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Stratege wird Chef bei Adobe

Von Jens Koenen
Shantanu Narayen mag es kurz und knackig. Gespräche mit ihm dauern deutlich kürzer, als man glaubt. Seine Mitarbeiter beim Softwareunternehmen Adobe wissen das längst. "Shantanu ist unglaublich präzise und genau?, beschreibt ein Mitarbeiter den gebürtigen Inder. Eigenschaften, die er in seinem neuen Amt gut gebrauchen kann.
Shantanu Narayen wird neuer Adobe-Chef.
FRANKFURT. Das alles sind Eigenschaften, die er in seinem neuen Amt gut gebrauchen kann. Narayen wird Anfang kommenden Monats den Chefsessel bei Adobe besetzen. Sein Vorgänger Bruce Chizen (52), will nach sieben Jahren an der Spitze in den Board wechseln. Das kam überraschend, nicht aber völlig unerwartet. Wer Chizen kennt, weiß, dass er großen Wert auf das Privatleben und seine Familie legt. "Ich bin an einem Punkt angekommen, an dem ich zurücktreten und darüber nachdenken möchte, was ich mit dem nächsten Abschnitt meines Lebens mache?, sagte Chizen gestern.Für Adobe ist es ein gleitender Übergang. Narayen gilt als engster Vertrauter von Chizen. Zusammen machten sie die Übernahme von Macromedia im Jahr 2005 fix, für Adobe der Auftakt zum Wandel in einen der führenden Anbieter für Technologien, der Anwendungen für das Internet entwickelt.

Die besten Jobs von allen

Die Strategie trägt die Handschrift von Narayen und soll deshalb auch nicht geändert werden. Vor seinem Eintritt bei Adobe im Jahr 1988 war er Mitgründer einer Firma namens Pictra. Ihr Spezialgebiet: der Tausch von digitalen Fotos über das Internet. Erfahrungen, die er hier sammelte, nutzte er bei Adobe. "Das Thema Technologieplattform war immer unser Anliegen?, hatte Narayen vor wenigen Wochen dem Handelsblatt erklärt.Narayen gilt als Pragmatiker. Zu internen Treffen kommt er schon mal direkt aus dem Flieger in Turnschuhen und Jeans. Seine Autorität durch einen Business-Dress herzustellen, das hat der 44-Jährige nicht nötig. "Shantanu kennt die Themen und Technologien. Er ist ein Stratege. Das reicht, um bei den Mitarbeitern anerkannt zu sein?, berichtet einer seiner Mitarbeiter. Und sollte eine schwierige Situation doch mal mehr erfordern, hat der Inder noch ein Ass im Ärmel: seinen staubtrockenen Humor und eine gehörige Portion Selbstironie.
Dieser Artikel ist erschienen am 14.11.2007