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Strippen ziehen

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Insider-Infos fließen, Karrieren werden eingestielt, einflussreiche Posten zugeschanzt. Fünf erfolgreiche junge Netzwerker aus Wirtschaft, Wissenschaft, Medien und Politik verraten, wie sie sich verdrahten, um ihr Ding voranzutreiben. Warum Charity-Zirkel um Popstars wie Geldof, Grönemeyer und Co. schwer en vogue sind, erzählt die deutsche R&B-Queen Joy Denalane.

Kontakte fürs Leben: Internetaddressen

Sie sind Macher, sie wollen was bewegen, sie brennen für ihre Sache - ob im Unternehmen, an der Uni oder im Web, für Europa oder gegen die Armut: Finanzchef Michael Krause, 30, OpenBC-Gründer Lars Hinrichs, 29, Medienmacherin Katharina Borchert, 33, Uni-Präsident Stephan Jansen, 35, der politische Berater Christoph Gottschalk, 29, und UN-Sonderbotschafterin Joy Denalane, 33. Ihr Patentrezept für den Erfolg heißt Networking

Ohne die richtigen Verbindungen zu den richtigen Leuten wäre keiner der sechs da, wo er heute steht. Ihr Vitamin B allerdings hat viele Formen. Michael Krause, Finanzchef Versandhandel bei KarstadtQuelle, hat am eigenen Leib erlebt, wie beste Beziehungen das Berufsleben beflügeln - und weiß jetzt, warum die Hälfte aller zu besetzenden Positionen über persönliche Kontakte vergeben wird. Der gelernte Industriekaufmann und studierte Betriebswirt profitierte bei seinem Aufstieg nicht nur vom Rotationsprinzip deutscher Industriegiganten wie Bayer und Siemens, sondern geriet dazu mit Karriere-Preisen und Sonderprojekten ins Blickfeld der Topmanager von Klaus Kleinfeld bis Thomas Middelhoff

Die besten Jobs von allen


Wer allerdings nur nach oben schielt, wird es bald bereuen. Die Missachtung informeller Netzwerke zählt nicht umsonst zu den fünf größten Karrierekillern. Laufbahnen werden durchaus beim Mittagessen oder auf dem Golfplatz beschlossen - und begraben. Immer an den Rockschößen der Chefs hängen? Muss gar nicht sein. Engagement und Expertise sprechen sich oft viel weiter rum. "Mein Engagement für Europa bekam irgendwann Eigendynamik", erzählt Christoph Gottschalk. Neben Abi und Studium wurde der deutsche Europa-Delegierte und spätere Präsident des europäischen Jugendparlaments mit 26 Jahren jüngster und einziger deutscher Berater des damaligen französischen Regierungschefs Jean-Pierre Raffarin. "Eine unglaubliche Zeit, in der ich mich öfter zwicken musste, um sicherzugehen, dass ich nicht träume." (siehe Porträt unten)

Zu den Zirkeln der Macht öffnen mitunter auch Mentoren die Türen. Das hat Stephan Jansen erlebt. Der jüngste deutsche Hochschulpräsident verdankt seinen Karrierekick Förderern wie Firmenlenker August Oetker und seinem Professor, Birger Priddat, von der Uni Witten-Herdecke. Die beiden halfen ihm, "den Grundstein für meine wissenschaftliche Karriere zu legen". Aus seinen Forschungsergebnissen wurde ein Lehrbuch, es folgten Gastdozenturen an den renommiertesten Hochschulen der Welt, schließlich ein eigener Lehrstuhl, bis Jansen der Rektorenposten an der neuen Zeppelin University in Friedrichshafen angeboten wurde. Kurvenreicher lief es für Blogger-Pionierin Katharina Borchert, bevor sie nach zehn Jahren aktiver Beziehungspflege im Web für den Chefsessel des Online-Bereichs bei der WAZ-Zeitungsgruppe empfohlen wurde. Die Tochter von Ex-Landwirtschaftsminister Jochen Borchert schwört bis heute auf die Mischung von Off- und Online-Networking. Beides funktioniert nur mit Leidenschaft. "Wer jeden lustigen Mailverkehr und jedes gesellige Essen als Pflichtübung ansieht, für den wird's schwierig", warnt sie (siehe Porträt unten).

Als Kletterhilfe nach oben erweisen sich häufig eben doch Umwege oder Seitenpfade. Kein Wunder, dass Internet-Netze wie StudiVZ, wo schon 500.000 Studenten eingeschrieben sind, oder OpenBC boomen. Denn das Web beschert Verdrahtung mit Mehrwert: Statt nackter Namen und Adressen sieht man, wie Leute in Beziehung zueinander stehen. "Das große Potenzial liegt in Kontakten zu Leuten, die man um die Ecke kennt", ist sich Lars Hinrichs sicher. Der 29-jährige Gründer von OpenBC hat sein Business-Netz gerade in Xing umbenannt, um künftig auch in China durchzustarten (siehe Porträt unten).

Globales Networking nutzt nicht nur der eigenen Karriere. Für den guten Zweck bringen sich zurzeit immer mehr Popstars wie die deutsche R&B-Sängerin Joy Denalane als Vorturner für die Massen in weltumspannende Charity-Netzwerke ein (siehe Interview S. 58). Ob Promi-Zirkel, elitäre Managerrunde oder Mediengang, ob on- oder offline - für alle Netzwerker gilt Christoph Gottschalks Erkenntnis aus dem Beratercorps des französischen Premiers: "Vertrauen ist die Grundlage jeder Verbindung. Wer es missbraucht, ist als Kontakt für immer gestorben. Networking ist keine Einbahnstraße: Es ist ein Geben und Nehmen. Wer nur abcheckt, wo der eigene Vorteil liegt, steht bald alleine da."?

Claudia Obmann

"Ich kenn da einen, der kennt einen..."
Lars Hinrichs, 29, Gründer des Online-Business-Netzwerks OpenBC, das jetzt unter dem Namen Xing firmiert

Warum kaufen sich alle von heute auf morgen Tamagotchis? Warum sind plötzlich Hush Puppies in Mode? Ich war 2003 auf Reisen in Mexiko und auf Kuba, las gerade "The Tipping Point" von Malcom Gladwell, der beschreibt, wie sich Trends verbreiten, und sinnierte über neue Geschäftsideen. Dann fiel mir die Studie "Six Degrees of Separation" in die Hände, die belegt, dass jeder jeden über sechs Ecken kennt. Bei der Lektüre ging mir auf, dass ich ein typischer "Connector" bin: Ich habe immer gerne Leute miteinander bekannt gemacht.

Das große Geschäftspotenzial liegt nicht in den Leuten, die man schon kennt, sondern in denen, die man um eine Ecke kennt. Ich dachte, eine Online-Business-Community gründen, das wär's. Im Unterschied zum E-Mail-Adressbuch nämlich bietet das Internet einen entscheidenden Mehrwert: Man sieht, wie die Leute in Beziehung zueinander stehen. Ich schrieb zuerst mein gesamtes Outlook-Verzeichnis mit 2.000 Adressen an: Ihr müsst jetzt bitte alle Mitglied bei OpenBC werden. In einer konzertierten Aktion haben wir dann weitere Leute eingeladen, zu einem Monatsbeitrag von 5,95 Euro. Dank des Schneeballeffekts sind wir jetzt in der 34. Generation von Mitgliedern (ich war die nullte) mit über 1,5 Millionen Netzwerkern, die meisten aus Europa und China. Internationale Kontakte werden immer wichtiger: Firmen können Jobs an jemanden in China, England oder Deutschland vergeben. Und wir alle arbeiten künftig projektorientierter. Vom Tischler bis zum PC-Lieferant gehören bei uns alle zum Netzwerk. Vor drei Jahren habe ich als Gründer allein im Wohnzimmer angefangen, jetzt habe ich 45 Mitarbeiter. Es ist die Community, die dem Unternehmen diesen Erfolg beschert.?

Protokoll: Liane Borghardt

"Sichtbar sein für Entscheider"
Michael Krause, 30, Finanzchef Versandhandel bei KarstadtQuelle

Ohne Networking wäre ich nicht da, wo ich heute bin. Schon meinen Berufseinstieg 1995 als Trainee bei Bayer verdanke ich dem Tipp eines Lehrers. Auch das Durchlaufen von Abteilungen im In- und Ausland dient dazu, Kontakte zu knüpfen: Es sollen Führungskräfte rauskommen, die einen Konzern wie ihre Westentasche kennen und optimal verdrahtet sind. Ich fing damit während meiner Industriekaufmannslehre und dem begleitenden FH-Studium an, meldete mich bei den Ausbildern für Sonderprojekte und suchte mir Abteilungsleiter als Mentoren. Als ich 1998 dann den MBA in England draufsattelte, habe ich meine Projekte im Betrieb behalten, auch, um nicht aus dem Blickfeld der Entscheider zu verschwinden.

Mit 23 war ich bei Bayer leitender kaufmännischer Mitarbeiter, als ein Headhunter anklopfte. Der bot mir einen Sanierungsposten beim Siemens-Energiebereich an mit der Option, in die Geschäftsleitung aufzurücken. Nach Projekten in Brasilien und Nürnberg habe ich zwei Jahre ein Joint Venture in Kroatien, später ein Werk in Lissabon geleitet und parallel zwei Werksrestrukturierungen in Deutschland gestemmt. Dieser Erfolg unter den Augen der Top-Entscheider führte dazu, dass ich im Frühjahr 2005 mit 28 Jahren zum kaufmännischen Leiter des Transformatorbereichs mit weltweiter Verantwortung aufstieg. Das passiert nicht jeden Tag bei Siemens. Es war aber auch ein Prüfstein für mein Netzwerk.

Klar gibt es Ausfälle. Aber es zeigte sich auch: Je länger sich eine Vertrauensbeziehung entwickeln kann, umso belastbarer ist sie. Ein Jahr arbeitete ich noch bei Siemens und gewann zwei Management-Nachwuchspreise, was mir McKinsey-Deutschland-Chef Jürgen Kluge als wichtigen Mentor bescherte. Nach der Preisverleihung "Karriere des Jahres" wechselte ich zu KarstadtQuelle. Als neuer Finanzchef des Versandhandels muss ich mein Netz weiterspinnen. Neben den Arbeitskontakten gehe ich mit Kollegen was trinken, spiele Golf mit ihnen, demnächst kicke ich bei den Fußballern mit. Wichtig ist mir der menschliche Faktor der Beziehungspflege: Einigen Ex-Kollegen bei Bayer schicke ich heute noch Karten. Wie viele Kontakte ich habe, weiß ich gar nicht - aber die wichtigsten habe ich immer im Kopf.

Protokoll: Claudia Obmann

"Gemeinsame Arbeit verbindet ungemein"
Christoph Gottschalk, 29, jüngster und einziger deutscher Berater des französischen Ex-Premiers Jean-Pierre Raffarin Alles fing mit meinem Faible für Europa an. In der Oberstufe bewarb ich mich mit Schulkameraden fürs Europäische Jugendparlament, zu zehnt zogen wir ins Parlament in Oxford ein. Während meiner Studien in Tübingen und Berlin saß ich in Ausschüssen und arbeitete mich bis zum Parlamentspräsidenten hoch. Ich leitete Debatten, suchte Sponsoren, löste Konflikte. Dabei lernte ich Leute über Leute kennen, die sich wie ich für Europa stark machten. Zum 40. Jahrestag des Elysée-Vertrages organisierte ich für das deutsch-französische Jugendwerk ein Treffen der damaligen Staatschefs Gerhard Schröder und Jacques Chirac mit 500 Jugendlichen.

Im April 2003 steckte mir dann eine Freundin aus dem Beraterstab des französischen Premierministers Jean-Pierre Raffarin, dass ihr Chef einen jungen Deutschen mit großem Europa-Engagement als Berater sucht. "Schick doch mal deinen Lebenslauf", forderte sie mich auf. Dann kam der Hammer: Raffarin berief mich, den gerade mal 26-jährigen Pimpf, tatsächlich. Von da an musste ich in Sachen Netzwerkarbeit den Turbo einlegen, das war eine andere Liga. Ich fragte die zehn bedeutendsten Leute, welche 20 Personen ich kennen müsste und fing mit der Schnittmenge an. Natürlich half mir das Medienecho - auf einmal wollten die Leute mich kennen lernen. Mit der gescheiterten Volksabstimmung zur europäischen Verfassung und dem Rücktritt Raffarins kam das abrupte Ende einer unglaublichen Zeit. Seit einem Jahr bin ich zurück in Berlin. Es gab etliche Angebote von Unternehmen und Organisationen, aber ich gönne mir eine Auszeit, um zu überlegen, was ich für meine Zukunft will. Auch dabei hilft mir mein Netzwerk. Wenn ich mich entschieden habe, informiere ich die wichtigsten Personen. Handschriftlich nicht, dafür ist mein Adressbuch zu dick. Aber Ex-Premier Raffarin bekommt auf jeden Fall einen persönlichen Brief von mir

Protokoll: Claudia Obmann

"Parallel online und offline netzwerken"

Katharina Borchert alias Lyssa, 33, Bloggerin aus Leidenschaft und jetzt Online-Chefin der WAZ-Gruppe
Das Internet habe ich früh zum Netzwerken genutzt, erst mal gar nicht für berufliche Zwecke. 1996 trafen sich die ersten Chatter in Hamburger Cafés - da bin ich hin, um zu sehen, wie die Leute so sind, mit denen man sich im Web austauscht. In der Endphase meines Jura-Studiums Anfang 2002 habe ich zur Ablenkung nächtliche Streifzüge durchs Internet gemacht, entdeckte die ersten Weblogs in den USA und war fasziniert: Wow, dachte ich, das will ich auch! Auf einmal konnte ich einer unsichtbaren Öffentlichkeit meine Alltagsbeobachtungen schildern und umgekehrt Einblick ins Leben von Menschen bekommen, die ich sonst nie getroffen hätte. Etwa in das einer mormonischen Mutter von sechs Kindern. Ich hatte Glück und schnell eine größere Zahl von treuen Lesern. Ab 2003 kamen die ersten Interviewanfragen, ein kleines Magazin druckte einen Text von mir

Dann gewann ich den Blog-Preis der Zeit und ein Redakteur mailte mir, dass er meine Texte großartig fände. Er verschaffte mir den ersten Auftrag: 35.000 Zeichen über Blogs für die Schweizer Weltwoche. Weitere Anfragen großer Zeitungen folgten. Parallel besuchte ich Blog- und Technologie-Konferenzen, wo viele Journalisten herumliefen. Also ein paralleles Online-, Offline-Netzwerken. Wer jeden lustigen Mailverkehr und jedes gesellige Essen als Pflicht ansieht, für den ist das schwierig. Aber generell ist das sicher der beste Weg. Natürlich kommt dabei nicht sofort etwas herum: Ich habe viel umsonst geschrieben für hochgeistige Literaturmagazine oder auf Charity-Veranstaltungen vorgelesen. Einfach, weil mir die Leute sympathisch waren und ich die Projekte gut fand. Man muss erst etwas ins Netzwerk einbringen, bevor man etwas zurückbekommt. So unterhielt sich ein Unternehmensentwickler der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung mit einem meiner Medienkontakte über die Online-Aktivitäten der Zeitungsgruppe. Mein Bekannter sagte: "Eine Freundin von mir in Hamburg macht ganz viel mit Internet, ruf die doch mal an." Mit dem Ergebnis, dass ich dem Chefredakteur und dem Personalchef ein Konzept präsentierte, wie die WAZ sich meiner Meinung nach zeitgemäßer im Netz darstellt. Sechs Wochen später saß ich als Online-Chefin in Essen

Protokoll: Liane Borghardt

"Beschäftige dich mit großen Themen - und große Leute werden auf dich aufmerksam"
Stephan Jansen, 35, jüngster Universitätspräsident Deutschlands
Ich bin weder von meinem Elternhaus mit wichtigen Kontakten ausgestattet, noch war ich jemals bei institutionellen Netzwerken wie Rotaract, ich golfe auch nicht ... An der Uni Witten-Herdecke habe ich mich zwischen all den vielen Kindern reicher Eltern erst mal so fehl am Platze gefühlt, dass ich mein Wirtschaftsstudium nach zwei Semestern hinwerfen wollte. Glücklicherweise hat mir das eine Freundin ausgeredet. Stattdessen ging ich für ein Semester nach Japan, nur aus Interesse. Zum ersten Mal tat ich etwas Unkonventionelles und sammelte anschließend gleich 90.000 Mark für eine weitere Forschungsreise bei Firmensponsoren ein! Ich merkte auf einmal: Alles ist möglich, wenn man für eine Sache brennt und hart arbeitet. Zur gleichen Zeit habe ich mich für ein Praktikum bei Dr. Oetker beworben. Nicht etwa im Marketing, sondern für einen Knochenjob in der Produktion, Puddingpulver mischen. Einen BWLer am Fließband fand man im Unternehmen so außergewöhnlich, dass in der Werkshalle das Telefon ging: Geschäftsführer Dr. August Oetker wollte mich kennen lernen. Von da ab trafen wir uns jeden Freitag in seinem Büro, sprachen über meine Beobachtungen. Oetker wurde mein Mentor

Später, nach einem Beraterpraktikum bei Booz Allen, moderierte ich einen Zukunftsworkshop für das Familienunternehmen. Und stellte fest: Veränderungen begleiten, das ist mein Ding. Bei Mannesmann verfasste ich ein Handbuch zu Fusionen und Übernahmen, mein Professor, Birger Priddat, schickte das Manuskript an den Gabler-Verlag. Daraus wurde mein erstes Lehrbuch. Damit hatte ich das Thema "Mergers & Acquisitions" besetzt, zog später an der Uni Witten das gleichnamige Institut auf. Die Uni Harvard veröffentlichte meine Studie zur Fusion von Daimler-Benz und Chrysler, Gastdozenturen in Harvard und Stanford folgten - der Grundstein für meine wissenschaftliche Karriere. Mit 31 Jahren wurde ich gefragt, ob ich Gründungsrektor der privaten Zeppelin University in Friedrichshafen werden wolle. Mein Wittener Professor, Priddat, bewarb sich als Erster bei mir auf einen Lehrstuhl! Netzwerke kann man aus meiner Erfahrung nicht gründen, sondern man wird reingebeten. Die Themen, die mich faszinieren, waren immer so hoch aufgehängt, dass einflussreiche Leute aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik auf mich aufmerksam geworden sind

Protokoll: Liane Borghardt


Kontakte fürs Leben
Schulfreunde - www.stayfriends.de: Mit fast 4,5 Millionen eingetragenen Ehemaligen an 72.000 Schulen ist Stayfriends Deutschlands größtes Portal für alte und junge Schulfreunde, die Kontakt halten wollen. Studenten - www.studivz.net: Vom Erstsemester bis zum Doktoranden tummeln sich hier rund 500.000 Studis verschiedener Universitäten, um sich fachlich und privat auszutauschen.
Businesspartner - www.linkedin.com: Das auf Geschäftsleute fokussierte Portal ist das größte internationale Business-Netz. Zu seinen elitären Nutzern zählen Wirtschaftsbosse wie Software-Milliardär Bill Gates oder Ebay-Gründer Pierre Omidyar.
Frühstücker - www.fruehstuckstreff.org : Niemals alleine essen, lautet die Devise versierter Netzwerker. Wer für sonntags nette Begleitung sucht, kann sich in 50 Städten zum gemeinsamen Frühstück verabreden.
Neugierige - www.myspace.com: Das große amerikanische Netzwerk gibt's inzwischen auch in deutscher Sprache. Im 100 Millionen Mitglieder starken Zirkel veröffentlichen Onliner ihre persönlichen Profile, kontakten einander, laden neue Songs und Videos herunter und führen öffentliche Online-Tagebücher.
Freizeitpartner - www.new-in-town.de: Wer wegen eines Jobwechsels neu in eine Stadt zieht, findet hier die passenden Freizeitpartner, von A wie Angeln bis Z wie Zoobesuch.
Promis - www.asmallworld.net: Hier netzwerkt nur, wer von einem der rund 128.000 Mitglieder eingeladen wird. Registriert sind unter anderem Naomi Campbell, Paris Hilton und James Blunt.
Geschäftsfrauen - www.global-dinner-network.com: Frauen, die Restaurantbesuche nutzen, um sich beim Essen mit gleichgesinnten Geschlechtsgenossinnen auszutauschen, werden hier weltweit fündig.
Schönlinge - www.beautifulpeople.net: Traummaße, lange Mähne und ebenmäßige Gesichtszüge? Dann stehen die Chancen gut, in die Community der bislang rund 1.000 Schönen aufgenommen zu werden. Der persönliche IQ spielt beim Casting von neuen weiblichen oder männlichen Mitgliedern übrigens keine Rolle ...
Nachtschwärmer - www.nachtagenten.de: Eine der größten Nightlife-Communitys in Deutschland, die Events auftut und mitsamt Fotos dokumentiert. Registrierte Partypeople hinterlegen ihre Profile und tauschen sich in Chats und Foren aus


Vorturner für den guten Zweck

Die UN-Kampagne Voices against Poverty will die Armut auf dieser Welt bekämpfen. An der jüngsten Aktion des globalen Netzwerks "Aufstehen für mehr soziale Gerechtigkeit" haben sich Hunderttausende Menschen beteiligt - unterstützt von Popstars wie Shakira und Lenny Kravitz. Deutschlands Botschafterin der Initiative ist Rhythm&Blues-Sängerin Joy Denalane.

Netzwerken für die gute Sache scheint unter Künstlern schwer in zu sein. Erst Bob Geldofs Live 8, dann Peter Gabriels Witness-Projekt zur Wahrung der Menschenrechte. Nun setzen Sie sich für die UN-Millenniumcampaign ein. Warum?
Ich will dafür sorgen, dass es auf dieser Welt mehr soziale Gerechtigkeit gibt. Dazu müssen die Regierungschefs der reichen Länder ihre im Jahr 2000 gegebenen Zusagen einhalten.

Aber Sie treten mit Ihrer Kampagne nicht an die Regierungschefs heran, sondern an die breiten Massen ...
Ja. Wir wollen ein Bewusstsein dafür schaffen, dass jeder Einzelne von uns Verantwortung dafür trägt, dass diese Versprechen eingelöst werden.

Was können Sie erreichen, das andere vielleicht nicht schaffen?
Promis haben nun mal eine ganz andere mediale Durchschlagskraft. Wir erreichen auch die Aufmerksamkeit vor allem junger Leute, denen Politik egal ist.

Früher haben sich einflussreiche Leute in Rotary- oder Lions-Clubs engagiert, um im Stillen Gutes zu bewirken. Warum müssen heute Stars mit viel Tamtam vorneweg laufen?
Weil die Aufgaben, um die es geht, so groß sind, dass ganze Massen notwendig sind, um gemeinsam etwas Fundamentales zu bewegen. Berühmte Leute verbinden und aktivieren Fans auf der ganzen Welt.

Ist das also der Networking-Weg des 21. Jahrhunderts, um Dinge ins Rollen zu bringen?
Wie weit wir kommen, muss sich zeigen, immerhin ist der Anfang gemacht

Die Fragen stellte Claudia Obmann
Dieser Artikel ist erschienen am 29.11.2006