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Studieren, was der Arbeitsmarkt braucht

Die Fragen stellte Liane Borghardt. Illustration Sabine Kobel, Foto: PR
?Werd Ingenieur, die werden doch gesucht.? Arbeitsmarktexpertin Marion Rang von der Bundesagentur für Arbeit erklärt, warum man solche gut gemeinten Ratschläge selbstbewusst ignorieren sollte.
Verbände jammern über Informatiker- oder Ingenieurmangel, Schulen fehlt es an Lehrern. Geht man auf Nummer sicher, wenn man entsprechende Fächer studiert?

Marion Rang: Eine Nummer sicher gibt es auf dem Arbeitsmarkt nicht. Es ist schwierig, diesbezüglich Prognosen abzugeben. Man kann sich nur die aktuelle Situation anschauen. Wer jetzt etwa im Fach Informatik oder Ingenieurwesen abschließt, hat gute Jobchancen. Bloß, wer jetzt anfängt zu studieren, für den gilt das in fünf Jahren vielleicht nicht mehr. Diese Fächer sind immer wieder Schweinezyklen unterworfen.

Sprich, was heute begehrtes Frischfleisch ist, kann morgen Gammelfleisch sein?

Der Begriff Schweinezyklus stammt aus der Agrarwissenschaft und klingt immer etwas zynisch. Aber der Vergleich passt: Gibt es für einen Beruf große Nachfrage, steigt die Zahl der Studienanfänger. Drängen sie später alle zeitgleich als Absolventen auf den Markt, schreckt das die nachfolgende Abiturienten-Generation ab. So entstehen die extremen Wechsel zwischen Schwemme und Mangel. Dazu kommt, dass man bestimmte Entwicklungen ? etwa den IT-Boom zu Anfang des Jahrtausends ? einfach nicht vorhersehen kann.

Die besten Jobs von allen


Sollte der Arbeitsmarkt bei der Studienwahl also keine Rolle spielen?

Da sollten allein Talente und Interesse zählen. Der Informatik-Freak sollte sich jederzeit für Informatik entscheiden. Aber im Laufe des Studiums kann man einiges tun, um nicht am Markt vorbei zu studieren: Schwerpunkte setzen, Fremdsprachen lernen, Praktika machen. Als Germanist zum Beispiel in der technischen Redaktion.

Sind Geisteswissenschaftler immer noch Sorgenkinder?

Nein. Bei ihnen gibt es zwar nie einen ausgesprochenen Mangel. Aber sie sind flexibel. Wenn sie die richtige Zusatzqualifikation und Persönlichkeit mitbringen, sieht es für sie sehr gut aus.
Dieser Artikel ist erschienen am 03.08.2007