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Super-Nanny für den Star

Markus Ridder
Sie sind das Bindeglied zwischen Schauspielern, Musikern, Sportlern und der Werbeindustrie: Celebrity Manager suchen das Gesicht zur Marke und sorgen dafür, dass die Promis bei Laune bleiben.
Sie sind das Bindeglied zwischen Schauspielern, Musikern, Sportlern und der Werbeindustrie: Celebrity Manager suchen das Gesicht zur Marke und sorgen dafür, dass die Promis bei Laune bleiben.

Sven Zander deckt den Tisch. Zweimal Spießchen mit Reis und Gemüse, einmal bunter Salat. Die Spießchen sind für ihn und seinen Chef, der Salat und ein Chardonnay sollen den Promi in Stimmung bringen: Veronika Ferres, Schauspielerin und Werbestar, hat sich in der Hamburger Schule für Schauspiel angesagt. Und Zander weiß, wie man Prominente pampert: "Wenn das Catering stimmt, ist das schon mal die halbe Miete.

Die besten Jobs von allen


Promis passend zum Produkt

Nein, Kellner ist der 28-Jährige nicht - auch wenn er ab und zu in diese Rolle schlüpfen muss. Bedienen und betüteln gehört einfach zum Job eines Celebrity Managers, zu deutsch: Prominentenbetreuers. Bei der Düsseldorfer Agentur Atemlos arbeitet Zander als Mittler zwischen Stars und Werbewirtschaft. Für die Markenindustrie sucht er nach Imageträgern, die die Eigenschaften einer Marke verkörpern und bestimmte Zielgruppen an das Unternehmen binden. Als viertes Promi-Gesicht soll Veronika Ferres das Image des Mobilfunkers O2 beim seriösen Publikum pushen. Ihr Werbekollege Beckenbauer zielt auf Sportinteressierte, Dieter Bohlen auf die Jugend, und Anke Engelke bedient die Comedy-Abteilung. Von Stars wie Ferres wird heute mehr verlangt als ein kurzes Posing am Set für den aktuellen Werbeclip: Sie stehen auch für Events des Unternehmens zur Verfügung. Umso wichtiger wird da die Kompatibilität zwischen Promi und Produkt. "Nicht jeder ist für alles geeignet", erklärt Zander. So erklärte Fußballmanager Rudi Assauer in einem Zeitungsinterview, er hasse Handys. "Damit käme er als Imageträger für ein Unternehmen wie O2 nicht mehr in Frage." Ein Beispiel für eine gelungene Verbindung sei hingegen die Verpflichtung von Harald Schmidt für den Pillendreher Hexal. "Da Schmidt bundesweit als Hypochonder bekannt ist, wirkt sein Einsatz für die Marke 100 Prozent glaubwürdig.

Um den richtigen Star für ein Produkt zu finden, organisiert Zander regelmäßig so genannte Screenings mit potenziellen Kandidaten. "Wir halten ihnen den Spiegel vor und sagen ihnen, für welche Werte sie stehen." Zander sammelt bei der Gelegenheit Infos über die Promis, um später ein Profil erstellen zu können. Auf dieser Basis entscheiden die Big Spender über das neue Gesicht ihrer Marke in der Öffentlichkeit.

Zander hat nicht die schlechtesten Referenzen für seinen Job: An der University of Las Vegas studierte er Kommunikation und Werbung. Während eines Praktikums bei einer US-Werbeagentur lernte er Christian Biedermann kennen, seinen heutigen Chef. Als dieser einen Partner für Atemlos - eine Tochter der Werbeagentur Grey - suchte, griff er auf Zander zurück - Lohn des Networkings. Alltag mit Robbie und Franz

Zander gibt sich locker im blauen Anzug und aufgeknöpftem rosa Hemd. Aber er kennt seine Grenzen. Schließlich erwarten die Stars Diskretion, "vor allem was die Honorare angeht". Dass auch sie nur Menschen sind, lernt ein Celebrity Manager schnell. Mittlerweile bekommt der Endzwanziger keine feuchten Hände mehr, wenn er Veronika Ferres vom Flughafen abholt oder mit Robbie Williams einen trinken geht: "Heute ist das Alltag.

Während Zander, Biedermann und Ferres bei Spießchen und Salat sitzen, wartet eine Etage über ihnen Nachwuchsschauspielerin Doreen. Die 19-Jährige hat bei einem Wettbewerb von O2 und ProSieben ein Schauspiel-Coaching mit Veronika Ferres gewonnen. Nach zwei Stunden Warten wird es unruhig im Proberaum. Kameraleute bringen sich in Position, und zwei große Strahler beschießen Doreen mit grellem Licht. Mit offenem Mund und hochgezogenen Schultern starrt sie auf die Tür.

Ferres tritt ein und begrüßt sie wie eine gute Freundin, während Zander und Biedermann sich hinter den Kameras in den Raum schieben. "Jetzt ist die meiste Arbeit für uns schon getan", flüstert Zander. Vor laufenden Kameras üben Star und Sternchen eine Szene aus dem Ferres-Film über die tödliche Nervenkrankheit ADL. Doreen spielt eine junge Frau, die ihrem Vater sagt, dass sie sterben wird. Doch der Dreh kommt ins Stocken. "Wer spielt den Vater? Wir brauchen einen Mann!", ruft Ferres in die Kulissen. Zander zieht nur kurz die Augenbrauen hoch und tritt vor die Kamera - als Mädchen für alles muss er jetzt ebenso einspringen wie vorhin beim Tischdecken. Ferres drückt ihm ein Manuskript in die Hand und gibt ein Zeichen: Action.

Doreen hat sich gut auf ihre Rolle vorbereitet, und sie ist zweifellos talentiert: "Ich weiß nicht, wie ich es dir sagen soll", schluchzt sie und schaut mit großen, traurigen Augen auf den Celebrity Manager. Es ist mucksmäuschenstill, nur ein paar Kameras schnarren. Zander blättert im Manuskript und legt den Finger auf die Stelle im Text. "Herrgott ... jetzt - red - doch - endlich", leiert er im Stil eines vorlesenden Schülers. Doreen kurz vor dem Zusammensinken: "Ich muss sterben." "Du taugst allenfalls zum Soap-Star", zieht Biedermann hinterher grinsend seinen Mitarbeiter auf. "Auch so eine Fähigkeit, die man für diesen Job braucht", entgegnet Zander trocken. "Du musst die dummen Witze deiner Kollegen ertragen."
Dieser Artikel ist erschienen am 22.03.2005