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Studienabschlüsse

Susanne Herr
Foto: British Tourist Authority
Wer in England studieren will, sollte sich darüber im Klaren sein, welche Studienordnung ihn dort erwartet. Denn deutsche und englische Studienabschlüsse sind kaum vergleichbar.
Wer in England studieren will, sollte sich darüber im Klaren sein, welche Studienordnung ihn dort erwartet. Denn deutsche und englische Studienabschlüsse sind kaum vergleichbar; erst seit kurzem gibt es Bachelor und Master auch bei uns.

Grundsätzlich unterscheidet man in Großbritannien Undergraduate- und Postgraduate-Studien. Um einen Studienplatz als Postgraduate zu erhalten, muss aber zunächst ein guter Undergraduate-Abschluss vorgewiesen werden. Wer als Studienanfänger zum Studium an einer britischen Uni zugelassen wurde, beginnt damit automatisch als Undergraduate. Das Undergraduate-Studium führt entweder zu einem Higher National Diploma oder zu einem ersten akademischen Abschluss als Bachelor. Anders als das deutsche Vordiplom gilt der Bachelor bereits als vollwertiger Studienabschluss.

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Undergraduate-Abschlüsse

Ein Higher National Diploma, das den Berufseinstieg auf der Ebene des Juniormanagements eines Unternehmens ermöglichen soll, hat man schon nach ein- bis zweijährigem Studium in der Tasche. Viele britische Universitäten bieten ihren Studenten an, nach dem Higher National Diploma noch einen Abschluss als Bachelor anzuschließen.

Ohnehin streben die meisten Studenten den Abschluss als Bachelor of Arts (BA) oder als Bachelor of Science (BSc) an. Geistes- und Sozialwissenschaftlicher werden Bachelors of Arts, Naturwissenschaftler Bachelors of Science. Daneben gibt es berufsbezogene Abschlüsse wie den Bachelor of Medicine (MB), den Bachelor of Law (LLB), den Bachelor of Engineering (Beng) oder den Bachelor of Education (Bed).

In Schottland dauert ein Bachelor-Studium durchschnittlich vier Jahre. Dagegen beträgt die Regelstudienzeit in England, Wales und Nordirland drei Jahre. Ausnahmen sind Studiengänge, die Auslandssemester oder längere Praktika erfordern; für diese benötigt man in der Regel vier Jahre. Einige berufsbezogene Studiengänge, wie zum Beispiel Zahn-, Human- und Veterinärmedizin, dauern sogar fünf bis sechs Jahre.

In England, Wales und Nordirland wählen die Studenten ein oder zwei akademische Fächer (single honours / joint honours). Erst seit kurzem ermöglicht es die Modularisierung vieler Studienfächer, mehrere Fächer miteinander zu kombinieren (combined honours). In Schottland ist dies schon immer so üblich. Dort spezialisieren sich die Studenten erst in ihren letzten Studienjahren auf bestimmte Hauptfächer.

Postgraduate-Abschlüsse

Wer nach seinem ersten akademischen Abschluss noch weiter studieren möchte, muss sich entscheiden, ob er lieber eigenständig Forschen oder Lehrveranstaltungen besuchen will. Die Zulassungsvoraussetzungen sind je nach Universität verschieden.

Bei einem Studium zum Master of Philosophy (MPhil) konzentrieren sich die Studenten ganz auf die Forschung. In ihrer thesis, der Abschlussarbeit, müssen sie neuartige Erkenntnisse vorweisen können. Mit Vorlesungen, Übungen und Seminaren verbunden sind dagegen die Abschlüsse Master of Arts (MA) und Master of Science (MSc). Meist gehört aber auch hier eine Forschungsarbeit - die so genannte dissertation - zum Pensum der Studenten.

Neben dem Master of Arts und dem Master of Science zählt der Master of Business Administration (MBA) zu den bekanntesten Studiengängen. Von den anderen Master-Studiengängen unterscheidet sich der MBA dadurch, dass die Studenten als Zulassungsvoraussetzung häufig einige Jahre Berufserfahrung im mittleren Management vorweisen müssen. Außerdem dauert ein MBA-Studium 18 bis 24 Monate, während andere Master-Studiengänge bereits nach einem Jahr abgeschlossen werden können.

Promotion

Zulassungsvoraussetzung für eine Promotion ist meist der erfolgreiche Abschluss eines Master-Studiums. Am weitesten verbreitet ist der Titel Doctor of Philosophy (PhD), für den mindestens drei Jahre Forschungsarbeit benötigt werden. Ein MPhil-Studium kann man sich als erstes Jahr seiner Promotion anrechnen lassen. Eine größere Rolle spielt neben dem PhD nur noch der Doctor of Medicine (MD). Andere Doktortitel, wie zum Beispiel der Doctor of Science (DSc) oder der Doctor of Letters (DLitt), werden nur an etablierte Wissenschaftler in Anerkennung ihres umfangreichen Beitrags zu ihrem Forschungsgebiet verliehen.
Dieser Artikel ist erschienen am 07.11.2001