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Studium auf Pump ebnet den Weg

Von Patrick Mönninghoff, Handelsblatt
Immer mehr Studenten wählen die teurer Ausbildung an einer Privatuni - eine Investition, die sich auszahlt. Dafür nehmen sie Schulden in Kauf. Hochschulen entwickeln inzwischen eigene Finanzierungsmodelle.
Rund 35 000 Euro hat Christine Simone Hauber sich ihr Studium an der renommierten, aber teuren European Business School in Oestrich-Winkel kosten lassen. Viel Geld für eine Studentin. Um ihre Eltern und ihren eigenen Geldbeutel zu entlasten, hat sie daher einen Teil ihres Studium auf Pump finanziert. Eine Investition, die sich auszahlt. Denn dank der Ausbildung an der Elite-Uni arbeitet die 25-Jährige mittlerweile bei einer Frankfurter Investmentbank ? Einstiegsgehalt: um die 50 000 Euro.Mit ihrem Studium auf Pump liegt Hauber voll im Trend. Immer mehr Studenten entscheiden sich für eine Ausbildung an einer Privatuni, vor allem um den überfüllten Hörsälen der staatlichen Hochschulen zu entgehen. Die privaten Unis bieten häufig selbst Finanzierungsmöglichkeiten an. Falls nicht, springen wie bei Hauber Bildungsfonds in die Bresche. Während des Studiums oder bei kostspieligen Auslandspraktika unterstützen die Fonds die Studenten, die wiederum, sobald sie nach dem Abschluss einen Job gefunden haben, über einen vorher festgelegten Zeitraum einen Teil ihres Bruttogehalts an den Fonds zurückzahlen.

Die besten Jobs von allen

Viele angehende Akademiker können sich erst dadurch die teure Ausbildung an den Elite-Schmieden leisten. Dafür profitieren sie später bei der Jobsuche. ?Ich hatte schon vor meinem Abschluss zwei feste Zusagen von Unternehmen in der Tasche?, berichtet Hauber. Auch ihre Kommilitonen hätten kaum Problem gehabt, eine Stelle zu finden. Mit diesen Perspektiven kalkulieren auch die Anbieter der Fonds. ?Wir suchen die Studenten, die wir fördern, genau aus?, sagt Oliver Krieg von dem Finanzdienstleister Career Concept, der sich gänzlich auf die Entwicklung der Bildungsfonds konzentriert hat. Arbeitslosigkeit sei nach dem Studium daher kaum ein Thema. Finanziert werden die Fonds von privaten Investoren, Unternehmen und Stiftungen.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Vergleichbares Modell in Witten/HerdeckeEin vergleichbares Modell existiert auch an der Privatuni Witten/Herdecke. Da ein Studium an der Hochschule rund 15 000 Euro kostet, haben die Studenten selbst vor einigen Jahren ein sozial verträgliches Konzept zu Finanzierung entwickelt: den ?Umgekehrten Generationen-Vertrag?. Danach zahlen 40 Prozent der Studenten keine Gebühren während des Studiums, verpflichten sich aber im Gegenzug, nach ihrem Abschluss acht Jahre lang acht Prozent ihres Brutto-Einkommens an die ?Studierendengesellschaft?, dem Selbstverwaltungsorgan der Wittener Studenten zu überweisen. Die ehemaligen finanzieren somit die aktuellen Studenten und haben damit allein im gerade abgelaufenen Geschäftsjahr rund sieben Prozent der gesamten Erträge der Hochschule beigesteuert.Obwohl derartige Modelle nicht ohne weiteres auf alle deutschen Studenten übertragbar sind, zeigen sie zumindest Alternativen auf. Denn, dass langfristig an allen Unis die Gebühren weiter steigen, wird kaum bestritten.Sogar die Studenten sind offensichtlich von diesen Lösungen überzeugt. ?Unser Modell wurde ohnehin von den Studenten selbst entworfen. Klagen hat es daher auch in der Rückzahlungsphase noch nicht gegeben?, sagt Olaf Kaltenborn, Sprecher der Universität Witten/Herdecke.Auch die ehemalige EBS-Studentin Hauber überweist jeden Monat ohne zu murren einen Teil ihres Gehalts an den Fonds. ?Das System ist absolut fair?, sagt sie. ?Eben ein Modell, von dem alle profitieren.?
Dieser Artikel ist erschienen am 10.11.2004