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Thomas Stein: Umstrittener "Superstar"

Thomas Stein hat den Schritt vom Managersessel auf die Showbühne gewagt - nun, nach der Trennung von BMG, bleibt ihm jedoch nur noch letztere. Als Jury-Mitglied bei ?Deutschland sucht den Superstar? wird er wohl noch länger wirken dürfen.
HB MÜNCHEN. Die Kandidaten müssen seine teils ätzenden Kommentare über ihre Sangeskünste fürchten. In der Branche sorgten die öffentlichen Auftritte des Deutschland-Chefs der Bertelsmann-Musiksparte BMG für viel Neid und Kritik. Auch intern war der 54-jährige wegen seiner direkten Art nie unumstritten. Vor allem wegen des ?Superstar?-Booms konnte sich BMG aber unter Steins Führung gegen den Abwärtstrend der Branche stemmen und deutlich Marktanteile hinzugewinnen.Stein gilt als einer der intimsten Kenner des deutschen Musikmarkts. Seit 30 Jahren ist er in der Branche aktiv. Auch Konkurrenten bescheinigen ihm ein gutes Gespür für Talente. Als Vorsitzender des Bundesverbandes der Phonographischen Wirtschaft (1991 bis 2001) hat er vehement gegen die Flut der Raubkopien gekämpft, weil sie der Musikindustrie schadeten.

Die besten Jobs von allen

Der gebürtige Schwabe hatte nach einer kaufmännischen Lehre bei einem Stuttgarter Zeitschriftenverlag seine Karriere im Musik- Business mit 26 Jahren als Marketing- und Promotionsleiter beim Plattenlabel Crystal begonnen. Später wechselte er als Musikredakteur zum ZDF und produzierte Sendungen wie ?Disco?. Als Geschäftsführer der Teldec Schallplatten GmbH in Hamburg unterstützte er ab 1982 Künstler wie Jürgen von der Lippe und Falco bei ihrer Karriere.Bei der BMG ist Stein seit 1988. Vor gut einem Jahr strich der Konzern den Posten des Europa-Chefs. Stein musste aus London zurück nach München und künftig wieder den deutschsprachigen Markt verantworten. Über einen möglichen Abschied von BMG wurde schon damals spekuliert. In der Firma herrsche ?ein Klima der Angst?, zitierte das ?SZ-Magazin? einen Musikmanager, der vier Jahre bei BMG gearbeitet hat. Die angekündigte Fusion von BMG mit dem Musikgiganten Sony bringt weitere Unruhe ins Unternehmen. In den USA musste bereits der schillernde Chef des BMG-Labels Arista, Antonio Reid, gehen, der erhebliche Verlust wegen seines Superstar-Managements anhäufte.Die Zahlen sprachen zuletzt aber für Stein. Er halbierte binnen zwei Jahren die Kosten. Im rückläufigen Markt verkaufte BMG Germany/Switzerland/Austria viele Mill. ?Superstar?-CDs und dominierte mit den Künstlern mit Hilfe der fein abgestimmten Bertelsmann-Vermarktungsmaschine lange die Charts. Bis Ende November stieg der Marktanteil in Deutschland von 17 auf 21 %. Auch BMG- Chef Rolf Schmidt-Holtz konnte beim Abschied des Managers nicht umhin, ?große wirtschaftliche und kreative Erfolge? Steins zu loben.Konkurrenten kritisierten jedoch, das Budget der Teenager sei begrenzt. Echte Künstler könnten nicht mehr gefördert werden, wenn künstlich neue Stars in den Casting-Shows kreiert werden. Auch im eigenen Haus verlor Stein deshalb an Rückhalt. Er konterte: ?Wir bringen die jungen Leute in die Plattenläden.?Dass er mit seiner direkten Art oft aneckt, ist Stein bewusst. ?Mich ständig verstellen, kann ich nicht. Das hat natürlich seinen Preis. Freunde macht man sich so nicht?, sagte er neulich der ?Welt am Sonntag?. Bei seinem nicht unumstrittenen Engagement bei ?Deutschland sucht den Superstar? habe er das Wohl von Bertelsmann im Blick. ?Ich verbringe meine Wochenenden bis zum Frühjahr bei RTL und nicht auf dem Golfplatz, was mir wirklich viel mehr Spaß machen würde, als in einem stickigen Studio zu sitzen."
Dieser Artikel ist erschienen am 16.01.2004