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Studentenleben für 767 Euro

Von Barbara Gillmann
Wer als Student mehr als 767 Euro im Monat verfügt, darf sich als privilegiert betrachten. So hoch ist die Summe, mit der deutsche Studenten im Schnitt zurecht kommen müssen. Jeder Vierte hat nicht einmal 600 Euro in der Tasche.
Anders herum betrachtet: Knapp drei Viertel der Studenten haben mehr als sie nach Meinung der Richter brauchen ? jeder vierte kann monatlich sogar mehr als 890 Euro ausgeben. Nachzulesen ist all dies in der 17. Sozialerhebung des Studentenwerkes 2003. Die Zahlen beziehen sich auf die zwei Drittel ledigen ?Normalstudenten?, die nicht mehr zu Hause wohnen. Insgesamt sind fünf Prozent der deutschen Studenten verheiratet, sechs Prozent haben bereits Kinder.Größter Ausgabeposten ist ? zumindest im Schnitt ? die Unterkunft, die mit 250 Euro ins Kontor schlägt. Billiger ist ein Platz im Wohnheim, der im Schnitt 180 Euro kostet. Für Auto, Bahn oder Bus kommen circa 86 Euro dazu, für Lernmittel noch einmal 37 Euro.

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Die geplanten Studiengebühren sind hier noch nicht berücksichtigt. Bei 500 Euro pro Semester ? mehr wollen die Länder vorerst nicht verlangen ? wären es 83 Euro zusätzlich pro Monat.Die wichtigsten Finanziers künftiger Akademiker sind die Eltern, die neun von zehn Studenten unterstützen. Im Durchschnitt beträgt der elterliche Zuschuss 435 Euro proMonat. Zwei von drei Studenten verdienen selbst dazu - im Schnitt 325 Euro. Ihr durchschnittlicher Stundenlohn liegt bei zehn Euro. Seit Beginn der achtziger Jahre wurden die Nebentätigkeiten immer wichtiger, erst seit 2000 ist der Anteil des selbst verdienten Einkommens wieder von 30 auf 26 Prozent gesunken. Bafög kassieren mittlerweile wieder 27 Prozent der Studenten ? im Schnitt 325 Euro. Private Darlehen oder einen KfW-Bildungskredit bezieht jeweils nur jeder 100. Student.Kinder aus Akademikerfamilien dominieren die Hörsäle mehr denn je. Fast jeder zweite Student hat heute zumindest ein Elternteil mit Diplom. Der Anteil derer, deren Eltern maximal Facharbeiter sind, ist dagegen auf 28 Prozent gesunken. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Studien-Chancen von Kindern, die nicht den gehobenen Schichten entstammen, durchgängig schlechter geworden sind. Nach der Sozialerhebung ist in der untersten sozialen Schicht der Anteil der Kinder, die studieren, durchaus gestiegen, wenn auch nur auf 11 Prozent. Bei den ?mittleren? Schichten ist er jedoch drastisch von fast 50% auf ein knappes Drittel gesunken.
Dieser Artikel ist erschienen am 11.04.2005