Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Stuart Rose muss mit Rückschlägen leben

Von Felix Schönauer, Handelsblatt
Selbst der Tag seines bislang größten Triumphes als Chef von Marks & Spencer endete für ihn nicht ungetrübt. Er arbeite "so hart wie in seinem ganzen Leben nicht", und doch befindet sich der 56-Jährige Rose auf einem mehrjährigen Himmelfahrtskommando.
LONDON. Da geriet fast ein wenig in Vergessenheit, dass Rose sein Hauptversprechen gegenüber den eigenen Aktionären gerade eingelöst hatte: Der Kurs von M&S lag zeitweise über der anvisierten Vier-Pfund-Marke.Rose arbeitet seit Mai vergangenen Jahres bei M&S. Und es gab wohl auch Zeiten, wo er das Engagement bei einer der führenden Modeketten Englands im Nachhinein bereute. Er selbst sagt: ?Ich arbeite so hart, wie ich in meinem ganzen Leben noch nicht gearbeitet habe.?

Die besten Jobs von allen

Und wirklich, der Mann befindet sich auf einem mehrjährigen Himmelfahrtskommando. Als der heute 56-Jährige antrat, brannte es lichterloh. Der exzentrische Milliardär Philip Green hatte den Aktionären ein Übernahmeangebot von vier Pfund je Anteilsschein vorgelegt. Und die nach Jahren des schlechten Managements, fallender Marktanteile und leerer Versprechungen frustrierten Investoren waren drauf und dran, die Offerte zu akzeptieren.Doch dann kam Rose an die Spitze. Er löste den schwachen Roger Holmes ab. Dem neuen Chef half seine Glaubwürdigkeit als Krisenmanager sowie die Tatsache, dass er Green sehr gut kennt, um die Übernahme abzuwehren.Ende 2000 hatte der energische Rose einen ähnlich aufreibenden Job übernommen. Er musste eine Firma namens Arcadia mit Schulden von mehr als 250 Millionen Pfund wieder in die Erfolgsspur bringen. Ihm gelang dies in weniger als zwei Jahren. Am Ende verkaufte er Arcadia für 885 Millionen Pfund ? an einen gewissen Philip Green. Rose selbst verdiente an dem Geschäft 25 Millionen Pfund. Wenn also jemand wusste, wie man mit dem Angreifer Green umgeht, dann Rose.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Und er wusste, wie er mit ihm umgeht.So war es auch. Der Sohn eines Staatsbeamten wehrte die feindliche Übernahme ab, indem er seinen Aktionären mehr Geld ausschüttete und Verbesserungen versprach. Und er wollte sich daran messen lassen, ob er den Aktienkurs auf über vier Pfund bringen kann. Das hat er ? zumindest zeitweise ? geschafft.Leicht war das nicht. Er musste den halben Vorstand hinauskegeln und mehr als 600 Jobs streichen. Er musste Verträge mit Zulieferern neu verhandeln und die Kollektionen radikal verkleinern. Und er musste selbst immer wieder in die Filialen gehen, um das Erscheinungsbild der Läden zu überprüfen.Dem in Yorkshire aufgewachsenen und in einer religiösen Quäker-Schule ausgebildeten Rose half, dass er M&S seit seinem Karrierestart kennt. 1972 beginnt er als Trainee und bleibt 17 Jahre. Später macht er Abstecher in die Branche. Er geht 1989 zum Modekonzern Burton Group. Knapp zehn Jahre später bekommt er den Top-Job beim Versandhaus Argos. Ihm gelingt es, das Unternehmen teurer als ursprünglich geplant zu verkaufen. Später organisiert er als Chef des Großmarkts Booker die Fusion mit dem Supermarkt Iceland.Die aktuelle Herausforderung bei M&S sieht Rose selbst noch nicht als bewältigt an. ?Beurteilt uns in drei Monaten?, sagte er den Analysten, die über seine bisherige Leistung ins Schwärmen gerieten.Der britische Markt ist so hart wie seit Jahren nicht mehr, denn die Verbraucher geben ihr Geld gezielter aus als früher. Die erwarteten Rabatt-Wellen im Weihnachtsgeschäft lassen noch keine Prognose zu. Zudem verlor Rose seinen Vertrauten, IT-Direktor Charles Wilson, nach monatelangen Machtkämpfen um die Position des Chairmans.Dennoch: Seit Dienstag hat er die Zweifler zumindest zeitweise ruhig gestellt.
Dieser Artikel ist erschienen am 13.10.2005