Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Thomas Schulz

Wie Alles Begann - Ein Traum Geht In Erfüllung
Das erste Semester (Teil 1)
Das erste Semester (Teil 2)
Der Beginn des zweiten Semesters
Das Ende des zweiten Semesters
Fragen und Antworten
Das Praktikum
10 Tipps für Bewerbungen und Auswahl einer US Business School
Das Ende naht...











Das Ende naht...

Die besten Jobs von allen


Das letzte Semester hat begonnen, und obwohl wir noch 25 Prozent des Studiums vor uns haben, sehen alle schon dem Ende der schönen MBA Zeit entgegen. Schade eigentlich! Wie fast alle meine Kollegen habe ich trotz häufigem Studienstress die Zeit in Berkeley bisher sehr genossen. Aber langsam drehen sich die Gespräche nur noch um das eine Thema. Was macht man nach dem MBA?

Das ist schon eine gute Frage. Zum Glück hat der Jobmarkt in den letzten Monaten ordentlich angezogen. Glück in der Tat, denn letztes Jahr sahen die ?employment opportunities? für den Jahrgang 2003 doch wesentlich schlechter aus. Immer mehr meiner Kollegen entscheiden sich in diesen Tagen für ein Jobangebot. Und die Angebote sind oft beeindruckend. Die Grundgehälter für MBA Absolventen scheinen dieses Jahr erstmals seit 2001 wieder zu steigen. Diejenigen, die sich letztes Semester besonders stark um die Jobsuche gekümmert haben, erhielten zum Teil schon mehrere sehr gute Angebote.

Selbst habe ich mich noch nicht für ein Angebot entschieden. Ich möchte frühestens ab September, nach einer längeren Weltreise, wieder arbeiten. Daher ist noch viel Zeit, um einen ?Traumjob? zu finden. Vielleicht klappt es ja mit einem der fünf Interviews, die ich im Februar habe, oder auf meiner persönlichen Interviewtour nach München, die ich im März plane.

Das letzte Semester nutze ich, um Kurse bei den ?Superstar-Professoren? der Haas school zu besuchen. Wie zum Beispiel bei Ken Rosen (Real Estate), Paul Tiffany (Strategy) oder Peter Goodson (M&A). Auch werde ich mich als Gasthörer bei einem Nobelpreisträger im economics department eintragen. Zudem habe ich über Weihnachten einen Business Plan geschrieben und nehme am Berkeley Business Plan Wettbewerb teil. Es wird wohl ein spannendes Semester werden...

10 Tipps für Bewerbungen und Auswahl einer US Business School

1. GMAT: Ein guter Score ist sehr wichtig, aber nicht ausreichend. Versuche mindestens einen Score am unteren Ende der 80% Range des GMAT Durchschitts der Wunschuni zu erreichen. Den GMAT Test gegebenenfalls mehrfach nehmen, bis man die notwendige Punktzahl erreicht hat. Mindestens 3-4 Monate Zeit für die Testvorbereitung einplanen. Im Vorteil ist, wer mathematisch fit und gut in englischer Grammatik ist. Die 80% Regel gilt übrigens auch für andere Bewerbungskriterien wie Arbeitserfahrung, etc.

2. Zeitpunkt: Die meisten Studienplätze werden in den ersten Bewerbungsrunden vergeben. Es empfiehlt sich daher, sich möglichst frühzeitig zu bewerben.

3. Essays: Gehören zu den wichtigsten Zulassungskritereien. Möglichst individuelle Essays für jede Bewerbung verfassen. Wichtig ist, die Persönlichkeit, Motivation und Ziele möglichst glaubwürdig zu kommunizieren. Möglichst viele Revisionen sowie das Einholen von ausgiebiger Kritik von englischsprachigen Freunden/Kollegen und/oder MBA graduates sind extrem hilfreich.

4. Recommendations: Wichtig ist, dass der Kandidat möglichst positiv dargestellt wird. Stories über "Leadership Experience" gehören in die Recos und nicht in die Essays. Englischsprachige Recommendations (im amerikanischen Stil) möglichst von jemanden schreiben lassen, der Erfahrung damit hat. Falls das nicht möglich ist, kann man selbst ein Muster erstellen, das der Recommender dann nach eigenen Vorstellungen überarbeiten kann.

5. Informational Interviews: Interviews mit deutschen Alumni der Zieluni sind sehr hilfreich. Dabei sollte allerdings nicht die eigene Bewerbung im Vordergrund stehen. Kontakte zu Alumni vermitteln die meisten Business Schools auf Anrage.

6. BusinessWeek.com: Sehr gute Informationen für Business School Bewerber habe ich in den Foren von BusinessWeek gefunden: http://www.businessweek.com/bschools/index.html Die Foren sind unter der Rubrik "Forums & Chat" zu finden.

7. Interviews: Es empfiehlt sich, die Zieluni um einen Interviewtermin zu bitten und dafür in die USA zu fliegen. Dies zeigt der Business School, dass man wirklich interessiert ist. Gleichzeitig ist es eine gute Gelegenheit, die Uni kennen zu lernen.

8. Reputation over Cost: Wenn man an mehrern Unis zugelassen ist, sollte man in erster Linie auf Reputation und nicht auf die Kosten achten. Zum Beispiel sollte man nicht an Uni A mit Ranking #37 gehen, nur weil man dort ein Stipendium bekommen hat, wenn man auch an Uni B mit Ranking in den Top-10 zugelassen ist.

9. Location matters: Ein Grund für meine Entscheidung für Berkeley war, dass ich lieber zwei Jahre an der Westküste als im Osten oder in den Südstaaten leben wollte. Persönliche Präferenzen sind wichtig, man sollte sich schon auch Gedanken darüber machen, ob man in einer bestimmten Stadt/Gegend wirklich zwei Jahre verbringen möchte.

10. Failure is ok: Es hat mit der Bewerbung nicht klappt? Kein Problem, die meisten Business School erlauben eine erneute Bewerbungen im folgenden Jahr. Eine solche wird in der Regel wesentlich besser sein, da man dann schon berwerbungserfahren ist und mehr Zeit hat, die eigenen Qualifikationen wie z.B. GMAT Score, etc. zu verbessern.

Das Praktikum

Das Semester ist in der Zwischenzeit zu Ende und die meisten meiner classmates befinden sich bereits im Praktikum. Aufgrund des - wie in meinem letzten Beitrag erwaehnt - sehr schwierigen Arbeitsmarktes haben bis Ende April lediglich ca. 70% der Studenten Praktika gefunden. Im Mai kamen dann aber unerwartet noch relativ viele und auch interessante Internshipstellen auf den Jomarkt, so dass mittlerweile wohl fast jeder ein Internship finden konnte.

Die letzen Wochen vor den Examen waren wie erwartet noch relativ stressig. In jedem Kurs gibt es am Ende des Semesters eine umfassende Pruefung. Zudem sind Praesentationen, Gruppenarbeiten, Consultingprojekte, schriftliche Arbeiten, etc. fertigzustellen. Trotzdem habe ich insgesamt den Eindruck, dass das zweite Semester etwas lockerer als das erste war. Dies ist wohl auch deshalb der Fall, weil das erste Semester extrem verdichtet und mit unnatuerlich vielen Projekten und Deliverables gefuellt war.

Abends nach der Arbeit treffe ich mich oft mit MBA Studenten, die auch ein Praktikum im Silicon Valley machen. Ich wohne in der Naehe von Palo Alto - nur 5 Minuten entfernt von der lokalen Konkurrenz Stanford. Was das sportliche als auch akademische betrifft, sind Berkeley und Stanford traditionell "Rivals". Jedoch ist dieses Komkurrenzdenken bei Graduate Students weniger ausgepraegt, zumindest ist dies mein Eindruck, nachdem ich mehrere MBA- und sonstige Graduate Studenten von Stanford kennengelernt habe.

Das erste Jahr ging schneller vorbei, als ich mir dies vorgestellt habe. Ich freue mich schon auf das naechste Semester. Jetzt in der Halbzeit habe ich ueber den Sommer etwas Zeit, um das Erlebte zu reflektieren und mir ueber meine Ziele fuer das zweite Jahr klar zu werden. Jedoch steht fuer mich schon jetzt fest, dass das MBA Studium wohl eine Erfahrung ist, die ich nicht missen moechte.

Sicher sind unter den Lesern viele potentielle Bewerber fuer den MBA Jahrgang 2006. In meinem naechsten Beitrag werde ich ueber meine persoenlichen "Top-10" Tipps fuer die Bewerbung bei Business Schools schreiben.

Wie immer freue ich mich ueber Feedback, eure Fragen und Anmerkungen.

Fragen und Antworten

Ich habe von einigen Lesern Fragen erhalten, die auch von allgemeinem Interesse sind. Hier sind ein paar davon, zusammen mit meinen Antworten.

Frage: Welche Benotungsformen gibt es ?
Antwort: In der Regel gibt es benotete Gruppenarbeiten, Aufsätze, Prüfungen (1-2 je Semester je Kurs), "Cold Calling" und Präsentationen. In manchen Kursen gibt es alle diese Benotungsformen zusammen, in anderen auch nur Gruppenarbeit und Prüfung.

Frage: Wird man im Vergleich zum Rest der Gruppe bewertet oder individuell?
Antwort: Das hängt von der Uni ab. In Berkeley wird man im Vergleich zur Gruppe bewertet (anhand einer statistischen Normalverteilung).

Frage: Kann man durchfallen und somit von der Schule fliegen?
Antwort: Das ist möglich, es kommt aber sehr selten vor, da die meisten Studenten sehr motiviert sind und relativ viel lernen.

Frage: Wenn ja, wie viel Prozent fallen durch?
Antwort: Falls man in einem Kurs durchfällt, kann man die Prüfung in der Regel wiederholen oder auch alternativ einen anderen Kurs belegen (abgesehen von Pflichtkursen). Mir ist niemand bekannt, der bisher von der Schule geflogen ist. Es kommt aber vor, dass jemand einen Kurs nicht besteht.

Frage: Wie viel Stunden pro Woche ist Unterricht?
Antwort: In der Regel nimmt man 13 credits per Semester. Das sind ca. 15 Stunden. Dazu kommen noch Review sessions, die aber optional sind. Gruppenarbeit nimmt auch viel Zeit in Anspruch.

Frage: Ich habe nach dem Abitur ... studiert, nicht in Mindeststudienzeit. Dafür habe ich überproportional viel Zeit in meine Diplomarbeit gesteckt und [...] jedoch verhinderte dies einen raschen Studienabschluss. Ist so etwas bei der Bewerbung für den MBA hinderlich? Meine Noten an sich sind eher überdurchschnittlich gut.
Antwort: Deine überdurchschnittliche Studienzeit sollte kein Problem darstellen. Amerikanische MBA Programme verstehen in der Regel, dass dies im deutschen Bildungssystem häufig vorkommt und nicht unbedingt Deine Schuld ist. Einigermassen gute Noten solltest du allerdings schon vorweisen können.

Frage: Als Berufseinstieg wollte ich ein bekanntes und international tätiges Unternehmen wählen, meine erste Wahl fiel auf die xyz, die mich ohne langes Bewerbungsprozedere gleich nach dem ersten Interview einstellte. Damit ich nicht zum totalen Experten (=Fachidiot) degradiert werde, habe ich mich entschlossen, bei der xyz eine Art Trainee Ausbildung zu machen. Meine Ausbildung führt [...] zum Projektmanager, in meinem Fall für IT Projekte. Glaubst du, dass meine Tätigkeit als Projektmanager (wenn nach 18 Monaten die Ausbildung abgeschlossen ist) ausreichend ist, um mich für einen MBA zu qualifizieren, oder würdest du mir raten, nach dem Abschluss meiner Ausbildung zu kündigen und noch 1-2 Jahre bei einer Unternehmensberatung dranzuhängen, bevor ich an eine Bewerbung denke?
Antwort: Generell würde ich an Deiner Stelle versuchen ca. 3-4 Jahre Arbeitserfahrung zu sammeln, bevor du mit dem MBA beginnst. Wichtiger ist allerdings was du tatsächlich machst, nicht wie viele Jahre du gearbeitet hast. Du musst darauf achten, dass du dich nicht zu fachlich konzentrierst und möglichst viel "Leadership experience" sammelst. Generell gibt es viele Bewerber aus dem IT Bereich und es werden eher wenige mit IT Erfahrung zugelassen (die waren dann z.B. zum Teil schon Manager bei ZYX IT Consulting oder so). Du kannst ja versuche, bei der xyz nach 1-2 Jahre in eine andere, weniger IT-lastige Rolle hineinzuwachsen, das würde sicher helfen. Mit Unternehmensberatungen wäre ich vorsichtig, da aus diesem Bereich extrem viele, sehr wettbewerbsfähige MBA Bewerber kommen. An Deiner Stelle würde ich lieber einen interessanten Job in der Industrie oder auch bei einer non-profit Organisation wählen. So kannst du dich sehr gut vom Bewerberpool differenzieren.

Frage: Welche persönlichen Faktoren sind Deiner Meinung nach für den Erfolg bei der Bewerbung entscheidend ?
Antwort: Das kann man nicht generell sagen. Oft haben inhaltlich ähnliche MBA Programme unterschiedliche Kulturen und suchen daher auch nach unterschiedlichen Persönlichkeitstypen bei Bewerbern. Am besten du informierst dich ausführlich über mehrere MBA Programme und bewirbst dich dann bei denen, die am besten zu dir passen.

Frage: Meine Freundin würde gernem mit mir nach Amerika kommen und dort arbeiten...
Antwort: Die Mehrzahl der internationalen Studenten kommen mit ihren Partner in die USA und das ist auch kein Problem. Allerdings bekommen die Partner meist keine Arbeitsgenehmigung in den USA

Frage: Ich würde mich freuen, wenn du mir raten könntest, was das beste Vorgehen beim GMAT ist um über 700 Punkte zu kommen. Welche Materialien hast du benutzt ausser die von ETS? Hast du einen Vorbereitungskurs besucht? Wie viele Punkte hattest du im GMAT? Meinst du es reichen 650 für Haas? Was hältst du von Columbia, NY? Da würde ich gerne hin!
Antwort: Ich habe mir vier Bücher über den GMAT bei Amazon bestellt. Diese habe ich dann mehrere Monate lange (abends nach der Arbeit) durchgearbeitet und schleisslich 700 Punkte bekommen. Ich habe keinen Vorbereitungskurs besucht. Ich denke nicht, dass das notwendig ist, sofern du selbst die entsprechende Disziplin zum Lernen aufbringen kannst. Der GMAT Durchschnitt von Haas ist über 700. Ich denke du hast mit 650 sicher eine Chance, allerdings würde ich dir raten, den Test nochmal zu versuchen. Die MBA Schulen schauen nur auf die höchste Punktzahl, daher kannst du eigentlich nur gewinnen, wenn du den Test wiederholst. Columbia habe ich selbst besucht (am 10. September 2001), habe mich dort dann aber doch nicht beworben. Ich denke aber, dass es eine hervorragende Uni ist, insbesondere wenn du dich für Investment Banking interessierst.

Das Ende des zweiten Semesters

Noch zwei Wochen bis zum Ende des zeiten Semesters. Die Zeit vergeht rasend schnell. Zwischen meinen fünf Kursen, der Praktikumssuch, den zahlreichen Veranstaltungen und Events bleibt nicht viel Zeit. Ein MBA Studium ist ein 50 Stunden/Woche Job! Es macht aber viel Spass und man lernt unheimlich viel!

Etwa 60 Studenten von Haas werden ende Mai an userem Internation Business Development Programm teilnehmen. Im Rahmen dieses Programm werden 12 Gruppen von Haas MBA Studenten ein jeweils dreiwöchiges Consultingprojekt bei verschiedenen Startups und Non-profit Organisationen. Das besondere an diesen Projekten ist, dass sie international sind - eine Gruppe wird beispielsweise auf Thaiti ein kleine Unternehmen beraten. Das ganze ist unbezahlt, aber eine tolle Gelegenheit internationale Erfahrung zu sammeln und das während dem ersten Jahr angesammelte Wissen in der Praxis anzuwenden.

Aufgrund der schlechten Wirtschaftslage hat sich die Arbeitsmarktsituation in den letzten Monaten leider schlecht entwickelt. Während 1999 und 2000 die meisten Studenten schon im März mehrere Praktikumsangebote in der Tasche hatte, kann man sich heute schon glücklich schätzen, überhaupt ein MBA-Internship zu bekommen. Bisher haben nur ca. 70% der Studenten ein Praktikum gefunden. Das ist vergeleichbar mit den anderen guten MBA Schulen und imerhin besser als letztes Jahr um diese Zeit. Jedoch haben es insbesondere Karierrewechseler und internationale Studenten diese Jahr sehr schwer ein Wunsch-Internship.

Entgegen meinen Erwatungen sind sie beliebtesten Praktika unter den Studenten nicht im Bereich Investment Banking oder Consulting. Vielmehr sind Praktikas in Venture Capital und Privare Equity der Traum vieler Studenten. Dies liegt vielleicth auch daran, dass in den letzten Monaten Vertreter von verschiedenen Top Venture Capital Firmen zu uns auf den Campus kamen und über ihre Karriere und das Berufsbild gesprochen haben. Sehr interessant! Ich habe mich entschlossen nächstes Semester mehrere Kurse mit Bezug zu Venture Capital und Private Equity zu belegen und werde mich in 2004 wohl auch um Jobs in diesem Bereich umsehen.

Aber MBAs denken nicht nur an Jobsuche und das Studium! Es gibt jede Woche eine Vielzahl von "social activities". So habe wir jeden zweiten Freitag eine eine Party die von einem der vielen MBA Clubs organisiert wird, genannt "Consumption Function". Zudem gibt es die "Bar of the Week", Alumni Treffen, Ausflüge zu Technologie Firmen im Silicon Valley (letzte Woche z.B. zu Yahoo!), Hiking events an Wochenenden und natürlich eine Vielzahl von privaten Parties. Letzte Woche gab es sogar eine "Speed-Dating" Veranstaltung zusammen mit Studenten von Stanford und UCLA in San Francisco. Es wird also nie langweilig.

Der Beginn des zweiten Semesters

Es ist der 20. Januar und der Beginn des zweiten Semesters. Auch dieses Semester sind zunächst einmal wieder Core Kurse zu besuchen. Jedoch können wir dieses Semester auch zwei Wahlkurse wählen. Zum Glück habe ich das waiver exam in Macroeconomics bestanden und kann daher noch einen zusätzlichen Wahlkurs nehmen. Insgesamt entscheide ich mich für "Brand Management and Strategy", "Corporate Finance" und "Opportunity Recognition - Technology and Entrepreneurship in Silicon Valley".

Dieses Semester steht ganz unter dem Motto "Praktikumssuche". Die Wirtschaftslage hat sich in den USA mittlerweile so verschlechtert, dass man leider sehr hart arbeiten muss, um ein Praktikum seiner Wahl zu ergattern. Gleich zu Beginn des Semesters kamen die Investmentbanken und Unternehmensberatungen auf den Campus. Danach kommen Unternehmen, die für die Bereiche Marketing, Operations, und Coporate Finance recruitieren. Zuletzt kommen die Technologieunternehmen. Für deutschsprachige Studenten war auch etwas dabei: Vier Firmen kamen zu uns auf den Campus, um für MBA Internships in Deutschland zu rekruitieren.

Das erste Semester (Teil 2)

Semester? Nicht wirklich. Alle Kurse im ersten Semester sind nämlich nur sechs Wochen lang. So ist es möglich, dass man sieben dieser Grundlagenkurse in einem Semester unterbringen kann. Und das bedeutet, dass sehr viel Inhalt in ganz kurzer Zeit vermittelt wird. So lernte ich die Grundlagen in Advanced Microeconomics, Statistics for Business Decisions, Organizational Behavior, Strategic Marketing, Finance, Financial Accounting und Leadership Speech in nur einem Semester. Ganz schön stressig. Rückblickend muss ich sagen, dass ich noch nie so viel sinnvollen Stoff in so kurzer Zeit verinnerlicht habe, vor allem auch weil die Kursinhalte viel praxisnaher als an deutschen Unis vermittelt werden.

Im ersten Semester wurden alle 240 Studenten des Jahrgangs 2004 in vier "Cohorts" à 60 Studenten eingeteilt. Die Studenten eines Cohorts nehmen im ersten Semester alle die selben Kurse. Dies hat den Vorteil, dass man mit seinen 60 Klassenkameraden aus dem Cohor schnell Freundschaften schliessen kann. Am Ende des Semesters hat sich in meinem Cohort "Axe" dann auch eine starke Gruppendynamik entwickelt und mit den meisten werde ich ein Leben lang in Verbindung bleiben.

Von den Professoren war ich von Anfang an begeistert. Alle Professoren, die ich bisher gehört habe, sind außergewöhnliche Persönlichkeiten und sehr zugänglich. Jeder Professor hat mindestens zwei mal pro Woche Sprechstunde, in der man dann Unklarheiten beseitigen oder sich einfach auch über alles mögliche unterhalten kann. Einer meiner Professoren lädt sogar jede Woche die ganze Klasse nach dem Unterricht zu Essen ein!

Fast könnte man meinen, dass unsere Professoren alle entweder von anderen Topunis nach Berkeley gekommen sind und/oder schon bedeutende Ämter bzw. Positionen innehatten. Die beeindruckenden Profile der Haas Fakultät kann man bei http://haas.berkeley.edu/faculty/directory.html ansehen.

Das erste Semester endete Mitte Dezember und dann hatten wir erst einmal fünf Wochen Ferien. Für mich eine willkommene Gelegenheit, um ganz Kalifornien genauer zu erkunden.

Das erste Semester (Teil 1) - 08.01.2003

Die erste Woche ist die wichtigste. Das hatte man mir schon vor meiner Ankunft in Berkeley gesagt. Stimmt! An den ersten vier Tagen der "Orientation Week" lernte ich ca. 300 neue Leute kennen, davon meine 239 zukünftigen Komolitonen, die hier "classmates" genannt werden. Damit man sich zumindest ein paar Namen zu den vielen Gesichtern merken kann, erhielten wir am ersten Tag auch gleich ein Heft mit den Fotos und Namen aller Studenten. Zudem enthielt dieses "Facebook" auch den Background jedes Einzelnen: Herkunftsort, besuchte Hochschule, Studienfach und ehemaliger Arbeitgeber. Ich war von meinen zukünftigen classmates beeindruckt!

Später erfuhren wir dann, dass unser Jahrgang der bisher "qualifizierteste" in der 102-jährigen Geschichte der Haas School of Business ist. Bei den US MBA Programmen spielt die Qualität der zugelassenen Bewerber eine große Rolle. Von dieser hängt nämlich sowohl das Ranking als auch das wahrgenommene Prestige einer Business School ab. Aufgrund der hohen Zahl von über 4400 Bewerbungen für 240 Studienplätze konnte man dieses Jahr in Berkeley offenbar besonders wählerisch sein: Die Mehrzahl meiner classmates kommt von Top-10 undergraduate Universitäten, kann 4-5 Jahre wirklich herausragende Berufserfahrung aufweisen, ist zwei- oder dreisprachig und erziehlte sehr hohe Testergebnisse im GMAT. Zudem hatte unser Jahrgang bereits vor Eintritt in das MBA Studium ein durchschnittliches Gehalt von über $77,000. Jedoch sind nicht nur solche messbaren Faktoren bei der Auswahl von Bewerbern von Bedeutung. Durch Interviews wird versucht sicherzustellen, dass eine gewisse Kompatibilität zur Kultur der Haas School of Business besteht. Bevor ich zugelassen wurde, hatte auch ich ein solches Interview mit einem ehemaligen Berkeley MBA Studenten und bin überzeugt, dass dabei insbesondere die persönliche Eignung überprüft wurde.

Das Berkeley MBA Program ist für seine kooperative und gelassene Atmoshpäre bekannt. Meine bisherige Erfahrung zeigt, dass die Studenten hier äußerst hilfsbereit und zugänglich sind. Es existiert kaum Konkurrenzdenken unter den Studenten und man könnte schon fast von einer familiären Gemeinschaft sprechen. Was mich bisher am meisten beeindruckt, ist die Möglichkeit, in dieser Atmosphäre mit wirklich außergewöhnlichen Kommilitonen zusammen zu arbeiten, lernen und Freundschaften fürs Leben zu schließen.

Das Knüpfen von Netzwerken ist einer der wichtigsten Bestandteile jedes top MBA Programms. Oft kommt die Frage bei deutschen Interessenten auf, worin der Sinn im Besuch einer teueren "prestige-" Uni liegt. Ich gebe zu, dass auch mir dies früher nicht ganz klar war. Die Antwort ist dann auch etwas überraschend. Akademisch betrachtet lehren nämlich alle guten Business Schools vergleichbare Inhalte. Der wahre Wert eines Studiums an einer "top" Uni liegt dann auch hauptsächlich im Zugang zu Perspektiven und Möglichkeiten. Dazu zählen insbesondere,
1) die Chance, mit talentierten, intelligenten und extrem interessanten Leuten aus der ganzen Welt zu studieren und Freundschaften zu schließen,
2) der Zugang zu einem Netzwerk von hilfsbereiten Alumni, die oft in einflussreichen Positionen arbeiten,
3) der Zugang zu den besten und attraktivsten Arbeitgebern, von denen viele aktiv am Campus rekrutieren,
4) der Zugang zu einer Fakultät mit Weltruf, und
5) die Möglichkeit, sich selbst aufgrund des Rufs der besuchten Universität zu differenzieren.

Dies sind die wirklichen und kaum monetär bewertbaren Vorteile eines MBA Studiums an einer der besten Business Schools. Diese Aspekte sollte jeder Interessent bei der Auswahl eines geeigneten MBA Programs gründlich bedenken. Ein MBA Titel auf der Visitenkarte ist als solcher letztendlich kaum etwas wert, was dagegen wirklich zählt, sind die mit dem Studium gewonnen Erfahrungen und Kontakte.

Soviel zu meinen ersten, allgemeinen Eindrücken und Ratschlägen. In meinem nächsten Beitrag werde ich den eigentlichen Studienbetrieb und den MBA Internship Placement-Prozess schildern. Ab Mitte Februar werde ich dann "live" aus dem zweiten Semester berichten. Gerne gehe ich auch auf spezielle Themen zum Thema MBA ein. Themenvorschläge und Wünsche könnt ihr, liebe Leserinnen und Leser, an schulz@haas.berkeley.edurichten.

Viele Grüße,
Thomas Schulz

Wie Alles Begann - Ein Traum Geht In Erfüllung:

An einem regnerischen Donnerstag abend im März 2002 ging für mich ein lang ersehnter Traum in Erfüllung. Ich war seit ein paar Minuten zurück in meinem Hotelzimmer, als Peter Johnson, Admissions Director der Haas School of Business, auf meinem Handy anrief. Er gratuliert mir kurz zur Aufnahme in das MBA Programm. Ich konnte mein Glück kaum fassen, denn Berkeley war meine erste Wahl und dieses Jahr wurden aufgrund der vielen Bewerbungen nur 11% der Bewerber zugelassen.

Es war ein langer Weg. Angefangen hatte alles mit einem Auslandstudium im Rahmen meines Studiums an der Fachhochschule Hof. Damals ging ich im fünften Semester für zwei Semester nach Amerika, um dort einen Bachelor Abschluss zu erwerben. Danach war ich von der Qualität und Methodologie des amerikanischen Hochschulsystems so überzeugt, dass ich mir vornahm, zu einem späteren Zeitpunkt gegebenenfalls ein Aufbaustudium in den USA anzuschließen.

Nach dem Abschluss meines deutschen Studiums arbeitete ich zunächst für einige Zeit im Frankfurter Office einer bekannten Unternehmensberatung. Die Projektarbeit bei Kunden war in vielerlei Hinsicht interessant und lehrreich. Allerdings stellte ich schnell fest, dass mein im Studium erlerntes Wissen nicht besonders praxisnah und zum Teil zu oberflächlich war. Zudem wollte ich beruflich möglichst schnell interessantere Aufgaben und mehr Verantwortung übernehmen. Ein MBA erschien daher ein idealer Weg, um mich wissensmäßig als auch beruflich weiterzubringen und gleichzeitig mein lang gehegtes Vorhaben eines Aufbaustudiums in den USA zu verwirklichen.

Wochenlang verbrachte ich meine Feierabende nun mit der Vorbereitung auf die für eine Bewerbung notwendigen Tests GMAT und TOEFL. Danach kam die Auswahl der Universitäten. Nachdem ich es als Süddeutscher lange genug im regnerischen Frankfurt und im noch kälteren Hannover ausgehalten hatte, war mir klar, dass ich für die zwei Jahre des MBA Studiums nur in einer klimatisch vorteilhaften Region der USA studieren wollte. Daher bewarb ich mich ausschließlich bei Business Schools in den Südstaaten und an der Westküste.

Berkeley ist dabei aus verschiedenen Gründen immer meine erste Wahl gewesen. Zum einen wegen der idealen Lage in der sonnigen Bay Area, nur 20 Minuten von San Francisco und des Silicon Valleys. Zudem genießt die Universität weltweit einen herausragenden Ruf und zählt in den USA zu den besten Universitäten überhaupt. Letztlich wollte ich wohl auch immer schon einige Zeit im dynamischen und diversen Kalifornien verbringen. Ein Traum ging für mich daher in Erfüllung, als dann im März der Anruf aus Berkeley kam.

In den nächsten ein-einhalb Jahren möchte ich nun euch, liebe Leserinnen und Leser, Einblicke in mein Leben als MBA Student geben. Über meine Erfahrungen und Erlebnisse in Berkeley werde ich in hoffentlich kurzen Abständen in diesem Tagebuch berichten.

Viele Grüße,
Thomas Schulz
Dieser Artikel ist erschienen am 13.01.2003