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Sven Schoedel

Ni hao lieber Leser!Das zweite Modul

Die besten Jobs von allen

Die Zeit vergeht wie im Flug. Seit letztem Freitag haben wir das zweite Modul absolviert. In diesem Modul hatten wir drei Kurse: Financial Accounting, Marketing Management und Organizational Behaviour.Financial Accouting wurde von einem irischen Professor unterrichtet, der sowohl an der Smurfit Graduate Business School als auch am University College Dublin doziert. Hinter Financial Accounting verbirgt sich die interne Kostenrechnung. Letztlich wird niemand, der eine Führungsposition anstrebt, daran vorbeikommen. Der Kurs war durch das Erbringen ständiger Leistungsnachweise geprägt. So musste unser Team Lösungen für vier kleine Case-Studies zu Benotung einreichen. Hinzu kamen dann noch ein Mid-Term- und ein Final-Exam.Zusammenfassend muss ich sagen, dass mich die Vorlesungen sehr stark an die Schule erinnert haben. Vor Beginn jeder Vorlesung kam es zum - vor allem bei meinen chinesischen Kommilitonen gehassten - ?Cold Calling?. Teilweise wurden Rechenaufgaben im Unterricht bearbeitet ? Zeit, die man meines Erachtens hätte sinnvoller verwenden können.Als großen Pluspunkt empfand ich, dass von Zeit zu Zeit Kommilitonen vor die Klasse gebeten wurden, um in Form einer Stand-up Präsentation von ihren Erfahrungen zu verschiedenen Themen (z.B. Einführung der Balanced Scorecard) in ihren Unternehmen zu berichten. Die Palette der vorgestellten Unternehmen ging dabei von der State-Owned-Enterprise bis zum Entrepreneur.Marketing Management wurde von einem chinesischen Professor unterrichtet, der jedoch mittlerweile einen kanadischen Pass besitzt. Somit war in diesem Kurs ein starker Bezug zu den chinesischen Verhältnissen sichergestellt. Insbesondere für uns Ausländer waren die Eigenheiten in China was Produkt, Preis, Promotion und Place betrifft besonders wertvoll. Einige unserer Case-Studies beschäftigten sich mit den für China relevanten Firmen GuoMei, TCL und Haier ? die in China jedes Kind kennt. Der Fokus war allerdings nicht alleine auf chinesische Unternehmen begrenzt. Vielmehr fanden auch Unternehmen wie bspw. E-Bay, Mastercard, Jurrasic Park, Nintendo, NTT-DoCoMo und Tweeter Berücksichtigung. Insgesamt kam ein guter Mix mit Fallstudien zu den verschiedenen Marketing-Themen zustande. Highlight dieses Kurses war das Erstellen eines 30-seitigen Papers, indem wir eine Marketing-Strategie für ein multinationales Unternehmen entwerfen sollten. Die Wahl unseres Teams fiel auf Siemens Mobile, da drei unserer sechs Team-Mitglieder zuvor im Telekommunikationsumfeld gearbeitet hatten und ich auch einen persönlichen Kontakt zu einer Mitarbeiterin von Siemens Mobile hier in Shanghai habe. Die Arbeit war insofern sehr spannend, da der Handy-Endgeräte-Markt in China sehr umkämpft ist und insbesondere Siemens erhebliche Probleme bereitet. Daher ist eine gut durchdachte Marketing-Strategie umso wichtiger ? also ein ideales Projekt für MBA-Studenten.In unserem Kurs Organizational Behaviour ging es ebenfalls um die Bearbeitung von Fallstudien und parallel dazu, begleitendes Kursmaterial in Form von Artikeln aus Fachzeitschriften durchzuarbeiten. Die sich ergebenden Diskussionen waren insbesondere deshalb sehr spannend, da gerade in diesem Fach die unterschiedlichen kulturellen Auffassungen von Chinesen und Ausländern zutage traten.Einige meiner Kommilitonen waren vor dem MBA-Programm bei großen Staatsunternehmen tätig. Diese berichteten über die großen Herausforderungen, die die Reformen der Zentralregierung für diese Unternehmen bedeuten. Ich denke hier wird sich in Zukunft vor allem für Consulting-Unternehmen und Investment Banken in den Bereichen Restrukturierungen und Mergers & Acquisitions noch ein reichhaltiges Betätigungsfeld ergeben.In der Zwischenzeit haben wir für unseren Jahrgang ein Studentenparlament gewählt, was letztlich unsere Interessen gegenüber Fakultät und Management der Schule vertritt. Um dem 20-prozentigen Anteil von internationalen Studenten Rechnung zu tragen, wurde neben dem chinesischen Studentensprecher noch ein amerikanischer Kommilione als Vize-Präsident gewählt.Auch haben sich mittlerweile 23 studentische Clubs gegründet. Die Palette reicht von den erwartungsgemäßen Clubs wie Finance, Marketing, HR oder Consulting bis zu den etwas ausgefalleneren wie dem Frisbee-Club, Travel-Club oder aber dem Social Venture Club. Ich persönlich engagiere mich sehr stark im Social Venture Club, da ich denke, dass soziale Verantwortung auch Bestandteil des Lehrplans einer Business Schools ? zumindest als Elective ? sein sollte. In dieser Richtung gibt es einige Initiativen an der CEIBS.Die Mission unseres Clubs umfasst einerseits das Fund-Raising für Hilfsprojekte von karitativen Einrichtungen. Darüber hinaus hat unser Club jedoch auch eine Geschäftsidee entwickelt, die sich mit dem Recycling von verbrauchten Toner-Cartouchen beschäftigt. Hierfür haben wir einen Businessplan angefertigt, mit dem wir nun bei Venture Capital Gesellschaften nach Startkapital suchen.Die einwöchige Pause zwischen Modul 2 und 3 wird mich dieses Mal für ein paar Tage in die Nähe des südwestlich von Shanghai gelegenen Hangzhous führen. Dort habe ich mich zusammen mit 23 Chinesen bei einer Bauernfamilie einquartiert. Danach geht es noch für zwei Tage nach Nanjing, um meinen kulturellen Horizont zu erweitern.Viele Grüße aus Shanghai.Sven Schoedel
Ni hao lieber Leser!

Das erste Modul
Das erste Modul unseres MBA-Programms 2004 ist absolviert. Wir blicken zurück auf eine sehr arbeitsreiche Zeit. Das Modul erstreckte sich über sechs Wochen und umfasste neben Statistik, Managerial Economics auch Financial Accounting. Neben den drei Pflichtkursen belegte ich noch einen Mathekurs, um meine eingerosteten Mathekenntnisse ein wenig auf Vordermann zu bringen. Darüber hinaus nutzte ich auch die Möglichkeit, an dem von der CEIBS angebotenen Chinesisch-Fortgeschrittenkurs teilzunehmen. Somit blieb nicht viel Zeit für andere Dinge. Statistik und Economics waren die größeren Brocken und ich bin froh, dass wir die beiden "Musts" bereits im ersten Modul abhaken konnten. Wie gesagt, viel Zeit blieb nicht, sich tiefer gehend mit dem Stoff zu befassen - was ich persönlich schade finde. Allerdings verstehe ich, dass es im ersten Modul vor allem darum geht, Grundlagen zu vermitteln und die recht unterschiedlichen Vorkenntnisse der Teilnehmer ungefähr auf einen Level zu bringen.

In zwei der drei Fächer waren auf halber Strecke - das heisst nach nur 2,5 Wochen - noch Mid-Term-Exams eingebaut. Das hat zwar zum Vorteil, dass man bereits nach kurzer Zeit ein Feedback über den eigenen Leistungsstand bekommt. Auf der anderen Seite steht man dadurch auch von Anfang unter erheblichem Druck. Nicht nur, dass zusätzliche Assignments in jedem Fach bearbeitet werden müssen, sondern auch die Vorbereitung für die Mid-Term- und Final Exams muss rechtzeitig angegangen werden. Tja, ich denke das ist daily business für einen MBA-Studenten: wie allokiere ich die knappe Ressourcen möglichst effizient.

Es hat sich bei uns an der CEIBS in Klausurvorbereitung eingebürgert, dass die meisten der MBA-Studenten sich ab mittags in den Lecture-Rooms versammeln. Dort lernt jeder für sich den Stoff und falls Fragen auftauchen, können diese direkt an die anwesenden Kommilitonen adressiert werden. Das Klima ist sehr partnerschaftlich und es gibt kaum Studenten, die durch Information-Hiding auffallen. Durch das kollektive Lernen wird aber auch in gewisser Weise ein Druck geschaffen, dem sich fast niemand entziehen kann. Denn wenn eine Vielzahl von Studenten bis 1.00 Uhr morgens in den Hörsäalen lernt - dann bedeutet das, dass wenige vor 1.00 Uhr den Raum verlassen. Man hört immer wieder das Kommilitonen um 3.00 Uhr und teilweise um 5.00 Uhr vor Klausuren aus den Hörsäalen nach Hause gekommen sind. Ob das wirklich sinnvoll und produktiv ist, lasse ich mal dahin gestellt. Wie auch immer: das schafft eine Menge Druck. Denn keiner möchte schon im ersten Modul bei der Verteilung der Noten am hinteren Ende der Notenskala wiederfinen. Darüber hinaus hat eine Vielzahl der chinesischen Kommilitonen ein Scholarship der EU bekommen. Diese wurden nur zu 50% ausgezahlt, um zu sehen, wie die weitere Performance in den kommenden Modulen ist. Deswegen sind viele meiner chinesischen Kommilitionen sehr verbissen am Werk und versuchen, noch jedes kleine Problem im Textbook aufzuspüren und zu klären.

Es ist auffällig, dass die meisten der internationalen Studenten damit anders umgehen. Wir sagen uns, dass die GPA-Score nicht alles ist. Natürlich muss ein Manager und MBA-Absolvent sein Handwerkszeug beherrschen - ob dies jedoch in einer Nachtsession bis 3.00 Uhr erworben werden kann, darf bezweifelt werden.

Im Rückblick auf das erste Modul muss ich sagen, dass wenig Zeit blieb, sich an manchen Stellen tiefer mit der Materie zu beschäftigen. Dies soll laut Aussage der Studenten des vorangegangenen Jahrgangs von jetzt an besser werden. Auch wird die Fall-Berarbeitung jetzt stärker in der Vordergrund rücken - und das ist schließlich einer der Hauptgründe für die Teilnahme an einem MBA-Programm.

Noch kurz ein paar Worte zur CEIBS: der Campus ist wirklich beeindruckend. Die CEIBS feiert in diesem Jahr ihr zehn-jähriges Jubiliäum auf dem Pudonger Campus. Was mittlerweile an Facilities geschaffen wurde ist großartig und zeigt, dass eine Menge Geld vorhanden ist. Vor wenigen Tagen wurde die 2. Phase des Ausbaus abgeschlossen. Es stehen von nun an zwei neue Vorlesungsräume zur Verfügung (ausgestattet mit neuester Technik), die jeweils rund 100 Teilnehmer fassen können. Ab nächstem Jahr soll die Zahl der MBA Vollzeit-Studenten von 126 auf 180 erhöht werden. Dafür wurde sowohl das Studentenwohnheim erweitert als auch zwei neue Academic Centers gebaut. Darüber hinaus steht uns von nun an auch eine Sporthalle mit zwei Stockwerken zur Verfügung. Im Erdgeschoss stehen zwei Snooker-Tables sowie einige Tischtennis-Platten und wird es in wenigen Wochen ein komplett ausgestattetes Gym mit Fitness-Geräten geben. Im ersten Stock stehen mehre Badminton-Courts sowie ein Basketball/Fussball-Feld zur Verfügung. Somit steht dem körperlichen Ausgleich nichts im Wege.

In der Vergangenheit zogen viele der internationalen Studenten nach den ersten drei Monaten im Studentenwohnheim aus, um sich im näheren Umfeld ein eigenes Appartment zu nehmen. Ab diesem Jahrgang scheint sich da eine Kehrtwende abzuzeichnen. Die meisten meiner internationalen Kommilitonen - wie auch ich selbst - haben die ganzen Facilities und auch den schönen, modernen Campus schätzen gelernt. Ich denke, dass es für das Networking und auch das bessere Kennenlernen der chinesischen Kommilitonen unabdingbar ist, auf dem Campus wohnen zu bleiben. Hier bilden sich Freundschaften, die später im Business in China nicht zu unterschätzen sein dürften. Darüber hinaus finden sich hier leichter "Travel-Partner" für die Pausen zwischen den Modulen sowie Gleichgesinnte für kurzfristige Aktivitäten.

Neben dem Studienbetrieb finden eine Vielzahl interessanter Veranstaltungen auf dem Campus statt. Neben zahlreichen Veranstaltungen seitens des EMBA-Programms - die immer wieder mit hochkarätigen Rednern aufwarten können - gibt es auch immer wieder besondere Events vom MBA-Office. Letztes Wochenende fand beispielsweise ein Businessplan Contest statt, der sich mit Social Entrepreneurship befasst hat. Präsentiert wurde von MBA 2003 Class-Studenten, die sich einer Jury aus Mitarbeitern von Venture Capitalist Firmen sowie Mitarbeitern von Charity Organisationen gestellt haben. Die Präsentationen ergaben nicht nur jede Menge neuer Ideen für uns 2004 Studenten, sondern vor allem auch Networking-Möglichkeiten mit den Jury-Mitgliedern.

Das war's erst einmal wieder.

Ich sage zaijian!
Sven Schoedel

Ni hao lieber Leser!

Orientation Week
Im Vorfeld des MBA-Programs an der CEIBS findet jeweils eine einwöchige Orientierungswoche statt. Gegenstand dieser Woche ist es neben Gruppenarbeiten, die den Teamgeist stärken sollen, auch gemeinsam einen "Code of Ethics" innerhalb der Studentenschaft zu entwickeln.

Zum Abschluss der Orientation-Week findet ein sogenannter Outdoor Tag statt, für den wir in Gruppen zu je 20 Personen eingeteilt wurden, um gemeinsam einen Geschicklichkeitsparcour zu absolvieren. Dabei ging es nicht nur um körperliche Geschicklichkeit und geistige Flexibilität, sondern vor allem auch um das Agieren in der Gruppe.

Eine der Aufgaben bestand dabei darin, mit einer Gruppe von 20 Personen, die alle verbundene Augen hatten, zwei Zelte aufzubauen. Das stellt einen an der CEIBS insofern vor besondere Herausforderungen, da erstens keiner der chinesischen Kommilitonen je ein Zelt aufgebaut hatte und zweitens natürlich jeder der anwesenden MBA-Aspiranten Führungsqualitäten beweisen wollte.

Eine weitere Aufgabe für die Gruppe bestand darin, Wasser in Trinkbechern über eine Distanz von 25 Meter zu transportieren. Erschwert wurde diese Übung dadurch, dass die Becher an verschiedenen Stellen eine Vielzahl Löcher aufwiesen und je von zwei Teammitgliedern gleichzeitig transportiert werden mussten. Hinzu kam, dass bei jedem dieser "Päarchen" einem der Teilnehmer die Augen verbunden wurden. Ziel der Übung war es nicht nur möglichst viel Wasser in den Auffangbehälter zu transportieren, sondern neben einer Zeitrestriktion auch noch die vom Team gemeinsam abgegebene Schätzung des Ergebnisses zu erreichen und nicht zu überschreiten.

Die Orientierungswoche war eine klasse Sache und fand ihren würdigen Abschluss mit einem großen Kennenlern-Barbeque. Seit dieser Woche kennen mich die meisten meiner chinesischen Kommilitonen mit Vornamen. Das bedeutet, wenn ich über den Campus laufe, werde ich von anderen immer wieder freudig mit meinem Namen begrüßt. Das bringt mich natürlich in die missliche Lage, dass ich den Absender ebenfalls mit seinem Namen ansprechen sollte. Wir sind zwar nur 125 Studenten in unserer MBA Class 2004 allerdings fällt es den Chinesen nach so kurzer Zeit natürlich viel leichter, sich die Namen von einem der 25 ausländischen Kommilitonen zu merken. Umgekehrt fällt es uns 25 Ausländern, natürlich erheblich schwerer, uns an die 101 chinesischen Namen zu erinnern. Aber das wird sich mit der Zeit schon bewerkstelligen lassen.

Im Vergleich zu vielen großen MBA-Programmen ist die Zahl von 126 MBA-Studenten überschaubar. Ich denke daher, es ist realistisch anzunehmen, dass bis zum Ende des Programms jeden Teilnehmer kennengelernt habe. Nicht also wie an anderen Business Schools von annähernd 800 Teilnehmern, wo ich noch am Tag der Graduation Ceremony neue Kommilitonen kennenlernen kann.

Vor uns liegen nun 17 Monate mit sieben jeweils sechswöchigen Modulen. Ergänzt werden diese Module durch einen Block von drei Monaten, in dem Studenten entweder eine Partner Business School im Ausland besuchen, ein Praktikum machen oder aber am China Immersion Programme (CIP) teilnehmen können. Die meisten von uns 25 internationalen Studenten (aus Italien, Spanien, USA, Brasilien, Israel, Malaysia, Indonesien, Deutschland, Schweden, Dänemark, Japan, Korea und Hongkong) werden sich sicherlich auf die letzten beiden Punkte konzentrieren. Schließlich haben wir nicht den Schritt nach China gewagt, um dann für ein paar Wochen an einer Partnerschule in Europa oder den USA zu studieren.

Noch kurz ein paar Worte zum CIP: dieses Programm bietet den Teilnehmern die Möglichkeit, an Betriebsbesichtigungen in China teilzunehmen, in speziellen Seminaren mehr über Kultur und Geschichte Chinas zu lernen. Ich habe mich noch nicht abschließend entschieden und will erst noch die Praktikumsmöglichkeiten in Shanghai ausloten. Jedoch würde das CIP mir neben den landesspezifischen Seminaren auch noch Zeit bieten, mein Chinesisch zu verbessern und mir etwas mehr von Land und Leuten anzusehen.

Um abschließend eine gute Vernetzung zwischen Theorie und Praxis zu gewährleisten, sieht der Curriculum der CEIBS noch ein In-Company Consulting Projekt vor. Hierbei werden dann Unternehmen durch ein Studententeam beraten. Ich denke, dass es hier vor allem in Shanghai und China eine Vielzahl von interessanten Möglichkeiten geben wird. So wäre z.B. denkbar eine Markteintrittsstrategie für einen deutschen Mittelständler, der nach China expandieren möchte zu erarbeiten. Da ich zuletzt im Consulting gearbeitet habe, freue ich mich natürlich besonders mit meinen chinesischen Kommilitonen, einen solchen "Real life case" zu bearbeiten.

Eins ist mir in den ersten Tagen an der CEIBS bereits bewußt geworden: Chinesen denken ganz anders und handeln mitunter auch völlig anders als wir es erwarten würden.

Ich möchte die mir bevorstehenden 17 Monate nutzen, um möglichst viel über das chinesische Wirtschaftsleben zu lernen. Denn das muss -neben meinen chinesischen Sprachkenntnissen- eines der Haupt-Assets sein, was ich vielleicht für entsprechende berufliche Perspektiven in die Waagschale werden möchte.

Zaijian (= auf Wiedersehen) und bis zum nächsten Bericht aus Shanghai!
Sven Schoedel
Wer bin ich und was bezwecke ich mit diesem MBA-Tagebuch?

Mein Name ist Sven Schoedel, ich bin 31 Jahre alt und werde ab Juni 2004 für 17 Monate an dem Vollzeit MBA-Programm der China Europe International Business School (CEIBS) in Shanghai teilnehmen. Ich werde in den kommenden Wochen von Leben und Studium in Shanghai berichten. Ich möchte dabei Einblicke vermitteln, die andere Interessenten bei ihrer Entscheidungsfindung unterstützen können.

Die Stationen meines bisherigen Werdegangs

Zweijährige Banklehre, berufsintegriertes Studium an der Hochschule für Bankwirtschaft (HfB), Frankfurt/M. sowie parallel dazu Tätigkeit für die Commerzbank in den Geschäftsfeldern Private Clients und Corporate Banking (insgesamt acht Jahre bei der Coba) zuletzt mehr als dreieinhalb Jahre Tätigkeit als Consultant für eine große amerikanische Unternehmensberatung in den Bereichen e-Business, Financial Services und Outsourcing.

Warum stellt für mich der MBA - trotz meines bereits erfolgreich absolvierten betriebswirtschaftlichen Studiums - eine ideale Ergänzung für meine weitere Karriere dar?

Der akademische Titel "Diplombetriebswirt (FH)" ist außerhalb Deutschlands nur wenig bekannt. Um im Wettbewerb mit internationalen Spitzenkräften bestehen zu können, benötige ich einen international anerkannten Abschluss. Ein MBA-Programm vermittelt anerkannte Tools und Methodiken bei der Problemlösung in einem immer stärker international und damit komplexer werdenden Umfeld.

Während meines neunmonatigen Auslandssemesters (Studium in Sydney - Praktikum in Singapur) kam ich erstmals mit Chinesen, Malaien, Indern und Koreanern auf der Arbeitsebene in Kontakt. Hierbei wurde mir mehrfach vor Augen geführt, wie essentiell wichtig kulturelles Verständnis für die erfolgreiche Durchführung internationaler Projekte ist.

Bei der Analyse von Business Schools konzentrierte ich mich von Anfang an auf Asien. In dieser Region ist aufgrund von Kostenvorteilen auf der Anbieterseite sowie des Nachholbedarfs auf der Konsumentenseite weiter von einer dynamischen wirtschaftlichen Entwicklung auszugehen. Dies wird zu langfristigem Wachstum führen und in vielfältigen beruflichen Herausforderungen und Möglichkeiten resultieren. Durch einen MBA in China bietet sich die herausragende Chance, schon während des Programms wichtige Erfahrungen in fachlicher, kultureller und persönlicher Richtung zu sammeln. In Verbindung mit wichtigen Kontakten zu ebenfalls aufstrebenden Kommilitonen kann eine wichtige Basis für den erfolgreichen Einstieg in China geschaffen werden. Durch die Bearbeitung von Case Studies aus der Region werden Problembereiche bzw. Herausforderungen sowie Lösungsansätze von asiatischen Unternehmen deutlich.

Die China Europe International Business School besteht seit 10 Jahren und hat trotz dieser recht kurzen Zeit bereits den Sprung unter die Top 50 des FT-Rankings geschafft. Sie wurde als ein Jointventure der Europäischen Union sowie der chinesischen Regierung gegründet. Dadurch sind sowohl die finanzielle und politische Unterstützung sichergestellt. Durch einen Besuch vor Ort konnte ich mir ein Bild von einigen Dozenten und den Studenten machen.

Durch Gespräche mit Vertretern von deutschen Unternehmern vor Ort ergab sich für mich das Bild, dass die CEIBS noch erhebliches Potenzial aufweist, um in den Rankings weiter aufzusteigen. Durch die Absolvierung des MBA-Programms an der CEIBS in Shanghai sollte ich gute Möglichkeiten haben, später in China einen Job zu finden. Ob und inwieweit sich meine Erwartungen erfüllen, darüber -liebe Leserinnen und Leser- werde ich in den nächsten Monaten berichten.
Dieser Artikel ist erschienen am 24.05.2004