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Thomas Brand

Die Fragen stellte Peter Nederstigt
Foto: Christian Lünig
"G-selbst" - Geisteswissenschaftler werden selbstständig" heißt das Projekt, mit dem Thomas Brand und sein Partner Marco Heuer unter den zwölf geförderten Teilnehmern beim Hochschulwettbewerb der nordrhein-westfälischen Gründer-Offensive "Go!" landeten.Brand und Heuer, die demnächst ihr Journalistik-Studium in Dortmund beenden, suchen gerade Partner, um das Projekt auch an anderen Universitäten anbieten zu können.
"G-selbst" - Geisteswissenschaftler werden selbständig" heißt das Projekt, mit dem Thomas Brand und sein Partner Marco Heuer unter den zwölf geförderten Teilnehmern beim Hochschulwettbewerb der nordrhein-westfälischen Gründer-Offensive "Go!" landeten. Dafür wurden die Kosten für sechs Vortragsabende an der Universität Dortmund übernommen. Brand und Heuer, die demnächst ihr Journalistik-Studium in Dortmund beenden, suchen gerade Partner, um das Projekt auch an anderen Universitäten anbieten zu können.

Geisteswissenschaftler bringt man im Allgemeinen nicht gerade mit Unternehmertum in Verbindung. Zu Recht?

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Ich kenne zwar keine Statistiken über Geisteswissenschaftler, die sich selbstständig gemacht haben. Aber laut einer Studie des Hochschul-Informations-Systems kommen Freiberufler oder Selbstständige mit Studium im überwiegenden Maße aus Studienrichtungen wie Architektur, Jura oder Psychologie.

Erst Mitte der 90er-Jahre scheinen auch Geisteswissenschaftler die Selbstständigkeit stärker für sich entdeckt zu haben. Zu dieser Zeit wurden Einrichtungen wie die ?Gesellschaft für innovative Beschäftigungsförderung" (GIB) in Bottrop geschaffen, die vor allem Studenten aus dem Kunst- und Kultursektor unter die Arme greifen will. Bei unserer Veranstaltungsreihe haben wir selbst festgestellt, dass das Interesse an der Selbstständigkeit mittlerweile auch unter Geisteswissenschaftlern ausgeprägt ist. Dies bestätigten uns auch anwesende Gründungsberater.

Sie arbeiten seit fünf Jahren als freier Journalist und zählen sich selbst zu den Geisteswissenschaftlern. Hatten Sie bei Ihrer Existenzgründung Probleme, die typisch für diese Gruppe sind?

Mein Eindruck war, dass Gründungsberatung und -kapital für Naturwissenschaftler und Techniker an jeder Straßenecke zu finden sind, Geisteswissenschaftler aber ziemlich allein gelassen werden. Bei der nordrhein-westfälischen Gründungs-Offensive ?GO!" wurde mir damals vermittelt, dass Banken kein Interesse daran haben, jemanden zu sponsern, der gerade einmal 15.000 Mark in seinen Betrieb investiert. Und eine Beratung sei bei dieser Größenordnung wohl auch nicht nötig.

Aber ich rate Geisteswissenschaftlern, sich mit solchen Antworten nicht abspeisen zu lassen. Denn auch wenn sie häufig im kleineren Rahmen gründen, müssen sie sich mit Problemen wie Steuer, Versicherung und Büroorganisation auseinander setzen. Ich musste mir damals die Informationen bei Berufsverbänden und aus Büchern beschaffen.

Wie spiegelten sich die Unterschiede zu Gründern aus anderen Studienrichtungen bei Ihrer Veranstaltungsreihe G-Selbst wider?

Wir hatten uns sechs Aspekte ausgewählt: Geldsuche, Kontaktsuche, Energiesuche, Partnersuche, Ideensuche und Grenzsuche. Zu jedem Thema berichtete ein Gründer über seine Erfahrungen. Dabei wurde deutlich, dass sich Geisteswissenschaftler offenbar weniger als andere mit den technischen Details befassen. Sie fragen sich eher: Was bedeutet es für mich und meine Familie, die Sicherheit einer Festanstellung aufzugeben, mich andererseits jedoch selbst verwirklichen zu können? Wir wollten Leute präsentieren, deren Geschäftsidee etwas mit dem Studium zu tun hat, etwa eine Historikerin, die für Unternehmen die Firmengeschichte recherchiert. Der Pädagoge, der jetzt ein Taxiunternehmen besitzt, hat uns dagegen nicht interessiert.
Dieser Artikel ist erschienen am 22.07.2001