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Studium, Soft Skills und Auslandserfahrung

Gibt es bestimmte Voraussetzungen, die den Karrieresprung in die erste Führungsebene ermöglichen? Die Personalberater Heidrick & Struggels haben in einer Studie festgestellt, dass neben einem zügigen Hochschulstudium und Auslandserfahrungen, verhandlungssichere Englischkenntnisse verlangt werden. Die sogenannten Soft Skills können zudem zum entscheidenden Karrierefaktor werden.

In dieser Studie wurden die detaillierten Berufsverläufe von 300 Führungskräften der ersten und zweiten Führungsebene (Vorstandsvorsitzende, Vorstände, Geschäftsführer und Direktoren der Geschäftseinheiten) analysiert. Der Schwerpunkt lag dabei auf den Daten des Studiums, des Berufseinstieg und den wichtigsten Karriereschritten

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Insgesamt konnten 94 Prozent der ausgewählten Führungskräfte ein abgeschlossenes Hochschulstudium vorweisen, und 27 Prozent verfügten darüber hinaus über einen Doktortitel oder MBA. Über 70 Prozent derjenigen, die eine Führungsposition im Wirtschaftssektor innehaben, haben ein praxisbezogenes Studium absolviert, entweder im Bereich Betriebswirtschaft oder Ingenieurswissenschaften. Zu den Exoten in der Chefetage zählen mit zwei Prozent sowohl die Geisteswissenschaftler als auch die Juristen.

Bezüglich der Studiendauer stellte sich heraus, dass angehende Führungskräfte in der Regel zügig studieren und mit 10,9 Semestern unter dem Bundesdurchschnitt von 12,2 (1995) liegen.
Doch Franco Parodi, Partner bei Heidrick & Struggles warnt vor übertriebener Eile: ?Gefragt sind Führungspersönlichkeiten und zur Persönlichkeit gehört ganz wesentlich Lebenserfahrung. Stromlinienförmige Karriereristen werden nicht zu erfolgreichen Führungskräften.?

Die Studie ergab auch, dass über 90 Prozent der Führungspositionen über gute bis exzellente Englischkenntnisse verfügen. Während immer mehr Studenten und Berufseinsteiger ihre Sprachkenntnisse durch Studienaufenthalte und Praktika im Ausland ausbauen, können nur 12 Prozent der Führungskräfte über 50 auf solche Erfahrungen verweisen. Bei den 30- bis 39-jährigen können dies bereits 46,5 Prozent. Daher überrascht auch nicht, dass die internationale Mobilität der 30-bis 35-jährigen um 16 Prozent höher ist, als die der 50- bis 54-jährigen Probanden.

Die Untersuchung bestätigt Franco Parodis langjährige Erfahrungen: ?Gerade weil viele Qualifikationen inzwischen ganz selbstverständlich vorausgesetzt werden, spielen die sogenannten Soft Skills bei der Auswahl von Top-Leuten die entscheidende Rolle. Ob es jemand in die Chefetage schafft oder aber im Mittelmanagement hängen bleibt, ist ganz wesentlich auch eine Frage der Soft Skills. Hier zählen vor allem klassische, fast altmodische Werte wie Verbindlichkeit, Sympathie, Souveränität, Selbstsicherheit, aber auch die Fähigkeit zur Selbstkritik.?
Dieser Artikel ist erschienen am 20.02.2004