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Thielen ist Medien-Mann des Jahres

Bertelsmann-Vorstandschef Gunter Thielen ist beim Werbefestival Cannes Lions 2006 zur ?Media Person of the Year? ernannt worden. Unterdessen klingeln bei Europs größtem Medienkonzern wieder die Kassen.
Bertelsmann-Chef Gunter Thielen. Foto: ap
HB CANNES. Thielen nahm am Dienstagabend den Goldenen Löwen aus der Hand von Festivalleiter Terry Savage entgegen. Thielen habe als Chef des Bertelsmann-Konzerns gezeigt, wie wirtschaftlicher Erfolg und soziale Verantwortung im Unternehmen Hand in Hand gehen können, hieß es zur Begründung. Er habe enorme kreative Potenziale freigesetzt.Die Harmonie hätte kaum größer sein können. Zur Preisverleihung reiste die gesamte Bertelsmann-Vorstandsriege nach Südfrankreich, um Thielen zu gratulieren. Und sogar Firmeneignerin Liz Mohn kam am Vorabend ihres 65. Geburtstages vom familieneigenen Landsitz auf Mallorca übers Mittelmeer gejettet, um bei dem Ereignis dabei zu sein. Wenige Wochen nach der Entscheidung über die größte Transaktion in der 170-jährigen Firmengeschichte - den Rückkauf eines 25-Prozent-Aktienpaketes zum Preis von 4,5 Mrd. Euro - schaut man bei Bertelsmann wieder nach vorn.

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Milliarden-Kosten sollen schnell verdaut seinDer Vorstandschef will den Betrag, mit dem der in Gütersloh hinter verschlossenen Türen heftig diskutierte Börsengang verhindert wurde und der belgische Minderheitsgesellschafter Groupe Bruxelles Lambert ausgezahlt wird, schnell verdaut haben. In zwei Jahren bekräftigte er, soll die selbst gesteckte Schuldengrenze vom 2,3-fachen des Ergebnisses vor Steuern und Abschreibungen (Ebitda) wieder erreicht sein.Ein Pfeiler bei dieser Strategie sind kräftig steigende Firmengewinne. ?Wir werden beim operativen Ergebnis zweistellig zulegen?, prognostizierte Thielen nach Ablauf von fast sechs Monaten für das Jahr 2006. Im vergangenen Jahr hatte Europas größter Medienkonzern mit operativ 1,6 Mrd. Euro Plus ein Rekordergebnis geschrieben. Auch der Umsatz von 18 Mrd. Euro soll kräftig wachsen und die Mitarbeiterzahl von derzeit 90 000 bald an der Grenze zur Sechsstelligkeit kratzen.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Alle Unternehmensbereiche besser als im VorjahrAlle Unternehmensbereiche besser als im VorjahrAlle sechs Unternehmensbereiche - vom Fernsehen (RTL) über den Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr (?Stern?) bis zum lange Zeit kränkelnden Clubgeschäft lägen besser als im Vorjahr. ?Wir haben kaum noch Verlustbringer?, sagte Thielen. Die Eignerfamilie von Familienpatriarch Reinhard Mohn, vom 1. Juli an wieder alleiniger Herr im Hause Bertelsmann - wird es gerne hören.Der zweite Pfeiler soll spätestens im Oktober stehen. Dann will Thielen mindestens 1,5 Mrd. Euro aus dem Verkauf des Musikverlages BMG Music Publishing eingenommen haben. An 15 ausgewählte Interessenten, darunter neben Finanzinvestoren und weltweit führenden Musikverlagen auch das eigene Management, seien Prospekte für die Auktion verschickt worden. Bewerber habe es drei Mal so viele gegeben. ?Das ist ein verdammt begehrtes Asset?, sagte Thielen. ?Viele solcher Geschäftsfelder, die drei Mal den Umsatz einbringen, haben wir nicht?, betonte er. In vier Wochen sollen die ersten Angebote vorliegen, danach werde zügig entschieden, wer den Zuschlag bekommen soll.Verkauf des MusikverlagesTatsächlich scheint der Verkauf des Musikverlages, der sein Geld mit Rechten an Stücken bekannter Musiker von Elivs Presley bis Coldplay verdient, ein gutes Geschäft für Bertelsmann zu werden. Der Konzern hat inzwischen eine Größe erreicht, bei der der Verlust von 370 Mill. Euro Umsatz und einem Gewinn im zweistelligen Millionenbereich nicht groß ins Gewicht fällt. Andererseits handelt es sich bei dem Verlag um ein krisenfestes Angebot mit Seltenheitswert am Markt, für das nicht nur die Konkurrenz bereit sein dürfte, tief in die Tasche zu greifen. ?Es hat für uns keine strategische Bedeutung?, sagte ein Bertelsmann-Insider. ?Aber es ist eine absolut krisenfeste Anlage mit Refinanzierungsmöglichkeiten bis in alle Ewigkeit.?Vom Rest des Musikgeschäftes, gebündelt in dem vom ehemaligen Kreativ-Vorstand Rolf Schmidt-Holtz geführten Joint Venture Sony BMG Music Entertainment, will sich Bertelsmann dagegen nicht trennen. ?Die Piraterie geht zurück, den Schritt ins digitale Zeitalter hat die Musik früher als andere Medien bereits geschafft?, sagte Thielen. ?Musik wird auch in 100 Jahren noch gehört.?Neue Geschäftsideen sollen etwa mit Hilfe eines Medienfonds im Volumen von 50 Mill. Euro kreiert werden, um sich besser an die Interessen der Mediennutzer von morgen anpassen zu können. ?Wir müssen unsere Produkte auf die neuen Nutzungsgewohnheiten abstimmen?, sagte Thielen. Das Internet werde dabei eine signifikante Rolle spielen.
Dieser Artikel ist erschienen am 21.06.2006