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Tadel für deutsche Bildung

Das niederschmetternde Ergebnis der PISA-Studie brachte keine Aussicht auf Besserung mit sich: Im internationalen Ländervergleich schneidet das deutsche Bildungssystem nach wie vor schlecht ab. Das ergab eine Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

In Deutschland erlangen 43 Prozent eines Jahrgangs eine Hochschulzugangsberechtigung wie Abitur oder Fachhochschulreife. Damit liegt Deutschland unter dem OECD-Schnitt von 51 Prozent. In Finnland beispielsweise liegt diese Quote sogar bei über 80 Prozent.

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36 Prozent eines Altersjahrgangs nehmen in Deutschland ein Hochschulstudium auf - das sind zwar acht Prozent mehr als 1998, jedoch liegt diese Quote weit unter dem Durchschnitt von etwa 50 Prozent. In Finnland, Ungarn, Polen, Neuseeland und den USA liegt diese Quote zwischen 60 und 71 Prozent.

Einen Hochschulabschluss erwerben laut OECD-Schnitt 32 Prozent der Studierenden. Auch hier liegt Deutschland mit 19 Prozent unter dem Durchschnitt.

Bei der staatlichen Bildungsfinanzierung liegt Deutschland mit einem Wert von 4,3 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt am unteren Ende der OECD-Skala. Belgien, Dänemark, Island und Schweden investieren mit Werten von über sechs Prozent die meisten öffentlichen Mittel in ihre Schulen und Hochschulen.

Jedoch gibt es für das deutsche Bildungssystem nicht nur Tadel. So lobt die OECD das deutsche duale Berufsbildungssystem, das betriebliche Lehre mit Berufsschule kombiniert. Jugendlichen würde so ein reibungsloser Übergang von der Ausbildung in das Arbeitsleben ermöglicht. Allerdings steigt mit zunehmendem Alter dieser betrieblich Ausgebildeten das Risiko der Arbeitslosigkeit. Für ältere Fachkräfte, die eine vergleichbare Ausbildung an einer Hoch- oder Fachschule erworben haben, stehen die Chancen auf dem Arbeitsmarkt wesentlich besser.

Deutschland ist nach den USA das beliebteste Gastland für ausländische Studierende, vor allem im Bereich der Naturwissenschaften. So kommt jeder zehnte Student einer deutschen Universität aus dem Ausland. Des Weiteren interessieren sich deutsche Studenten vermehrt für ein Auslandsstudium. Übertroffen werden sie hierbei lediglich von japanischen und koreanischen Studierenden.
Dieser Artikel ist erschienen am 16.09.2004