Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Superstar vor dem Comeback

Von Axel Postinett und Hans-Peter Siebenhaar
Seit seinen unvergessenen Auftritten bei der RTL-Musik-Show ?Deutschland sucht den Superstar? ist er der wohl bekannteste Musikmanager Deutschlands: Thomas Stein, Ex-Deutschland-Chef der Musiktochter des Gütersloher Bertelsmann-Konzerns. Jetzt ist er wieder da, denn nach zweijähriger Pause übernimmt Stein den Chefsessel beim Berliner Musikproduzenten und Rechtehändler Jack White.
HB DÜSSELDORF. Ein freundlich lächelnder älterer Herr, der so manchen Youngster vor laufender Kamera auch mal knallhart abkanzeln konnte, was das Publikum mit ?Stein raus, Stein raus?-Rufen quittierte, und der Künstlern wie dem ? freundlich formuliert ? umstrittenen Daniel Küblböck eine große Karriere prophezeite. Wenn auch eher als schräger Comedy-Star.Nach zweijähriger Pause übernimmt Stein den Chefsessel beim Berliner Musikproduzenten und Rechtehändler Jack White. Die beiden kennen sich seit 25 Jahren und sie wissen, was sie aneinander haben. ?Für uns ist das ein Sechser im Lotto?, sagte White gestern dem Handelsblatt.

Die besten Jobs von allen

Der 56-jährige Schwabe Stein versteht das Geschäft mit Zahlen und Musik. Bei der damaligen BMG ? heute nach erfolgter Übernahme Sony-BMG ? sorgte er viele Jahre für glänzende Gewinne. Für die Familie Mohn verdiente er mit Gruppen wie ?Wildecker Herzbuben? oder ?Modern Talking? und mit Interpreten wie Heino und Peter Maffay Millionen. ?Die Künstler lieben ihn?, sagt Jack White über Stein. Auf den Partys nach der jährlichen Musikverleihung Echo hingen die jungen Superstar-Kandidaten an seinem Rockzipfel ? was ?Thomas? sagte, war nicht nur Gesetz. Sie mochten ihn.Bereits 1988 hatte er die Geschäftsführung von BMG in München übernommen, drei Jahre später rückte er zum Vorsitzenden der Geschäftsleitung auf. Unter Stein wurde BMG Marktführer in Deutschland. Immer neue Umsatz- und Gewinnrekorde fuhr der Tirol-Fan mit der österreichischen Wahlheimat St. Ulrich ein.Aber wenn die Zahlen nicht mehr stimmen, kann die Bertelsmann-Welt grausam sein. Der loyale Manager, der gestern noch als Tanzpartner von Bertelsmann-Matriarchin Liz Mohn geschätzt wurde, fiel in Ungnade. Er habe ?die Kosten nie in den Griff bekommen?, sagt ein Bertelsmann-Manager. Stein galt als Verlierer.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Ein Bild mit SymbolcharakterDas bekam der stets freundliche Musikfan zu spüren. Als Reinhard Mohn in Gütersloh vor drei Jahren sein Buch verstellte, war auch Stein unter den prominenten Gästen. Als Mitglied der Jury der RTL-Musiktalentshow ?Deutschland sucht den Superstar? richteten sich alle Kameras auf ihn, nicht auf Mohn. Eine heikle Situation. Auf Bitten der Bildjournalisten sollte RTL-Chef Gerhard Zeiler mit ?Superstar? Stein für ein Bild posieren. Der clevere Taktiker Zeiler lehnte dankend ab. Er ahnte schon, dass zu viel Popularität im verschwiegenen Gütersloh nicht geliebt wird. Stein blieb alleine.Ein Bild mit Symbolcharakter. Vor zwei Jahren erklärte er nach internen Streitigkeiten dann seinen Rücktritt. Die Wunden sind noch nicht geheilt. Doch statt sich zu ärgern, bricht Stein schnell zu neuen Ufern auf. Zunächst managed er den jungen Rap-Star ?Eco Fresh?, in dessen erstem Videoclip er auch tanzend im Hintergrund zu sehen ist, und ist Gast in ungezählten Talkshows und Chartsendungen. Im September 2005 wird er in den Aufsichtsrat bei Jack White berufen.Nun wechselt er ins operative Geschäft. Firmengründer White selbst bleibt im Vorstand und wird die Leitung der Musikproduktion übernehmen. Der bisherige Vorstand Klaus Munzert scheidet Ende Januar aus. Mit der Berliner Musik-Company spielt Stein im Vergleich zu BMG in der Kreisliga. Jack White erzielte 2004 gerade mal einen Umsatz von knapp 28 Millionen Euro. Der Gewinn lag bei 2,6 Millionen Euro. Aber zumindest trifft er alte Bekannte wieder. Unter anderem Ex-Superstar Daniel Küblböck. Auch er ist mittlerweile bei BMG ausgeschieden und nun bei Jack White unter Vertrag. Sein erstes Album (?Liebe Nation?) hat er auch schon rausgebracht. Darauf ist der alte Rio-Reiser-Song: ?Wenn ich König von Deutschland wär??.Man soll eben nie aufhören zu träumen.
Thomas Stein1949 Er wird am 28. Februar in Stuttgart geboren. 1982 wird er Geschäftsführer der Teldec in Hamburg und feiert Erfolge mit Falco und Peter Maffay.1988 Stein wechselt als Geschäftsführer zur Bertelsmann-Musiktochter BMG nach München. 1991 wird er BMG-Chef für Deutschland, Österreich und die Schweiz.2001Er wird Präsident von BMG in Europa.2002 Er wird Jurymitglied der RTL-Show ?Superstars?. Ein Jahr später wird er zum BMG-Chef für die deutschsprachigen Gebiete degradiert. 2004 verlässt er BMG.2006 Stein wird am 1. März Vorstandschef des Berliner Musikproduzenten Jack White Productions.
Dieser Artikel ist erschienen am 18.01.2006