Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Thomas Middelhoff zurück im Rampenlicht

Schon als Aufsichtsratschef krempelte Thomas Middelhoff Karstadt-Quelle kräftig um. Nun geht der rastlose und umtriebige Manager als Vorstandschef ans Werk, den wankenden Essener Warenhauskonzern wieder auf Kurs zu bringen. Er habe keine andere Wahl gehabt, sagt der 52-Jährige.
HB ESSEN. Ein ehemaliger Star der New Economy steht damit wieder im Rampenlicht: Knapp drei Jahre nach dem abrupten Abschied von der Spitze des Medienkonzerns Bertelsmann steuert Middelhoff jetzt die Geschicke der Karstadt-Quelle AG. Er habe keine andere Wahl gehabt, meinte der 52-jährige Manager - ein Scheitern der Sanierung hätte auch seinen Ruf gefährdet. In der Tat ist sein Name mit dem Handelskonzern mittlerweile eng verbunden. Vor gut einem Jahr in den Aufsichtsrat gewählt, übernahm er dort kurz darauf den Vorsitz und packte die Arbeit so schwungvoll an, dass manch einer schon damals den Eindruck hatte, er fühle sich als eigentlicher Chef.Aktionärsschützer mahnten seinerzeit, Middelhoffs Aufgabe sei die Kontrolle, nicht die Entscheidung. Die liegt ihm aber offenbar mehr - schließlich krempelte er in seiner Zeit bei Bertelsmann den bis dato hausbackenen Konzern gehörig um. Der als rastlos und umtriebig geltende Betriebswirt verdoppelte den Umsatz und erzielte durch den An- und späteren Verkauf von AOL Europe für das Gütersloher Unternehmen einen Gewinn von mehr als 8 Mrd. Euro.

Die besten Jobs von allen

Middelhoffs Weg galt als Traumkarriere - das Ende war schnell und spektakulär: Als er einen ausgedehnten Börsengang plante, der das Unternehmen zum größten Medienkonzern der Welt machen sollte, musste der selbstbewußte Manager nach vier Jahren an der Spitze im Sommer 2002 plötzlich gehen. Ein Betriebsratssprecher äußerte sich damals im Rundfunk kritisch zum Tempo des scheidenden Chefs: ?Vor lauter Gasgeben ist vergessen worden, die Mitarbeiter mitzunehmen.?Middelhoff verschwand aus den Schlagzeilen, wurde Europachef der Beteiligungsgesellschaft Investcorp in London und füllte sein Tagesprogramm mit weiteren Aufsichtsratsposten. Der hochgewachsene Manager pendelte zwar in die britische Hauptstadt, blieb aber beheimatet in Bielefeld, wo er als Vater von fünf Kindern ein ländliches Anwesen hat. Das neue Zentrum seines Lebens ist jetzt die Essener Konzernzentrale von Karstadt. Dass er von dort nicht in den Ruhestand gehen wird, deutete Middelhoff schon bei seinem ersten Auftritt im neuen Amt an: Seine Aufgabe seien die Sanierung und der Turnaround; der Vertrag laufe drei Jahre - und der bei Investcorp ruhe nur.
Dieser Artikel ist erschienen am 12.05.2005