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Taube oder Spatz?

Foto: Rainer Holz
Jobeinstieg im Konzern, Mittelstand, Öffentlichen Dienst oder beim Startup? Junge Karriere informiert über Vor- und Nachteile.
Mittelstand

Das Gros der mittelständischen Unternehmen bietet bislang eher traditionelle Vergütungsmodelle – ein an der Konkurrenz orientiertes Fixgehalt, ein kleiner variabler Anteil, sparsame, aber reelle Extras wie Rentenvorsorge. Weil die Zuordnung von Erfolgsgrößen in kleinen Unternehmen leichter ist, wäre es hier eigentlich sogar einfacher als in Konzernen, leistungsabhängige Bestandteile anzubieten. Trotzdem machen erst wenige davon Gebrauch – Tendenz aber eindeutig steigend. Immer mehr Mittelständler zeigen sich experimentierfreudig. Spätestens dann, wenn der Börsengang ansteht. Autozulieferer Edscha bietet Belegschaftsaktien, Kamera- und Optik-Spezialist Leica belohnt Führungskräfte mit Aktienoptionen und in der Softwareschmiede Mensch und Maschine knobeln die Mitarbeiter jedes halbe Jahr ihre Gehaltserhöhungen mit der gesamten Belegschaft aus.

Die besten Jobs von allen


Vorteile: Kalkulierbares, solides Einkommen.

Nachteile: Überdurchschnittliche Leistungen werden vielfach nicht entsprechend honoriert. Um Millionär zu werden, muss man es wohl in Quiz-Shows versuchen.

Startup

Die weit verbreitete Annahme, bei Startups könne man schnell reich werden, ist seit dem Dahinsiechen des Neuen Marktes nicht mehr ganz so begründet. Denn der typischerweise recht hohe Anteil variabler Gehaltsbestandteile, in Führungsjobs bis zu 70 Prozent, wurde meist in Form von Aktien und Aktienoptionen gezahlt, die zurzeit nicht mehr viel wert sind. Gleichzeitig müssen die Mitarbeiter mit eher niedrigen Grundgehältern leben. Urlaubs- und Weih.nachtsgeld sind selten. Entschädigung gibt es in Form von kostenlosen Massagen, Frei-Pizza, Wäsche- und Einkaufsservice oder Fitnessstudio-Gutscheinen.

Als Lerneffekt aus dem Neue-Markt-Desaster erwarten Ex- perten, dass Startups künftig den variablen Gehaltsanteil an börsenkursunabhängige Faktoren wie Umsatz oder Gewinn knüpfen. Darüber hinaus werde es verstärkt Boni und Prämien für gute, individuelle Leistungen geben. Mit einem deutlichen Steigen des Festgehalts ist wohl nicht zu rechnen. Die jungen Unternehmen können sich das noch nicht leisten.

Vorteile: Eine Portion Risikobereitschaft vorausgesetzt, kann man in gut gehenden Startups recht ordentlich verdienen, vom Startup-Feeling und den schneller erreichbaren Top-Positionen mal ganz abgesehen.

Nachteile: Wer hohe monatliche Fixkosten hat, wird sich mit dem niedrigen Grundgehalt schwer tun. Wie hoch die Einkünfte letztlich sind, ist im Vorhinein nicht planbar.

Konzern

Großunternehmen zahlen in der Regel mittlere bis hohe Fixgehälter, die ein über Jahre gewachsenes, teils recht starres Vergütungssystem vorgibt. Weihnachts- und Urlaubsgeld sowie zusätzliche Sozialleistungen wie Betriebsrenten sind üblich. Leistungsbezogene variable Gehaltsbestandteile gibt es in der Regel on top. Sie sind zurzeit aber erst ab einer gewissen hierarchischen Ebene ein Thema. Für die Zukunft rechnen Vergütungsexperten aber damit, dass auch Mitarbeiter niedrigerer Hierarchiestufen verstärkt variabel bezahlt werden. Auch Aktienoptionsprogramme werden vermehrt für breitere Mitarbeiterkreise angeboten werden.

Vorteile: Ein ordentliches und kalkulierbares Gehalt, dazu meist viele, wenn auch nicht sehr kreative Extras.

Nachteile: Extrawürste sind in einem eher starren und vorgegebenen System schwer durchsetzbar.

Öffentlicher Dienst

Im öffentlichen Dienst erfolgt die Vergütung nach dem Bundesangestelltentarif (BAT). Nach Qualifikation und Position gibt es vorgegebene Schubladen von I bis X mit fest definierten Gehältern, die in der Regel unterhalb derer in der Wirtschaft liegen. Hinzu kommen Ortszuschläge, deren Höhe vom Familienstand und der Kinderzahl abhängt. Das Gehalt steigt mit jedem ungeraden Geburtstag und mit jeder Tarifrunde. Für einzelvertragliche Regelungen lässt das System keinen Raum. Weihnachts- und Urlaubsgeld ist in unterschiedlicher Höhe Standard, dazu kommen Zusatz-Versicherungen oder Rentenvorsorge.

Beamte werden nach ihrer Position in die Besoldungsgruppen A, B, C und R eingeteilt und unterliegen damit einer mehrstufigen, äußerst unübersichtlichen Vergütungsstruktur nebst der beitragsfreien Beamtenpension. Neben den regelmäßigen altersbedingten Gehaltssteigerungen werden Zuschläge nach einem unübersichtlichen Schlüssel verteilt. Dadurch öffnet sich eine recht große Einkommensschere zwischen ?dem kleinen Beamten? und ?den hohen Tieren?.

Vorteile:
Ein kalkulierbares Gehalt, das auch ohne Gehaltsverhandlungen regelmäßig wächst. In den höheren Besoldungsgruppen wird richtig gut verdient.

Nachteile: In der freien Wirtschaft verdient man in der Regel besser. Sonderwünsche, geschweige denn leistungsabhängige Bezahlung sind im System nicht vorgesehen.
Dieser Artikel ist erschienen am 21.02.2001