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T-Online-Chef Beaujean geht

Einen Tag nachdem der Bundesgerichtshof den Weg zur Eingliederung von T-Online in die Telekom freigemacht hat, geht der Chef des Internet-Unternehmens, Rainer Beaujean. Über die Gründe schweigen sich beide Seiten aus, doch Branchenkenner glauben sie zu kennen.
Rainer Beaujean beendet seine Karriere unterm magentafarbenen T. Foto: dpa
HB/tnt/lou FRANKFURT. Beaujean scheide im gegenseitigem Einvernehmen mit sofortiger Wirkung aus, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Finanzvorstand Jens Becker werde die Funktion kommissarisch übernehmen. ?Rainer Beaujean hat im Rahmen seiner Tätigkeit im T-Online Vorstand den Erfolg des Unternehmens maßgeblich mitgestaltet?, sagte Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke, der dem T-Online-Aufsichtsrat vorsitzt. Beaujean habe das Unternehmen neu ausgerichtet und die Position in Deutschland und im Ausland gestärkt.Der Abgang Beaujeans kommt für Branchenkenner nicht überraschend, wäre er doch im fusionierten Unternehmen vom Vorstandschef eines großen börsennotierten Unternehmen in die zweite Management-Reihe abgerutscht. Der größte europäische Internetanbieter wird ein Teil der Telekom-Festnetzsparte T-Com. Allerdings bleibt T-Online eine selbstständige Geschäftseinheit, und auch der Markenname T-Online bleibt erhalten. Auch für ihre zwölf Millionen Internetkunden in Deutschland wird sich zunächst nichts ändern, da die T-Com alle Vertragsverhältnisse von T-Online übernimmt.

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Der Bundesgerichtshof hatte am Donnerstag in letzter Instanz Beschwerden von Aktionären verworfen, die die Fusion blockiert hatten. Für Jürgen Kurz, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), ist ?die Verschmelzung damit durch?. Nach der Eintragung ins Handelsregister sei die Fusion beider Unternehmen kaum mehr rückgängig zu machen. Das noch ausstehende Hauptsacheverfahren vor dem Landgericht Darmstadt habe seine Bedeutung verloren. Ein T-Online-Sprecher sagte denn auch, die Eintragung solle ?zeitnah erfolgen?.Bei der Telekom in Bonn wurde die Entscheidung mit großer Erleichterung aufgenommen. ?Nach der Verschmelzung wird das Geschäftsfeld Breitband/Festnetz endlich mit gebündelter Schlagkraft am Markt auftreten können?, kommentierte Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke die Entscheidung.Der Anlass für die bereits im Herbst 2004 angekündigten Verschmelzungspläne ist das immer stärkere Zusammenwachsen von Telefonie und Internet auf der Grundlage breitbandiger DSL-Datenanschlüsse. Um künftig Bündelprodukte aus Telefonie, Internetzugang und Inhalten aus einer Hand anbieten zu können, hatte die Telekom ? die stets die Mehrheit der Aktien an T-Online hatte ? im vergangenen Jahr die Verschmelzung beider Bereiche beschlossen.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Aktionäre verlangen weiter SchandensersatzDie Verschmelzungspläne der Deutschen Telekom sind kein Einzelfall in Europa: France Télécom hatte bereits 2004 ihre Internetsparte Wanadoo zurückgeholt und rückintegriert. Mit der Neuausrichtung des Festnetzgeschäfts auf das Internet hofft die Telekom, ihr kriselndes Festnetzgeschäft mit Telefonie stabilisieren zu können. So hat ihre Festnetztochter T-Com in den ersten Monaten dieses Jahres 160 000 Festnetzkunden monatlich verloren.Konzernchef Kai-Uwe Ricke hat das schlechte Abschneiden seiner Festnetztochter T-Com immer wieder mit den Verzögerungen bei der Verschmelzung gerechtfertigt: Dem Ex-Monopolisten entstünden ohne Verschmelzung große Nachteile im Markt, weil die Kunden Bündelprodukte haben wollten, die der Konzern derzeit aber nicht bieten könne.Aber auch die Abstimmung zwischen der T-Com in Bonn und der Tochter in Darmstadt kostete Zeit, die der Telekom auf dem sich rasant ändernden Breitbandmarkt fehlt. So hat der Telekom-Konzern bisher länger als die Wettbewerber gebraucht, um auf Preissenkungen oder neue Tarifmodelle zu reagieren.Mit der Verschmelzung endet auch die Geschichte der 1996 aus der Telekom ausgegliederten T-Online. Im April 2000 hatte die Telekom T-Online an die Börse gebracht. Die Aktien kosteten 27 Euro. Im Herbst 2004 machte die Telekom dann den Aktionären ein Rückkaufangebot in Höhe von lediglich 8,99 Euro. Das brachte viele Anleger in Rage, weil sie sich geprellt fühlten.Gegner der Fusion wollen sich trotz der Gerichtsentscheidung nicht damit abfinden, auf dem Verlust sitzen zu bleiben. Sie verlangen weiter Schadensersatz: ?Viele Anleger sind durch den Zusammenschluss geschädigt worden?, sagt Peter Dreier, der als Anwalt T-Online-Aktionäre vertritt.
Dieser Artikel ist erschienen am 02.06.2006