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Stühlerücken im Mercedes Vorstand

Der bisher für das Lkw- und Bus-Geschäft von Daimler-Chrysler verantwortliche Eckhard Cordes übernimmt zum 1. Oktober die Führung der Mercedes Car Group. Der eigentlich für den Posten vorgesehene Bernhard muss sofort gehen.
HB STUTTGART. Der Aufsichtsrat des Stuttgarter Autokonzerns bestimmte den 53-jährigen ehemaligen Chef-Strategen des deutsch-amerikanischen Automobilkonzerns am Donnerstag zum Vorstand für die lukrativste Sparte des Unternehmens. Der für die Nachfolge des scheidenden ?Mister Mercedes? Jürgen Hubbert ursprünglich vorgesehene Wolfgang Bernhard werde Daimler-Chrysler mit sofortiger Wirkung verlassen, teilte Daimler-Chrysler zudem mit. Nachfolger von Cordes als Chef der Nutzfahrzeug-Sparte wird der bisherige Smart-Geschäftsführer Andreas Renschler, der damit in den Vorstand aufrückt.Cordes hatte 1998 maßgeblich an der Fusion von Daimler-Benz und Chrysler mitgewirkt. Im Jahr 2000 übernahm er die Spitze der Nutzfahrzeug-Sparte, sanierte die US-Lkw-Tochter Freightliner und führte den größten Lkw- und Bus-Hersteller der Welt aus den roten Zahlen. Cordes gilt neben Chrysler-Chef Dieter Zetsche als möglicher Nachfolgern von Vorstandschef Jürgen Schrempp. Der vor kurzem 65 Jahre alt gewordene Hubbert bleibt noch bis April 2005 im Daimler-Chrysler-Vorstand und geht erst dann in den Ruhestand. Bis dahin soll er sich als Leiter des so genannten Executive Automotive Committee um markenübergreifende Pkw-Themen kümmern.

Die besten Jobs von allen

Der 43-Jährige Bernhard, der sich als ?zweiter Mann? hinter Zetsche in den USA einen Ruf als harter Sanierer erworben hatte, hatte sich noch vor seinem Amtsantritt im Mai mit Hubbert sowie mit dem Betriebsrat überworfen und war deshalb wieder abberufen worden. Er wird mit mehreren anderen Autobauern in Verbindung gebracht. Volkswagen hatte angebliche Kontakte mit ihm allerdings dementiert.Smart-Chef Renschler rückt als Chef der Nutzfahrzeug-Sparte in den Vorstand auf. Anders als bei Daimler-Chrysler üblich, ernannte ihn der Aufsichtsrat sofort zum ordentlichen und nicht erst zum stellvertretenden Vorstandsmitglied, befristete seinen Vorstandsvertrag aber zunächst auf drei Jahre. Renschler war in Medienberichten auch als möglicher Hubbert-Nachfolger gehandelt worden. Gleiches galt für den 52-jährigen Ulrich Walker, der nun an Stelle von Renschler die Kleinstwagen-Marke Smart leiten soll. Er war in den vergangenen vier Jahren zweiter Mann beim japanischen Daimler-Chrysler-Partner Mitsubishi Motors. Ende Juni trat er dort zurück, nachdem sich DaimlerChrysler aus der weiteren Finanzierung des Autobauers zurückgezogen hatte. Vor seinem Wechsel nach Japan hatte er das Qualitätsmanagement von DaimlerChrysler geleitet.
Dieser Artikel ist erschienen am 29.07.2004