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Timing entscheidet

Ulrike Heitze
Urlaub, Auto, Familie, Haus, Gesundheit: Damit Sie sich alle Ihre Träume auch leisten können, sollten Sie frühzeitig einiges für Ihr Finanzpolster tun ? und manches besser.
Nächstes Jahr die Australien-Rundreise und den neuen Computer. In vier, fünf Jahren eine Familie gründen. Die Mietwohnung gegen die eigenen vier Wände tauschen. Und mit Mitte fünfzig aufhören zu arbeiten. ? In jedem schlummern gewisse Vorstellungen, wie er sein Leben verbringen, welche Ziele er erreichen und welche Träume er sich erfüllen will. Und sei es nur die, ohne Sorgen alt zu werden.

Der Haken bei den meisten Wünschen: Sie kosten viel Geld ? und das will erst mal verdient und gespart werden. Tatsächlich legen laut einer Studie der Uni Mannheim im Jahr 2001 knapp die Hälfte aller unter 35-Jährigen regelmäßig einen festen Betrag auf die hohe Kante. Im Schnitt wanderten 14 Prozent des Nettoeinkommens auf Sparkonten, in Bausparverträge, Lebensversicherungen und Fonds.

Die besten Jobs von allen


Dass Anleger ihr sauer Verdientes allerdings oft ungeschickt vermehren, zeigen die Schätzungen des Finanz-Sachverständigenbüros Vogelsang & Sachs: 20 bis 30 Milliarden Euro verlieren Deutschlands Sparer pro Jahr durch schlechte Beratung bei der Geldanlage, durch mangelhafte Risikoaufklärung und weil sie unpassende oder zu teure Produkte kaufen. Verluste, die sich Geldanleger auch selbst zuzuschreiben haben: ?Die meisten Leute gehen bei ihren Finanzangelegenheiten planlos und unstruktiert vor,? stellt Peter Sachs, Sachverständiger für Kapitalanlagen und private Finanzplanung, fest.

Vieles zu früh, manches zu spät

Selten werden Produkte dann gekauft, wenn sie Sinn machen. Ein heißer Aktien-Tipp hier, eine aufgeschwatzte Versicherung da, angereichert um einen trendigen Fonds, der gerade durch die Medien geht, und ein raffiniertes Steuersparmodell, weil gerade noch Geld übrig war. ?Die Leute machen sich kluge Gedanken, ob sie Nokia oder Ericsson kaufen sollen, dabei müssten sie sich zuerst fragen, ob Einzelaktien überhaupt zu ihrem Leben passen. Und, dem Herdentreib folgend, haben dann doch alle die gleichen Aktien, Fonds und Versicherungen in ihrem Portfolio ? ungeachtet ihrer unterschiedlichen Ziele?, beklagt Jörg Richter, Leiter des Instituts für Qualitätssicherung und Prüfung von Finanzdienstleistungen.

Statt des zufälligen Zusammenstückelns von Geldanlagen plädieren Experten für eine vorausschauende Finanzplanung, die Struktur in den Vermögensaufbau bringt: keine Riester-Rente mit 25, kein spekulativer Aktienfonds mit 55. Erst die schlimmsten Risiken absichern, dann Schritt für Schritt Vermögen aufbauen, sichern und schließlich, im Alter, Stück für Stück wieder entsparen.

?Eine gute Finanzplanung balanciert die Vielfalt der möglichen Ziele, Renditen und Risiken aus und führt zu einer höheren Entscheidungssicherheit, auch und gerade weil das Leben nicht immer so läuft, wie man sich das denkt,? erklärt Jörg Richter. ?Natürlich kann ich das Geld auch auf gut Glück erwirtschaften, aber das Risiko, dass ich mir dann nicht alle meine Ziele und Wünsche leisten kann, steigt.

Leitfaden gegen die gröbsten Fehler

Grundsätzlich sollten Sparer ihre Investitionen immer an ihrer eigenen Zielsetzung orientieren, dennoch gibt es Lebensphasen, in denen viele Leute in vergleichbaren Situationen stecken und zu ähnlichen Strategien kommen sollten.

Der Berufseinstieg, das Etablieren im Job, der gemeinsame Nestbau und die Familiengründung markieren solche typischen Wendepunkte in der Anlagestrategie. Welche Versicherungen, Geldanlagen und Altersvorsorge-Produkte in diesen Lebensphasen sinnvoll sind, zeigen die nebenstehenden Fallstudien.

Prinzipiell gilt:
  • Anleger sollten immer eine frei verfügbare eiserne Reserve für Notfälle haben, idealerweise zwei Monatsgehälter. Diesen Puffer am Besten gleich mit den ersten Einkommen ansparen und auf Tagesgeldkonto oder Sparbuch parken.
  • Je länger man auf ein Ziel hin spart, desto höher ? je nach Risikoneigung ? darf der Aktienanteil sein. Zehn bis 15 Jahre reichen aus, um Börsenflauten im Depot auszugleichen. 100 Prozent Aktienanteil ist allerdings zu riskant. Rückt das Sparziel näher, heißt es langsam umschichten in sicherere Anlage wie Rentenpapiere.
  • Kurzfristige und zeitlich sehr festgelegte Investitionen wie Urlaub oder die neue Waschmaschine nie mit Aktien oder Fonds ansparen. Man könnte gezwungen sein, in schlechten Börsenzeiten mit Verlust zu verkaufen.
  • Vor dem Sparen erst die Schulden abbauen.
  • Anleger sollten sich nicht zu früh und zu hoch an langfristige Verträge binden. Wer sich schon zum Berufseinstieg mit zu vielen Versicherungen knebelt, kann nur schwer Liquidität ansparen, geschweige denn ein Haus abzahlen.
  • Niemals nach Moden kaufen. Biotech-Fonds passen nicht automatisch besser zur eigenen Planung, nur weil alle sie gekauft haben.
  • Vermögensaufbau funktioniert nur dann, wenn man sich an seine Pläne hält. Wer vorzeitig Kapital oder Zinsen entnimmt, muss neu planen. Regelmäßig checken, ob die Konstellationen und Lebensziele noch zur Strategie passen.
  • Risikoabsicherung und Vermögensaufbau immer voneinander trennen, sprich Berufsunfähigkeits- nicht an Lebensversicherung koppeln.
  • Stets die Inflationsauswirkungen beachten. Man muss für später deutlich höhere Summen ansetzen als heute. Ein 3.500-Euro-Urlaub kostet bei 2,8 Prozent Inflation in zehn Jahren gut 1.000 Euro mehr.
  • Renditen in der Planung eher niedrig ansetzen, damit es im Nachhinein keine bösen Lücken gibt.
  • Risiko streuen und in breiter Palette anlegen, aber Qualität geht vor Quantität. Ein paar passende Produkte sind besser als viele, bei denen man den Überblick verliert.
  • Nicht zu spät anfangen, etwas beiseite zu legen. Tipp: Aus hohem Lebensstandard heraus zu sparen ist unschön. Lieber früher beginnen, wenn man sich noch nicht an Luxus gewöhnt hat.
  • Immobilien nicht so spät kaufen, dass man im Alter noch Schulden hat und nichts mehr für die Lebenshaltung bleibt.
  • Kapitallebens- oder Renten-Versicherung erst dann anpeilen, wenn man beruflich gefestigt ist und weiß, dass man die Raten auch weiterhin aufbringen kann. Ruhen lassen bringt noch nicht mal Zinsen, weil die Anfangsbeiträge immer für Gebühren et cetera draufgehen und man zunächst kaum einen sich verzinsenden Sparanteil hat.
Guter Rat ist teuer

Ohne Hilfe findet sich kaum jemand in der komplexen Materie aus Anlagemöglichkeiten und Risiken, Steuerrecht, Erbrecht, staatlicher Förderung und Produkt-Know-how zurecht. Die Suche nach einem kompetenten Berater ist deshalb entscheidend für die spätere Vermögensentwicklung und Planungssicherheit ? ein schlechter Ratgeber kann einen Tausende von Euro, den ruhigen Lebensabend oder das Haus kosten

Eine gute Adresse für Otto Normalverbraucher sind laut Finanzexperte Richter die Verbraucherzentralen, die Versicherungs-Checks und persönliche Beratungen gegen Honorar anbieten. ?Bei den weniger komplexen Fällen können die schon sehr gut helfen. Und zu 80 Prozent gut geplant ist besser als wild gemischt und am Ende unbezahlbar oder falsch versorgt.?

Zumindest können Verbraucher dort eine Neutralität erwarten, die sie bei Bankberatern oder Versicherungsvertretern kaum finden werden (siehe Junge Karriere 1/2003).

Zurzeit entdecken viele Banken und Finanzdienstleister die individuelle Lebensphasen-Finanzplanung gegen Honorar als neue Verkaufsschiene für ihre alten Produkte. Nach Beratungsgespräch, Bestandsaufnahme und Computeranalyse erhält der Kunde seine Vorsorge-, Geldanlage- und Versicherungsstrategie für die Zukunft. ?Der Kunde sollte aber skeptisch sein?, so Jörg Richter. Denn häufig werde nur ?alter Wein in neuen Schläuchen? präsentiert. Aber vielleicht könnten die Standardlösungen immerhin die Grundprobleme lösen. ?Aber je höher das Einkommen, desto nötiger ist eine individuelle und neutrale Beratung.?

Unabhängigkeit und Kompetenz versprechen die freien Honorarberater, die immer häufiger am Markt anzutreffen sind. Doch da der Berufsstand nur unzureichend geregelt ist, tummeln sich hier viele schwarze Schafe, die beispielsweise ihre Honorarsätze dadurch niedrig halten, dass sie die Provisionen der Versicherer kassieren

Daher empfiehlt Jörg Richter: ?Nur wer ausschließlich gegen Honorar berät und auf Provisionen vollständig verzichtet, kann wirklich unabhängig beraten. Solche Experten sind für vermögende Privatkunden erste Wahl.? So arbeiten zum Beispiel die öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen für Finanzplanung und Kapitalanlagen. Der Haken: Diese Finanzplaner kosten pro Stunde 150 Euro aufwärts, fünf bis sechs Stunden muss man für eine Beratung rechnen. Bei komplexeren Fällen kann eine Vermögensplanung leicht mehrere Tausend Euro kosten. Deshalb rekrutiert sich ihre Klientel bislang hauptsächlich aus Gut- bis Sehr gut-Verdienern. ?Wenn man allerdings bedenkt, dass es bei der Entscheidung für eine Altersvorsorge nicht um die 100 Euro pro Monat, sondern in der Summe um ein paar hunderttausend Euro geht, macht es schon Sinn, sich auf die richtige Spur setzen zu lassen. Von einem der weiß, was er da tut, auch wenn es erst mal kostet?, gibt Finanzplaner Peter Sachs zu bedenken. ? Denn Fehler in der Vermögensplanung zeigen sich fatalerweise meist erst, wenn es zu spät ist. Und dann wird es umso teurer.

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Kinder großziehen, Haus kaufen, fürs Alter sparen, Urlaub finanzieren oder Selbstständig machen ? die Aufgabenstellung bei der Finanzplanung für ein ganzes Leben ist komplex. Wir helfen ihnen kostenlos bei der Suche nach kompetenten Beratern für Ihre Vermögensbildung

In unserem Online-Fragebogen schildern Sie kurz Ihr Anliegen und Dr. Jörg Richter, Leiter des Instituts für Qualitätssicherung und Prüfung von Finanzdienstleistungen, IQF, sagt Ihnen, welche Entscheidungen in Ihrem Fall akut anstehen, um welche Baustellen Sie sich kümmern sollten und wer Ihr Problem am besten lösen kann.

Zum Fragebogen bitte hier entlang www.iqf.de
Dieser Artikel ist erschienen am 23.01.2003