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Teufel im Detail

Eigentlich wissen Sie, wie Sie sich als Bewerber verkaufen müssen: selbstbewusst, faktenorientiert, stilsicher. Doch vom guten Vorsatz bleibt oft wenig übrig, wenn die Bewerbung zum Massenprodukt wird. Darunter leidet vor allem das Anschreiben.
Eigentlich wissen Sie, wie Sie sich als Bewerber verkaufen müssen: selbstbewusst, faktenorientiert, stilsicher. Doch vom guten Vorsatz bleibt oft wenig übrig, wenn die Bewerbung zum Massenprodukt wird. Darunter leidet vor allem das Anschreiben.

Unten auf der Seite finden Sie ein Beispielanschreiben. Wenn Sie auf einen Link am Anfang eines Tipps klicken, gelangen Sie zum dazugehörigen Abschnitt des Beispiels.

Die besten Jobs von allen


Formschwach

1 Absender und Empfänger: Die Angaben zum Absender müssen vollständig sein. Telefon, E-Mail-Adresse und, falls vorhanden, Homepage dürfen nicht fehlen. Steht in der Anzeige, an wen die Bewerbung zu richten ist, sollte der Name in der Adresse und in der Anrede auftauchen.

2 Betreff: Ein vollständiger Betreff lässt keinen Zweifel daran, in welcher Zeitung und an welchem Tag die Stellenanzeige veröffentlicht wurde. Diese Angaben und die Bezeichnung der offenen Position passen meist in eine Zeile. Die hier gewählte Variante, Zeitung und Erscheinungsdatum im Eröffnungssatz zu nennen, empfiehlt sich nicht: Zwei wertvolle Zeilen des Anschreibens werden für eine Formalie verschenkt.

3 Anlagen: Die Anlagen im Einzelnen aufzuführen, ist Platzverschwendung. Es reicht, von "Anlagen" zu sprechen.

Inhaltsleer

4 Einstieg: Ein guter Bewerber zeigt in jedem Satz, auf Grund welcher Qualifikationen und Erfahrungen er die Anforderungen der Anzeige erfüllt. Hier wird dieses Ziel glatt verfehlt. Der Personalverantwortliche muss im ersten Absatz sage und schreibe sechs Zeilen lesen, um zwei relevante Informationen zu erhalten: betriebswirtschaftliches Studium und zweijährige Berufspraxis. Vielleicht legt er schon jetzt die Bewerbung genervt zur Seite.

5 Behauptungen: Die Behauptung ist die schwächste Form, auf Anforderungen eines Unternehmens einzugehen. Der Bewerber sagt nur, dass er sich den Job als Controller zutraut. Als ob der Herr Personaler etwas anderes erwarten würde! Der Kandidat sollte besser Farbe bekennen und erklären, was er im Controlling geleistet oder gelernt hat. Klare Beweisführung mit Fakten ist gefragt.

6 Verweis auf Anlagen: Noch schlechter als bloße Behauptungen aufzustellen, ist es, dem Personaler unnötige Arbeit zu machen. Der Verweis auf die beigefügten Unterlagen heißt im Klartext: Suchen Sie sich gefälligst das, was Sie wissen wollen, selbst aus meinen Unterlagen zusammen!

Stillos

7 Lob und Eigenlob: Wenn ein Bewerber einem Unternehmen wohlwollend versichert, dass dieses häufig neue und richtige Wege gehe, ist das schlicht vermessen. Der Stil im Anschreiben darf selbstbewusst sein, dennoch sollte sich der Bewerber wertende Aussagen zur eigenen Person oder zum Unternehmen verkneifen.

8 Satzbau: Ein komplizierter Aufbau macht Sätze unlesbar. Alle Sätze, die mehr als zwei Aussagen enthalten, müssen mehrfach gelesen werden. Erst dann versteht der Leser den Sinn. Aber wer hat die Zeit dazu?

9 Übertreibung: Mobilität ist heute sehr wichtig. Trotzdem hätte der Bewerber besser die Kirche im Dorf gelassen und sich einfach als mobil oder sehr mobil bezeichnet. "Mobilität ohne Grenzen" wirkt übertrieben und daher nicht glaubhaft.

10 Arroganz: Dem Bewerber scheint nicht klar zu sein, wer mit wem im Bewerbungsprozess über Einzelheiten spricht und wer wem einen Termin zum Vorstellungsgespräch vorschlägt. So forsch sollte man einem Personaler nie kommen.

Fazit

Ein gutes Anschreiben wirbt mit Erfahrungen und Qualifikationen, die belegen, dass der Bewerber für die Stelle maßgeschneidert ist. Die Fakten müssen aber auch gut präsentiert werden: überschaubare Sätze mit möglichst nicht mehr als zwölf Wörtern, Gliederung in fünf Absätze. Gewisse Formalien sollten eingehalten werden, und beim Stil ist Sachlichkeit angesagt ­ auch wenn der marktschreierische Stil vieler Stellenanzeigen zu Lobhudelei in eigener Sache verleiten mag. Bernd Andersch

Beispiel

1) Dominik Walter
Parkstraße 57a
88074 Meckenbeuren


Internat. Hartz AG
Im Schloss 2
81475 München
5.5.2001

2) Vertriebs- und Marketingcontroller

Sehr geehrte Damen und Herren,

4) Sie bieten im Handelsblatt vom 12.4.2001 die Stelle eines Vertriebs- und Marketingcontrollers an. Diese Stelle interessiert mich, da ich auf der Suche nach einer neuen beruflichen Herausforderung bin. Ich habe ein betriebswirtschaftliches Studium mit Prädikat vorzuweisen und bringe eine zweijährige Berufserfahrung mit. Ich möchte gerne in Ihrem Unternehmen an entscheidender Stelle mitarbeiten. Wie ich Ihrer Anzeige entnehme, legen Sie Wert auf einen internationalen Abschluss.

7) Statt eines MBA kann ich eine Traineeausbildung in einem internationalen Handelskonzern anbieten. Aus dieser Tätigkeit weiß ich, dass Ihr Unternehmen häufig neue und richtige Wege geht. 5) Analysieren von Märkten, Erarbeiten von neuen Ideen und die Umsetzung von Gegensteuerungsmaßnahmen mit den Fachabteilungen ­ für mich kein Problem! 6) Detaillierte Fakten über meine Qualifikationen entnehmen Sie bitte den beigefügten Bewerbungsunterlagen.

8) Ich denke, dass mein Engagement in der Betreuung studentischer Arbeitsgruppen sowie in der fachlichen Beratung und Unterstützung von Tutoren und Diplomanden am Institut für Wirtschafts- und Sozialpsychologie der Universität München meine Fähigkeit zur Teamarbeit sowie zur Übernahme von Führungsaufgaben zum Ausdruck bringt und meine zeitgemäße Einstellung zum Managementgeschehen unterstreicht.

Natürlich besitze ich die nötigen Englisch- und PC-Kenntnisse, die ich für den Job eines Controllers mit internationalen Aufgaben brauche. 9) Meiner Mobilität, dies erkennen Sie aus meinem Lebenslauf, sind keine Grenzen gesetzt. Als Starttermin kann ich mir den 1.7.2001 vorstellen.

10) Gerne möchte ich weitere Einzelheiten mit Ihnen persönlich besprechen. Bitte geben Sie mir zur Vereinbarung eines Termins zum Vorstellungsgespräch Bescheid.

Mit freundlichen Grüßen

Dominik Walter

3) Anlagen:
Lebenslauf
Arbeitszeugnis
Diplomzeugnis
Abiturzeugnis
Dieser Artikel ist erschienen am 15.02.2002