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Teamarbeit: Geteilte Last macht doppelt Lust

Peter Nederstigt
Jeff Bezos ist ein Unikum. Ohne einen Partner stampfte der ehemalige Wall-Street-Broker 1994 die virtuelle Buchhandlung Amazon.com aus dem Boden und bewies, dass man auch alleine ein weltweit agierendes Internet-Unternehmen schaffen kann. Doch Einzelgründer wie Bezos sind vom Aussterben bedroht.
Jeff Bezos ist ein Unikum. Ohne einen Partner stampfte der ehemalige Wall-Street-Broker 1994 die virtuelle Buchhandlung Amazon.com aus dem Boden und bewies, dass man auch alleine ein weltweit agierendes Internet-Unternehmen schaffen kann. Doch Einzelgründer wie Bezos sind vom Aussterben bedroht.

Schnell wachsende, zu Großem bestimmte Unternehmen werden heutzutage in der Regel nicht von einem Einzelnen vorangetrieben", schreiben Wolfgang Schur und Günter Weick in ihrem Roman "Die Gründer". Denn: "Nur wer ein gutes Managementteam vorweisen kann, hat eine Chance, Investoren für seine Geschäftsidee zu begeistern", glaubt Philip Schnedler, Finanzvorstand der Schweizer Gründerplattform brains-to-ventures. Das bestätigt Oliver Samwer. Er ist Mitgründer der Auktionsplattform Alando.de, (heute Ebay. de), und Mitglied der bekanntesten deutschen Gründer-Boygroup, der Samwer-Brüder: "Wagniskapitalgeber investieren lieber in ein A-Team mit B-Plan als umgekehrt."

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Was aber zeichnet ein A-Team aus? Laut Schur und Weick schätzen Investoren vor allem Managementerfahrung - möglichst aus dem Aufbau eines Unternehmens -, Integrität, Intelligenz und Begeisterung.

Samwer nennt einen weiteren wichtigen Faktor, der bei der Zusammensetzung eines Teams beachtet werden sollte: komplementäre Kompetenz. Oder wie es Daryl Bernstein in seinem Buch "Enterprise" ausdrückt: "In einer idealen Partnerschaft kompensieren deine Stärken die Schwächen deines Partners, und die Stärken deines Partners kompensieren deine Schwächen."

Das zahlt sich nach Ansicht von Katrin Schnelle bereits bei der Konzeption der Geschäftsidee aus. "Man kann Ideen besser weiterspinnen, denn jeder hat einen unterschiedlichen Blickwinkel", hat die Geschäftsführerin des Quickborner Projektforums bei ihren Workshops zum "Gründen im Team" festgestellt. Von ihren insgesamt rund 300 Seminarteilnehmern habe schließlich etwa ein Drittel im Team gegründet: "Unsere Stargründungen sind eher Teamgründungen."

Dazu zählt die Aachener Casa Digital, die Computermodelle und Animationen für Architekturprojekte wie den Umbau des Aachener Hauptbahnhofs entwirft. Die beiden Gründer, der Bau-Ingenieur Siegmar Bringemeier und der Architekt Thomas Montag, hatten sich 1998 bei einem Seminar von Schnelle kennen gelernt. "Jeder hat die Hälfte der Kosten aufgebracht. Wir können uns die Arbeit teilen. Und es ist leichter, Urlaub zu nehmen", fasst Bringemeier die Vorteile zusammen. Er rät, bei der Partnerwahl nicht alleine auf fachliche Kompetenzen zu achten: "Die Chemie muss ebenfalls stimmen."

Dem schließt sich Oliver Samwer an. "Wenn kein potenzieller Partner beide Aspekte optimal vereint, würde ich immer den nehmen, mit dem ich gut zusammenarbeiten kann." Ein Vorteil sei es, wenn man schon vorher gemeinsam gearbeitet oder studiert habe. Der Internet-Unternehmer, der bereits zum zweiten Mal mit seinen beiden Brüdern ein Unternehmen aufbaut, rät deshalb auch nicht davon ab, mit Freunden zu gründen. "Eine gute Freundschaft hält auch ein gescheitertes Unternehmen aus", glaubt Samwer.

Ganz im Gegensatz zu Wolfgang Schur und Günter Weick. "Meist wird ein Fremder besser in das Team passen als ein privater Freund", vermuten die beiden Autoren. Denn: "Allzu oft steht am Ende nicht nur das geschäftliche, sondern auch das private Zerwürfnis." Auch Hans Emge, Geschäftsführer der Frankfurter AG Unternehmensgründung und Fachautor, findet den persönlichen Draht nicht so wichtig. "Er ist sogar eher schädlich, denn dann meidet man häufig Konflikte."

Es sei nun mal ein Unterschied, "ob man dreimal in der Woche zusammen saufen geht oder ein Unternehmen gründet." Viel wichtiger als Freundschaft findet Emge daher, dass die Partner eine professionelle Einstellung besitzen und sich nicht zu große Illusionen über die Selbstständigkeit machen. "Am besten ist es, die Partner haben schon zusammen Geld verloren." Emge empfiehlt potenziellen Partnern, bei Flohmärkten oder der Organisation von Straßenfesten "vorgründerische Erfahrungen" zu sammeln. "Wer schon die Nerven verliert angesichts 50 liegen gebliebener Frikadellen, der zeigt, dass er ungeeignet ist für größere ökonomische Aktivitäten", meint der Gründerberater.

Das aber macht der, der die Gründung mit Freunden scheut oder im Bekanntenkreis nicht fündig wird? Einen Ausweg bieten Inserate bei Gründerportalen im Internet wie .b-to-v.com oder global-x.de. Kontakte entstehen häufig auch über Netzwerke wie First Tuesday. Und auch viele Investoren helfen unter Umständen dabei, fehlende Positionen im Gründerteam zu besetzen.

Egal, ob man mit Freunden oder Fremden gründet: Auf jeden Fall sollten sich die Partner schon vor der Gründung der Gesellschaft durch einen Vertrag absichern. "Darin müssen Aspekte wie die Arbeitszeit und die Mindestdauer der Partnerschaft festgelegt werden", rät Gründer Bringemeier. "Wichtiger als die Einstiegsregelungen sind die Ausstiegsregelungen", glaubt Hans Emge. Was passiert zum Beispiel, wenn ein Gründer das Unternehmen verlässt, bevor Gewinne gemacht wurden?

Emge warnt indes vor allzu großen Illusionen. "Wenn ich innerlich gekündigt habe, werde ich einen Weg finden, den Vertrag nicht einhalten zu müssen." Ähnlich sieht es Oliver Samwer: "Man sollte Verträge machen und dann in den Schrank legen und vergessen."

Und wem die feste Bindung trotz Vertrag zu heikel ist, dem legt Hans Emge als "sanften Weg zum Glück" Kooperationen nahe: Verbindliche Zusammenarbeit von Unternehmen oder Freiberuflern auf vertraglich einfacher Basis - sozusagen die "wilde Ehe" für Unternehmensgründer.
Dieser Artikel ist erschienen am 19.04.2001