Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Studieren an der Alster

Stefanie von Drahten
Foto: Universität Hamburg
Hamburg ist die Stadt mit dem meisten Regen in ganz Deutschland. Trotzdem leben fast 66.000 Studenten an die Elbe. Sie verteilen sich auf sieben Hochschulen, dazu zählen die Bundeswehr Universität, die Technische Universität, die Kunsthochschule und die Uni Hamburg.
In Hamburg weht eine steife Brise. Und das ist gut so; sonst müssten die Alsterskipper aufs Rudern umsteigen, sonst würde noch mehr Regen auf Hamburg fallen, und den Spaziergängern am Hafen würde kein Elbwasser mehr ins Gesicht spritzen.

Hamburg ist die Stadt mit dem meisten Regen in ganz Deutschland. Trotzdem leben fast 66.000 Studenten an die Elbe. Sie verteilen sich auf sieben Hochschulen, dazu zählen die Bundeswehr Universität, die Technische Universität, die Kunsthochschule und die Uni Hamburg.

Die besten Jobs von allen


Die Hamburger Universität wurde 1919 gegründet und ist mit 36.000 Studenten die fünft größte Deutschlands. Besonderen Ruhm erlangte sie 1968, als zwei Studenten ihren Professoren während des Rektorenwechsels im Audimax ein Transparent entgegenhielten: "Unter den Talaren, Muff von 1000 Jahren". Ein Jahr später zogen die Professoren ihre Talare aus. Heute kommen sie mit Mountainbikes und Jeans zur Vorlesung

Der Campus wird überragt vom "Philturm". In dem 52 Meter hohen, gelben Gebäude aus den siebziger Jahren, studieren die Geistes- und Sprachwissenschaftler. Die fast sechstausend Studenten teilen sich sechs Fahrstühle, die von Kunststudenten vor Jahren mal bunt bemalt worden sind. Es gibt Studierende, die die Massen, die hier jeden Tag hoch und runter fahren, nicht ertragen, und die 13 Stockwerke deswegen lieber zu Fuß gehen, als sich vollgepackte Rucksäcke in den Bauch rammen zu lassen. Fünf verschiedenen Mensen gibt es auf dem Unigelände, in der neuesten Mensa am WiWi-Bunker (Institut der Wirtschaftswissenschaftler) schmeckt's mit Abstand am leckersten. Sechs verschiedene Gerichte gibt es am Tag, davon mindestens zwei vegetarische, und eine große Salatbar - alles aus kontrolliert biologischem Anbau

Student sein in Hamburg ist schön: Die Elbe und die Alster vor der Tür, die Nordsee und Ostsee nur eine Autostunde entfernt und ein großartiges Nachtleben. Das konzentriert sich rund um die Reeperbahn. Auf der geilen Meile, in den Neben- und Seitenstraßen und in den angrenzenden Stadtvierteln sind die nettesten Bars und Kneipen (Bar Rossi, Hefner, Dual, Golden Pudel Klub, Strandperle, Amphore, BP1, Café ohne Name) und tollsten Clubs (Mojo Club, Lounge, Betty Ford Klinik, Kontor).

Das Studentenleben in Hamburg ist aber auch teuer. WG-Zimmer sind mit Abstand die günstigste Bleibe. In den Stadtzeitschriften "Prinz" und "Szene" und an den schwarzen Brettern der Uni werden fast nur Wohnungen in den "üblichen Stadtteilen" gesucht, das sind in Hamburg die Sternschanze, Eimsbüttel, St. Pauli oder Ottensen.

Hamburg ist die reichste Stadt Europas, hier leben die meisten Millionäre Deutschlands. Im Sommer werden Cabrios und Harleys aus den Garagen geholt und um die Alster und an der Elbe spazieren gefahren. Und auch unter den Studenten gibt es den ein oder anderen Krösus. Der reichste Student der Stadt ist Sebastian Greve (200 Quadratmeter-Appartment mit Alsterblick, Mercedes 500), der Sohn des Ehepaars, das unlängst der Universität 60 Millionen Mark gespendet hat. Von dem Geld wurde nicht, wie von den Studierenden erhofft, Bücher angeschafft und neue Dozenten eingestellt, sondern zwei gläserne und chromblitzende Flügelbauten an das alte Universitätsgebäude (1909-11) gebaut. Die Studenten protestierten gegen diese "Geldverschwendung". Seit zwei Jahren ist der erste Flügelbau fertig und die Bibliotheken der Juristen und Kunstgeschichtler sind eingeräumt. Nachdem des Studenten liebstes Café, das "Libresso", eingezogen ist, sitzen hier nun auch ehemalige Gegner des Baus und trinken Milchkaffee und essen Croissants.

Typisch hamburgisch amüsieren sich Studenten nach der Vorlesung im Kino. Gleich um die Ecke vom "Pferdestall" (Institute der Soziologen, Politologen und Journalisten) befindet sich das Abaton-Kino. Mit der meistfrequentierten Buslinie Europas, dem 102er, dauert es vom Campus nur fünf Minuten zum Programm-Kino Metropolis neben der Staatsoper.

Mehr Energie - als im Kinosessel - braucht man beim studentischen Breitensport. In rund 1000 verschiedenen Sportkursen wird Körper- statt Geistesarbeit geleistet. Der charaktersitischste Kurs für Hamburg? Natürlich Segeln. Auf der Alster kann man für ca. 80 Euro den Segelschein machen. Und dabei ist man angewiesen auf die steife Brise, die durch die Stadt weht.

Weitere Infos:
Stadt Hamburg: www.hamburg.de
Uni Hamburg: www.uni-hamburg.de/
Technische Uni: www.tu-harburg.de/
FH Hamburg: www.fh-hamburg.de/
Bucerius-Law-School: www.law-school.de
Bundeswehr-Uni Hamburg: www.unibw-hamburg.de/

Prinz: www.prinz.de/hamburg
Dieser Artikel ist erschienen am 31.05.2001