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Streng geheim

Einen flüchtigen Blick kann ich erhaschen, dann ist der Wagen, der durch die Flure des Elektronikcenters bei Audi fährt, schon wieder um die Ecke gebogen. "Den hättest du eigentlich gar nicht sehen dürfen", raunt mir Georg Schleuter, der junge Ingenieur, den ich begleite, zu. Tatsächlich rollte da nicht irgendein Auto vorbei, sondern der geheime Q7.
Michael Roeske, 20 Jahre: Traumberuf Automobilingenieur

Einen flüchtigen Blick kann ich erhaschen, dann ist der Wagen, der durch die Flure des Elektronikcenters bei Audi fährt, schon wieder um die Ecke gebogen. "Den hättest du eigentlich gar nicht sehen dürfen", raunt mir Georg Schleuter, der junge Ingenieur, den ich begleite, zu. Tatsächlich rollte da nicht irgendein Auto vorbei, sondern der Q7, ein neues Modell, das erst auf der Frankfurter IAA vorgestellt wird und vorher eigentlich streng geheim ist.

Mein Herz klopft. Das ist es, denke ich. Genau dafür beneide ich Georg Schleuter um seinen Job. Wenn ein Modell auf dem Markt ist, arbeiten die Entwickler schon am nächsten. Man tüftelt Dinge aus, auf die noch keiner gekommen ist.
Ausbildung: FH- oder Uni-Studium Maschinenbau, Elektrotechnik, Fahrzeugtechnik, Mechatronik oder Wirtschaftsingenieurwesen, duales Studium möglich
Gehalt: 44.000 - 49.000 Euro/Jahr (Trainees), 50.000 - 55.000 Euro/Jahr (Direkteinsteiger)
Chancen: Sehr gut. Derzeit werden junge Automobilingenieure händeringend gesucht. Fremdsprachen und Wirtschaftskenntnisse erhöhen die Aufstiegschancen.
"Die meisten Innovationen gibt es zurzeit in der Elektronik", sagt Schleuter und erklärt mir, dass moderne Autos mit immer mehr Sensoren ausgestattet sind. Intelligente Rückspiegel zum Beispiel reagieren auf blendende Scheinwerfer und klappen von selber um. Ganz neu sind Radarsensoren, die den toten Winkel scannen und den Fahrer auf annähernde Fahrzeuge aufmerksam machen, oder Laser, die die Bodenbeschaffenheit abtasten und auf Aquaplaning, Eis oder Schotter reagieren.

Die besten Jobs von allen


Wie solche Finessen zur Verbesserung von Sicherheit und Fahrkomfort entstehen, kann ich in einer großen Halle sehen. Hier summt und piept es überall, weil an den Versuchsaufbauten ständig irgendwelche Tests ablaufen. An einer Station ist der komplette Elektronikschaltkreis des Audi A6 - vom Blinker bis zur Klimaanlage - installiert. Drei Jahre hat allein die Entwicklung eines kleinen Bedienelements für die Klimaanlage gedauert. Viel Liebe zum Detail steckt dahinter. Aber auch langwierige Abstimmungsprozesse mit anderen Abteilungen. Autos bauen ist wie Babys großziehen, denke ich mir. Schön, aber anstrengend

"Ingenieure sind an allem beteiligt", weiß Georg Schleuter, "nicht nur als Entwickler, sondern auch als Projektmanager." Er selbst hat nach dem Wirtschaftsingenieurstudium als Trainee bei Audi angefangen und durchläuft jetzt erst mal mehrere Abteilungen. Aber schon jetzt weiß er, wo er später landen will: in der Elektronik-Entwicklung. "Mein absoluter Traumjob", erzählt er mit glänzenden Augen. Frickeln, Tüfteln, Neues erfinden - es gibt nichts Schöneres für ihn, den "Infotainment-Freak", wie er sich selber nennt. Auch ich wäre nach diesem Tag am liebsten gleich bei Audi geblieben. Doch wer weiß, vielleicht bleibt alles kein Traum: Denn Automobilingenieur werden möchte ich nun auf jeden Fall.

Dieser Artikel ist erschienen am 02.09.2005