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Tchibo-Chef löst Führungskrise

Von Gregory Lipinski
Tchibo-Vorstandschef Dieter Ammer will dem Aufsichtsrat am Freitag den Nachfolger für die Geschäftsführung der Hamburger Rösterei vorstellen. Im Gespräch ist der Tchibo-Manager Stephan Swinka, der bislang für das Gebrauchsartikelgeschäft verantwortlich war.
HB HAMBURG. Wenn der Mann größere Akquisitionen plant, dann gelingt ihm dies meist in Rekordzeit: Nur knapp fünf Monate braucht Dieter Ammer nach seinem Einstieg als Vorstandschef der Hamburger Kaffeedynastie Tchibo im Sommer 2003, um die Beteiligung an dem Hamburger Kosmetikriesen Beiersdorf auf eine Mehrheit auszubauen. Zwei Jahre stand das Aktienpaket zuvor beim Münchener Versicherungskonzern Allianz auf der Verkaufsliste.Personalprobleme schiebt der Manager mit dem leicht ergrauten Haarkranz hingegen auf die lange Bank. Denn seit mehr als zwei Jahren ist Ammer auf der Suche nach einem Nachfolger für die Geschäftsführung der Hamburger Rösterei Tchibo - des zweiten, renditestarken Standbeins der Hamburger Herz-Dynastie. Bislang hatte Ammer diesen Posten in Personalunion mitbetreut.

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Nun scheint das Problem gelöst. Wie das Handelsblatt aus Kreisen von Tchibo erfuhr, will der 55-jährige Holding-Chef dem Aufsichtsrat am Freitag seinen Kandidaten präsentieren. Im Gespräch ist der Tchibo-Manager Stephan Swinka. Er ist für das Gebrauchsartikelgeschäft verantwortlich - eine der wichtigsten Ertragsperlen bei Tchibo. Denn seit Jahren verdient der traditionsreiche Konzern mit dem Verkauf von Armbanduhren, Bügeleisen und Textilien deutlich mehr als mit dem reinen Kaffeegeschäft. Ammer hatte kurz nach seinem Amtsantritt den damaligen Geschäftsführer der Tchibo GmbH gefeuert - einen Griechen namens John Karakadas. Dessen Managementstil und Unternehmensführung war seit Jahren hausintern heftig kritisiert worden.Die Neubesetzung der Kaffeesparte würde den begeisterten Hobby-Segler entlasten. Dies ist auch notwendig. Denn damit kann sich der agile Holding-Chef künftig anderen Tochterfirmen und vor allem verstärkt um Beiersdorf kümmern. Denn seit Monaten bemängeln Analysten, dass der Hamburger Kosmetikriese mit seiner Marke Nivea die prall gefüllte Kriegskasse von mehr als 1,5 Milliarden Euro nicht nutzt. Sie hoffen darauf, dass durch eine milliardenschwere Übernahmen der Aktienkurs beflügelt wird.Doch Ammer bremst bisher. Sorgsam sondiert der ehemalige Chef der Bremer Brauerei Beck?s seit Monaten mögliche Zukäufe in den USA und Asien. Zudem hat er ein weiteres Problem auf der Agenda. Er will so rasch wie möglich die Beiersdorf-Tochter BSN verkaufen - einen Anbieter für die professionelle Wundversorgung. Der Grund: Der Londoner Partner Smith & Nephew will sich überraschend aus dem Unternehmen zurückziehen. Ein Tchibo-Sprecher will sich zu den Personalspekulationen nicht äußern. Er verweist auf die Aufsichtsratssitzung am Freitag. Sein knapper Kommentar: ?Wir werden zeitnah Neuigkeiten bekannt geben.?
Dieser Artikel ist erschienen am 15.09.2005