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Streit um Koch-Weser

In Berlin sorgte der Einstieg Caio Koch-Wesers bei der Deutschen Bank erneut für eine Debatte um Interessenskonflikte beim Wechsel von Politikern in die Wirtschaft. Der frühere Staatssekretär im Finanzministerium wechselt ins Management des größten deutschen Geldhauses.
egl/fmd/mm HB FRANKFURT. Die Deutsche Bank ist bei der Personalsuche in der Politik fündig geworden: Der frühere Staatssekretär im Finanzministerium Caio Koch-Weser wechselt ins Management des größten deutschen Geldhauses. Der 61-Jährige soll ab März als Vice Chairman von London aus die Führungsspitze der Bank beraten.Koch-Weser gilt als erfahrener Experte für die weltweiten Finanzmärkte. Bis 2005 arbeitete er als Staatssekretär im Bundesfinanzministerium unter Minister Hans Eichel (SPD). Dort war er für internationale Finanzpolitik, europäische Wirtschafts- und Finanzbeziehungen sowie den Bereich Geld und Kredit zuständig.

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In Berlin sorgte der Einstieg Koch-Wesers bei der Deutschen Bank erneut für eine Debatte um Interessenskonflikte beim Wechsel von Politikern in die Wirtschaft (siehe Kasten). ?Für mich hat das natürlich einen Beigeschmack?, sagte Otto Bernhardt, finanzpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Koch-Weser komme aus dem Herzen des Finanzministeriums, das auch Entscheidungen der Deutschen Bank stark beeinflusst habe. Es stelle sich generell die Frage, ?ob Politiker in einen Bereich wechseln dürften, für den sie vorher die Verantwortung getragen haben?.Koch-Wesers Abteilung im Finanzministerium war unter anderem für die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht und damit für die Bankenkontrolle zuständig. Das Ministerium spielte beispielsweise eine wichtige Rolle bei der Entscheidung, ob das 2003 von der Deutschen Bank neu eingeführte Führungsmodell mit dem deutschen Recht vereinbar ist. Das Geldhaus hatte kurz vor dem Amtsantritt von Vorstandssprecher Josef Ackermann nach angelsächsischem Vorbild ein so genanntes Group Executive Comitee eingeführt, das die Verantwortung für das operative Geschäft vom Vorstand übernahm.Neben der Kritik aus der CDU waren in Berlin aber auch verständnisvollere Stimmen zu hören. ?Man kann einem ehemaligen Staatssekretär nicht untersagen, so ein Amt anzunehmen?, sagte Christine Scheel, von den Grünen. Die Finanzexpertin hält eine ?gewisse Durchlässigkeit? zwischen Wirtschaft und Politik für wichtig.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Umfassende Erfahrungen in Regierungsangelegenheiten Koch-Weser verfüge über umfassende Erfahrungen in Regierungsangelegenheiten und der globalen Wirtschaft", rechtfertigte Bank-Chef Ackermann die Berufung des Beraters. Der Ex-Staatssekretär soll direkt an Ackermann berichten. Außerdem soll der neue Vice Chairman Kunden der Bank in strategischen sowie wirtschaftlichen Fragen zur Verfügung stehen und das Institut bei wichtigen internationalen Instituten und öffentlichen Foren vertreten.Für diese Aufgaben scheint Koch-Weser tatsächlich eine gute Wahl zu sein. National und international verfügt der in Brasilien geborene Volkswirt über exzellente Kontakte in Wirtschaft und Politik. 25 Jahre war Koch-Weser bei der Weltbank tätig, zuletzt als einer von vier geschäftsführenden Direktoren. Der Vater von drei Kindern gilt als erfahrener Diplomat und spricht neben seinen beiden Muttersprachen Portugiesisch und Deutsch auch Englisch, Französisch, Chinesisch und Spanisch.In den vergangenen Jahren hatte die Karriere des parteilosen aber SPD-nahen Politikers allerdings einige Dämpfer bekommen. So sollte er auf Vorschlag des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder den Chefposten beim Internationalen Währungsfonds übernehmen, doch die Berufung scheiterte am Veto der USA. IWF-Chef wurde stattdessen der jetzige Bundespräsident Horst Köhler.2004 wurde Koch-Weber als Nachfolger des zurückgetretenen Bundesbank-Präsidenten Ernst Welteke gehandelt. Doch auch diesen Posten bekam er nicht. Bundesbankchef wurde stattdessen überraschend der Wirtschaftsprofessor Axel Weber.Ärger beim WechselPolitiker: Caio Koch-Weser ist nicht der erste Politiker, der in die Wirtschaft wechselt. Doch oft sorgt die neue Karriere für Ärger. Zuletzt geriet der neue Job von Ex-Kanzler Gerhard Schröder bei der Pipeline-Gesellschaft NEGP in die Kritik. Auch der Wechsel des ehemaligen bayerischen Wirtschaftsministers Otto Wiesheu zur Deutschen Bahn sorgte für Unmut.Notenbanker: Nicht nur Politiker, auch Notenbanker suchen den Wechsel. So stieg Ex-Bundesbankpräsident Karl Otto Pöhl bei der Privatbank Sal. Oppenheim ein. Hans Tietmeyer, einer von Pöhls Nachfolgern, sitzt im Aufsichtsrat der Privatbank Hauck & Aufhäuser.
Dieser Artikel ist erschienen am 23.01.2006