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The right choice

Eva Buchhorn
Den Unterschied zwischen "do" und "make" noch nie kapiert? Und deshalb bei Meetings mit den Auslandskollegen immer schüchtern den Mund gehalten? Da könnte ein Sprachkurs helfen - wenn er gut ausgesucht ist.
Stefan Brümmer wollte einen neuen Job. Im Frühsommer schickte der 30jährige Vertriebsingenieur aus Süddeutschland die Bewerbungsmappen los. Sieben mittelständische Arbeitgeber schrieb er an - nur vier antworteten. Dann ging Brümmer auf Reisen: Seinen Sommerurlaub investierte er in einen vierwöchigen Business-Englisch-Kurs in den USA.Zurück zu Hause, startete er wieder den Bewerbungsmarathon - und legte diesmal das Kurs-Zertifikat bei. Alle acht angeschriebenen Unternehmen antworteten. Am Ende hatte Stefan Brümmer die Qual der Wahl: Zwischen vier Jobofferten musste er sich entscheiden. Der Sprachkurs hat sich ausgezahlt, findet der Ingenieur: "Meine wirtschaftsbezogenen Englischkenntnisse haben sicher dazu beigetragen, mich interessant zu machen."

Die besten Jobs von allen

"Keine Sprachkenntnisse - nicht vermittelbar", so einfach lautet die Gleichung vieler Personalabteilungen, die in Stellenanzeigen und auf Bewerbermessen kommuniziert wird.Doch was machen diejenigen, die während des Studiums keine Chance hatten, längere Zeit im Ausland zu verbringen, um ihr Schulenglisch aufzufrischen? Oder diejenigen, die im ersten Job gut durchgekommen sind, und die das Problem erst erwischt, wenn sie eine neue Funktion anstreben? Eine Führungsposition etwa, für die sie sich eigentlich gut qualifiziert fühlen - wenn im Zeitungsinserat nicht auf "verhandlungssicheres" Französisch gepocht würde?Sie könnten eine Sprachreise machen. Dass vier oder sechs Wochen im Ausland aus einem Menschen mit Schulwissen keinen Quasi-Muttersprachler machen, liegt auf der Hand. "Doch wenn jemand Grundkenntnisse mitbringt, kann man ihn mit gezieltem Training relativ schnell aufbauen", sagt Werner Hölzer, Pressesprecher in der Düsseldorfer Deutschland-Zentrale des Kosmetikkonzerns L"Oréal. Gezieltes TrainingBei L"Oréal - wie bei vielen anderen Unternehmen auch - zählen Sprachkurse zum festen Kanon der Personalentwicklung. Grundsätzlich erwarte sein Unternehmen von neuen Mitarbeitern Dreisprachigkeit, so Hölzer: "Gutes Englisch, Französisch und Deutsch gehören zu den notwendigen Fertigkeiten unserer Führungskräfte." Dass dieses Profil am Arbeitsmarkt noch keine Selbstverständlichkeit ist, weiß auch L"Oréal. Doch mangelnde Sprachkenntnisse sollen vielversprechende Mitarbeiter nicht ausbremsen - deshalb bietet das Unternehmen gezieltes Sprachentraining an: Einzel- und Gruppenunterricht während der Arbeit, dazu sieben Tage bis drei Wochen Intensivkurs im Ausland.Hemmungen abbauenExperten sind sich einig, dass selbst ein relativ kurzer Auslandsaufenthalt mehr bringt als jeder noch so gewissenhafte Versuch, sich nach der Arbeit Vokabeln und Grammatik im Selbststudium einzuprägen. "Im Ausland lernt man permanent, auch außerhalb der klassischen Schulsituation, weil man sich einfach verständigen muss. Das löst die Sprachhemmung", sagt Stefan Lamberti, Geschäftsleiter der Weiterbildungs-Organisation Euro-Schulen, die Sprachreisen anbietet. Schon ein kurzer Aufenthalt könne deutliche Lernerfolge bewirken. Lamberti: "Spätestens ab der zweiten Woche ist ein Auslandsaufenthalt effektiver als jeder Kurs in der Heimat."Doch wie den richtigen Kurs finden? Auf mehr als 100 schätzt der Fachverband Deutscher Sprachreise-Veranstalter allein die in Deutschland ansässigen Anbieter. Jeder ist anders: Gemeinnützige Weiterbildungsträger konkurrieren mit den Tochtergesellschaften internationaler Touristikkonzerne, Universitäten und Sprachschulen rund um die Welt bringen ihr Angebot via Internet direkt an den Markt. Und mittendrin tummeln sich die "Küchentisch-Veranstalter", pensionierte Studienräte etwa mit Kontakten zu einer Sprachschule in Mexiko. Für jeden was dabeiWas die Kurspalette angeht, gibt es nichts, was es nicht gibt. Das Repertoire reicht vom lockeren "Sprachurlaub" in Strandnähe bis zu Crash-Lehrgängen à la "Englisch in sechs Tagen", von Kombi-Packungen aus Unterricht und Arbeitspraktikum bis zum interkulturellen Verhandlungstraining für Führungskräfte, von Gruppenkursen bis zum Einzelunterricht. Zwischen 120.000 und 150.000 Deutsche brechen pro Jahr zu einer organisierten Sprachreise auf. Und bescheren der Branche 12 bis 15 Millionen Euro Umsatz, schätzt der Sprachreise-Verband.Wer in diesem Dschungel das maßgeschneiderte Angebot finden will, muss sich genau über seine Bedürfnisse klarwerden.Folgende Punkte sind zu klären:
  • Organisiert oder auf eigene Faust?
    Ein Sprachreise-Veranstalter arbeitet wie ein Reisebüro, das sich auf die Zusammenarbeit mit Sprachschulen im Ausland spezialisiert hat. Arrangiert werden Unterricht, Unterkunft, Verpflegung, evtl. Freizeitaktivitäten und die An- und Abreise. Günstiger kann es sein, direkt mit einer Schule Kontakt aufzunehmen. Auf diese Weise bucht man in erster Linie den Sprachkurs. Viele Schulen organisieren aber auf Wunsch auch die Unterkunft.Ein bisschen Wagemut gehöre zu diesem Weg allerdings dazu, sagt Barbara Engler, Sprachreise-Expertin bei der Stuttgarter Verbraucherschutzorganisation Aktion Bildungsinformation (ABI), die den Markt seit 1967 beobachtet: "Ausländische Rechtsordnungen erlauben häufig einen Haftungsausschluss. Viele Schulen fordern aber die Zahlung des gesamten Preises bis zu vier Wochen vor Kursbeginn. Der Sprachstudent geht also ein finanzielles Risiko ein." Wer auf eigene Faust reisen will, sollte daher auf jeden Fall prüfen, ob es sich um eine anerkannte und renommierte Schule handelt.
  • Was will ich lernen?Ein auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnittener Sprachkurs verspricht den intensivsten Lernerfolg - so weit, so klar. Klar auch, dass es ihn geben muss: Der Sprachreise-Verband geht von 4.500 bis 5.000 Kursprofilen aus, die deutsche Veranstalter weltweit realisieren können. Um den Treffer zu machen, muss man wissen, was man lernen will.Geht es "nur" darum, Hemmschwellen herabzusetzen, einfach lockerer sprechen zu können? Dann kann ein Konversationskurs reichen, den jede Schule im Angebot hat. Werden fachsprachliche Kenntnisse angestrebt, vielleicht sogar ein interkulturelles Training, das Lektionen vom Geschäftsessen bis zur Vertragsverhandlung umfasst? Dafür gibt es spezialisierte Institute.
    Ratgeber
    USA, Australien, Großbritannien - die Verbraucherschutzorganisation Aktion Bildungsinformation (ABI) hat Broschüren zu diversen Zielländern veröffentlicht. Bestellung über folgende Adresse:
    Postfach 100164, 70001 Stuttgart, abi@kv-netzwerk.de oder unter
    Tel. 07 11/29 93 30. Werktags in der Zeit von 11 bis 12 Uhr berät ABI telefonisch unter Tel. 07 11/ 2 27 00 73.
    Einen "Ratgeber Sprachreisen für Schüler und Erwachsene" gibt der Fachverband Deutscher Sprachreise-Veranstalter, Hauptstr. 26, 6381 Stockstadt/ Main,
    Tel. 0 60 27/27 90 heraus.
    Hat man potenzielle Anbieter identifiziert, geht es an die Feinanalyse. "Drei bis sechs Anbieter sollte man mindestens vergleichen", rät Dr. Claus Kunze vom Sprachreise-Verband. Das bedeutet: Kataloge studieren, zum Telefonhörer greifen und ein telefonisches Beratungsgespräch vereinbaren, in dem man die eigenen Bedürfnisse schildern kann. Kunze: "In die Broschüren werden häufig nur die marktgängigsten Standards aufgenommen. Individuelle Wünsche muss man verhandeln. Sprachreisen sind nun mal eine beratungsintensive Dienstleistung."
  • Wie viel Zeit und Geld will ich investieren?Wer schnell viel lernen will, sollte ein besonderes Augenmerk auf die Didaktik legen. "Ein Business-Sprachkurs sollte zum Beispiel ein Präsentationstraining beinhalten, das die Auftritte der Studenten per Video aufzeichnet", so Claus Kunze. Optimal an den eigenen Stärken und Schwächen arbeiten - beispielsweise Grammatiklücken - lasse sich mit einer Kombination aus Gruppen- und Einzelunterricht.Das macht die Sache allerdings teuer: Während ein vierwöchiger allgemeinsprachlicher Kurs mit 20 Gruppenstunden und 16 Teilnehmern schon für 1.400 Euro zu haben sei, könne ein berufsorientiertes Intensivtraining mit bis zu sechs Teilnehmern leicht das Dreifache kosten. Kunze: "Die Preisvielfalt ist enorm. Darum ist es unbedingt ratsam, unterschiedliche Angebote zu vergleichen." Ein wichtiges Indiz sind dabei die Größe der Gruppe (als Kleingruppe gelten bis zu sechs Teilnehmer, ansonsten können es schon mal bis zu 16 sein) und die Länge der Unterrichtsstunden (45 oder 60 Minuten).Die Länge der Sprachreise allein macht den Erfolg jedenfalls nicht aus. Wer sorgfältig auswählt, "der kann in vier Wochen richtig fit werden", versichert Stefan Lamberti, Geschäftsleiter Euro-Sprachschulen. Und sich entspannt zurücklehnen, wenn es im nächsten Vorstellungsgespräch heißt: "Parlez-vous francais?"
  • Dieser Artikel ist erschienen am 01.09.2005