen. Dies geschieht durch Dialog, teilweise sehr emotionaler Diskussion, Beobachtung und Austausch mit der Gruppe. Das dabei zwei Professoren teilnehmen vergisst man weitgehend, bis sie sich (gewöhnlich alle 20-30 Minuten) zu Wort melden, um die vielleicht entgleiste oder verirrte Diskussion wieder auf die richtige Schiene zu setzen.Aber keine Angst, nicht alle Electives sind derart esoterisch. Alle anderen bewegen sich auf gewohnterem Terrain. Es gibt Advanced Finance, Brand Strategy und Economics Klassen, ebenso wie Supply Chain Management, Knowledge Management und Business History.Nebenbei geht die Jobsuche weiter. Gerüchten zufolge haben mittlerweile ca. 70% der Klasse Jobangebote. Mir stehen noch weitere 2. Runden-Interviews bevor und es erscheint unwahrscheinlich, dass ich meinen Job bis Ende des Programmes unter Dach und Fach haben werde.
Dieser Artikel ist erschienen am 22.09.2005